Stop-Loss, Stop-Limit und Trailing-Stop, eine Marke ist kein Preis
Ein Stop ist kein dritter Ordertyp neben Market und Limit. Er ist ein Auslöser, der eine der beiden scharf macht, sobald eine Marke erreicht ist. Dieser Teil zeigt, was zwischen dem Erreichen der Marke und der Abrechnung liegt, warum ein Stop-Limit im Ernstfall oft gar nichts tut und wie ein Trailing-Stop mitwandert.
Was dahintersteckt
Ein Stop sagt wann, nicht wie viel
Du stellst den Wecker auf 6:30, weil du den Zug um 7:04 brauchst. Der Wecker klingelt zuverlässig um 6:30. Ob du im Zug sitzt, entscheidet er nicht. Das hängt daran, wie lange du im Bad stehst und ob die Straßenbahn kommt.
Ein Stop an der Börse arbeitet genauso. Du trägst eine Marke ein, sagen wir 50 Euro, und legst damit fest, ab wann etwas passieren soll. Was du dafür bekommst, steht in einem anderen Feld der Ordermaske, und bei der bekanntesten Variante in gar keinem.
Deshalb ist ein Stop auch kein dritter Ordertyp neben Market-Order und Limit-Order. Er ist ein Auslöser, der eine der beiden scharf macht. Erst wenn er ausgelöst hat, beginnt das, was der vorige Teil beschreibt.
Mechanik
Was zwischen Eintrag und Ausführung liegt
Solange die Marke nicht erreicht ist, steht deine Order nicht im Orderbuch. Sie liegt im System der Börse und wartet. Die Deutsche Börse formuliert das für Xetra so, dass eine Stop-Market-Order erst bei Erreichen des Stop-Preislimits ins Orderbuch eingestellt und dann wie eine Market-Order bedient wird, nachzulesen in der Übersicht der Ordertypen.
Daraus folgen zwei Dinge, die man selten nebeneinander liest. Niemand sieht deinen Stop, auch nicht im offenen Orderbuch. Und er zählt nicht zur Markttiefe. Die Mengen, die auf den Preisstufen liegen, werden durch deine Marke nicht größer.
Ausgelöst wird ausschließlich durch Preise, zu denen wirklich gehandelt wurde. Ein Geldkurs reicht nicht, ein Briefkurs auch nicht, und eine Taxe, also ein vom Handelsplatz geschätzter Kurs ohne Abschluss, ebenfalls nicht. Der Grund dahinter ist handfest. Eine Quote ist ein Wunsch, den jemand ins System gestellt hat, ein Abschluss ist der Beleg, dass jemand diesen Preis bezahlt hat. Dürfte eine Quote auslösen, würde eine einzige weit gestellte Spanne in einer ruhigen Minute reihenweise Stops abräumen.
Und die Marke hängt an dem Handelsplatz, an dem deine Order liegt. Läuft sie über Tradegate, zählen die Tradegate-Preise. Dass Xetra in derselben Sekunde tiefer stand, löst sie nicht aus. Welchen Weg deine Order überhaupt nimmt, steht im Teil zu Broker, Order und Routing.
Ausgelöst wird auch in den Auktionen, also zur Eröffnung, zum Handelsschluss und immer dann, wenn ein zu schneller Sprung den fortlaufenden Handel für ein paar Minuten in eine Auktion zwingt. Dort entsteht der Preis nach einem anderen Verfahren als im laufenden Buch, und das ist ein eigener Teil dieser Reihe.
Zwei Richtungen
Stop-Loss, Stop-Buy und was die Namen nicht sagen
Zwei Bezeichnungen tauchen in jeder Ordermaske auf. Ein Stop-Loss ist ein Verkaufs-Auslöser unterhalb des aktuellen Kurses, ein Stop-Buy ein Kauf-Auslöser oberhalb. Dieselbe Mechanik, zwei Richtungen.
Die Marke muss dabei auf der richtigen Seite liegen. Ein Verkaufs-Stop oberhalb des aktuellen Kurses wäre in der Sekunde des Aufgebens schon erfüllt und damit nichts anderes als eine gewöhnliche Verkaufsorder. Deshalb weist die Maske ihn ab oder führt ihn sofort aus.
Das Wort Loss beschreibt die Absicht, nicht das Ergebnis. Es sagt, wofür du die Marke gesetzt hast. Wie viel Verlust am Ende in der Abrechnung steht, entscheidet der Teil danach.
Im Vergleich
Die drei Varianten nebeneinander
Alle drei Varianten benutzen denselben Auslöser. Sie unterscheiden sich darin, was er in Gang setzt und ob die Marke starr bleibt.
