Order-Zusätze und Gültigkeit, wie lange dein Auftrag steht
Unter Stückzahl und Preisgrenze stehen in jeder Ordermaske noch zwei bis drei Auswahlfelder, die von den meisten auf der Voreinstellung gelassen werden. Sie entscheiden, wie lange dein Auftrag im Markt steht und ob du ihn auch teilweise ausgeführt haben willst. Beides kann Geld kosten.
Das Bild dazu
Die zwei Rückfragen beim Bäcker
Du bestellst beim Bäcker zwanzig Brötchen für den nächsten Morgen. Eine aufmerksame Verkäuferin stellt daraufhin zwei Rückfragen, und beide haben nichts mit dem Preis zu tun.
Die erste lautet, ob die Bestellung nur für morgen gilt oder auch für die Tage danach. Die zweite lautet, ob du auch zwölf Brötchen nimmst, falls mehr nicht da sind, oder ob es dann lieber gar keine sein sollen. Damit ist alles geklärt, was neben Menge und Preis noch offen war.
In einer Ordermaske stehen genau diese beiden Fragen, nur heißen sie anders. Die erste ist die Gültigkeit, die zweite die Ausführungsbedingung. Was du in die beiden Felder einträgst, ändert am Preis nichts und am Ergebnis manchmal sehr viel.
Die Einordnung
Ordertyp und Orderzusatz sind zwei verschiedene Dinge
Bevor die Zusätze an die Reihe kommen, gehört eine Verwechslung aus dem Weg geräumt, die in vielen Erklärungen steckt. Der Ordertyp legt fest, wie dein Auftrag grundsätzlich funktioniert, also ob er ohne Preisgrenze sofort ausgeführt wird oder mit einer Grenze im Buch wartet. Diesen Unterschied behandelt der Teil zu Market-Order und Limit-Order.
Der Orderzusatz ändert daran nichts, er stellt Rahmenbedingungen daneben. Die Deutsche Börse trennt beides in ihrer Übersicht zu Ordertypen und Orderzusätzen ausdrücklich, und die Trennung hilft beim Verstehen. Ein Zusatz ist immer eine Zusatzbedingung zu einem Auftrag, der auch ohne ihn funktionieren würde.
Daraus folgt eine Faustregel für die Ordermaske. Wer einen Zusatz setzt, verengt seine eigene Order. Jede Verengung erhöht die Chance, dass gar nichts passiert, und senkt die Chance auf ein Ergebnis, das man nicht wollte. Welche der beiden Sorgen größer ist, hängt vom Papier ab und nicht vom Zusatz.
Die erste Familie
Wie lange deine Order im Markt steht
Die Voreinstellung in fast jeder Maske ist tagesgültig, im Regelwerk Good for Day. Was bis zum Ende des Handelstages nicht ausgeführt ist, verfällt. Das ist die sicherste Einstellung, weil sie keine Zusage über Nacht stehen lässt.
Daneben gibt es die datierte Order, die bis zu einem selbst gewählten Tag gilt, und die Order bis auf Widerruf, international Good till Cancel. Der Name führt in die Irre, denn unbefristet ist sie nicht. An Xetra ist sie auf 90 Tage begrenzt, danach verfällt sie von allein.
Diese Obergrenze hat einen erkennbaren Zweck. Eine Preisgrenze, die du vor einem halben Jahr gesetzt hast, passt fast nie noch zu der Lage, in der sie irgendwann greift. Das Buch von alten Aufträgen freizuhalten schützt am Ende dich, denn ausgeführt wird eine vergessene Order zu deinen Bedingungen von damals.
Genau darin liegt der eigentliche Punkt bei der Gültigkeit. Eine lang laufende Order ist keine Bequemlichkeit, sondern eine stehende Zusage. Sie greift auch an einem Tag, den du nie gewählt hättest, etwa nach einer schlechten Nachricht am frühen Morgen, wenn der Kurs unter deine Grenze springt und dort noch weiter fällt.
Die Zusätze nebeneinander, mit der Frage, die sie jeweils beantworten.
| Was er festlegt | Wofür er gedacht ist | |
|---|---|---|
| Tagesgültig (Good for Day) | gilt nur den laufenden Handelstag | Voreinstellung, lässt nichts über Nacht stehen |
| Datiert (Good for Date) | gilt bis zu einem gewählten Tag | ein Kursziel über eine überschaubare Frist |
| Bis auf Widerruf (Good till Cancel) | gilt bis zum Streichen, an Xetra höchstens 90 Tage | eine Preisgrenze, die man nicht täglich neu setzen will |
| Sofort oder löschen (Immediate-or-Cancel) | nimmt sofort, was verfügbar ist, streicht den Rest | eine Teilmenge jetzt ist besser als die volle Menge später |
| Alles oder nichts (Fill-or-Kill) | führt sofort vollständig aus oder gar nicht | keine Teilausführung, etwa wegen mehrfacher Gebühren |
| Iceberg | zeigt nur einen Teil der Menge im Buch | große Ordern, deren Größe den Kurs verschieben würde |
Quelle: Bezeichnungen nach der Ordertypen-Übersicht der Deutschen Börse.
