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Aktien & BörseTeil 2 von 5

Woraus eine Börse besteht, Teilnehmer, Regeln und Orderbuch

Der erste Teil hat gezeigt, welches Problem eine Börse löst. Dieser Teil öffnet sie und schaut hinein. Eine Börse ist ein geordnetes System aus Teilnehmern, Regeln und Technik. Wer darin welche Rolle spielt, macht den Handel erst berechenbar.

Portora Redaktion7 Min LesezeitAktualisiert

Grundlage

Vier Teile, die zusammen eine Börse ergeben

Wenn du an eine Börse denkst, hast du vielleicht den großen Saal mit hektischen Händlern im Kopf. Dieses Bild ist überholt. Der Handel läuft heute fast vollständig elektronisch, das historische Parkett ist nur noch Kulisse für die Kameras. Was eine Börse wirklich ausmacht, ist das Zusammenspiel aus Menschen, Regeln und Technik.

Ein Vergleich hilft. Ein Flughafen ist auch nicht das Terminalgebäude, sondern das ganze abgestimmte System aus Rollbahnen, Lotsen, Regeln und Maschinen. Fällt eins davon aus, steht der Betrieb. Bei einer Börse ist es genauso, sie besteht aus vier Bausteinen, die nur zusammen funktionieren.

Diese vier sind die Teilnehmer, die Regeln, das Orderbuch als technischer Kern und die Aufsicht darüber. Die Kavaro Interactive AG, unsere erfundene Beispielaktie, wird an der elektronischen Handelsplattform Xetra der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. An ihr lässt sich jeder Baustein zeigen.

Teilnehmer

Wer an der Börse mitspielt

Der erste Baustein sind die Teilnehmer, und davon gibt es mehr als nur Käufer und Verkäufer. Auf der einen Seite stehen die Anleger, vom Privatanleger mit einem Sparplan bis zum großen Fonds. Sie besitzen die Papiere und wollen sie kaufen oder verkaufen. Was eine Aktie als Anteil am Unternehmen ist und was eine Anleihe mit ihrem Zins, klären eigene Artikel, hier geht es um ihren Handel.

Zwischen die Anleger und die Börse schiebt sich der Broker. Als Privatanleger handelst du nicht direkt an Xetra, sondern gibst deinen Auftrag bei einem Broker oder einer Bank auf, die ihn an die Börse weiterleitet. Daneben gibt es die Market Maker, die laufend verbindliche Kauf- und Verkaufskurse stellen und dafür sorgen, dass ein Papier auch dann handelbar ist, wenn gerade kein anderer Anleger auf der Gegenseite steht. Wie aus Angebot und Nachfrage überhaupt ein Preis wird, ist ein Thema für sich.

Die Börse selbst ist ein weiterer Teilnehmer, aber ein besonderer. Sie betreibt den Marktplatz und stellt die Technik, sie handelt selbst nicht mit. Und über allem steht die Aufsicht, in Deutschland die BaFin, die den geordneten Ablauf überwacht. Der Betreiber und der Aufseher sind bewusst getrennt, keiner kontrolliert sich selbst.

Regeln

Die Regeln, die den Handel ordnen

Der zweite Baustein sind die Regeln, und sie sind der Grund, warum an der Börse nicht das Faustrecht gilt. Die wichtigste heißt Preis-Zeit-Priorität. Sie besagt, dass zuerst der beste Preis zum Zug kommt und bei gleichem Preis der Auftrag, der zuerst da war. Diese eine Regel macht den Handel für alle nachvollziehbar, ohne dass jemand entscheidet, wer bevorzugt wird.

Dazu kommen feste Handelszeiten. Xetra handelt Kavaro werktags von 09:00 bis 17:30 Uhr, außerhalb dieser Zeit läuft der Handel nur über andere Plätze und dünner. Und es gibt Marktsegmente mit unterschiedlich strengen Pflichten. Kavaro notiert im Prime Standard, dem Segment des regulierten Marktes mit den höchsten Transparenzanforderungen, etwa Quartalsberichten und Meldepflichten.

Die Zulassung zu einem Segment ist selbst eine Regel. Ein Unternehmen muss Bedingungen erfüllen, bevor seine Aktie überhaupt gehandelt werden darf. Wie im Lexikon der Börse Frankfurt nachzulesen, sorgt dieses Regelwerk dafür, dass alle Teilnehmer wissen, woran sie sind. Es garantiert allerdings keinen bestimmten Kurs, es ordnet nur den Ablauf.

Praxisbeispiel

Wie eine Kavaro-Order durch das System läuft

Nehmen wir Jonas, 41, der 50 Kavaro-Aktien kaufen möchte. Der Kurs steht bei rund 40 Euro, sein Auftrag ist also etwa 2.000 Euro groß. Jonas klickt in der App seines Brokers auf Kaufen. In diesem Moment beginnt eine Kette, von der er selbst nichts sieht.

Sein Broker nimmt den Auftrag entgegen und leitet ihn an einen Handelsplatz weiter, sagen wir an Xetra. Dort landet er im Orderbuch, dem technischen Kern der Börse, in dem alle Kauf- und Verkaufsaufträge nach Preis und Zeit geordnet warten. Trifft Jonas' Auftrag auf eine passende Gegenseite, kommt das Geschäft nach der Preis-Zeit-Priorität zustande, in Sekundenbruchteilen.

Danach übernimmt die Abwicklung. Zentrale Stellen sorgen dafür, dass Jonas die 50 Aktien bekommt und der Verkäufer sein Geld, in Deutschland üblicherweise zwei Handelstage später. Aus einem Klick ist so das ganze System geworden. Teilnehmer, Regeln und Orderbuch führen zusammen, die Aufsicht wacht im Hintergrund, und die Abwicklung schließt den Handel ab. Jonas musste keinen dieser Teile kennen, damit sie greifen.

