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Aktien & BörseTeil 20 von 20

Handelszeiten und Nachbörse, warum abends ein anderer Kurs steht

Ein Kurs ist kein Wert, den es den ganzen Tag über in derselben Form gibt. Er entsteht in Phasen, und in jeder Phase entsteht er anders, mit anderen Teilnehmern und mit anderem Abstand zwischen Kauf und Verkauf. Wer abends klickt, handelt in einer anderen Phase als die Zahl, die er auf dem Bildschirm sieht.

Portora Redaktion13 Min Lesezeit

Das Bild dazu

Der Kiosk um halb elf

Tagsüber verkaufen in deiner Straße fünf Läden dieselbe Flasche Wasser. Du siehst fünf Preise, du weißt ungefähr, was sie wert ist, und wer zu viel verlangt, verkauft nichts. Der Preis ist nicht die Meinung eines Einzelnen, er ist das Ergebnis von fünf Meinungen nebeneinander.

Um halb elf abends hat davon nur noch der Kiosk am Bahnhof offen. Er nennt einen Preis, du zahlst ihn oder gehst weiter, und einen zweiten Preis zum Vergleichen gibt es nicht. Der Kiosk betrügt dich nicht, er trägt nur ein Risiko, das die Supermärkte tagsüber teilen.

Und wenn jemand später fragt, was Wasser an diesem Tag gekostet hat, zählt der Supermarktpreis. Der Kioskpreis um 23 Uhr steht in keiner Statistik. Genau so ist es an der Börse, und der letzte Punkt überrascht die meisten Anleger.

Welcher Handelsplatz wann geöffnet hat und wie sich die Plätze sonst unterscheiden, steht im Teil zu den deutschen Handelsplätzen. Hier geht es um die Uhrzeit selbst. Der fortlaufende Handel an Xetra dauert 8,5 Stunden am Tag, also 42,5 Stunden in einer Woche mit 168 Stunden. Zwischen 17:30 und 9:00 Uhr liegen 15,5 Stunden ohne ihn, zwischen Freitagabend und Montagmorgen 63,5 Stunden.

Der Tagesablauf

Ein Handelstag hat Phasen, keine Öffnungszeit

Ein Börsentag ist kein Zeitraum, in dem durchgehend dasselbe passiert. Er besteht aus Abschnitten mit unterschiedlichen Regeln, und in zweien davon wird der Preis überhaupt nicht laufend gebildet, sondern in einer Auktion für alle auf einmal berechnet. Wie eine solche Auktion rechnet, steht im Teil zu den Börsen-Auktionen.

Seit dem 1. Dezember 2025 liegt vor und nach der Kernzeit je ein eigenes Fenster für Privatanleger. Dort werden ausschließlich Ordern von Privatanlegern berücksichtigt, die über einen dafür registrierten Broker kommen, dazu die Kurse eigens zugelassener Liquiditätsgeber. Institutionelle Aufträge nehmen daran ausdrücklich nicht teil.

Dazwischen liegt für die größten Werte noch ein kurzer Abschnitt, in dem nur ein einziger Preis möglich ist, nämlich der gerade festgestellte Schlusskurs. Dort entsteht kein neuer Kurs, dort wird zu einem bereits feststehenden gehandelt.

Für dich ist an dieser Tabelle die letzte Spalte die wichtigste. Sie sagt, welche Phase die Zahlen erzeugt, die du später in jedem Chart und in jeder Depotübersicht wiederfindest.

Die Phasen eines Xetra-Handelstages und was davon in die offiziellen Kurse des Tages eingeht.