Die zweite Familie
Ob du eine halbe Ausführung akzeptierst
Die zweite Frage klingt nach einem Randfall und ist es nicht. Wenn im Buch auf deiner Preisstufe weniger Stücke liegen, als du wolltest, muss entschieden werden, was mit dem Rest passiert. Ohne Zusatz bleibt er als Order stehen und wartet.
Sofort oder löschen, im Regelwerk Immediate-or-Cancel, nimmt sofort, was verfügbar ist, und streicht die Restmenge. Du bekommst also möglicherweise nur einen Teil, aber du hast danach keine offene Order mehr im Markt. Alles oder nichts, im Regelwerk Fill-or-Kill, geht den anderen Weg. Entweder ist die volle Menge sofort da, oder es passiert gar nichts.
Der praktische Nutzen für einen Privatanleger liegt fast immer beim zweiten, und er ist ein Kostenargument. Wird eine Order über mehrere Tage in Stücken ausgeführt, kann je Ausführung eine Gebühr anfallen, wie der Teil zu Ordergebühr und Spanne zeigt. Aus einer Order werden dann drei Abrechnungen. Alles oder nichts schließt das aus.
Der Preis dafür ist ebenso klar. Eine Order, die nur vollständig ausgeführt werden darf, kommt in einem dünnen Buch oft gar nicht zum Zug, und dann hast du weder Stücke noch eine wartende Order. In einem viel gehandelten Wert ist der Zusatz meist überflüssig, in einem Nebenwert oft der Grund, warum nichts passiert.
Beide Zusätze haben eine Eigenschaft gemeinsam, die man kennen sollte. Sie wirken nur in dem Moment, in dem die Order ankommt. Eine Order mit einer dieser Bedingungen wartet nie, sie greift zu oder verschwindet. Mit einer Gültigkeit über mehrere Tage lassen sie sich deshalb nicht sinnvoll kombinieren.
Der Sonderfall
Warum jemand seine eigene Ordergröße versteckt
Der Iceberg ist der einzige Zusatz in dieser Liste, den ein Privatanleger praktisch nie braucht, und er lohnt trotzdem zwei Absätze, weil er eine Mechanik sichtbar macht, die für alle gilt.
Eine Iceberg-Order zeigt im Buch nur einen Bruchteil ihrer Menge. Ist dieser sichtbare Teil ausgeführt, rutscht automatisch die nächste Scheibe nach, bis die Gesamtmenge abgearbeitet ist. Für die Gegenseite sieht es aus, als kämen viele kleine Aufträge nacheinander.
Der Grund dahinter ist der Kern der Sache. Deine eigene Order ist Information. Wer 50.000 Stück sichtbar ins Buch legt, teilt allen anderen mit, dass hier gleich viel gekauft wird, und die Gegenseite passt ihre Preise an, bevor auch nur ein Stück gehandelt ist. Wie stark eine Order den Kurs mitnimmt, hängt an ihrem Verhältnis zum Handelsvolumen, und was daraus im Ausführungspreis wird, beschreibt der Teil zu Slippage.
Für dich folgt daraus nichts, was du anklicken müsstest. Es folgt aber die Erklärung dafür, warum im Buch manchmal weniger steht, als tatsächlich da ist. Die angezeigte Tiefe ist eine Untergrenze und keine Bestandsaufnahme.
Praxisbeispiel
Wie Tobias dreimal für dieselbe Order zahlt
Tobias, 45, will 3.000 Stück der Norddeutschen Werkstoff AG kaufen, ein erfundenes Nebenwert-Beispiel dieser Reihe. Der Kurs steht bei 12,50 Euro, das sind rund 37.500 Euro. Am Tag werden in diesem Papier nur etwa 20.000 Stück gehandelt.
Er gibt eine Limit-Order mit Preisgrenze und lässt die Gültigkeit auf bis auf Widerruf stehen, weil er nicht jeden Tag neu ordern will. Eine Ausführungsbedingung setzt er nicht.
Am ersten Tag werden 900 Stück ausgeführt, am zweiten 1.400, am dritten der Rest. Aus einer Order sind drei Ausführungen geworden. Berechnet sein Anbieter je Ausführung ein Entgelt von 10 Euro, zahlt Tobias 30 statt 10 Euro, ohne dass er etwas falsch gemacht hätte.
