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BörsenpsychologieTeil 3 von 5

Mentale Buchführung, warum derselbe Euro je nach Konto anders zählt

Ein Euro ist ein Euro, egal auf welchem Konto er liegt. Im Kopf stimmt das nicht, dort trägt Geld eine Bestimmung, und die entscheidet mit, wofür es ausgegeben wird. Messbar wird das an Kontodaten, an Depots und an einer Rechnung mit deutschen Zinsen.

Portora Redaktion12 Min LesezeitAktualisiert

Der Ausgangsbefund

Ein verlorener Schein und eine verlorene Karte, gleich teuer und doch nicht gleich

Stell dir vor, du willst ins Theater, die Karte kostet zehn Dollar. Am Eingang merkst du, dass dir ein Zehndollarschein aus der Tasche gefallen ist. Kaufst du die Karte trotzdem? In einem Versuch, den Amos Tversky und Daniel Kahneman 1981 in der Zeitschrift Science veröffentlicht haben, sagten 88 Prozent von 183 Befragten ja.

Eine zweite Gruppe von 200 Befragten bekam dieselbe Lage mit einem Unterschied. Die Karte war schon bezahlt, und verloren ging die Karte selbst. Jetzt wollten nur 46 Prozent eine neue kaufen. In beiden Fällen ist man zehn Dollar ärmer und steht vor demselben Preis für denselben Abend.

Die beiden Autoren erklärten das mit einer Buchführung im Kopf. Die verlorene Karte wird dem Konto „Theaterabend“ belastet, und auf diesem Konto kostet der Abend jetzt zwanzig Dollar. Der verlorene Schein landet in keinem bestimmten Konto, er macht einen nur etwas ärmer.

Der Befund ist kein Einzelstück aus den Achtzigern. Eine vorab registrierte Wiederholung mit Befragten aus den USA, online erhoben und 2025 veröffentlicht, fand ihn wieder. Nach dem verlorenen Schein kauften dort 90 Prozent, nach der verlorenen Karte 77 Prozent. Der Abstand ist also von 42 auf 13 Prozentpunkte geschrumpft, aber er ist da. Ein zweites Lehrbuchbeispiel aus demselben Aufsatz, der Umweg für fünf Dollar Rabatt auf einen Taschenrechner, ließ sich in derselben Wiederholung nicht bestätigen.

Die Idee dahinter

Was mentale Buchführung ist, und warum Ökonomen sie für einen Regelbruch halten

Den Begriff hat der Ökonom Richard Thaler geprägt, zuerst 1985 in einem Aufsatz über Kaufentscheidungen. Er versteht unter mentaler Buchführung, wie Haushalte ihr Geld im Kopf ordnen, bewerten und verfolgen. Das geschieht ohne Kontenplan und meist ohne bewusste Entscheidung. Geld für die Miete, Geld für den Urlaub und Geld, das man „eigentlich nicht anfasst“, liegen dann in getrennten Fächern, auch wenn sie auf demselben Girokonto stehen.

Für die Lehrbuch-Ökonomie ist das ein Regelbruch. Geld gilt dort als austauschbar, als fungibel, wie der Fachbegriff heißt. Ein Euro aus der Steuererstattung ist so viel wert wie ein Euro aus dem Gehalt, und ein Euro vom Sparkonto tilgt einen Euro Schulden genauso wie einer vom Girokonto. Thaler hat in einem Überblick von 1999 gezeigt, dass die Buchführung im Kopf diese Austauschbarkeit an drei Stellen verletzt.

Die erste Stelle ist, wie ein Ergebnis empfunden wird, also ob es als Gewinn oder Verlust zählt und gegen welchen Punkt. Das war der Gegenstand des vorigen Teils über den Referenzpunkt. Die zweite ist, welchem Konto eine Ausgabe oder ein Eingang zugeschlagen wird. Die dritte ist, wie oft und wie eng abgerechnet wird, täglich oder jährlich, Posten für Posten oder alles zusammen. Um die zweite Stelle geht es hier, und sie ist die handfesteste, weil man sie an echten Konten messen kann.

Aus dem Feld

Ein Gutschein in der Pfalz und Dividenden, die sofort ausgegeben werden

Wie weit ein bloßes Etikett reicht, haben Johannes Abeler und Felix Marklein in einem Weinlokal in der Pfalz ausprobiert. Gäste bekamen einen Gutschein über acht Euro, die einen für Getränke, die anderen für die ganze Rechnung. Ohne Gutschein tranken die Gäste dort im Schnitt für 16,01 Euro pro Kopf, für die meisten schränkt ein Getränkegutschein über acht Euro also gar nichts ein. Trotzdem gaben Gäste mit dem Getränkegutschein im Schnitt 18,55 Euro pro Kopf für Getränke aus, 3,84 Euro mehr als Gäste mit dem Gutschein für die Rechnung.

