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Aktien & BörseTeil 15 von 17

Deutsche Handelsplätze im Vergleich, Xetra, Tradegate BSX, gettex und die Regionalbörsen

In der Ordermaske steht ein Auswahlfeld mit acht bis zwölf Einträgen, und die wenigsten davon sind dasselbe. Hinter den Namen stecken zwei verschiedene Bauarten von Markt, dazu eine Zeile, die gar keine Börse ist. Dieser Teil sortiert die Liste.

Portora Redaktion13 Min LesezeitAktualisiert

Zwei Bauarten

Der Saal und der Tresen

Stell dir zwei Wege vor, einen gebrauchten Wagen loszuwerden. Im ersten sitzen dreißig Interessenten in einem Saal, jeder ruft, was er zahlen würde, und der Wagen geht an das höchste Gebot. Im zweiten fährst du zu einem Händler, der dir zwei Zahlen nennt, eine für den Ankauf und eine für den Verkauf, und du nimmst sie oder lässt es.

Beides ist ein Markt, und in beiden Fällen wechselt der Wagen den Besitzer. Der Preis entsteht nur auf verschiedenen Wegen. Im Saal entsteht er aus dem, was die Anwesenden bereit sind zu tun. Beim Händler entsteht er in dessen Kopf, bevor du überhaupt da bist.

Genau diese beiden Bauarten stehen in deiner Ordermaske nebeneinander, ohne dass die Liste es kennzeichnet. Xetra ist der Saal. An Tradegate BSX, an gettex und an der LS Exchange steht der Händler am Tresen. Wie aus zwei Aufträgen im offenen Buch ein Kurs wird, zeigt der Teil zum Orderbuch und zur Kursentstehung.

Ganz trennscharf ist das Bild nicht, und der Vorbehalt gehört dazu. Ein Orderbuch führen auch die Tresen-Plätze, und zwei Kundenaufträge können sich dort durchaus direkt treffen. Die Tiefe darin stammt nur überwiegend von dem einen, der laufend quotiert. Wer dieser Marktteilnehmer ist, warum er das freiwillig tut und woran er verdient, kommt im nächsten Teil dieser Reihe. Hier geht es zuerst darum, die beiden Bauarten überhaupt auseinanderzuhalten, denn davon hängt ab, was dein Kurs auf dem Bildschirm eigentlich ist.

Die Auswahlliste

Drei Sorten Eintrag, die gleich aussehen

Die Handelsplatz-Liste deines Brokers mischt drei Dinge, die rechtlich und mechanisch nicht dasselbe sind. Am oberen Ende stehen Börsen mit offenem Orderbuch, also Xetra. Darunter Börsen, an denen ein einzelner Marktteilnehmer laufend Kurse stellt, also Tradegate BSX, gettex, die LS Exchange und die Systeme der Regionalbörsen. Und irgendwo dazwischen steht eine Zeile, die Direkthandel heißt oder den Namen einer Bank trägt, und die ist gar keine Börse.

Der Unterschied klingt nach Formalie, hat aber eine handfeste Folge. Jede Börse in Deutschland muss nach Paragraf 7 des Börsengesetzes eine Handelsüberwachungsstelle als eigenes Organ betreiben, die den Handel und die Abwicklung überwacht und der Börsenaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes berichtet. Diese Stelle prüft auch, ob ein offensichtlich falscher Preis zustande gekommen ist, und die Börsengeschäftsführung entscheidet dann über die Aufhebung des Geschäfts.

Diese Regel gibt es, weil an einem Marktplatz mit vielen Teilnehmern niemand einzeln kontrollieren kann, ob die Gegenseite sauber gehandelt hat. Im außerbörslichen Direkthandel gibt es diese Instanz nicht. Dort gilt, was in den Geschäftsbedingungen deines Handelspartners steht, und dessen Mistrade-Klausel ist ein Vertrag zwischen euch beiden.

Für den Alltag heißt das nicht, dass Direkthandel schlecht ist. Er ist oft schnell und ohne zusätzliches Entgelt der Börse. Es heißt nur, dass du dort einen anderen Rückhalt hast, und das steht nirgends im Auswahlfeld.