Mit dem Zusatz alles oder nichts wäre das nicht passiert, allerdings auch nichts anderes. In einem Buch mit 20.000 Stück Tagesumsatz liegen 3.000 Stück selten auf einmal bereit, seine Order wäre also vermutlich gar nicht zum Zug gekommen. Die ehrliche Antwort auf seinen Fall ist deshalb nicht ein Zusatz, sondern eine kleinere Order.
Zwei Wochen später zahlt das Unternehmen eine Dividende. Tobias hat inzwischen eine zweite Limit-Order unter dem Kurs liegen, die auf einen Rücksetzer wartet. Am Morgen des ex-Tages ist sie weg.
Der Stolperstein
Wann deine offene Order von selbst erlischt
Dieser Punkt ist der wichtigste des ganzen Artikels, weil er lautlos passiert. Eine Order, die über Tage oder Wochen im Buch liegt, kann erlöschen, ohne dass jemand dich fragt und ohne dass eine Meldung kommt.
Geregelt ist das in der Börsenordnung für die Frankfurter Wertpapierbörse. Nach Paragraf 78 erlöschen Orders und Quotes bei einem Erträgnis, einer Kapitalmaßnahme oder einem Umtausch mit Ablauf des letzten Tages, an dem das Papier einschließlich des Anspruchs gehandelt wurde, spätestens zum Handelsbeginn des ex-Tages. Voraussetzung ist, dass die Geschäftsführung von der Maßnahme Kenntnis erlangt hat.
Im Klartext heißt das, dass eine Dividende genügt. Am Morgen, an dem die Aktie ohne Dividendenanspruch gehandelt wird, ist deine wartende Order verschwunden. Ändert sich mit der Maßnahme die Wertpapierkennnummer, erlöschen die Aufträge schon am letzten Handelstag der alten Nummer.
Der Grund dafür ist einleuchtend, sobald man ihn einmal gehört hat. Am ex-Tag fällt der Kurs rechnerisch um die Ausschüttung. Eine Preisgrenze, die du für den Kurs mit Anspruch gesetzt hast, meint am nächsten Morgen etwas anderes als gestern, und eine Verkaufsgrenze knapp unter dem Kurs würde durch den reinen Rechenschritt ausgelöst. Die Löschung schützt dich vor einer Ausführung, die nur nach einer Kursbewegung aussieht.
Weitere Fälle stehen im selben Paragrafen. Wird der Handel in einem Papier ausgesetzt, erlöschen sämtliche Orders. Bei einer bloßen Unterbrechung dagegen bleiben sie bestehen, und dieser Unterschied ist im Alltag der wichtigste der beiden. Dazu kommen Auslosungen, gekündigte Anleihen, der Wegfall der Lieferbarkeit und die Anpassung der kleinsten zulässigen Preisschritte, bei der Orders mit einem nicht mehr passenden Limit gestrichen werden können.
Praktisch besonders unangenehm ist das beim Stop-Loss. Wer sich mit einer solchen Order abgesichert glaubt und nach dem ex-Tag nicht nachsieht, steht ungesichert da, ohne es zu merken. Was ein Stop überhaupt auslöst und wann er scharf wird, steht im Teil zu Stop-Loss, Stop-Limit und Trailing-Stop.
Häufige Fehler
Was bei den Zusätzen regelmäßig schiefgeht
Die Fehler in diesem Bereich haben eine Gemeinsamkeit. Sie entstehen nicht durch eine falsche Auswahl, sondern dadurch, dass die Felder gar nicht angeschaut werden.
Fünf Muster tauchen dabei immer wieder auf.
Diese Annahmen kosten am ehesten Geld:
- Bis auf Widerruf für unbefristet halten. An Xetra sind spätestens nach 90 Tagen Schluss, und eine verfallene Absicherung ist keine.
- Eine lang laufende Limit-Order als harmlos ansehen. Sie ist eine stehende Kaufzusage, die auch nach einer schlechten Nachricht am Morgen greift, wenn der Kurs durch deine Grenze fällt und darunter bleibt.
- Nach einer Dividende oder Kapitalmaßnahme nicht ins Depot schauen. Offene Orders sind dann erloschen, und das gilt für den Stop-Loss genauso wie für die Kauforder.
- Alles oder nichts in einem dünnen Papier setzen. Dort liegt die volle Menge selten auf einmal bereit, die Order kommt dann nie zum Zug und du merkst es erst, wenn du nachsiehst.
- Mehrere Teilausführungen für ein technisches Detail halten. Je nach Preisverzeichnis wird jede einzeln abgerechnet, und aus einer Ordergebühr werden schnell drei.
Entscheidungshilfe
Welchen Zusatz du wirklich brauchst
Für die allermeisten Ordern eines Privatanlegers ist die Voreinstellung richtig, und das ist die ehrlichste Antwort auf dieses Thema. Interessant wird es in vier Lagen, und alle vier erkennst du vorher an der Ordermaske.