Die Autoren nennen den Feldteil selbst nur einen Hinweis, weil sich in einem laufenden Lokal nicht alles kontrollieren lässt. Sie haben den Befund deshalb im Labor wiederholt und 2017 veröffentlicht. Dort folgten vor allem Teilnehmer dem Etikett, die in einem Denktest schlechter abschnitten.

Im Depot zeigt sich dasselbe Muster an Ausschüttungen. Malcolm Baker, Stefan Nagel und Jeffrey Wurgler haben die Konten eines amerikanischen Discount-Brokers aus den Jahren 1991 bis 1996 ausgewertet. Was Anleger abhoben, stieg mit gewöhnlichen Dividenden mittlerer Höhe eins zu eins, aus Kursgewinnen gaben sie viel weniger aus. Die Dividende zählt als Einkommen, das man ausgeben darf, der Kursgewinn als Kapital, das man nicht anrührt. Es sind amerikanische Daten aus den Neunzigern, für deutsche Depots fehlt eine vergleichbare Auswertung.

Für das Vermögen ist diese Trennung ohne Bedeutung. Eine Ausschüttung kommt nicht zusätzlich, sie verlässt die Firma oder den Fonds, und der Kurs sinkt an dem Tag, ab dem ohne Anspruch auf sie gehandelt wird, um ungefähr denselben Betrag. Wie wenig die Stückelung ändert, zeigt die Analyse zu einem ETF mit wöchentlicher Ausschüttung, dort sind 52 Zahlungen nicht mehr Geld als vier.

In Deutschland kann die Trennung sogar etwas kosten. Eine Ausschüttung zählt steuerlich ganz als Ertrag, beim Verkauf von Anteilen zählt nur der Teil des Erlöses, der Gewinn ist. Solange alle Kapitalerträge eines Jahres zusammen unter dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro bleiben, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro, macht das keinen Unterschied. Darüber zahlt, wer nur Ausschüttungen ausgibt, für denselben entnommenen Betrag mehr Steuer im selben Jahr. Beides regelt Paragraf 20 des Einkommensteuergesetzes.

Kredit und Erspartes

Warum jemand einen Kredit abzahlt und daneben spart

Die teuerste Form der getrennten Töpfe steht auf beiden Seiten eines Haushalts zugleich. Auf der einen Seite liegt ein Kredit mit hohem Zins, auf der anderen ein Guthaben mit niedrigem, und beide bleiben stehen. Seit der Auswertung amerikanischer Kreditkartendaten von David Gross und Nicholas Souleles aus dem Jahr 2002 ist das ein bekanntes Rätsel der Haushaltsökonomie. In der amerikanischen Haushaltsbefragung der Notenbank trifft es auf 25 bis 30 Prozent der Haushalte zu.

Wie oft es wirklich vorkommt und was es kostet, haben John Gathergood und Arna Olafsson an täglichen Kontodaten aus Island gemessen. Die Daten stammen von einer Finanz-App, die rund 53.000 Isländer nutzten, etwa ein Fünftel der Erwachsenen. Der Dispo kostete dort rund 12 Prozent im Jahr, Guthaben brachte fast nichts. Schaut man Monat für Monat auf jede Person, stand in knapp einem Viertel der Monate irgendwann beides zugleich, ein Konto im Minus und eines im Plus.

Teuer war das für die meisten nicht. Die typische Phase dauerte zehn Tage, und meist ging es um weniger, als die Person in zwei Wochen ausgab. Im Schnitt kostete das Nebeneinander die Betroffenen umgerechnet rund 47 Dollar Zinsen im Jahr. Nur bei jedem Zwanzigsten lag der Betrag über 208 Dollar.

Auffällig war, woran es hing. Lotto und Glücksspiel, Alkohol und Sprit liefen deutlich öfter über das Konto im Minus, langlebige Anschaffungen eher über das im Plus. Die Autoren lesen das als mentale Buchführung, manche Ausgaben gehören im Kopf auf Pump, andere nicht. Die Studie ist ein Arbeitspapier, zuletzt 2023 überarbeitet, und noch nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift erschienen.