Die Tabelle zeigt die Verkaufsseite, weil die Fragen dort für die meisten Leser konkret sind. Für die Kaufseite gilt jeweils dasselbe mit umgekehrtem Vorzeichen.
Die drei Auslöser entlang derselben sechs Fragen, jeweils für einen Verkauf.
| Stop-Loss (Stop-Market) | Stop-Limit | Trailing-Stop | |
|---|---|---|---|
| Du trägst ein | eine Marke | eine Marke und ein Limit | eine Marke und einen Abstand |
| Beim Auslösen entsteht | eine Market-Order | eine Limit-Order | eine Market-Order |
| Sicher ist | dass verkauft wird, solange jemand kauft | der Preis, zu dem verkauft wird | dass verkauft wird, solange jemand kauft |
| Offen bleibt | der Preis | ob überhaupt verkauft wird | der Preis |
| Marke wandert mit | nein | nein | ja, aber nur in eine Richtung |
| Typische Schwäche | Ausführung weit unter der Marke | im schnellen Fall keine Ausführung | wirft dich auch aus jedem Rücksetzer |
Praxisbeispiel
Was in der Nacht einer Gewinnwarnung passiert
Meret, 41, hält 200 Aktien der erfundenen Kavaro Interactive AG. Der Wert läuft seit Monaten gut, sie sichert ihn mit einem Stop-Loss bei 50,00 Euro ab. Am Mittwoch schließt Kavaro bei 58,00 Euro.
Um 22:10 Uhr, lange nach Handelsschluss, kommt eine Ad-hoc-Meldung. Die Bookings liegen rund 35 Prozent unter dem, was der Markt erwartet hatte, dazu senkt das Unternehmen seine Prognose. Über Nacht wird nicht gehandelt, es gibt also keinen Preis, der irgendetwas auslösen könnte.
Am Donnerstagmorgen stellt die Eröffnungsauktion den ersten Preis des Tages fest, und der lautet 34,00 Euro. Damit ist Merets Marke von 50,00 unterschritten und ihr Stop ausgelöst. Aus ihm wird eine Verkaufsorder ohne Grenze, ausgeführt zum nächsten handelbaren Preis, im Beispiel 33,80 Euro.
Sie bekommt also 6.760 Euro statt der 10.000 Euro, die 200 Aktien zu 50,00 gebracht hätten. Die Differenz von 3.240 Euro ist keine Gebühr, sie steckt im Ausführungspreis. Zwischen 58,00 und 34,00 hat kein einziges Geschäft stattgefunden, es gab schlicht keinen Kurs von 50,00, zu dem jemand hätte verkaufen können.
Der Stop hat dabei nichts falsch gemacht. Er kann nur auslösen, wenn ein Preis zustande kommt, und in dieser Nacht kam keiner zustande. Genau hier liegt die Grenze des Instruments. Es schützt gegen einen Weg nach unten, nicht gegen einen Sprung.
Der Gegenentwurf
Warum ein Stop-Limit im Ernstfall oft gar nichts tut
Jonas hält dieselben 200 Kavaro-Aktien und hat sich für die vorsichtigere Variante entschieden. Seine Marke steht ebenfalls bei 50,00 Euro, dazu ein Limit von 49,50. Er wollte ausdrücklich nicht zu jedem Preis verkaufen.
Am Donnerstagmorgen löst seine Marke bei 34,00 Euro genauso aus wie Merets. Nur entsteht daraus keine Market-Order, sondern eine Verkaufs-Limit-Order zu 49,50 Euro. Bei einem Kurs von 34 zahlt das niemand. Die Order legt sich ins Orderbuch, wartet, und Jonas hält seine 200 Aktien weiter.
Die Deutsche Börse führt genau diesen Fall in ihrer Ordertypen-Übersicht als Beispiel an. Ist der Kurs beim Auslösen bereits jenseits des Limits, wird die Limit-Order nicht ausgeführt. Das ist kein Fehler im System, sondern die Zusage, die Jonas gegeben wurde. Sein Limit hat gehalten, es hat nur nichts verkauft.
Ein Stop-Limit ist damit gut gegen einen ruckeligen Markt und schwach gegen einen fallenden. Für den Fall, an den die meisten beim Wort Stop-Loss denken, ist es die schwächere der beiden Varianten. Wer den Preis absichern will, muss akzeptieren, dass die Absicherung genau dann aussetzt, wenn es schnell geht.
Die bewegliche Variante
Der Stop, der mitwandert
Ein Trailing-Stop ist eine Stop-Market-Order mit beweglicher Marke. Du gibst keinen festen Preis an, sondern einen Abstand, entweder in Euro oder in Prozent. Die Marke wird laufend am Referenzpreis nachgezogen, im fortlaufenden Handel ebenso wie in der Auktion.