Ob ein Eintrag eine Börse ist, erkennst du meist am Namen des Trägers in den Ausführungsgrundsätzen deines Brokers, nicht in der Ordermaske.

Der Vergleich

Fünf Plätze nebeneinander

Die folgenden fünf decken den weitaus größten Teil dessen ab, was ein deutscher Privatanleger tatsächlich anklickt. Xetra und die Börse Frankfurt gehören beide zur Frankfurter Wertpapierbörse, arbeiten aber verschieden. Tradegate BSX ist seit dem 1. Januar 2026 der einzige Berliner Börsenplatz, nachdem die Tradegate Exchange und die Börse Berlin zusammengegangen sind, wie die Börsenaufsicht des Landes Berlin festhält.

Nicht in der Tabelle stehen die übrigen Regionalbörsen, also Stuttgart, Düsseldorf, Hannover und München mit ihren eigenen Systemen. Sie gehören alle auf die rechte Seite der Tabelle, denn sie haben lange geöffnet und es steht dort jemand, der laufend Kurse stellt oder das Buch betreut. Ob dieser Jemand ein Market Maker ist oder ein Handelsexperte wie an der Börse Stuttgart, ändert für dich beim Ordern zunächst wenig. Stuttgart ist von den Regionalbörsen die größte und im Handel mit Hebelprodukten führend.

Handelszeiten, Marktmodell und Entgelte der fünf Plätze, die in deutschen Ordermasken am häufigsten stehen.

XetraBörse FrankfurtTradegate BSXgettexLS Exchange
TrägerinFrankfurter WertpapierbörseFrankfurter WertpapierbörseTradegate Exchange GmbH und Börse Berlin AGBörse MünchenBörse Hamburg
Handelszeit9:00 bis 17:30, für Privatanleger zusätzlich 8:00 bis 8:55 und 17:30 bis 22:008:00 bis 22:007:30 bis 22:007:30 bis 23:007:30 bis 23:00
Wie der Preis entstehtoffenes Orderbuch aller TeilnehmerSpezialist führt das Buch und stellt KurseMarket Maker stellt laufend Kauf- und VerkaufskurseMarket Maker stellt laufend Kauf- und VerkaufskurseMarket Maker stellt laufend Kauf- und Verkaufskurse
Wer die Gegenseite istein anderer Marktteilnehmerein anderer Marktteilnehmer oder der Spezialistin der Regel die Tradegate AGin der Regel die Baader Bankin der Regel Lang und Schwarz
Was der Platz selbst berechnetTransaktionsentgelt der BörseEntgelt je nach Segmentfür Privatanleger nichtsfür Privatanleger nichtsfür Privatanleger nichts
Wofür er im Alltag stehtTiefe im Buch während der KernzeitNebenwerte, Fonds, Anleihen, Zertifikatebreites Universum, lange Zeitenlange Zeiten, entgeltfreilange Zeiten, entgeltfrei
Abweichungen je Gattung: Bei Tradegate BSX endet der Anleihehandel um 20:00 Uhr, an der Börse Frankfurt um 17:30 Uhr, bei gettex laufen Zertifikate von 8:00 bis 22:00 Uhr. Was dein Broker zusätzlich zum Entgelt des Platzes berechnet, ist eine eigene Zeile auf der Abrechnung und Thema eines eigenen Teils dieser Reihe.

Quelle: Angaben der Handelsplätze selbst, Stand August 2026.

Praxisbeispiel

Dieselben 100 Aktien, zwei Uhrzeiten

Tobias, 41, will 100 Aktien der Kavaro Interactive AG kaufen, eines erfundenen Unternehmens, an dem sich die Mechanik ohne realen Kurs zeigen lässt. Der letzte Kurs steht bei 40,00 Euro, es geht also um rund 4.000 Euro. Er hat zwei Gelegenheiten, an denen er dazu kommt, einmal in der Mittagspause und einmal nach dem Abendessen.

Um 11:20 Uhr sieht er an Xetra einen Geldkurs von 39,98 und einen Briefkurs von 40,02 Euro. Die Spanne beträgt 4 Cent, also 0,10 Prozent. Allein auf der ersten Briefstufe liegen 1.800 Stück, seine 100 gehen dort vollständig weg, ohne dass der Kurs eine Stufe weiterrutscht.

