Stand:

Aktien & BörseTeil 8 von 12

Market-Order und Limit-Order, Tempo gegen Preissicherheit

Bei jeder Order entscheidest du zwischen zwei Dingen, die sich nicht gleichzeitig haben lassen. Entweder du bist sicher im Geschäft, oder du weißt vorher, was du zahlst. Dieser Teil zeigt, wie beide Ordertypen im Orderbuch wirken, was sie im dünnen Markt kosten und warum eine Teilausführung kein Fehler ist.

Portora Redaktion8 Min LesezeitAktualisiert

Grundlage

Zwei Arten, denselben Auftrag zu formulieren

Stell dir vor, du schickst jemanden zum Markt. Du kannst sagen, bring mir zwanzig Eier mit, egal was sie kosten. Oder du kannst sagen, bring mir zwanzig Eier mit, aber höchstens für 6 Euro. Beides sind klare Aufträge, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

Der erste Auftrag garantiert, dass du Eier bekommst. Der zweite garantiert, dass du nicht zu viel zahlst. Beides zusammen geht nicht, weil der Markt nicht beides zusagen kann.

An der Börse heißen diese beiden Aufträge Market-Order und Limit-Order. Sie unterscheiden sich in genau einem Feld der Ordermaske, nämlich in der Frage, ob du eine Preisgrenze angibst oder nicht. Was danach im Buch passiert, ist aber grundverschieden. Wie dieses Buch aufgebaut ist, zeigt der Teil zum Orderbuch und zur Kursentstehung.

Kernkonzept

Was eine Market-Order tut

Eine Market-Order nennt keine Preisgrenze. Sie geht ins Buch, sucht die beste Gegenseite und nimmt sie sofort. Solange gehandelt wird und überhaupt jemand auf der anderen Seite steht, wird sie ausgeführt. Genau diese Zusage ist einer der Gründe, warum es Börsen gibt.

Im deutschen Sprachgebrauch heißt sie beim Kauf oft billigst und beim Verkauf bestens. Beide Wörter klingen nach einem Preisversprechen und sind keines. Sie bedeuten ausschließlich, dass keine Grenze gesetzt ist. Die Deutsche Börse beschreibt sie in ihrer Übersicht der Xetra-Ordertypen als unlimitierte Kauf- oder Verkaufsorder, die bei der nächsten Preisfeststellung ausgeführt werden soll.

Der Vorteil ist das Tempo. Der Preis bleibt dafür offen, und zwar nach oben. Reicht die Menge auf der besten Preisstufe nicht aus, nimmt die Order die nächste Stufe dazu, und die danach. Sie nimmt damit Liquidität aus dem Buch heraus.

Kernkonzept

Was eine Limit-Order tut

Eine Limit-Order nennt eine Grenze. Beim Kauf ist das der Höchstpreis, den du zu zahlen bereit bist, beim Verkauf der Mindestpreis, den du haben willst. Ausgeführt wird sie nur zu diesem Preis oder besser, nie schlechter. So steht es auch in der Übersicht der Xetra-Ordertypen, ausgeführt wird zum angegebenen Preislimit oder besser.

Findet sie im Moment der Aufgabe keine passende Gegenseite, verschwindet sie nicht. Sie legt sich als eigene Zeile ins Orderbuch, auf ihre Preisstufe, und zwar hinter alle Aufträge, die dort schon warten. Ab diesem Moment bist du selbst die Gegenseite für jemand anderen.

Ein häufiges Missverständnis betrifft den umgekehrten Fall. Setzt du beim Kauf ein Limit über dem aktuellen Briefkurs, wird sofort ausgeführt, und zwar zum günstigeren Marktpreis, nicht zu deinem Limit. Das ist kein Bedienfehler, sondern die normale Wirkung. Dein Limit ist eine Obergrenze, keine Zielvorgabe.

Der Preis dafür ist Zeit und Unsicherheit. Eine Limit-Order kann Minuten liegen, Tage liegen oder nie ausgeführt werden.

Vergleich

Die beiden Ordertypen nebeneinander

Wenn man beide Typen entlang derselben Fragen durchgeht, wird die Aufteilung deutlich. Keiner der beiden ist der bessere, sie tauschen nur zwei verschiedene Dinge gegeneinander ein.

Dieselben sieben Fragen, zwei verschiedene Antworten.

Market-OrderLimit-Order
Was du festlegstnur die MengeMenge und Preisgrenze
Ausführungso gut wie sichernur, wenn der Markt dein Limit erreicht
Preisoffen, du nimmst, was im Buch liegtnie schlechter als dein Limit
Im dünnen Buchräumt mehrere Preisstufen abbleibt liegen, statt teuer zu kaufen
Teilausführungseltenhäufig, der Rest bleibt im Buch
Wirkung im Orderbuchnimmt Liquidität herauslegt Liquidität hinein
Passt, wenndie Ausführung wichtiger ist als der Centder Preis wichtiger ist als das Tempo

Praxisbeispiel

Was 1.000 Stück in einem dünnen Buch kosten

Tarek, 29, will 1.000 Aktien der Norddeutschen Werkstoff AG kaufen, eines erfundenen Nebenwerts mit rund 20.000 gehandelten Stück am Tag. Der beste Briefkurs steht bei 12,60 Euro, dahinter liegen 250 Stück. Auf den nächsten Stufen warten 200 Stück zu 12,70, 300 zu 12,80 und 250 zu 12,95 Euro.

