Haushaltsausgaben vergleichen mit der OECD-Skala, warum drei Personen nicht das Dreifache brauchen
Eine Familie mit einem Kind liegt mit ihren Ausgaben 42 Prozent über dem Durchschnitt aller Haushalte und pro Kopf gerechnet 37 Prozent darunter, und beide Zahlen führen in die Irre. Rechnet sie mit der OECD-Skala, der Regel der Statistikämter für Haushalte unterschiedlicher Größe, und mit den Preisen von heute, liegt sie fast genau im Schnitt. Wie du das für deinen eigenen Haushalt nachrechnest, steht hier Schritt für Schritt.
Grundlage
Warum der Vergleich mit dem Durchschnitt oft schon vor dem Rechnen schiefgeht
Wer seine Haushaltsausgaben mit dem Durchschnitt vergleicht, legt meist zwei Zahlen nebeneinander, die eigene Monatssumme und einen Wert des Statistischen Bundesamts. Zwischen beiden liegen vier Unterschiede, und jeder davon kann das Ergebnis drehen. Der erste ist die Größe des Haushalts. Für ihn haben die Statistikämter eine feste Rechenregel, die modifizierte OECD-Skala, die jede Person im Haushalt gewichtet. Die Durchschnittswerte selbst, nach Haushaltsgröße und Ausgabenbereichen aufgeschlüsselt, findest du in der Übersicht, was ein Haushalt laut Destatis im Monat ausgibt. Hier geht es darum, wie du deinen eigenen Haushalt fair danebenlegst.
Die anderen drei Unterschiede sind unauffälliger. Ein Durchschnitt ist nicht der Haushalt in der Mitte, denn wenige hohe Ausgaben ziehen ihn nach oben. Die Statistik stammt aus einem früheren Jahr, und die Preise sind seitdem gestiegen. Und sie zählt manches nicht als Ausgabe, was in deinem Haushaltsbuch ganz selbstverständlich steht, etwa Versicherungsbeiträge, Kreditraten oder den Sparplan.
Wie stark das wirkt, zeigt eine Familie, die weiter unten durchgerechnet wird. Je nach Vergleich liegt sie 42 Prozent über dem Durchschnitt, 37 Prozent darunter, 17 Prozent darunter oder fast genau darauf. Zwei dieser Vergleiche sind schief. Die beiden anderen sind fair und beantworten verschiedene Fragen.
OECD-Skala
Warum drei Personen nicht das Dreifache eines Singles brauchen
Nach der modifizierten OECD-Skala bekommt die erste erwachsene Person im Haushalt das Gewicht 1. Jede weitere Person ab 14 Jahren zählt 0,5. Ein Kind unter 14 Jahren zählt 0,3. So beschreiben es das Statistische Bundesamt und Eurostat, die mit dieser Skala Einkommen von Haushalten unterschiedlicher Größe vergleichbar machen. Die Gewichte aller Personen werden addiert, und durch diese Summe teilst du die Ausgaben des ganzen Haushalts.
Der Grund für die kleinen Gewichte ist das gemeinsame Wirtschaften. Eine Familie teilt sich eine Küche, eine Waschmaschine, ein Wohnzimmer und einen Internetanschluss. Das Statistische Bundesamt nennt als Beispiel die gemeinsame Nutzung von Wohnraum und Haushaltsgeräten. Ein zweiter Erwachsener verdoppelt deshalb nicht die Kosten, er erhöht sie nach der Skala um die Hälfte dessen, was ein Single braucht. Ein Kind unter 14 Jahren erhöht sie um knapp ein Drittel.
Destatis rechnet das an einem Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren vor. Der Haushalt hat das Gewicht 2,1. Ein verfügbares Einkommen von 4.500 Euro im Monat entspricht damit 2.142,86 Euro für eine allein lebende Person. Mit Ausgaben funktioniert die Rechnung genauso. Die Tabelle zeigt, welche Ausgaben nach der Skala gleichwertig sind, wenn ein Single 2.122 Euro im Monat ausgibt. Das ist der Durchschnitt der Einpersonenhaushalte aus dem Jahr 2024, hochgerechnet auf die Preise der zwölf Monate von September 2025 bis August 2026, die Rechnung dazu steht weiter unten.