Nadja kauft ihre Kavaro-Aktien am ersten Handelstag zu 42,00 Euro und wählt 15 Prozent Abstand. Ihre Marke steht damit zunächst bei 35,70. Kavaro läuft in den folgenden Monaten bis auf 78,00 Euro, und die Marke wandert mit, immer 15 Prozent darunter, zuletzt 66,30.
Dann dreht der Wert. Und jetzt kommt der Teil, an dem sich der Trailing-Stop von allem anderen unterscheidet. Die Marke bleibt bei 66,30 stehen. Sie geht nie wieder zurück. Der Grund liegt auf der Hand, sobald man ihn einmal ausspricht. Eine Marke, die auch nachgibt, wäre kein Boden mehr. Sie würde in jedem Rückgang mitrutschen und nie auslösen.
Bei 66,30 löst Nadjas Stop aus, ausgeführt wird zu rund 66,10. Sie ist raus, Wochen bevor die Gewinnwarnung kommt. Das ist der Fall, für den das Instrument gebaut ist.
Dieselben 15 Prozent hätten sie aber auch aus jedem Rückgang geworfen, der sich danach wieder erholt. Der Abstand kennt den Unterschied zwischen einem Rücksetzer und einem Absturz nicht, er kennt nur seine Zahl. Wie oft ein Kurs ohne jede Nachricht um mehrere Prozent hin und her läuft, steht im Teil zur Volatilität.
Eine Ebene tiefer
Wenn viele dieselbe Marke gesetzt haben
Stops sind unsichtbare Verkaufsorders, die alle im selben Moment sichtbar werden. Verteilt sind sie dabei alles andere als gleichmäßig. Sie ballen sich an runden Zahlen und knapp unter markanten Tiefs, weil Menschen ihre Marken dort setzen.
Wird eine solche Zone erreicht, treffen viele Market-Orders gleichzeitig auf ein Buch, das in diesem Moment ohnehin dünn ist. Hier liegt die Pointe, die der Intuition zuwiderläuft. Ein Market Maker stellt bei einseitigem Fluss weniger Liquidität, nicht mehr, weil er an jedem Stück verliert, das er in eine wegbrechende Nachfrage hineinkauft. Das Buch ist am tiefsten, wenn beide Seiten handeln, und am dünnsten genau dann, wenn die Stops kommen.
Das Instrument, das vor einer Bewegung schützen soll, ist in dem Moment ein Teil von ihr. Bei Kavaro springt das Volumen am Tag der Gewinnwarnung auf über vier Millionen Stück, gegenüber rund 0,4 Millionen an einem normalen Tag. Ein spürbarer Anteil davon sind Aufträge, die niemand an diesem Morgen bewusst erteilt hat.
An der Mechanik deiner eigenen Order ändert das nichts. Es erklärt aber, warum die Zone dicht unter einem viel beachteten Kursniveau selten ein ruhiger Platz für eine Marke ist.
Häufige Fehler
Was beim Setzen einer Marke am häufigsten schiefgeht
Die meisten Fehler entstehen nicht daraus, dass jemand die Ordertypen nicht kennt. Sie entstehen daraus, dass die Marke für ein Versprechen gehalten wird, das sie nie war. Fünf Muster fallen besonders oft auf.
Diese Fehler kosten am ehesten Geld:
- Die Marke für einen Verkaufspreis halten. Im Beispiel oben sind das 3.240 Euro Unterschied auf 200 Aktien, und kein Cent davon steht als Gebühr auf der Abrechnung.
- Die Marke so eng unter den Kurs legen, dass die normale Tagesschwankung sie trifft. Bei einem Wert, der am Tag um zwei Prozent hin und her läuft, ist ein Abstand von einem Prozent ein Verkauf mit Ansage.
- Den Abstand am angezeigten Kurs messen und die Spanne vergessen. Verkauft wird am Geldkurs, und bei einem Nebenwert mit 1,5 Prozent zwischen Geld und Brief ist die Marke näher, als sie im Chart aussieht. Was in dieser Spanne steckt, steht im Teil zu Bid, Ask, Spread und Markttiefe.
- Beim Stop-Limit Marke und Limit auf denselben Wert setzen. Dann ist genau ein Preis ausführbar, und der ist im Moment des Auslösens meist schon vorbei.
- Den Stop über Nacht oder über das Wochenende als Schutz betrachten. In dieser Zeit wird nicht gehandelt, also kann nichts auslösen. Der erste Preis am Morgen kann weit unter der Marke liegen, und dann greift die Order genau dort.