Gibt Tarek eine Market-Order, arbeitet sie sich durch alle vier Stufen. Er bekommt seine 1.000 Stück und zahlt dafür 12.767,50 Euro, im Schnitt also 12,77 statt der angezeigten 12,60. Die Differenz von 167,50 Euro ist keine Gebühr, sie steckt im Ausführungspreis.

Gibt er stattdessen eine Limit-Order zu 12,70 Euro, bekommt er 450 Stück für 5.690 Euro. Die restlichen 550 Stück bleiben als Kaufgebot zu 12,70 im Buch liegen und warten darauf, dass jemand zu diesem Preis verkaufen will.

Zum Vergleich derselbe Auftrag bei einem viel gehandelten Wert. Eine Order über 1.000 Kavaro-Aktien trifft dort auf 1.800 Stück auf der besten Preisstufe und wird komplett zu 40,02 Euro ausgeführt. Ein Limit hätte dabei nichts gespart, weil die Order die erste Stufe gar nicht verlässt. Genau deshalb ist die Frage nach dem Ordertyp bei einem großen Wert meist belanglos und bei einem Nebenwert entscheidend.

Welche der beiden Varianten besser war, weiß man erst hinterher. Steigt der Kurs weiter, hat Tarek 550 Stück nicht bekommen und muss sie teurer nachkaufen. Fällt er, hat er 167,50 Euro gespart. Die Ordertyp-Wahl entscheidet nicht über das Ergebnis, sie entscheidet darüber, welches der beiden Risiken du trägst.

Teilausführung

Wenn nur ein Teil deiner Order ankommt

Tareks 450 Stück sind eine Teilausführung. Das ist kein Fehler und keine Störung, sondern der Normalfall bei einer Limit-Order, deren Menge größer ist als das, was zu diesem Preis gerade angeboten wird.

Der offene Rest bleibt als eigener Auftrag im Buch stehen, mit derselben Grenze und derselben Gültigkeit. Wird später zu diesem Preis verkauft, kommt eine zweite Ausführung dazu, danach vielleicht eine dritte.

Genau hier lohnt ein Blick ins Preisverzeichnis deines Brokers. Manche rechnen jede Teilausführung als eigene Ausführung ab, andere fassen alle Teilausführungen eines Tages zu einer Abrechnung zusammen. Bei einer 15-Euro-Gebühr und drei Teilen ist das ein Unterschied von 30 Euro. Fragen zu Teilausführungen und zur Gebührengestaltung beantwortet auch die BaFin in ihren Hinweisen für Verbraucher.

Es gibt Order-Zusätze, mit denen sich Teilausführungen ausschließen lassen. Sie erkaufen das mit einer geringeren Chance auf Ausführung überhaupt und sind ein eigenes Thema in dieser Reihe.

Grenzen des Limits

Wann eine Limit-Order liegen bleibt

Ein Limit schützt vor einem schlechten Preis. Ob du überhaupt zum Zug kommst, sagt es nicht. Drei Gründe dafür tauchen im Alltag regelmäßig auf.

Der erste ist offensichtlich. Der Kurs erreicht deine Grenze nie und läuft in die andere Richtung davon. Deine Order steht im Buch, sichtbar für alle, und bleibt unberührt.

Der zweite ist die Gültigkeit. Eine tagesgültige Order verfällt am Handelsschluss. Wer sie länger im Buch haben will, muss das beim Aufgeben wählen oder sie am nächsten Tag neu stellen.

Der dritte überrascht die meisten. Auf einer Preisstufe gilt die Reihenfolge des Eingangs. Lagen dort schon 3.000 Stück, bevor deine Order kam, werden diese zuerst bedient. Verkauft dann jemand nur 2.000 Stück zu diesem Preis, geht deine Order leer aus, obwohl der Kurs dein Limit berührt hat. Wie stark ein Kurs im Tagesverlauf ohnehin hin und her läuft, zeigt der Teil zur Volatilität und ihren Ursachen.

Ein unausgeführtes Limit ist ein Ergebnis, keine Panne. Es sagt dir, dass niemand zu deinem Preis verkaufen wollte.

Häufige Fehler

Was bei der Wahl des Ordertyps schiefgeht

Die meisten Fehler entstehen nicht aus Unwissen über die Ordertypen, sondern daraus, dass der falsche im falschen Marktumfeld benutzt wird. Fünf Muster fallen besonders oft auf.

