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Broker, Order und Routing, was nach dem Klick auf Kaufen passiert
Zwischen deinem Klick und der Aktie im Depot liegen fünf Stationen, und die ersten vier davon sind in Sekundenbruchteilen vorbei. Dieser Teil zeigt, was der Broker dabei wirklich tut, wie deine Order an einen Handelsplatz kommt und an welcher Stelle du selbst entscheidest.
Grundlage
Warum du nicht selbst an die Börse kannst
Stell dir ein Auktionshaus vor, in dem nur geprüfte Bieter im Saal sitzen dürfen. Wer von draußen mitbieten will, gibt seinen Auftrag einem der Zugelassenen und lässt ihn für sich bieten. An einer Wertpapierbörse ist es genauso.
Am Handel an einem Platz wie Xetra nehmen ausschließlich zugelassene Handelsteilnehmer teil, also Banken, Wertpapierhandelshäuser und Broker. Wer dazugehören will, muss Eigenkapital vorhalten, seine Technik anbinden und jede Order melden können. Diese Teilnehmer und die Regeln zwischen ihnen sind es, woraus eine Börse besteht.
Du als Privatanleger erfüllst diese Anforderungen nicht und musst es auch nicht. Du brauchst nur einen, der sie erfüllt. Genau das ist der Broker oder die Depotbank.
Er ist damit dein technischer Zugang zum Markt. Im beratungsfreien Geschäft prüft er nicht, ob der Kauf zu deiner Lage passt. Er prüft, ob du das Produkt vom Typ her verstehst und ob dein Konto gedeckt ist, und führt dann aus, was du beauftragt hast.
Kernkonzept
Was in einer Ordermaske steht
Eine Ordermaske sieht bei jedem Anbieter etwas anders aus, verlangt aber überall dieselben sechs Angaben. Sie sind zusammen der vollständige Auftrag, mehr braucht der Broker nicht.
Die wichtigste davon ist die eindeutige Kennung des Wertpapiers. Namen ähneln sich, Kennnummern nicht. Die ISIN ist die zwölfstellige internationale Kennnummer, die WKN die sechsstellige deutsche Kurzform. Beide zeigen auf genau ein Papier.
Diese sechs Angaben macht jede Order:
- Das Wertpapier, sauber über ISIN oder WKN, nicht über den Namen.
- Die Richtung, also kaufen oder verkaufen.
- Die Menge, meist als Stückzahl, bei manchen Anbietern auch als Betrag in Euro.
- Den Handelsplatz, an dem ausgeführt werden soll.
- Den Ordertyp, also mit oder ohne Preisgrenze.
- Die Gültigkeit, also wie lange der Auftrag im Orderbuch liegen bleiben darf.
Praxisbeispiel
Wie die Order von Jonas durch das System läuft
Jonas, 34, will 100 Aktien der Kavaro Interactive AG kaufen, eines erfundenen Unternehmens, an dem sich die Mechanik sauber zeigen lässt. Er gibt um 10:14 Uhr die ISIN ein, wählt Xetra, trägt 100 Stück ein, verzichtet auf eine Preisgrenze und lässt die Order tagesgültig. Auf dem Bildschirm steht ein Briefkurs von 40,02 Euro.
Sein Broker prüft in dem Moment drei Dinge. Liegen auf dem Verrechnungskonto die rund 4.002 Euro plus Gebühr bereit, ist das Papier über den gewählten Platz handelbar, und ist der Ordertyp für dieses Konto freigegeben. Erst danach geht die Order raus.
Am Handelsplatz landet sie im Orderbuch und trifft dort auf die günstigste Verkaufsseite, also auf den Briefkurs von 40,02 Euro. Die 100 Stück werden ausgeführt, und aus dem Abschluss entsteht der neue angezeigte Kurs. Wie aus zwei Aufträgen ein Preis wird, zeigt der Teil zum Orderbuch und zur Kursentstehung im Detail.
Von der Weiterleitung bis zur Ausführung vergehen Sekundenbruchteile. Die Abrechnung folgt am selben Tag, geliefert und bezahlt wird zwei Bankarbeitstage später. Der Preis aber steht mit der Ausführung fest und ändert sich in diesen zwei Tagen nicht mehr.

Routing
Wer entscheidet, wohin deine Order geht
Routing ist das Weiterleiten deiner Order an einen Ausführungsort. Bei den meisten Brokern steht dieser Ort als Auswahlfeld in der Maske, und damit entscheidest du. Bei einigen Anbietern gibt es nur einen einzigen Partnerplatz, dann ist die Entscheidung schon getroffen, bevor du die Maske öffnest.
Unabhängig davon muss jeder Wertpapierdienstleister Ausführungsgrundsätze festlegen und offenlegen, nach denen er Kundenaufträge weiterleitet. Diese Bestausführungspflicht und viele Einzelfragen des Wertpapiergeschäfts beschreibt die BaFin für Verbraucher.