UhrzeitWer dort handeltWie der Preis entstehtGeht in die Tagesbilanz ein
Frühhandel8:00 bis 8:55nur Privatanleger über registrierte Brokergegen eigens zugelassene Liquiditätsgebernein
Eröffnungsauktionab 8:55alle Teilnehmerein Preis für alle, aus dem Buch berechnetja, als Eröffnungskurs
Fortlaufender Handel9:00 bis 17:30alle Teilnehmerlaufend im offenen Orderbuchja, mit Höchst- und Tiefstkurs
Schlussauktionab 17:30alle Teilnehmerein Preis für alle, aus dem Buch berechnetja, als Schlusskurs
Handel zum Schlusskurs17:35 bis 17:40, nur DAX, MDAX und SDAXalle Teilnehmerkein neuer Preis, nur der Schlusskursnein, der Kurs steht schon
Späthandelbis 22:00nur Privatanleger über registrierte Brokergegen eigens zugelassene Liquiditätsgebernein
Der Späthandel beginnt um 17:40 Uhr, wenn davor der Handel zum Schlusskurs lief, sonst um 17:35 Uhr. Ab 22:00 Uhr folgt der Nachhandel, in dem keine Preise mehr festgestellt werden.

Quelle: Deutsche Börse, Handelskalender und Handelszeiten sowie Rundschreiben zur Einführung des Erweiterten Xetra Retail Service, Stand August 2026.

Die Zählung

Warum der Preis um 20 Uhr nicht in die Tagesbilanz geht

Die Deutsche Börse schreibt es in ihrem Rundschreiben zur Einführung der Randzeiten selbst und ohne Umschweife. Preise aus dem Früh- und Späthandel haben weder Einfluss auf den Xetra-Eröffnungs- und -Schlusskurs noch auf den Höchst- und Tiefstkurs des Tages.

Für dich heißt das erst einmal etwas Praktisches. Der Tagesbalken in deinem Chart, die 52-Wochen-Spanne und die Zahl, die abends in deiner Depotübersicht steht, kennen deinen Abendkurs nicht. Zwei Anleger können am selben Tag denselben Wert zu spürbar verschiedenen Preisen gehandelt haben, und der Chart zeigt nur einen davon.

Der Grund dafür liegt an dem, was am Schlusskurs alles hängt. Er ist die Bezugsgröße für Indexstände, Fondsbewertungen und die Abrechnung vieler Termingeschäfte, und deshalb muss er aus der Phase kommen, in der das meiste Volumen zusammenläuft. Warum sich dieses Volumen ausgerechnet am Ende des Tages ballt, steht im Teil zu den Börsen-Auktionen.

Für Marken jeder Art folgt daraus eine Vorsichtsregel. Wer sich einen Einstiegs- oder Ausstiegspunkt an einem Abendkurs merkt, vergleicht später gegen eine andere Zahl als sein Broker und als jeder Chart.

Praxisbeispiel

Die Meldung um 22:15 Uhr und der Kurs am nächsten Morgen

Die Kavaro Interactive AG, ein erfundenes Unternehmen aus dieser Reihe, schließt an einem Donnerstag um 17:30 Uhr in der Schlussauktion bei 20,00 Euro. Im Späthandel passiert bis 22:00 Uhr wenig, ein paar hundert Stück wechseln bei 19,97 und 20,03 Euro den Besitzer.

Um 22:15 Uhr veröffentlicht die Rheinfels Systems SE ein Barangebot für alle Kavaro-Aktien zu 26,00 Euro je Stück. Zu diesem Zeitpunkt ist jedes deutsche Orderbuch geschlossen. Wer jetzt kaufen oder verkaufen will, kann es nicht, egal bei welchem Broker und an welchem Platz.

Am Freitagmorgen um 8:00 Uhr öffnet der Frühhandel für Privatanleger, und dort stehen sofort Kurse um 25 Euro. Das ist aber noch nicht der Kurs des Tages. Der entsteht erst um 8:55 Uhr in der Eröffnungsauktion, in der alle bis dahin eingegangenen Aufträge zu einem einzigen Preis zusammenkommen.