Diese Fehler kosten am ehesten Geld:

  • Billigst für einen günstigen Preis halten. Das Wort sagt nur, dass keine Grenze gesetzt ist, und in einem dünnen Buch ist genau das die teure Variante.
  • Ein Kauflimit exakt auf den angezeigten Kurs setzen. Angezeigt ist meist der letzte Abschluss, gekauft wird am Briefkurs darüber, und deshalb passiert erst einmal nichts.
  • Das Limit so eng setzen, dass es praktisch nie erreicht wird, und dann wochenlang auf eine Ausführung warten, die inzwischen gar nicht mehr ins eigene Bild passt.
  • Eine Market-Order in einen Nebenwert geben. Bei 12.600 Euro Volumen sind das im Beispiel oben 167,50 Euro, also ein Vielfaches jeder Ordergebühr.
  • In den ersten Minuten nach der Eröffnung ohne Limit ordern. Dann liegen noch wenige Aufträge im Buch, und der erste Kurs des Tages kann deutlich vom Schlusskurs des Vortages abweichen.
Ein Limit kostet dich manchmal den Kauf. Eine Market-Order kostet dich manchmal den Preis.

Entscheidungshilfe

Wann Market, wann Limit

Es gibt keine Regel, die für jede Order gilt. Es gibt aber ein paar Lagen, in denen die Antwort ziemlich eindeutig ist. Die folgenden Fälle decken den Alltag ab.

So entscheidest du:

  • Wenn du einen viel gehandelten Wert während der Kernzeit kaufst und deine Menge klein ist, reicht eine Order ohne Limit. Der Unterschied liegt dort im Centbereich.
  • Wenn der Abstand zwischen Geld- und Briefkurs über einem Prozent liegt, setze ein Limit. Dort entscheidet die Grenze über mehr Geld als die Ordergebühr.
  • Wenn du außerhalb der Kernzeit oder direkt nach der Eröffnung handelst, setze ein Limit, auch bei großen Werten.
  • Wenn du verkaufen musst, weil du das Geld zu einem festen Termin brauchst, ist die sichere Ausführung wichtiger als der letzte Cent.
  • Wenn dein Limit nach einem Tag nicht ausgeführt wurde, prüfe zuerst, ob der Kurs deine Grenze überhaupt erreicht hat, bevor du sie verschiebst.

Einordnung

Die Grenze nach unten fehlt noch

Du kennst jetzt beide Grundformen einer Order und weißt, welche Frage jede von ihnen beantwortet. Zusammen mit der Spanne und der Markttiefe aus dem letzten Teil lässt sich damit vor jedem Klick abschätzen, was der Auftrag kostet und wie sicher er ankommt.

Beide Typen sagen allerdings nur, wie gekauft oder verkauft wird, wenn du es gerade willst. Keiner von ihnen reagiert auf etwas, das später passiert.

Genau das leisten die Stop-Varianten. Ein Stop ist dabei kein dritter Ordertyp, sondern ein Auslöser, der eine der beiden Grundformen scharf macht, sobald ein bestimmter Kurs erreicht ist. Wie Stop-Loss, Stop-Limit und Trailing-Stop dabei genau vorgehen, ist das Thema des nächsten Teils.

Häufige Fragen

Was bedeuten billigst und bestens?
Es sind die deutschen Ausdrücke für eine Order ohne Preisgrenze, billigst beim Kauf und bestens beim Verkauf. Sie versprechen keinen guten Preis. Sie besagen nur, dass du kein Limit gesetzt hast und den Preis nimmst, der sich im Buch ergibt.
Warum wurde meine Limit-Order nicht ausgeführt, obwohl der Kurs mein Limit erreicht hat?
Auf einer Preisstufe gilt die Reihenfolge des Eingangs. Waren dort ältere Aufträge vor deinem und reichte die Gegenseite nur für diese, kommst du nicht zum Zug. Der Kurs kann dein Limit also berühren, ohne dass deine Order bedient wird.
Kostet eine Teilausführung mehr Gebühren?
Das hängt vom Preisverzeichnis ab. Manche Broker rechnen jede Teilausführung einzeln ab, andere fassen alle Teile eines Handelstages zu einer Abrechnung zusammen. Bei mehreren Teilen und einer festen Gebühr je Ausführung macht das einen spürbaren Unterschied.

Quellen & weiterführende Links

  1. Deutsche Börse, Ordertypen und Orderattribute auf Xetra
  2. Deutsche Börse, Börsenlexikon Billigst
  3. BaFin, Wertpapiergeschäfte für Verbraucher

Nächster Schritt

Den Betrag im Blick behalten, nicht nur den Kurs

Ob eine Order mit oder ohne Limit lief, steht nach ein paar Wochen in keiner Erinnerung mehr. Was zählt, ist die Summe, die im Jahr tatsächlich vom Konto gegangen ist. Portora führt deine Konten und Buchungen an einer Stelle zusammen und zeigt Ein- und Auszahlungen über frei wählbare Zeiträume.

Funktionen ansehen

Vom Wissen in die Anwendung

Wenn du die Einordnung auf deine eigene Lage anwenden willst, findest du in Portora den direkten Einstieg.

Wissen schafft Orientierung. Der nächste Schritt bleibt die Registrierung oder der Blick in die passende Produktseite.