Bestausführung heißt allerdings nicht, dass du im Einzelfall den besten Kurs am Markt bekommst. Sie verpflichtet zu einem festgelegten Verfahren, das Preis, Kosten, Geschwindigkeit und die Wahrscheinlichkeit der Ausführung zusammen gewichtet. Für dich als Anleger ist das eine Prozessgarantie, keine Preisgarantie.
Wie sich die deutschen Handelsplätze in Handelszeit, Liquidität und Kosten unterscheiden, ist ein eigenes Thema in dieser Reihe. Für den Moment reicht, dass der Ort eine bewusste Wahl ist.
Rollen
Der Broker kauft dir nichts ab
Ein verbreitetes Bild ist, dass der Broker die Aktie besitzt und sie dir verkauft. Das trifft im Normalfall nicht zu. Er handelt im Kommissionsgeschäft, also im eigenen Namen für deine Rechnung. Er sucht die Gegenseite, er ist sie nicht.
Deshalb steht auf deiner Abrechnung ein Kurs, der aus dem Markt kommt, und daneben eine Gebühr für die Ausführung. Beides ist getrennt ausgewiesen, weil es zwei verschiedene Dinge sind, nämlich der Preis des Papiers und der Preis der Dienstleistung.
Es gibt eine Ausnahme, und die heißt Festpreisgeschäft, im Alltag oft Direkthandel. Dort ist die Bank oder ein Emittent selbst deine Gegenseite und nennt dir einen festen Preis, zu dem du zugreifen kannst oder nicht. Eine Ordergebühr fehlt dann meist, die Vergütung steckt im Preis. Erkennen kannst du es an der Abrechnung, dort steht eines der beiden Wörter.
Für den Geldfluss ändert das nichts an der größeren Frage, wohin dein Geld überhaupt geht. Beim Kauf einer bereits notierten Aktie fließt es an den Verkäufer und nicht an das Unternehmen, wie der Teil zu Primär- und Sekundärmarkt zeigt.
Verwahrung
Wo deine Aktie danach liegt
Nach der Abwicklung erscheint die Position im Depot. Das Depot ist ein Verzeichnis, kein Tresor. Physische Papiere gibt es praktisch nicht mehr, stattdessen liegt der gesamte Bestand einer Gattung in einer zentralen Sammelverwahrung, und du hältst daran einen Miteigentumsanteil.
Das ist der Grund, warum verwahrte Wertpapiere nicht zum Vermögen deines Brokers gehören. Sie sind dir zugeordnet und bleiben es auch dann, wenn der Broker selbst in Schwierigkeiten gerät. Wie diese Kette aus Depotbank und Zentralverwahrer aufgebaut ist und wo der Anlegerschutz genau greift, gehört in ein eigenes Modul dieser Reihe.
Praktisch relevant ist das beim Wechsel. Ein Depotübertrag bewegt die Anteile zu einem anderen Institut, ohne dass du verkaufst und neu kaufst. Worauf beim Führen und Wechseln eines Depots zu achten ist, hat die Verbraucherzentrale zusammengestellt.
Zeitfenster
Was passiert, wenn der Markt geschlossen ist
Der Referenzmarkt Xetra handelt an Werktagen von 9:00 bis 17:30 Uhr. Gibst du deine Order um 22 Uhr auf, wird sie dort nicht mehr ausgeführt. Je nach Broker liegt sie dann bis zur nächsten Eröffnung oder geht an einen Platz, der länger geöffnet hat.
Der erste Preis des Tages entsteht nicht im fortlaufenden Handel, sondern in einer Eröffnungsauktion, in der alle bis dahin eingegangenen Aufträge zu einem einzigen Kurs zusammengeführt werden. Wie eine solche Auktion rechnet, schauen wir uns später in dieser Reihe an.
Bleibt eine tagesgültige Order bis zum Handelsschluss unausgeführt, verfällt sie. Das ist keine Ablehnung, sondern schlicht das Ende der Gültigkeit. Wer sie weiter im Buch haben will, gibt sie am nächsten Tag erneut auf oder wählt von vornherein eine längere Gültigkeit.
In den Randzeiten ist außerdem die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs regelmäßig weiter als am Vormittag, weil weniger Aufträge im Buch liegen. Was diese Spanne genau ist und was sie kostet, ist das Thema des nächsten Teils.
Häufige Fehler
Was beim Aufgeben einer Order oft schiefgeht
Die meisten teuren Momente in der Ordermaske entstehen nicht durch eine falsche Einschätzung des Unternehmens, sondern durch ein Feld, das niemand angeschaut hat. Fünf Muster tauchen besonders oft auf.
Diese Fehler kosten am ehesten Geld:
- Den voreingestellten Handelsplatz stehen lassen. Abends landet die Order dann an einem Platz mit deutlich weiterer Spanne, und das kostet bei 5.000 Euro Ordervolumen schnell 30 bis 70 Euro mehr als am Referenzmarkt.