Praxisbeispiel

Ein Autokredit und ein Urlaubskonto, gerechnet mit deutschen Durchschnittszinsen

Für Deutschland haben wir keine vergleichbare Auswertung von Kontodaten gefunden. Rechnen lässt sich der Fall trotzdem, mit den Zinsen, die Banken hierzulande im Durchschnitt tatsächlich vereinbaren. Nach der Zinsstatistik der Bundesbank lag der Zins für neue Konsumkredite mit einer Bindung von einem bis fünf Jahren im August 2026 bei 7,53 Prozent. Täglich verfügbares Guthaben privater Haushalte brachte im selben Monat im Schnitt 0,51 Prozent. Beide Werte sind noch vorläufig.

Angenommen, ein Haushalt zahlt einen Autokredit ab, offen sind noch 10.000 Euro. Daneben liegen 6.000 Euro auf einem Sparkonto, das im Kopf „Urlaub“ heißt. Für jeden Tausender, der zugleich als Schuld offen ist und als Guthaben daliegt, kostet der Unterschied rund 70 Euro im Jahr. Bei 6.000 Euro sind es rund 420 Euro im ersten Jahr.

Einen Verbraucherkredit darf man nach Paragraf 500 BGB jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückzahlen, für Baukredite mit fester Zinsbindung gilt das nicht ohne Weiteres. Bei einem festen Zins darf die Bank dafür eine Entschädigung verlangen, nach Paragraf 502 BGB höchstens 1 Prozent des zurückgezahlten Betrags. Bei höchstens einem Jahr Restlaufzeit sind es höchstens 0,5 Prozent, und nie mehr als die Zinsen, die bis zum Ende noch angefallen wären.

Zwei Dinge verschieben diese Rechnung. Wer sein Erspartes auf einem Tagesgeldkonto mit einem Angebotszins von zwei oder drei Prozent liegen hat, verliert weniger. Beim Dispo dagegen ist der Abstand größer, für Dispo- und Kreditkartenkredite zusammen nennt die Bundesbank für August im Schnitt 9,39 Prozent.

Rechnung mit Durchschnittszinsen, kein realer Vertrag.

Zins im JahrBetrag auf 6.000 Euro im ersten Jahr
Konsumkredit, Zinsbindung 1 bis 5 Jahre7,53 %452 Euro Zinsen
Täglich verfügbares Guthaben0,51 %31 Euro Zinsen
Unterschied, wenn beides stehen bleibt7,02 Prozentpunkte421 Euro
Entschädigung bei vorzeitiger Rückzahlung, einmalighöchstens 1 %höchstens 60 Euro
Vereinfacht, ohne Tilgungsverlauf. Wer 6.000 Euro vorzeitig zurückzahlt, zahlt auf diesen Betrag bis zum Ende der Laufzeit keine Zinsen mehr, deshalb wirkt der Vorteil auch in den Folgejahren.

Quelle: Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik, Neugeschäft mit privaten Haushalten, August 2026 (vorläufig); BGB § 502

Die Gegenrechnung

Wann getrennte Töpfe ihren Preis wert sind

Bis hierhin klingt mentale Buchführung wie ein Rechenfehler, den man nur abstellen müsste. So einfach ist es nicht, und das steht schon in der Forschung, die den Begriff geprägt hat. Hersh Shefrin und Richard Thaler haben 1988 beschrieben, dass Konten im Kopf eine Aufgabe haben, sie schützen Erspartes vor dem eigenen Zugriff. Was als Vermögen gilt, wird seltener angetastet als das laufende Einkommen, und darauf beruht ein guter Teil des Sparens.

Eine britische Befragung passt dazu. Wer Kredit und Ersparnis zugleich hielt, wusste im Schnitt mehr über Geld, verdiente mehr und hatte eine längere Ausbildung, gab aber auch öfter spontan Geld aus. John Gathergood und Jörg Weber lesen das so, dass manche Haushalte den teuren Kredit bewusst stehen lassen, weil sie dem Ersparten sonst selbst nicht trauen würden. Dann sind die 70 Euro je Tausender der Preis einer Selbstbindung, und das Mehrkontenmodell macht aus genau diesem Mechanismus ein Werkzeug.