Handelsplätze

Ein Papier, viele Handelsplätze

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass es zu einer Aktie die eine Börse gibt. Tatsächlich wird dasselbe Papier oft an mehreren Handelsplätzen gleichzeitig gehandelt. Kavaro läuft an Xetra als Referenzmarkt, zusätzlich an Tradegate und an gettex in München.

Der Referenzmarkt ist dabei der mit der größten Liquidität, an ihm orientieren sich die anderen. Xetra hat feste Kernzeiten und die meisten Aufträge, dort ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis am engsten und der Kurs am belastbarsten, weil ein Preis die Erwartungen vieler verdichtet. Tradegate und gettex handeln länger in den Abend hinein, dort stellt oft ein einzelner Market Maker den Preis, und der Handel ist außerhalb der Xetra-Zeit teurer.

Für den Moment reicht das Bild von einem Leitmarkt und einigen Nebenplätzen. Welcher Handelsplatz für deine Order der günstigere ist und woran das liegt, schauen wir uns in einem eigenen Teil dieser Reihe genauer an.

Häufige Fehler

Was über den Aufbau einer Börse oft schiefgeht

Weil die Börse als ein großes Ganzes wirkt, werden ihre Bausteine leicht verwechselt oder mit falschen Erwartungen verknüpft. Vier Missverständnisse tauchen besonders oft auf.

Diese Denkfehler halten sich hartnäckig:

  • Das Parkett für den Handelsort halten. Gehandelt wird elektronisch, der historische Handelssaal spielt dabei keine Rolle mehr.
  • Denken, eine Aktie habe genau eine Börse. Dasselbe Papier läuft parallel an mehreren Plätzen mit leicht unterschiedlichen Kursen.
  • Betreiber und Aufsicht in einen Topf werfen. Die Börse betreibt den Marktplatz, die BaFin überwacht ihn, das sind getrennte Rollen.
  • Den regulierten Markt für eine staatliche Erfolgsgarantie halten. Die Regeln sichern Transparenz und Ablauf, nicht den Kurs oder den Geschäftserfolg.
Die Regeln ordnen den Handel. Sie versprechen dir keinen guten Preis und keine sichere Rendite.

Entscheidungshilfe

Was du über den Handelsort eines Papiers wissen solltest

Du musst nicht jeden Baustein im Detail kennen, um sinnvoll zu handeln. Ein paar Fragen helfen dir aber, einzuordnen, wo und wie ein Papier läuft, bevor du eine Order gibst.

Darauf lohnt sich ein Blick:

  • Schau, welches der Referenzmarkt ist, meist Xetra, denn dort ist die Preisstellung am belastbarsten.
  • Achte auf die Handelszeit, außerhalb der Kernzeit ist der Handel dünner und der Preisaufschlag oft größer.
  • Prüfe bei kleineren Werten das Segment, im Freiverkehr gelten weniger Transparenzpflichten als im regulierten Markt.
  • Wenn dir die Preisqualität wichtig ist, handle zu den Kernzeiten des Referenzmarktes statt spät am Abend.
Wo ein Papier läuft, entscheidet mit über den Preis, den du am Ende bekommst.

Einordnung

Das System steht, jetzt kommt der Geldfluss

Eine Börse ist also ein geordnetes System aus vier Teilen. Teilnehmer, die handeln oder den Markt betreiben, Regeln, die den Ablauf festlegen, ein Orderbuch, in dem die Aufträge zusammenkommen, und eine Aufsicht, die über allem wacht. Ein Räderwerk, das ineinandergreift.

Damit ist der Aufbau geklärt. Als Nächstes kommt eine Unterscheidung, die für dein eigenes Geld handfeste Folgen hat. Am Primärmarkt fließt Geld an das Unternehmen, am Sekundärmarkt nur zwischen Anlegern, und das entscheidet, was dein Kauf überhaupt bewegt.

Wie im Orderbuch aus den Aufträgen ein konkreter Kurs wird, ist der Anker dieser Reihe und ein eigener Teil. Erst danach ergibt der Aufbau seinen vollen Sinn.

Häufige Fragen

Ist eine Börse ein Gebäude?
Nein. Der Handel läuft heute elektronisch über Systeme wie Xetra. Das historische Parkett dient vor allem als Kulisse. Eine Börse ist ein System aus Teilnehmern, Regeln, einem Orderbuch und der Aufsicht darüber.
Was ist der Referenzmarkt einer Aktie?
Der Referenzmarkt ist der Handelsplatz mit der größten Liquidität, an dem sich die Preise der anderen Plätze orientieren. Für viele deutsche Aktien ist das Xetra. Dort ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis in der Regel am engsten.
Wer überwacht die Börse in Deutschland?
Die BaFin überwacht den fairen und geordneten Ablauf des Handels. Der Börsenbetreiber und die Aufsicht sind bewusst getrennt, damit sich niemand selbst kontrolliert. Zusätzlich gibt es an jeder Börse eine eigene Handelsüberwachung.

Quellen & weiterführende Links

  1. BaFin, Wertpapiergeschäfte
  2. Börse Frankfurt, Lexikon fortlaufender Handel

Nächster Schritt

Deine Handelsplätze an einer Stelle sehen

Wenn du weißt, dass ein Papier an mehreren Plätzen läuft, hilft es, den eigenen Bestand im Zusammenhang zu sehen. Portora führt deine Depots und ihre Entwicklung an einer Stelle zusammen, damit du das Gesamtbild liest statt vieler Einzelkurse.

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