Die Grundfrage ist jedes Mal dieselbe. Was ist schlimmer, gar keine Ausführung oder eine unvollständige?
So entscheidest du:
- Wenn du einen großen Wert oder einen breiten ETF in der Kernzeit kaufst, lass beide Felder auf der Voreinstellung. Deine Menge liegt dort ohnehin auf einer Stufe bereit.
- Wenn dein Anbieter je Ausführung abrechnet und deine Order groß ist im Verhältnis zum Papier, setze alles oder nichts oder teile die Order bewusst selbst auf.
- Wenn du eine Preisgrenze über Wochen stehen lassen willst, trage ein Enddatum ein statt bis auf Widerruf, und notiere dir das Datum. Dann entscheidest du über die Verlängerung und nicht der Kalender.
- Wenn in dem Papier eine Dividende oder eine Kapitalmaßnahme ansteht, prüfe danach deine offenen Ordern. Sie sind weg, und niemand sagt es dir.
- Wenn du unsicher bist, ob ein Zusatz passt, lass ihn weg. Jeder Zusatz verengt deine Order, und die häufigste Folge einer Verengung ist, dass gar nichts passiert.
Was bleibt
Zwei Felder, zwei Fragen
Die Zusätze in der Ordermaske sehen nach Feinheiten für Fortgeschrittene aus und sind in Wahrheit zwei sehr einfache Fragen. Wie lange soll dein Auftrag stehen, und willst du ihn auch halb. Beides lässt sich in zehn Sekunden beantworten, wenn man weiß, dass die Fragen gestellt werden.
Was daraus wirklich hängen bleiben sollte, ist die Sache mit dem Erlöschen. Eine Order im Markt ist kein Eintrag in deinem Kalender, sondern ein Auftrag in einem System mit eigenen Regeln, und dieses System streicht ihn unter bestimmten Umständen. Wer das einmal weiß, schaut nach einer Dividende ins Depot, und das ist der ganze Aufwand.
Für den Sparplan gilt von alledem nichts. Dort legt der Broker Zeitpunkt und Ausführung fest, und Zusätze gibt es gar nicht erst zum Anklicken.
Damit ist der Weg deiner Order vollständig beschrieben, von der Maske über den Handelsplatz bis zu den Kosten. Der nächste Teil dieser Reihe geht eine Schicht tiefer und fragt, was ein Broker eigentlich schuldet, wenn er für dich den Ausführungsplatz aussucht.
Häufige Fragen
- Was passiert mit meiner Order, wenn ich sie nicht selbst lösche?
- Sie verfällt am Ende ihrer Gültigkeit, bei der Voreinstellung also am selben Handelstag. Bei einer Order bis auf Widerruf ist an Xetra spätestens nach 90 Tagen Schluss. Unabhängig davon erlischt sie vorzeitig, wenn im Papier eine Dividende, eine Kapitalmaßnahme oder ein Umtausch ansteht oder der Handel ausgesetzt wird.
- Warum wurde meine Order in mehreren Teilen ausgeführt?
- Weil auf deiner Preisstufe weniger Stücke lagen, als du wolltest. Der Rest bleibt dann als Order stehen und wird ausgeführt, sobald wieder jemand auf dieser Stufe anbietet. Ob das für dich teurer wird, hängt am Preisverzeichnis deines Anbieters, denn manche berechnen je Ausführung.
- Ist alles oder nichts sicherer als eine normale Order?
- Sicherer nicht, nur enger. Der Zusatz verhindert eine unvollständige Ausführung, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass gar nichts passiert. In einem dünn gehandelten Papier ist das der Regelfall und nicht die Ausnahme.
- Bekomme ich eine Nachricht, wenn meine Order erlischt?
- Verlass dich nicht darauf. Die Börsenordnung sieht vor, dass die Maßnahmen bekannt gemacht werden, das betrifft aber die Handelsteilnehmer und nicht zwingend eine Benachrichtigung an dich. Ob dein Broker dich informiert, ist seine Entscheidung. Der verlässliche Weg ist der Blick ins Depot nach einer Dividende oder Kapitalmaßnahme.
Quellen & weiterführende Links
Nächster Schritt
Offene Posten im Blick behalten
Eine erloschene Order fällt nur dem auf, der regelmäßig hinschaut. Portora legt deine Konten und Depotbestände an einer Stelle zusammen und macht den Verlauf sichtbar, sodass Veränderungen auffallen, ohne dass du mehrere Zugänge nacheinander öffnest.
Funktionen ansehenVom Wissen in die Anwendung
Wenn du die Einordnung auf deine eigene Lage anwenden willst, findest du in Portora den direkten Einstieg.
Wissen schafft Orientierung. Der nächste Schritt bleibt die Registrierung oder der Blick in die passende Produktseite.