Der zweite gute Grund ist Reserve. Ein vorzeitig getilgter Ratenkredit zahlt nichts zurück, wenn die Waschmaschine ausfällt oder das Auto in die Werkstatt muss, und einen Dispo kann die Bank kürzen. Wer das Sparkonto in den Kredit steckt, hat danach weniger Schulden, aber auch kein Polster mehr. Ein Notgroschen darf deshalb neben einem Kredit liegen bleiben, seine Aufgabe ist Verfügbarkeit und nicht Rendite. Die Daten aus Island zeigen dasselbe von der anderen Seite, die meisten Überschneidungen waren kurz und klein.

Entscheidend ist also, ob man den Preis kennt. Der Zins auf den Kredit steht auf jedem Kontoauszug, der Preis des Nebeneinanders auf keinem. Er ist eine entgangene Ersparnis, und solche Opportunitätskosten fallen nur auf, wenn man sie ausrechnet.

Was es kostet

Was sich in Euro messen lässt, und wo die Zahl fehlt

Die Kosten der Buchführung im Kopf sind keine einzelne Zahl, sie hängen an der Stelle, an der sie wirkt. Im Theaterversuch kostet sie einen Abend, auf den man sich gefreut hat. Im Weinlokal kostete das Etikett jeden Gast im Schnitt 3,84 Euro mehr für Getränke, die er vielleicht ohnehin wollte.

Bei Kredit und Guthaben lässt sich der Preis ausrechnen. Mit deutschen Durchschnittszinsen sind es rund 70 Euro im Jahr je 1.000 Euro beim Konsumkredit und rund 89 Euro, wenn man mit dem Schnitt für Dispo- und Kreditkartenkredite rechnet. In den isländischen Kontodaten blieb es im Schnitt bei 47 Dollar im Jahr, weil die Überschneidungen kurz waren.

Bei Dividenden gibt es keine Zinsrechnung, nur die Steuerfrage oberhalb des Pauschbetrags. Wie viel sie ausmacht, hängt am Depot und lässt sich nicht allgemein beziffern. Für deutsche Haushalte fehlt außerdem die Messung, wie oft Kredit und Erspartes nebeneinander stehen. Eine Zahl dafür steht hier deshalb nicht.

Häufige Fehler

Vier Schlüsse, die aus den Töpfen im Kopf nicht folgen

Die meisten Fehler entstehen nicht beim Anlegen der Töpfe. Sie entstehen beim Festhalten an ihnen, wenn sich die Lage längst geändert hat.

Die vier teuersten Schlüsse:

  • Jedes Etikett für unantastbar halten. Ein Urlaubskonto neben einem Dispo im Minus kostet rund 89 Euro im Jahr je 1.000 Euro, gerechnet mit dem deutschen Schnitt für Dispo- und Kreditkartenkredite.
  • Die Dividende für zusätzliches Geld halten. Sie kommt aus dem Wert der Firma oder des Fonds, und der Kurs gibt sie ungefähr wieder ab.
  • Den Notgroschen in die Sondertilgung stecken. Die Zinsersparnis ist sicher, aber der nächste Engpass läuft dann über den Dispo, und der kostet im Schnitt mehr als der getilgte Kredit.
  • Alle Töpfe abschaffen, weil sie ein Denkfehler sind. Wer damit auch die Selbstbindung abschafft, spart vielleicht Zinsen und gibt dafür mehr aus.
Ein Etikett ist eine Entscheidung von gestern. Ob sie heute noch stimmt, prüft niemand, wenn man es nicht selbst tut.

Entscheidungshilfe

Welcher Topf bleiben darf und welcher etwas kostet

Für jeden Topf lohnt eine kurze Rechnung, einmal im Jahr. Sie braucht nur drei Zahlen, den Zins auf dem Kredit, den Zins auf dem Guthaben und den Betrag, der auf beiden Seiten zugleich steht.

So ordnest du deine Töpfe ein:

  • Wenn ein Guthaben als Notreserve gedacht ist, darf es neben einem Kredit liegen. Der Zinsunterschied ist dann der Preis dafür, im Notfall nicht den Dispo zu brauchen.
  • Wenn ein Guthaben nur ein Etikett trägt, etwa Urlaub oder neues Auto, und daneben ein teurer Kredit läuft, rechne den Unterschied aus und entscheide dann.
  • Wenn du einen Kredit vorzeitig zurückzahlen willst, prüf vorher die Entschädigung im Vertrag. Bei festem Zins darf die Bank höchstens 1 Prozent des zurückgezahlten Betrags verlangen.
  • Wenn du Ausschüttungen ausgibst und Kursgewinne liegen lässt, frag dich, ob das eine Regel für dein Verhalten ist oder eine Annahme über dein Geld. Als Regel kann sie vor zu hohen Entnahmen schützen, als Annahme stimmt sie nicht.
  • Wenn du mit Absicht trennst, um dich selbst zu bremsen, behalte die Trennung. Sie ist dann ein Werkzeug, und die Zinsen sind ihr Preis.