Mit dem 14. Geburtstag steigt das Gewicht eines Kindes von 0,3 auf 0,5. Ein Paar mit einem Kind wächst damit rechnerisch von 1,8 auf 2,0, ohne dass jemand eingezogen ist. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Skala ist für Einkommen gebaut, und auf Ausgaben übertragen ist sie eine Näherung. Außerdem gilt sie für alle Haushalte gleich. Ob ein Kind in deinem Haushalt mit Kita-Gebühren, Nachhilfe oder Vereinsbeiträgen mehr kostet als das Gewicht 0,3, misst sie nicht.
Gewichte nach der modifizierten OECD-Skala und die Ausgaben, die 2.122 Euro eines Singles im Monat entsprechen
| Rechnung | Gewicht | Gleichwertige Ausgaben | Pro Kopf gerechnet | |
|---|---|---|---|---|
| Alleinlebend | 1 | 1,0 | 2.122 Euro | 2.122 Euro |
| Paar ohne Kind | 1 + 0,5 | 1,5 | 3.183 Euro | 4.244 Euro |
| Alleinerziehend, ein Kind unter 14 | 1 + 0,3 | 1,3 | 2.759 Euro | 4.244 Euro |
| Paar, ein Kind unter 14 | 1 + 0,5 + 0,3 | 1,8 | 3.820 Euro | 6.366 Euro |
| Paar, ein Kind ab 14 | 1 + 0,5 + 0,5 | 2,0 | 4.244 Euro | 6.366 Euro |
| Paar, zwei Kinder unter 14 | 1 + 0,5 + 0,3 + 0,3 | 2,1 | 4.456 Euro | 8.488 Euro |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Eurostat; Basis Einpersonenhaushalte LWR 2024, mit dem Verbraucherpreisindex auf den Schnitt September 2025 bis August 2026 fortgeschrieben
Skala und Statistik
Warum größere Haushalte in der Statistik mehr ausgeben, als die Skala vorsieht
Legt man die Skala neben die Tabelle der Laufenden Wirtschaftsrechnungen 2024, passen die Zahlen nicht zusammen. Einpersonenhaushalte gaben im Schnitt 2.042 Euro im Monat für Konsum aus, Dreipersonenhaushalte 4.467 Euro. Das ist das 2,19-fache, die Skala setzt für ein Paar mit Kind 1,8 an. Vierpersonenhaushalte kamen auf 5.067 Euro, also das 2,48-fache, wo die Skala für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2,1 vorsieht.
Ein Widerspruch ist das nicht. Die Skala fragt, was ein größerer Haushalt für denselben Lebensstandard braucht, die Tabelle zeigt, was verschiedene Haushalte tatsächlich ausgeben. In der Spalte der Dreipersonenhaushalte stehen Paare mit einem Kind, aber auch Haushalte mit drei Erwachsenen, für die die Skala selbst 2,0 ansetzt. Dazu unterscheiden sich die Haushalte im Einkommen, und wie stark die Ausgaben daran hängen, zeigt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023. Das Zehntel mit den niedrigsten Einkommen gab 1.207 Euro im Monat für Konsum aus, das Zehntel mit den höchsten 5.776 Euro.
Für deinen Vergleich folgt daraus, dass es zwei faire Maßstäbe gibt. Teilst du deine Ausgaben durch das Gewicht deines Haushalts und vergleichst sie mit den Einpersonenhaushalten, fragst du, ob dein Haushalt nach Bedarf gewichtet mehr ausgibt als ein durchschnittlicher Single. Vergleichst du direkt mit Haushalten deiner Größe, fragst du, ob du mehr ausgibst als andere Haushalte mit so vielen Personen, mit deren Einkommen und deren Zusammensetzung. Beides ist zulässig. Schief wird es erst, wenn eine Familie sich mit dem Durchschnitt aller Haushalte misst oder pro Kopf mit einem Single.
Durchschnitt und Median
Der Durchschnittshaushalt ist nicht der Haushalt in der Mitte
Alle Werte in diesen Tabellen sind Durchschnitte je Haushalt und Monat, also die Summe aller Ausgaben geteilt durch die Zahl der Haushalte. Der Median ist etwas anderes. Er ist der Wert des Haushalts in der Mitte, wenn man alle Haushalte nach ihren Ausgaben aufreiht, die eine Hälfte gibt weniger aus, die andere mehr. Stehen am oberen Rand wenige sehr hohe Ausgaben, heben sie den Durchschnitt an, während der Median bleibt, wo er ist.