Um 20:40 Uhr ist der Xetra-Kernhandel seit drei Stunden vorbei. An Tradegate BSX stehen jetzt 39,94 zu 40,06 Euro, die Spanne ist mit 12 Cent dreimal so weit. Über die halbe Spanne zahlt er beim Kauf am Vormittag rund 2 Euro, am Abend rund 6 Euro. Vier Euro Unterschied für dieselbe Handlung, auf 4.000 Euro Einsatz ein Zehntel Prozent.

Vier Euro sind kein Drama, und das gehört dazugesagt. Wer zweimal im Jahr kauft und danach zehn Jahre hält, wird diesen Betrag nie wiedersehen. Wer stattdessen 40.000 Euro bewegt oder jede Woche eine Order aufgibt, bekommt aus demselben Zehntel Prozent eine Zahl, die er auf dem Konto sieht.

Und der Effekt hängt am Papier. Bei der Norddeutschen Werkstoff AG, dem illiquiden Nebenwert im selben Beispiel, liegt die Spanne schon zur besten Handelszeit bei rund 1,5 Prozent, und im Buch stehen je Stufe nur ein paar hundert Stück. Dort verschiebt die Platzwahl nicht ein Zehntel Prozent, sondern ein bis zwei ganze.

Schematisches Beispiel, fiktive Aktie. Kein realer Kurs.

Neu seit Dezember 2025

Warum Xetra jetzt Randzeiten hat und was dort anders läuft

Der Satz, Xetra sei nur von 9:00 bis 17:30 Uhr geöffnet, stimmt seit dem 1. Dezember 2025 nicht mehr vollständig. Die Deutsche Börse hat einen Früh- und einen Späthandel für Privatanleger eingeführt, von 8:00 bis 8:55 Uhr und von 17:30 bis 22:00 Uhr. Die Zeiten aller Phasen führt die Deutsche Börse in ihrem Handelskalender auf.

Der Grund dafür ist keine Bequemlichkeit, sondern eine Zeitzone. Die US-Börsen handeln sechseinhalb Stunden, und ein deutscher Anleger konnte davon bisher nur den Anfang an einem regulierten deutschen Platz begleiten. Mit dem Späthandel bis 22:00 Uhr liegt die gesamte amerikanische Sitzung im Fenster.

Mechanisch ist die Randzeit aber nicht einfach mehr vom selben. Institutionelle Aufträge und Quotes nehmen an diesem Service ausdrücklich nicht teil. Für die Gegenseite sorgen stattdessen eigens dafür zugelassene Liquiditätsgeber, die nur diesen Privatanleger-Fluss bedienen. Es ist also dasselbe Wort über dem Buch, aber ein anderer Kreis von Teilnehmern darin, und damit eine andere Tiefe.

Dazwischen liegen weiterhin die Auktionen. Die Eröffnungsauktion beginnt um 8:55 Uhr und geht zwischen 9:00 und 9:04 Uhr in den fortlaufenden Handel über, am Abend folgt nach 17:30 Uhr die Schlussauktion und danach ein kurzes Fenster von fünf Minuten, das nur für DAX, MDAX und SDAX gilt. Wie in einer Auktion aus vielen Grenzen ein einziger Preis wird, steht im Teil zu den Börsen-Auktionen.

Ein Vorbehalt gehört dazu. Den Zugang zu diesen Randzeiten bekommst du nicht automatisch, sondern nur über einen Broker, der sich dafür eigens registriert hat. Steht der Frühhandel in deiner Maske nicht zur Auswahl, liegt es an deinem Anbieter und nicht an der Börse.

Der Referenzmarkt

Warum die langen Plätze auf Xetra schauen

Die verbreitete Erklärung für die weitere Spanne am Abend lautet, dass dann weniger Leute handeln. Das stimmt, greift aber zu kurz. Der eigentliche Grund liegt darin, woher der Market Maker seinen Preis nimmt.