- Nach Betrag statt nach Stückzahl ordern und sich über die krumme Menge wundern. Bei Einzelaktien geht das nur, wenn der Broker Bruchstücke führt, sonst wird abgerundet.
- Am Wochenende kaufen wollen. Der Auftrag wird angenommen, ausgeführt wird er frühestens zur nächsten Eröffnung, und bis dahin kann der Kurs woanders stehen.
- Eine ausgeführte Order noch streichen wollen. Streichen lässt sich nur, was offen im Orderbuch liegt. Ein Abschluss ist verbindlich, auch wenn er zwei Sekunden alt ist.
- Das Verrechnungskonto knapp halten. Reicht die Deckung samt Gebühr nicht, weist der Broker die Order ab, bevor sie überhaupt den Handelsplatz erreicht.
Entscheidungshilfe
Wie du die Ordermaske ausfüllst
Du musst keine Handelsplatz-Statistik führen, um vernünftig zu ordern. Es reicht, die vier Felder bewusst zu setzen, die tatsächlich etwas verändern. Die folgenden Fälle decken den Alltag ab.
So gehst du die Felder durch:
- Wenn du das Papier heraussuchst, kopiere die ISIN aus einer verlässlichen Quelle. Ähnliche Namen führen sonst auf ein anderes Wertpapier desselben Emittenten.
- Wenn du während der Xetra-Zeit handelst, ist der Referenzmarkt meist die naheliegende Wahl, weil dort die meisten Aufträge im Buch liegen.
- Wenn du abends oder am Wochenende handeln willst, schau dir vorher Kauf- und Verkaufskurs am dann geöffneten Platz an und entscheide danach, ob es warten kann.
- Wenn dir der Preis wichtiger ist als die schnelle Ausführung, setze eine Preisgrenze statt einer Order ohne Limit.
- Wenn nichts passiert, prüfe zuerst die Gültigkeit und den Status der Order, bevor du einen zweiten Auftrag aufgibst. Sonst kaufst du am Ende doppelt.
Einordnung
Der Weg steht, jetzt kommt der Preis
Du weißt jetzt, wer deine Order weiterleitet, wo sie landet und wie lange es dauert, bis dir die Stücke gehören. Damit ist die Röhre beschrieben, durch die jeder Kauf und jeder Verkauf läuft.
Was in dieser Röhre noch fehlt, ist der Preis. Auf deinem Bildschirm steht nicht eine Zahl, sondern zwei, ein Kauf- und ein Verkaufskurs, und zwischen ihnen liegt eine Spanne, die du in beide Richtungen bezahlst. Dazu kommt die Frage, wie viele Stücke hinter dem besten Preis überhaupt liegen.
Genau darum geht es im nächsten Teil. Er nimmt das Orderbuch noch einmal auseinander, diesmal nicht der Reihe nach, sondern in die Tiefe.
Häufige Fragen
- Brauche ich für den Kauf einer Aktie einen eigenen Zugang zur Börse?
- Nein. Du brauchst ein Wertpapierdepot bei einem Broker oder einer Bank. Der Zugang zur Börse liegt bei diesem Institut, es leitet deine Order als zugelassener Handelsteilnehmer weiter.
- Kann ich eine aufgegebene Order noch zurücknehmen?
- Solange sie unausgeführt im Orderbuch liegt, ja. Sobald sie ganz oder teilweise ausgeführt ist, ist dieser Teil verbindlich abgeschlossen und lässt sich nur durch ein Gegengeschäft rückgängig machen, also durch einen neuen Auftrag zum dann gültigen Kurs.
- Warum steht die Aktie schon im Depot, obwohl die Abwicklung zwei Tage dauert?
- Viele Broker zeigen die Position direkt nach der Ausführung an, weil der Abschluss verbindlich ist. Die tatsächliche Lieferung gegen Zahlung folgt zwei Bankarbeitstage später. Am Preis und an deinem Anspruch ändert das nichts.
Quellen & weiterführende Links
Nächster Schritt
Sehen, was übers Jahr wirklich in den Markt geht
Jede Order beginnt auf einem Verrechnungskonto, und dort steht am Ende auch, wie viel du in einem Jahr tatsächlich eingezahlt hast. Portora führt deine Konten und Buchungen an einer Stelle zusammen und zeigt Ein- und Auszahlungen über frei wählbare Zeiträume, sodass du die Summe siehst und nicht nur die einzelne Abrechnung.
Funktionen ansehenVom Wissen in die Anwendung
Wenn du die Einordnung auf deine eigene Lage anwenden willst, findest du in Portora den direkten Einstieg.
Wissen schafft Orientierung. Der nächste Schritt bleibt die Registrierung oder der Blick in die passende Produktseite.