Ein Rechenbeispiel mit erfundenen Zahlen zeigt den Effekt. Neun Haushalte geben je 2.500 Euro im Monat aus, ein zehnter 12.000 Euro, weil er in diesem Monat ein Auto bezahlt hat. Der Durchschnitt liegt bei 3.450 Euro, der Median bei 2.500 Euro. Neun von zehn Haushalten liegen 950 Euro unter dem Durchschnitt, und keiner von ihnen ist sparsam.
Für echte Haushalte hat das Statistische Bundesamt beide Werte ausgewiesen, im Statistischen Bericht zu den Laufenden Wirtschaftsrechnungen 2022. Der Durchschnitt der privaten Konsumausgaben lag bei 2.846 Euro im Monat, der Median bei 2.376 Euro. Die Hälfte aller Haushalte gab also höchstens 2.376 Euro aus, 470 Euro weniger als der Durchschnitt.
Woher der Abstand kommt, zeigt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023, in der die Haushalte nach Einkommen in Zehntel sortiert sind. Das oberste Zehntel gab 5.776 Euro im Monat für Konsum aus, der Durchschnitt aller Haushalte lag bei 3.032 Euro. Das fünfte Zehntel kam auf 2.621 Euro und das sechste auf 2.998 Euro, die Mitte liegt also unter dem Durchschnitt.
Dazu kommt, dass ein Durchschnitt auch die Haushalte enthält, die für einen Bereich gar nichts ausgeben. Vierpersonenhaushalte zahlten 2024 im Schnitt 81 Euro im Monat für Bildungsdienstleistungen. Das kann bedeuten, dass jeder dieser Haushalte 81 Euro zahlt, oder dass ein Viertel 324 Euro zahlt und der Rest nichts, und die Tabelle verrät nicht, welches davon stimmt. Im Bereich Verkehr steckt nach der Konsumausgabenliste der Statistik auch der Kauf von Autos, im Durchschnitt verteilt auf alle Haushalte, auch auf die, die in dem Jahr keins gekauft haben.
Erhebungsjahr und Inflation
Die Statistik ist von 2024, deine Preise sind von heute
Die neuesten Werte der Laufenden Wirtschaftsrechnungen gelten für das Jahr 2024 und sind im August 2026 erschienen. Die große Einkommens- und Verbrauchsstichprobe läuft nur alle fünf Jahre, zuletzt 2023. Zwischen der Erhebung und deinem Haushaltsbuch liegen also zwei bis drei Jahre, und in dieser Zeit sind die Preise gestiegen. Wer seine Ausgaben von heute neben Ausgaben von 2024 legt, hält einen Teil der Inflation für eigenen Mehrverbrauch.
Die Korrektur ist eine Rechnung mit dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts. Er stand im Jahresdurchschnitt 2024 bei 119,3 Punkten. Vergleichst du einen Schnitt über zwölf Monate, nimmst du auch beim Index den Schnitt derselben zwölf Monate. Von September 2025 bis August 2026, dem jüngsten endgültigen Monatswert, lag er im Mittel bei 123,97 Punkten. 123,97 geteilt durch 119,3 ergibt rund 1,0391. Die Preise lagen also um 3,9 Prozent höher als im Schnitt des Jahres 2024. Mit dem August allein, 125,8 Punkte, kämen 5,4 Prozent heraus, zu viel für einen Zeitraum, in dem auch die niedrigeren Preise vom Herbst 2025 stecken.
Für die Einpersonenhaushalte werden so aus 2.042 Euro rund 2.122 Euro. Für die Dreipersonenhaushalte werden aus 4.467 Euro rund 4.642 Euro. Wer mit der EVS 2023 vergleicht, rechnet vom Jahresdurchschnitt 2023 aus, der bei 116,7 Punkten lag. Dort beträgt der Aufschlag für denselben Zeitraum 6,2 Prozent.
Zwei Grenzen hat die Rechnung. Der Verbraucherpreisindex misst die Preise eines durchschnittlichen Warenkorbs, und deiner ist anders zusammengesetzt. Energie war im September 2026 nach der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts 14,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, die Inflationsrate insgesamt lag bei 3,3 Prozent. Ein Haushalt mit hohen Heizkosten hat deshalb eine höhere eigene Rate, und wie du sie gegen die amtliche Zahl hältst, zeigt der Vergleich von gefühlter und gemessener Inflation. Außerdem korrigiert die Fortschreibung nur Preise. Ob die Haushalte heute andere Dinge kaufen oder mehr davon, erfasst sie nicht.