Xetra ist der Referenzmarkt für deutsche Aktien und ETFs. Über 90 Prozent des Aktienhandels an deutschen Börsen liefen 2022 dort, und der DAX wird aus Xetra-Kursen der Zeit von 9:00 bis 17:30 Uhr berechnet. Wer an einem anderen Platz laufend Kurse stellen muss, richtet sich an diesem Preis aus. Er muss den Wert nicht selbst schätzen, er liest ihn ab und legt seine Spanne darum.

Ist der Kernhandel geschlossen, fällt diese Ablesehilfe weg. Der Market Maker muss nun selbst einschätzen, was das Papier wert ist, und trägt das Risiko, dass sich bis zur Eröffnung etwas bewegt hat. Diese Unsicherheit steckt in der Spanne. Sie ist nicht Willkür, sondern der Preis dafür, dass jemand um 20:40 Uhr überhaupt eine verbindliche Zahl nennt.

Bei einem ETF auf ausländische Aktien kommt eine zweite Schließung dazu, denn auch die Heimatmärkte der enthaltenen Papiere können zu sein. Der Market Maker quotiert dann auf einen Korb, dessen Bestandteile gerade nirgends gehandelt werden. Was der angezeigte Kurs in solchen Momenten genau ist, ob ein wirklich bezahlter Preis, eine verbindliche Quote oder eine bloße Schätzung, klärt der Teil zu Bid, Ask, Spread und Markttiefe.

Nicht jeder angezeigte Kurs ist ein bezahlter Kurs. An den Randzeiten ist der Anteil der bloß gestellten Kurse am höchsten.

Eine Ebene tiefer

Wer den Preis macht, den alle benutzen

Preisbildung ist eine Leistung, und sie ist nicht umsonst zu haben. Wer eine Limit-Order ins offene Xetra-Buch legt, macht dem gesamten Markt ein verbindliches Angebot und trägt dafür ein Risiko. Er wird bevorzugt von denen bedient, die mehr wissen als er, und genau dieses Risiko ist der Grund, warum das Buch überhaupt eine Spanne hat.

Ein Market Maker, der seinen Quote am Xetra-Preis ausrichtet, nutzt das Ergebnis dieser Arbeit, ohne selbst daran teilzunehmen. In der Marktmikrostruktur ist das ein bekannter Fall von Trittbrettfahren auf die Preisbildung. Der abwandernde Orderfluss zahlt nicht für den Preis, an dem er sich orientiert.

Der Mechanismus begrenzt sich allerdings selbst, und das ist der interessantere Teil. Je mehr Fluss aus dem offenen Buch abwandert, desto dünner wird der Referenzpreis. Ein dünnerer Referenzpreis ist ein unzuverlässigerer Anker, also stellen die Quoteanbieter vorsichtiger, also wird der abgewanderte Handel teurer. Der Anreiz kehrt sich um, bevor die Preisbildung ganz verschwindet.

Von einer akuten Lage ist das weit entfernt, dafür ist der Xetra-Anteil am deutschen Aktienumsatz zu groß. Der Blick über die Landesgrenze relativiert die Zahl allerdings. Europaweit lag Xetras Anteil in den DAX-Werten 2022 bei rund 70 Prozent, denn dieselben Aktien laufen auch über andere europäische Plattformen und über Banken, die intern gegen den eigenen Bestand ausführen. Die deutschen Abendplätze sind damit nur ein Ausschnitt einer größeren Bewegung.

Das erklärt, warum Aufsicht und Regulierung sich seit Jahren dafür interessieren, welcher Anteil des Handels in einem einsehbaren Buch stattfindet. Die Frage ist dabei nicht, ob abseits gehandelte Orders schlechter ausgeführt werden. Die Frage ist, wer den Referenzpreis am Leben hält, an dem sich alle anderen orientieren.

Häufige Fehler

Was bei der Platzwahl regelmäßig schiefgeht

Die teuren Momente entstehen selten aus einer falschen Meinung über das Unternehmen. Sie entstehen daraus, dass zwei Plätze als austauschbar behandelt werden, weil oben derselbe Wertpapiername steht. Fünf Muster tauchen dabei besonders oft auf.