Im Chart sieht das später aus wie ein senkrechter Strich von 20,00 auf knapp 26 Euro, ohne jeden Handel dazwischen. Genau das ist es auch. Eine Lücke im Kursverlauf ist kein Fehler in der Darstellung, sie ist der sichtbare Abdruck einer Zeit, in der niemand handeln konnte.

Nach unten wirkt dieselbe Mechanik härter, weil dort automatische Verkaufsaufträge liegen. Was in der Nacht einer schlechten Nachricht mit einer gesetzten Marke passiert, rechnet der Teil zu Stop-Loss, Stop-Limit und Trailing-Stop durch.

Schematisches Beispiel, fiktive Aktie und fiktive Übernahme. Kein realer Kurs und keine reale Meldung.

Die Spanne

Warum dieselbe Order am Abend mehr kostet

Der zweite Effekt der Uhrzeit steht auf deiner Abrechnung, ohne dort ausgewiesen zu sein. Bei Kavaro liegen Geld und Brief im Vormittagshandel bei 39,98 und 40,02 Euro, also 0,10 Prozent auseinander. Abends an einem Platz mit langen Zeiten stehen 39,94 und 40,06 Euro, das sind 0,30 Prozent.

Auf eine Order über 5.000 Euro gerechnet, zahlst du gegenüber der Mitte zwischen beiden Kursen am Vormittag 2,50 Euro und am Abend 7,50 Euro. Was diese Spanne genau ist und warum du sie beim Kaufen und beim Verkaufen trägst, steht im Teil zu Bid, Ask, Spread und Markttiefe.

Der Grund für den Unterschied ist keine Willkür. Dem Kurssteller fehlt abends der Referenzpreis, an dem er sich sonst ausrichtet, und er kann seine eigene Position schlechter gegensichern. Beides bezahlt er über einen größeren Abstand, und den zahlst am Ende du. Wovon so ein Haus lebt, steht im Teil zu Market Maker und Designated Sponsor.

Der Effekt hängt allerdings stark am Papier. Bei den größten Werten und den breiten ETFs bleibt der Unterschied im Zehntelprozentbereich und fällt bei kleinen Beträgen kaum ins Gewicht. Bei einem dünn gehandelten Nebenwert kann er ein bis zwei ganze Prozent ausmachen.

Der Welt-ETF

Warum vormittags ein Großteil des Fonds gar nicht handelt

Für ETF-Sparer hat die Uhrzeit eine eigene Wendung, und sie hat nichts mit dem Handelsplatz zu tun. Bei einem weltweit anlegenden ETF liegt der größte Gewichtsanteil in US-Aktien, und deren Heimatbörsen öffnen erst um 15:30 Uhr deutscher Zeit.

Solange die zu sind, gibt es für diesen Teil des Fonds keinen laufenden Preis. Der Kurssteller muss den Wert der Bestandteile ableiten, unter anderem aus Terminkontrakten, und er rechnet für die Unsicherheit einen Aufschlag ein. Nach einer Übersicht von extraETF liegt die Spanne bei einem solchen ETF vor der US-Eröffnung bei rund 0,30 Prozent und fällt danach auf etwa 0,20 Prozent.

Zwischen 15:30 und 17:30 Uhr haben dann beide Seiten geöffnet, der deutsche Handelsplatz und der Heimatmarkt der wichtigsten Bestandteile. Wer eine größere Einmalanlage in einen Welt-ETF legt, hat in diesem Fenster die beste Ausgangslage.

Für einen Europa-ETF gilt das ausdrücklich nicht. Dessen Bestandteile handeln zur selben Zeit wie der Fonds selbst, dort gibt es diese Lücke gar nicht. Und für einen Sparplan gilt es auch nicht, denn dort legt der Broker den Ausführungstermin fest, wie der Teil zu Sparplan und Teilaktien zeigt.

Eine Ebene tiefer

Woher der Abendkurs kommt, wenn es keinen Markt gibt

Eine Frage bleibt bis hierhin offen, und sie ist die eigentlich interessante. Wenn der Referenzmarkt geschlossen ist und niemand einen Preis feststellt, woher nimmt der Kurssteller um 20 Uhr dann seine Zahl?