Entscheidungshilfe
Welche Variante zu welcher Frage passt
Es gibt keine Marke, die für jeden Wert und jede Lage stimmt. Es gibt aber ein paar Fragen, deren Antwort die Variante schon festlegt. Die ersten beiden sind die eigentliche Weiche, der Rest sind Prüfungen daran.
So kommst du zu deiner Variante:
- Wenn dir wichtiger ist, auf jeden Fall aus der Position zu kommen, nimm die Variante ohne Limit und rechne damit, dass der Preis von der Marke abweicht.
- Wenn dir wichtiger ist, keinen Preis unterhalb einer festen Grenze zu akzeptieren, nimm das Stop-Limit und rechne damit, dass im schnellen Fall gar nicht verkauft wird.
- Wenn du eine Marke nachziehen willst, ohne das von Hand zu tun, ist der Trailing-Stop dafür gebaut. Prüfe vorher im Preis- und Leistungsverzeichnis, ob dein Handelsplatz ihn als eigenen Ordertyp führt.
- Wenn der Abstand kleiner ist als die übliche Tagesspanne des Werts, ist die Marke zu eng, egal welche Variante darunter steht.
- Wenn du monatlich in einen breit gestreuten ETF sparst, stellt sich die Frage praktisch nicht. Eine Sparplan-Ausführung läuft ohnehin zum festen Termin ohne Grenze, und eine Marke darauf würde einen Buchverlust in einen abgerechneten verwandeln und dich danach vor die schwerere Frage stellen, wann du wieder einsteigst.
Einordnung
Der Rest ist Ausführung
Du kannst jetzt die drei Varianten auseinanderhalten und weißt, welche Zusage jede von ihnen gibt. Vor allem weißt du, dass die Zahl im Stop-Feld eine Bedingung ist und kein Preis. Wer das einmal sauber getrennt hat, liest jede Ordermaske anders.
Was in Merets Beispiel offen bleibt, ist die Lücke selbst. Zwischen dem Preis, der die Marke erfüllt, und dem Preis in der Abrechnung lagen 20 Cent, an einem ruhigeren Tag wären es andere Beträge gewesen. Diese Lücke hat einen eigenen Namen und mehrere Ursachen, und sie tritt keineswegs nur bei Stops auf. Sie ist das Thema des nächsten Teils.
Häufige Fragen
- Kostet ein Stop-Loss etwas?
- Das Einstellen und Ändern ist bei den meisten Brokern kostenlos, bezahlt wird erst die Ausführung, und zwar wie bei jeder anderen Order. Der größere Betrag steckt allerdings selten in der Gebühr. Er steckt in der Differenz zwischen der Marke und dem Preis, zu dem tatsächlich ausgeführt wurde.
- Sieht ein anderer Anleger meinen Stop?
- Im Orderbuch steht er bis zum Auslösen nicht, dort taucht er erst auf, wenn die Marke erfüllt ist. Dein Broker und der Handelsplatz kennen ihn technisch, weil sie ihn ja überwachen müssen. Öffentlich sichtbar wird er nicht.
- Gibt es einen Stop, der den Preis wirklich garantiert?
- Garantierte Stops gibt es, sie sind aber kein Ordertyp einer deutschen Börse. Anbieter von Differenzkontrakten und einzelne Broker stellen sie gegen einen Aufschlag, und die Garantie gibt dann dieser Anbieter, nicht der Markt. Im normalen Wertpapierhandel an Xetra, Tradegate oder gettex existiert sie nicht. Was Broker im Wertpapiergeschäft anbieten dürfen und woran du dich orientieren kannst, fasst die BaFin in ihren Hinweisen für Verbraucher zusammen.
- Wie lange bleibt ein Stop bestehen?
- Das hängt an der Gültigkeit, die du beim Aufgeben wählst. Tagesgültig verfällt er am Handelsschluss, längere Fristen sind je nach Broker und Handelsplatz begrenzt, häufig auf einige Monate. Eine Marke, die du vor einem Jahr gesetzt und seitdem nicht angefasst hast, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit längst erloschen.
Quellen & weiterführende Links
Nächster Schritt
Was am Ende auf dem Konto ankommt
Zwischen der Marke im Orderfeld und dem Betrag, der Tage später gutgeschrieben wird, liegen mehrere Schritte. Sichtbar bleibt davon nur das Ergebnis, und das steht auf dem Konto. Portora führt deine Konten und Buchungen an einer Stelle zusammen und zeigt je Konto einen Verlauf, den du zwischen Bestand, Zu- und Abfluss und Saldo umschalten kannst.
Funktionen ansehenVom Wissen in die Anwendung
Wenn du die Einordnung auf deine eigene Lage anwenden willst, findest du in Portora den direkten Einstieg.
Wissen schafft Orientierung. Der nächste Schritt bleibt die Registrierung oder der Blick in die passende Produktseite.