Auch zwei Jahrgänge der Statistik lassen sich nicht einfach verketten. Seit 2024 schreiben die befragten Haushalte einen Monat lang an statt drei, und Destatis weist in seiner Mitteilung zu den Konsumausgaben 2024 darauf hin, dass die Ergebnisse mit den Vorjahren nur eingeschränkt vergleichbar sind. Der Sprung von 2.846 Euro im Jahr 2022 auf 3.257 Euro im Jahr 2024 ist deshalb nicht allein Inflation.
Abgrenzung der Kategorien
Was die Statistik nicht als Ausgabe zählt, dein Haushaltsbuch aber schon
Die Durchschnittswerte messen private Konsumausgaben, und die sind enger gefasst als alles, was von deinem Konto abgeht. Nach der Definition des Statistischen Bundesamts enthalten sie keine Zahlungen für direkte Steuern, Versicherungen, Übertragungen an andere Haushalte sowie Tilgung und Zinsen von Krediten. Auch was du anlegst, zählt nicht dazu. Wer die Summe aus dem Haushaltsbuch unverändert neben den Durchschnitt legt, vergleicht deshalb zwei verschiedene Dinge.
Die zweite Lücke liegt im Haushaltsbuch selbst. Zählt es Umbuchungen zwischen eigenen Konten oder die Abrechnung der Kreditkarte als Ausgabe, ist die Summe aufgebläht, bevor der Vergleich beginnt, die doppelt gezählten Umbuchungen gehören zuerst heraus. Wer einzelne Bereiche wie Wohnen oder Verkehr vergleichen will, braucht außerdem Kategorien, die zu denen der Statistik passen, eine Anleitung dazu steht beim Kategorisieren von Ausgaben.
Eine Gruppe fehlt in den Laufenden Wirtschaftsrechnungen ganz. Haushalte von Selbstständigen, also Gewerbetreibenden, selbstständigen Landwirten und Freiberuflern, werden dort laut Methodenbeschreibung nicht befragt. Wer selbstständig ist, findet in diesen Tabellen keinen Haushalt wie den eigenen, und die Beiträge zur eigenen Kranken- und Altersvorsorge, die über sein Konto laufen, zählen ohnehin nicht als Konsum.
Diese Posten nimmst du vor dem Vergleich heraus oder rechnest sie um:
- Versicherungsbeiträge. Kfz-Haftpflicht und Kasko, Privathaftpflicht, Hausrat, Berufsunfähigkeit und private Zusatzversicherungen führt die Konsumausgabenliste außerhalb des Konsums. Dort bleibt nur ein kleiner Posten für Versicherungs- und Finanzdienstleistungen wie Kontoführungsgebühren, 2024 im Schnitt 6 Euro im Monat.
- Kfz-Steuer. Die Statistik führt sie bei den anderen Ausgaben außerhalb des Konsums, unter den sonstigen Steuern neben der Hundesteuer, und nicht bei den Steuern und Abgaben, die vom Bruttoeinkommen abgehen. Der Bereich Verkehr enthält sie ausdrücklich nicht.
- Kreditraten. Tilgung und Zinsen zählen nicht, der Kauf selbst schon. Ein Auto steht mit dem Kaufpreis im Bereich Verkehr, die Monatsrate für den Autokredit gehört deshalb nicht in deinen Vergleich.
- Sparpläne und andere Geldanlagen. Was auf das Tagesgeld oder in einen ETF-Sparplan fließt, ist Vermögensbildung.
- Unterhalt, Geldgeschenke, Spenden und Lotto. Sie stehen außerhalb des Konsums. Ein Geschenk, das du kaufst und verschenkst, zählt als Konsum.
- Wohneigentum. Hier läuft die Abgrenzung in beide Richtungen. Die Rate für den Baukredit zählt nicht, dafür rechnet die Statistik Eigentümern den Mietwert der eigenen Wohnung als Ausgabe an. Wer im Eigentum wohnt, setzt statt der Kreditrate die Miete an, die eine vergleichbare Wohnung kosten würde.