Er leitet sie ab. Ausgangspunkt ist der letzte Preis aus dem fortlaufenden Handel, korrigiert um alles, was seither in verwandten Instrumenten passiert ist. Der Terminkontrakt auf den Leitindex läuft an der Eurex weit über die Kernzeit der Aktienbörse hinaus, die US-Börsen handeln bis 22 Uhr deutscher Zeit, und für viele große Werte gibt es ein Zweitlisting im Ausland.

Was er dabei nicht kann, ist seine Position vollständig gegensichern. Ein Terminkontrakt auf den Index bewegt sich ähnlich wie eine einzelne Aktie darin, aber eben nicht gleich, und dieser Rest an Ungenauigkeit ist ein Risiko, das er trägt.

Genau daraus folgt das Muster, das man abends beobachtet. Der Kurs bleibt handelbar und springt selten ohne Nachricht, aber der Abstand zwischen Kauf und Verkauf geht auf. Ein Quotesteller reagiert auf Unsicherheit über die Spanne und nicht über den Rückzug, solange er kann. Wo dieses Können endet, beschreibt der Teil zu Market Maker und Designated Sponsor.

Der Kalender

Wenn nur eine Seite Feiertag hat

Der zweite Zeitrahmen neben der Uhr ist der Kalender, und er ist nicht der deutsche Feiertagskalender. An Xetra und der Börse Frankfurt wird 2026 an Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, am 1. Mai, an Heiligabend, am ersten Weihnachtstag und an Silvester nicht gehandelt. Heiligabend und Silvester sind dabei keine gesetzlichen Feiertage und trotzdem handelsfrei.

Umgekehrt gilt dasselbe. Am 3. Oktober ist in Deutschland Feiertag, die Börse hat geöffnet. An Thanksgiving hat sie ebenfalls geöffnet, während die US-Börsen zu sind, und dann fehlt für jede US-Aktie und für den größten Teil eines Welt-ETF einen ganzen Tag lang der Heimatmarkt.

Eine dritte Verschiebung übersehen selbst erfahrene Anleger regelmäßig. Die europäische Sommerzeit endet am letzten Sonntag im Oktober, die amerikanische erst am ersten Sonntag im November. In diesen Tagen öffnen die US-Börsen für uns eine Stunde früher, also um 14:30 statt um 15:30 Uhr. 2026 betrifft das den 26. bis 30. Oktober, im Frühjahr entsteht dieselbe Lücke andersherum.

Wer sich das Fenster für den Kauf eines Welt-ETF im Kalender markiert hat, liegt an diesen Tagen also eine Stunde daneben. Es ist eine Kleinigkeit, aber es ist eine, die man ohne Erklärung nie findet.

Der Riegel

Was nach Börsenschluss trotzdem für dich gilt

Ganz ohne Schutz stehst du in den Randzeiten nicht da, und der wichtigste Satz dazu ist erstaunlich alt. Tritt dein Broker bei einem Kommissionsauftrag selbst als Gegenseite ein und geht die Ausführungsmitteilung erst nach Börsenschluss hinaus, darf der berechnete Preis für dich nicht schlechter sein als der Preis am Schluss der Börse. So steht es im Handelsgesetzbuch.

Der Riegel hat allerdings eine enge Grenze. Er gilt für den Selbsteintritt im Kommissionsgeschäft, nicht für ein Festpreisgeschäft, bei dem du und deine Bank einen Kaufvertrag schließt. Was der Unterschied ist und woran du ihn auf der Abrechnung erkennst, steht im Teil zu Bestausführung und Selbsteintritt.

Daneben gibt es die Mistrade-Regelung. Weicht ein Geschäft weit genug vom Referenzpreis ab, kann es auf Antrag aufgehoben werden, an der Börse nach deren Regelwerk und im außerbörslichen Handel nach dem Vertrag zwischen dir und dem Anbieter. Die Fristen dafür sind kurz und laufen in Stunden, nicht in Tagen.