Einordnung

Geld ist austauschbar, der Kopf trennt trotzdem

Mentale Buchführung ist eine Ordnung, die jeder anlegt und die jeder braucht. Sie hilft beim Sparen und schützt Reserven. Teuer wird sie an einer bestimmten Stelle, dort, wo ein Etikett eine bessere Verwendung desselben Geldes blockiert. Das ist das Sparkonto neben dem teuren Kredit, und das ist die Dividende, die als Zusatz verbucht wird. An diesen Stellen lässt sich der Preis ausrechnen, und meist reicht es, ihn einmal zu kennen.

Häufige Fragen

Ist mentale Buchführung dasselbe wie ein Haushaltsbuch mit Kategorien?
Nein. Ein Haushaltsbuch hält fest, wofür Geld ausgegeben wurde. Die Buchführung im Kopf entscheidet mit, wofür es ausgegeben wird, weil Geld dort schon vorher eine Bestimmung hat. Ein Haushaltsbuch kann helfen, Töpfe sichtbar zu machen, die man sonst nur im Kopf führt.
Lohnt es sich, mit dem Tagesgeld den Dispo auszugleichen?
Rechnerisch fast immer, denn der Dispo kostet im Schnitt ein Vielfaches des Guthabenzinses. Bleibt nach dem Ausgleich aber keine Reserve übrig, läuft der nächste Engpass wieder über den Dispo. Deshalb rechnet man den Ausgleich so, dass ein Notgroschen stehen bleibt.
Gilt der Theaterkarten-Versuch heute noch?
Ja, aber schwächer. Eine vorab registrierte Wiederholung von 2025 fand den Unterschied wieder, 90 gegen 77 Prozent statt 88 gegen 46 Prozent im Original von 1981. Das Taschenrechner-Beispiel aus demselben Aufsatz hielt dagegen nicht.

Quellen & weiterführende Links

  1. Tversky und Kahneman, The Framing of Decisions and the Psychology of Choice, Science 211 (1981), Seite 453 bis 458
  2. Li und Feldman, Revisiting mental accounting classic paradigms, Replication Registered Report of the problems reviewed in Thaler (1999), Royal Society Open Science 12 (2025), Artikel 250979
  3. Thaler, Mental Accounting and Consumer Choice, Marketing Science 4 (1985), Seite 199 bis 214
  4. Thaler, Mental Accounting Matters, Journal of Behavioral Decision Making 12 (1999), Seite 183 bis 206
  5. Abeler und Marklein, Fungibility, Labels, and Consumption, Journal of the European Economic Association 15 (2017), Seite 99 bis 127
  6. Baker, Nagel und Wurgler, The Effect of Dividends on Consumption, Brookings Papers on Economic Activity (2007), Arbeitspapier NBER 12288
  7. Gross und Souleles, Do Liquidity Constraints and Interest Rates Matter for Consumer Behavior? Evidence from Credit Card Data, Quarterly Journal of Economics 117 (2002), Seite 149 bis 185
  8. Gathergood und Olafsson, The Co-holding Puzzle, New Evidence from Transaction-Level Data, CEPR Discussion Paper 14799, Fassung Dezember 2023
  9. Gathergood und Weber, Self-control, financial literacy and the co-holding puzzle, Journal of Economic Behavior and Organization 107 (2014), Seite 455 bis 469
  10. Shefrin und Thaler, The Behavioral Life-Cycle Hypothesis, Economic Inquiry 26 (1988), Seite 609 bis 643
  11. Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik, Konsumkredite an private Haushalte mit Zinsbindung von 1 bis 5 Jahren, Neugeschäft (EZB-Datenportal)
  12. Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik, täglich fällige Einlagen privater Haushalte (EZB-Datenportal)
  13. Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik, revolvierende Kredite, Überziehungs- und Kreditkartenkredite an private Haushalte (EZB-Datenportal)
  14. Bürgerliches Gesetzbuch, § 500 Kündigungsrecht des Darlehensnehmers, vorzeitige Rückzahlung
  15. Bürgerliches Gesetzbuch, § 502 Vorfälligkeitsentschädigung
  16. Einkommensteuergesetz, § 20 Kapitalvermögen

Zur Entstehung dieses Artikels

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