Praxisbeispiel
Familie Brandt rechnet viermal und bekommt vier Urteile
Sabine und Markus Brandt wohnen zur Miete und haben eine Tochter, Mia, neun Jahre alt. Ihr Haushaltsbuch zeigt für die zwölf Monate von September 2025 bis August 2026 im Schnitt 4.630 Euro Ausgaben im Monat, Umbuchungen zwischen eigenen Konten sind schon herausgerechnet. Zuerst legen sie die Summe neben den Durchschnitt aller Haushalte von 3.257 Euro. Sie liegen 42 Prozent darüber und erschrecken.
Der Fehler steckt an zwei Stellen. In den 4.630 Euro stecken 215 Euro für Versicherungen und 15 Euro Kfz-Steuer. Dazu kommen 290 Euro Rate für den Autokredit und 250 Euro für einen ETF-Sparplan. Nichts davon zählt in der Statistik als Konsum, und ohne diese 770 Euro bleiben 3.860 Euro. Außerdem mischt der Durchschnitt aller Haushalte Singles, Paare und Großfamilien und passt damit zu keinem Haushalt.
Dann versuchen sie es pro Kopf. 3.860 Euro geteilt durch drei sind 1.287 Euro je Person. Gegen die 2.042 Euro eines Einpersonenhaushalts sähe das sparsam aus, 37 Prozent darunter. Diese Rechnung unterstellt aber, dass Mia eine eigene Wohnung, eine eigene Waschmaschine und einen eigenen Internetanschluss braucht.
Fair wird es mit zwei Schritten. Erst schreiben sie die Statistik mit dem Indexschnitt genau ihrer zwölf Monate fort, aus 2.042 Euro werden 2.122 Euro. Dann teilen sie ihre Konsumausgaben durch das Gewicht ihres Haushalts. Zwei Erwachsene und ein Kind unter 14 Jahren ergeben das Gewicht 1,8. 3.860 Euro geteilt durch 1,8 sind 2.144 Euro je gewichteter Person. Das sind 22 Euro oder 1,1 Prozent mehr als beim durchschnittlichen Single, die Familie gibt für ihre Größe fast genau so viel aus wie der Durchschnitt.
Der zweite faire Vergleich nimmt die Dreipersonenhaushalte direkt. Fortgeschrieben auf denselben Zeitraum gaben sie im Schnitt 4.642 Euro aus, die Brandts liegen mit 3.860 Euro 17 Prozent darunter. Das widerspricht dem ersten Ergebnis nicht. In dieser Spalte stehen auch Haushalte mit drei Erwachsenen, für die schon die Skala 2,0 statt 1,8 ansetzt, und Haushalte mit ganz anderen Einkommen.
Zwei Dinge halten die Brandts noch fest. Ihr Auto haben sie vor zwei Jahren gekauft, in ihren zwölf Monaten steckt also kein Autokauf, im Durchschnitt der Statistik dagegen die Autokäufe anderer Haushalte. Für den Bereich Verkehr allein läge die Familie deshalb eher zu niedrig. Und wenn Mia 14 Jahre alt wird, steigt das Gewicht des Haushalts auf 2,0. Dieselben 3.860 Euro sind dann 1.930 Euro je gewichteter Person.
Vier Vergleiche für dieselbe Familie, Ausgaben je Monat
| Eigener Wert | Vergleichswert | Ergebnis | |
|---|---|---|---|
| Haushaltsbuch gegen alle Haushalte 2024 | 4.630 Euro | 3.257 Euro | 42 Prozent darüber |
| Pro Kopf gegen Einpersonenhaushalte 2024 | 1.287 Euro | 2.042 Euro | 37 Prozent darunter |
| Konsum gegen Dreipersonenhaushalte, fortgeschrieben | 3.860 Euro | 4.642 Euro | 17 Prozent darunter |
| Konsum je gewichteter Person gegen Einpersonenhaushalte, fortgeschrieben | 2.144 Euro | 2.122 Euro | 1,1 Prozent darüber |
Quelle: Statistisches Bundesamt, LWR 2024; Verbraucherpreisindex Jahresdurchschnitt 2024 und Schnitt September 2025 bis August 2026
Häufige Fehler
Fünf Fehler, die den Vergleich mit dem Durchschnitt verfälschen
Die meisten Fehler entstehen, bevor überhaupt gerechnet wird, bei der Wahl der Zahl, gegen die du vergleichst. Jeder der folgenden hat im Beispiel der Brandts ein anderes Urteil erzeugt oder hätte es getan.