Und ein dritter Mechanismus greift, sobald es am Morgen zu schnell geht. Springt der Preis zu weit, wechselt die Börse für dieses Papier in eine Auktion und sammelt erst wieder Aufträge, statt fortlaufend zu handeln.

Häufige Fehler

Was rund um die Uhrzeit regelmäßig schiefgeht

Fast alle Fehler in diesem Bereich haben dieselbe Wurzel. Der Kurs auf dem Bildschirm sieht zu jeder Tageszeit gleich aus, obwohl er zu verschiedenen Zeiten etwas Verschiedenes ist.

Fünf Annahmen tauchen dabei immer wieder auf.

Diese Annahmen führen in die Irre:

  • Den Kurs aus dem Späthandel für den Kurs des Tages halten. Er geht weder in den Schlusskurs ein noch in Höchst- und Tiefstkurs, und im Chart taucht er gar nicht auf.
  • Den Schlusskurs für den letzten Handel des Tages halten. Er ist der Preis der Schlussauktion um 17:30 Uhr, danach wird an anderen Plätzen und im Späthandel weitergehandelt.
  • Abends kaufen, weil dann Zeit ist, und die weitere Spanne für einen Zufall halten. Sie ist der Preis dafür, dass ein einzelnes Haus ohne Referenzmarkt einen Kurs stellt.
  • Eine automatische Verkaufsmarke als Schutz über Nacht betrachten. In dieser Zeit wird nicht gehandelt, also kann nichts auslösen, und der erste Preis am Morgen kann weit darunter liegen.
  • Einen Welt-ETF am Vormittag für dasselbe halten wie am Nachmittag. Solange die US-Börsen zu sind, wird der größte Teil des Fondsgewichts geschätzt und nicht gehandelt.
Keiner dieser Punkte ist für einen Sparplan relevant. Dort legt der Broker den Termin fest, und er liegt in der Kernzeit.

Entscheidungshilfe

Wann du klickst und wann du wartest

Aus alldem folgen fünf Handgriffe, und der erste kostet nichts außer ein wenig Geduld.

Die Uhrzeit ist der einzige Kostenhebel, für den du weder den Anbieter wechseln noch etwas ausrechnen musst.

So gehst du vor:

  • Wenn du eine größere Einmalanlage machst, leg sie in die Kernzeit. Bei einem Welt-ETF ist das Fenster zwischen 15:30 und 17:30 Uhr das beste, weil dann auch die US-Börsen offen sind.
  • Wenn du abends klicken musst, nimm eine Limit-Order statt einer unbegrenzten. Wie ein Limit wirkt und wo es liegen bleibt, zeigt der Teil zu Market-Order und Limit-Order.
  • Wenn du dir eine Kursmarke merkst, notiere die Uhrzeit dazu. Ein Abendkurs und ein Schlusskurs desselben Tages sind zwei verschiedene Zahlen.
  • Wenn du in den ersten Minuten nach 9:00 Uhr handelst, rechne mit mehr Bewegung. Über Nacht aufgelaufene Nachrichten werden dort erst in Aufträge übersetzt.
  • Wenn du einen Sparplan besparst, ignoriere diesen ganzen Abschnitt. Der Termin steht fest, den Platz legt der Broker fest, und beides liegt in der Kernzeit.

Was bleibt

Jeder Kurs hat eine Uhrzeit

Ein Kurs ist ein Preis mit Zeitstempel, und der Zeitstempel sagt mit, wie belastbar der Preis ist. In der Kernzeit steht er im offenen Buch aller Teilnehmer, in den Randzeiten stellt ihn ein einzelnes Haus wie der Kiosk am Bahnhof, und in der Nacht gibt es ihn gar nicht.