Diese Fehler kosten am ehesten Geld:

  • Den Platz allein nach der Gebührenzeile aussuchen. Ein entgeltfreier Platz mit dreifacher Spanne ist bei 4.000 Euro Ordervolumen teurer als ein Platz mit 1,50 Euro Entgelt und engem Buch.
  • Zwei Kurse vergleichen, die nicht aus derselben Sekunde stammen. Zwischen zwei Handelsplätzen liegen im Zweifel ein paar Sekunden Verzögerung, und aus dem vermeintlichen Preisvorteil wird beim Klicken nichts.
  • Eine Order ohne Preisgrenze in ein Randzeit-Buch legen. Genau dort ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass sie mehrere Kursstufen abräumt, und das ist der Fall, den der Teil zu Slippage auseinandernimmt.
  • Abweichende Kurse an zwei Plätzen für einen Anzeigefehler halten. Sie sind normal, denn es sind zwei getrennte Bücher mit zwei getrennten Teilnehmerkreisen. Erst ein dauerhaft großer Abstand wäre auffällig.
  • Den Direkthandel für eine Börse halten. Bei einem offensichtlich falschen Preis gilt dort die Klausel deines Vertragspartners und nicht die Regel einer Börse mit eigener Handelsüberwachungsstelle.

Entscheidungshilfe

Welcher Platz zu welcher Order passt

Es gibt keinen Platz, der immer der richtige ist, und das ist keine Ausflucht. Welcher passt, hängt an drei Dingen, nämlich an der Uhrzeit, am Papier und an der Ordergröße. Die folgenden Fälle decken den Alltag ab.

Die Grundlage dafür, wo du diese Wahl überhaupt triffst und was der Broker dabei tut, steht im Teil zu Broker, Order und Routing.

So gehst du die Wahl durch:

  • Wenn du eine deutsche Standardaktie oder einen großen ETF zwischen 9:00 und 17:30 Uhr kaufst, liegt an Xetra das tiefste Buch. Der Unterschied zu den anderen Plätzen ist in diesem Fenster am kleinsten.
  • Wenn du einen Nebenwert oder ein selten gehandeltes Papier orderst, sieh dir die Spanne an beiden Plätzen an, bevor du klickst. Dort ist der Abstand zwischen den Plätzen um ein Vielfaches größer als bei einem DAX-Wert.
  • Wenn du außerhalb von 9:00 bis 17:30 Uhr handeln willst, entscheide bewusst zwischen warten und zahlen. Beides ist vertretbar, nur nicht das versehentliche Zahlen.
  • Wenn du auf eine amerikanische Nachricht am Abend reagieren willst, prüfe zuerst, ob dein Broker den Xetra-Späthandel überhaupt anbietet. Sonst bleibt nur ein Platz mit gestellten Kursen.
  • Wenn du eine größere Summe auf einmal anlegst, teile die Order lieber, statt den Platz zu wechseln. Die Tiefe im Buch entscheidet über deinen Preis stärker als der Name über dem Buch.

Einordnung

Was davon für einen Sparplan übrig bleibt

Die ehrliche Antwort für den größten Teil der Leser lautet, dass die Platzwahl bei einem Sparplan gar keine ist. Der Broker legt fest, wo ausgeführt wird, und bei vielen Anbietern gibt es dafür genau einen Platz und einen festen Termin. Wie diese Sammelausführung abläuft, steht im Teil zu Sparplan und Teilaktien.

Auch beim langfristigen Halten bleibt wenig übrig. Die Spanne fällt beim Kauf einmal an und beim Verkauf einmal, und über fünfzehn Jahre verteilt ist ein Zehntel Prozent gegen die laufende Fondsgebühr eine kleine Zahl. Wer einen breiten ETF bespart und nichts weiter tut, kann diesen Artikel als Hintergrundwissen ablegen.

Es gibt drei Situationen, in denen es kippt. Eine größere Einmalanlage, ein Papier mit dünnem Buch und eine Order außerhalb der Kernzeit. Trifft davon nichts zu, ist die Voreinstellung in deiner Maske wahrscheinlich in Ordnung. Trifft eines zu, lohnt der Blick auf beide Bücher vor dem Klick.