Diese Fehler kippen das Ergebnis:
- Gegen den Durchschnitt aller Haushalte vergleichen. Der Wert mischt Singles mit Großfamilien. Nimm die Spalte deiner Haushaltsgröße oder rechne mit der OECD-Skala um.
- Pro Kopf teilen. Eine Familie teilt sich Wohnung, Küche und Geräte und sieht pro Kopf gerechnet viel zu sparsam aus. Bei den Brandts machte das 37 Prozent aus.
- Die Summe vom Konto nehmen. Versicherungen, Kfz-Steuer, Kreditraten und Sparpläne stehen in keinem Statistikwert für Konsum. Bei den Brandts waren das 770 Euro im Monat.
- Die Jahreszahl übersehen. Eine Statistik von 2024 kennt die heutigen Preise nicht. Für die zwölf Monate bis August 2026 sind es 3,9 Prozent, gegenüber der EVS 2023 schon 6,2 Prozent.
- Den Durchschnitt für das Normale halten. Wenige hohe Ausgaben heben ihn an, 2022 lag der Median der Konsumausgaben 470 Euro unter dem Durchschnitt. Knapp unter dem Durchschnitt zu liegen kann schlicht heißen, dass dein Haushalt typisch ist.
Entscheidungshilfe
Welcher Vergleich zu deiner Frage passt
Bevor du rechnest, entscheide, was du wissen willst. Die Statistik beantwortet, wie dein Haushalt im Verhältnis zu anderen dasteht. Ob deine Ausgaben zu deinem Einkommen passen, zeigt dein eigenes Konto zuverlässiger als jede Tabelle.
Zwei Dinge leistet keiner dieser Vergleiche. Er sagt nichts über das Preisniveau an deinem Wohnort, und eine Miete in einer teuren Stadt verschiebt jeden Bundesdurchschnitt. Wie weit die Preise zwischen Städten und Regionen auseinanderliegen, zeigt der Vergleich der Lebenshaltungskosten nach Region. Und er ersetzt keine Beratung. Liegen deine Ausgaben über Monate über deinen Einnahmen und reicht das Ersparte nicht mehr, ist eine Schuldnerberatung die richtige Anlaufstelle.
So wählst du den Maßstab:
- Wenn du wissen willst, ob dein Haushalt für seine Größe viel ausgibt, teilst du die bereinigten Konsumausgaben durch das Gewicht nach der OECD-Skala und vergleichst mit den Einpersonenhaushalten, fortgeschrieben auf heute.
- Wenn du dich mit Haushalten deiner Größe vergleichen willst, nimmst du die passende Spalte nach Haushaltsgröße oder Haushaltstyp und schreibst sie ebenfalls fort. Im Ergebnis stecken dann auch die Einkommen der anderen Haushalte.
- Wenn du einen einzelnen Bereich wie Lebensmittel vergleichst, nimmst du für die Fortschreibung den passenden Teilindex. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke stiegen von 132,8 Punkten im Jahresschnitt 2024 auf durchschnittlich 137,2 Punkte von September 2025 bis August 2026, also um 3,3 Prozent.
- Wenn du im Eigentum wohnst, setzt du statt der Kreditrate eine vergleichbare Miete an. Wenn du selbstständig bist, rechnest du Beiträge zur eigenen Kranken- und Altersvorsorge heraus und weißt, dass dein Haushaltstyp in den Laufenden Wirtschaftsrechnungen fehlt.
- Wenn deine Ausgaben von Monat zu Monat stark schwanken, nimmst du den Schnitt aus zwölf Monaten. Eine Reparatur oder ein Urlaub fällt dann nicht als einzelner Ausreißer ins Gewicht.
Häufige Fragen
- Was ist die modifizierte OECD-Skala?
- Eine Rechenregel, mit der das Statistische Bundesamt und Eurostat Haushalte unterschiedlicher Größe vergleichbar machen. Die erste erwachsene Person zählt 1, jede weitere Person ab 14 Jahren 0,5 und jedes Kind unter 14 Jahren 0,3. Die Summe ist das Gewicht des Haushalts, und durch dieses Gewicht teilst du Einkommen oder Ausgaben.
- Wie viel mehr gibt eine Familie mit einem Kind nach der Skala aus als ein Single?