Praktisch bleiben davon drei Dinge. Der Preis am Abend kostet mehr Abstand, er zählt für die offiziellen Kurse des Tages nicht mit, und zwischen 17:30 und 9:00 Uhr kannst du auf keine Nachricht reagieren.

Für ein monatliches Anlegen ist all das ohne Bedeutung, und das gehört ehrlich dazugesagt. Wer 200 Euro im Monat in einen breiten ETF legt, merkt von der Uhrzeit über Jahre nichts. Spürbar wird sie bei der einzelnen größeren Order und bei jeder Zahl, die man sich abends merkt.

Der Weg einer Order ist damit beschrieben, vom Klick über den Platz und die Kosten bis zur Uhrzeit. Offen bleibt die Frage, was für ein Papier dabei eigentlich den Besitzer wechselt.

Häufige Fragen

Kann ich abends und nachts überhaupt handeln?
Bis 22:00 oder 23:00 Uhr ja, danach an deutschen Plätzen nicht mehr. An Xetra gibt es seit Dezember 2025 einen Späthandel für Privatanleger bis 22:00 Uhr, Tradegate BSX, gettex und die LS Exchange haben ähnlich lange geöffnet. Zwischen dem Ende dieser Fenster und dem nächsten Morgen ist kein deutscher Handelsplatz offen, eine Order liegt dann bis zur Eröffnung.
Warum weicht der Kurs am Abend vom Schlusskurs ab?
Weil er von jemand anderem gestellt wird und einen anderen Zweck hat. Der Schlusskurs kommt aus der Schlussauktion um 17:30 Uhr, in der alle Aufträge zu einem Preis zusammenlaufen. Danach nennt ein einzelner Kurssteller laufend einen Kauf- und einen Verkaufskurs, ohne Referenzmarkt im Rücken. Die Preise aus dieser Zeit gehen ausdrücklich nicht in Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- oder Tiefstkurs des Tages ein.
Gibt es eine beste Uhrzeit für den Kauf eines ETFs?
Für einen weltweit anlegenden ETF ist das Fenster zwischen 15:30 und 17:30 Uhr am günstigsten, weil dann sowohl der deutsche Handelsplatz als auch die US-Börsen geöffnet sind und der größte Teil des Fondsgewichts wirklich gehandelt wird. Vorher muss der Kurssteller diesen Teil schätzen und rechnet einen Aufschlag ein. Das ist eine Aussage über Kosten und keine über den richtigen Zeitpunkt einer Anlage.
Was passiert mit meiner Order, wenn nachts eine Nachricht kommt?
Nichts, bis der Handel wieder beginnt. Eine unausgeführte Order liegt weiter im Buch oder verfällt, je nach Gültigkeit, und eine automatische Verkaufsmarke kann nicht auslösen, weil kein Preis festgestellt wird. Der erste Kurs am nächsten Tag entsteht in der Eröffnungsauktion, und er kann weit über oder unter dem Schlusskurs des Vortages liegen. Dazwischen konnte niemand handeln.

Quellen & weiterführende Links

  1. Deutsche Börse, Handelskalender und Handelszeiten
  2. Deutsche Börse, Einführung des Erweiterten Xetra Retail Service (Früh- und Späthandel), gültig ab 1. Dezember 2025
  3. Handelsgesetzbuch, Paragraf 400 (Selbsteintritt des Kommissionärs)
  4. extraETF, Wann ETFs handeln, Handelszeit und Börsenplätze
  5. Eurex, DAX-Futures (Handelszeiten des Terminkontrakts)
  6. Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland, Zeitumstellung

Nächster Schritt

Wann im Monat dein Geld tatsächlich ankommt

Ob eine Order in die Kernzeit fällt, hängt oft schlicht daran, wann Gehalt und Fixkosten gebucht sind. Portora legt deine Konten und Buchungen an einer Stelle zusammen und zeigt den Verlauf über den Monat, sodass du siehst, in welcher Woche überhaupt Spielraum für eine Anlage entsteht.

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