Zusammengefasst

Ein Papier, mehrere Bücher

Dieselbe Aktie ist in Deutschland an einem knappen Dutzend Plätzen handelbar, und jeder davon führt sein eigenes Buch. Deshalb gibt es zu jedem Zeitpunkt mehrere gültige Kurse für dasselbe Papier, ohne dass einer davon falsch wäre.

Was die Plätze unterscheidet, ist am Ende nur dreierlei. Wann sie offen haben, wer dort auf der anderen Seite steht, und wie viele Stücke hinter dem besten Preis liegen. Alles andere in der Auswahlliste ist Name.

Der nächste Teil dieser Reihe nimmt sich den Marktteilnehmer vor, der an den meisten dieser Plätze die Gegenseite stellt. Er tut das nicht aus Gefälligkeit, und die Bedingungen, unter denen er mehr oder weniger Liquidität anbietet, sind weniger offensichtlich, als sie klingen.

Häufige Fragen

Warum zeigt mein Broker für dieselbe Aktie an zwei Plätzen unterschiedliche Kurse?
Weil es zwei getrennte Bücher mit unterschiedlichen Teilnehmern sind. An Xetra entsteht der Kurs aus den Aufträgen aller Teilnehmer, an Tradegate BSX oder gettex nennt ein Market Maker seine Zahlen. Kleine Abweichungen sind der Normalfall, besonders außerhalb von 9:00 bis 17:30 Uhr. Erst ein dauerhaft großer Abstand wäre ein Grund, genauer hinzusehen.
Ist ein Handelsplatz ohne Börsenentgelt automatisch der günstigere?
Nein. Das Entgelt des Platzes ist nur der Teil der Kosten, der auf der Abrechnung steht. Der andere Teil steckt in der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs und taucht dort nie als Posten auf. Bei 4.000 Euro Ordervolumen kann eine um 10 Cent weitere Spanne mehr ausmachen als ein Entgelt von 1,50 Euro.
Kann ich bei jedem Broker im Xetra-Frühhandel und Späthandel ordern?
Nein. Der Broker muss sich für diesen Service eigens registrieren. Bietet er ihn nicht an, siehst du die Zeiten von 8:00 bis 8:55 und von 17:30 bis 22:00 Uhr für Xetra gar nicht in der Ordermaske. Ob dein Anbieter dabei ist, steht in seinen Ausführungsgrundsätzen oder in der Handelsplatz-Übersicht.
Was ist der Unterschied zwischen Tradegate BSX und der Börse Berlin?
Es gibt keinen mehr. Zum 1. Januar 2026 sind die Tradegate Exchange und die Börse Berlin zur Tradegate Berlin Stock Exchange zusammengegangen, dem einzigen Berliner Börsenplatz. Die zuvor getrennt geführten Orderbücher wurden zusammengelegt, und das regulierte Marktsegment der Börse Berlin lief mit.

Quellen & weiterführende Links

  1. Deutsche Börse, Handelskalender und Handelszeiten
  2. Deutsche Börse, Extended Xetra Retail Service
  3. Börsengesetz, Paragraf 7 (Handelsüberwachungsstelle)
  4. Börsenaufsicht des Landes Berlin, Tradegate Berlin Stock Exchange
  5. Tradegate BSX, Handelskalender und Handelszeiten
  6. gettex, Börse München
  7. LS Exchange, Handelszeiten

Nächster Schritt

Was von einer Order am Ende im Depot steht

Welchen Platz du wählst, entscheidet über ein Zehntel Prozent. Was daraus über Jahre wird, siehst du erst, wenn Käufe, Gebühren und Bestand nebeneinander liegen. Das Portora Cockpit führt Depot und Vermögensverlauf an einer Stelle zusammen, sodass die kleinen Beträge sichtbar bleiben, statt in Einzelabrechnungen zu verschwinden.

Funktionen ansehen

Vom Wissen in die Anwendung

Wenn du die Einordnung auf deine eigene Lage anwenden willst, findest du in Portora den direkten Einstieg.

Wissen schafft Orientierung. Der nächste Schritt bleibt die Registrierung oder der Blick in die passende Produktseite.