- Das 1,8-fache, solange das Kind jünger als 14 Jahre ist, danach das 2,0-fache. Gibt ein Single 2.122 Euro im Monat aus, entsprechen dem bei einem Paar mit einem Kind unter 14 Jahren 3.820 Euro. Das ist eine Vergleichsregel der Statistik und kein gemessener Bedarf deiner Familie.
- Welche Statistik nehme ich, die Laufenden Wirtschaftsrechnungen oder die EVS?
- Die Laufenden Wirtschaftsrechnungen sind neuer, ihre jüngsten Werte gelten für 2024. Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe ist die große Erhebung alle fünf Jahre, zuletzt 2023. Für den Vergleich mit heute ist die neuere Zahl näher dran, du schreibst aber beide mit dem Verbraucherpreisindex fort. Wer selbstständig ist, findet sich in den Laufenden Wirtschaftsrechnungen nicht wieder, Haushalte von Selbstständigen werden dort nicht befragt.
- Wie rechne ich eine ältere Statistik auf heutige Preise hoch?
- Du bildest den Durchschnitt des Verbraucherpreisindex über dieselben Monate, die dein Haushaltsbuch umfasst, teilst ihn durch den Jahresdurchschnitt des Erhebungsjahres und multiplizierst den Statistikwert mit dem Ergebnis. Für die zwölf Monate von September 2025 bis August 2026 gegen 2024 sind das 123,97 geteilt durch 119,3. Das ergibt einen Aufschlag von 3,9 Prozent.
- Warum liegt der Durchschnitt über dem, was ein typischer Haushalt ausgibt?
- Weil wenige hohe Ausgaben ihn nach oben ziehen. In den Laufenden Wirtschaftsrechnungen 2022 lag der Durchschnitt der privaten Konsumausgaben bei 2.846 Euro im Monat, der Median bei 2.376 Euro. Die Hälfte der Haushalte gab also höchstens 2.376 Euro aus, 470 Euro weniger als der Durchschnitt.
- Zählen Versicherungen in der Statistik als Ausgaben?
- Nein. Beiträge für Kfz-, Haftpflicht-, Hausrat- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen stehen außerhalb der privaten Konsumausgaben. Für einen fairen Vergleich ziehst du sie von deiner Summe ab, ebenso Kreditraten, Sparpläne und die Kfz-Steuer.
Quellen & weiterführende Links
- Statistisches Bundesamt, Glossar (Netto-)Äquivalenzeinkommen, modifizierte OECD-Skala
- Eurostat, Glossary: Equivalised disposable income
- Statistisches Bundesamt, Konsumausgaben privater Haushalte nach Haushaltsgröße (LWR 2024)
- Statistisches Bundesamt, Statistischer Bericht Laufende Wirtschaftsrechnungen 2022 (EVAS 63121), Tabelle 63121-09, Durchschnitt und Median
- Statistisches Bundesamt, Konsumausgaben nach Dezilen des Haushaltsnettoeinkommens (EVS 2023)
- Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex, Gesamtindex und 12 Abteilungen
- Statistisches Bundesamt, Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich 3,3 Prozent
- Statistisches Bundesamt, Glossar Private Konsumausgaben
- Statistisches Bundesamt, Konsumausgabenliste der Laufenden Wirtschaftsrechnungen 2026
- Statistisches Bundesamt, Konsumausgaben 2024 (Pressemitteilung vom 17. August 2026)
- Statistisches Bundesamt, Laufende Wirtschaftsrechnungen, Methoden
Zur Entstehung dieses Artikels
Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft.
Nächster Schritt
Zwölf Monate Ausgaben als Ausgangszahl für den Vergleich
Im Dashboard des Portora Cockpits stellst du den Zeitraum auf „Letzte 12 Monate“. Die Kennzahl „Ausgaben“ zeigt die Summe dieses Zeitraums, das Widget „Kategorien im Blick“ zeigt, wie sie sich auf deine Kategorien verteilt. Legst du Versicherungen, Kreditraten und Sparpläne in eigene Kategorien, siehst du die Posten, die du vor dem Vergleich abziehst, getrennt vom Rest. Die Umrechnung mit der OECD-Skala und die Fortschreibung mit dem Verbraucherpreisindex rechnest du selbst, das Cockpit kennt die Größe deines Haushalts nicht.
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