Was der Umtausch in Fremdwährung beim Kauf von Auslandsaktien kostet
Kaufst du Aktien in Fremdwährung an ihrer Heimatbörse, tauscht der Broker deine Euro zu einem Kurs, der etwas schlechter ist als der Tageskurs, und beim Verkauf tauscht er mit Aufschlag zurück. Kaufst du dieselbe Aktie in Euro an einer deutschen Börse, steckt die Umrechnung im Kurs, und am Dollar hängt die Aktie trotzdem. Auf jede Dividende zieht der Staat, in dem das Unternehmen sitzt, außerdem eine Quellensteuer ab, bevor das Geld umgerechnet bei dir ankommt.
Das Bild
Die Kartenzahlung im Urlaub, nur mit einer Aktie
Wer im Urlaub in New York mit der Karte zahlt, findet später auf der Abrechnung drei Angaben. Den Betrag in Dollar, den Kurs, zu dem die Bank umgerechnet hat, und oft ein Entgelt für den Einsatz im Ausland. Was der Kaffee in Euro gekostet hat, ergibt sich erst aus allen dreien zusammen.
Eine Aktie aus dem Ausland funktioniert genauso, nur mit größeren Beträgen. Auf der Wertpapierabrechnung steht der Kurswert in Dollar, ein Devisenkurs und daneben die Gebühren. Der Devisenkurs ist die Zeile, die am wenigsten auffällt, weil sie wie eine neutrale Angabe aussieht. Tatsächlich ist er ein Preis, den der Broker setzt, und er fällt für dich etwas schlechter aus als der Tageskurs, den du im Netz nachschlägst.
Was ein Wechselkurs überhaupt ist und wo er sonst in deinem Alltag ankommt, steht in Wechselkurse verstehen. Hier geht es um die Stelle, an der er auf deiner Abrechnung landet, und um das, was vor einer Dividende aus dem Ausland abgezogen wird.
Wo umgerechnet wird
US-Aktien in Euro oder in Dollar kaufen, was der Unterschied ist
Der Unterschied liegt darin, wer umrechnet und ob du den Kurs dafür zu sehen bekommst. An der Währung, an der die Aktie hängt, ändert der Weg nichts. Cobalt Interactive, das erfundene US-Unternehmen dieser Serie, lässt sich auf zwei Wegen kaufen.
Der erste Weg führt an die Heimatbörse, hier die Nasdaq in New York. Gehandelt wird dort in Dollar, also braucht dein Broker Dollar. Er tauscht dafür Euro von deinem Verrechnungskonto und schreibt den Kurs, zu dem er getauscht hat, auf die Abrechnung. Manche Broker führen daneben ein eigenes Konto in Dollar, dann bleibt ein Verkaufserlös in Dollar liegen, bis du ihn zurücktauschst. Kaufen kannst du auf diesem Weg nur, solange in New York gehandelt wird, an den meisten Tagen von 15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit.
Der zweite Weg führt an eine deutsche Börse. Viele große US-Aktien sind auch in Frankfurt, auf Tradegate oder bei gettex handelbar, und zwar in Euro. Einen Devisenkurs siehst du dann nicht, denn du kaufst eine Aktie, die in Euro notiert. Umgerechnet wird trotzdem, nur von jemand anderem. Der Market Maker, der dort laufend Kurse stellt, leitet seinen Euro-Kurs aus dem Dollarkurs in New York und dem Wechselkurs ab, und was ihn das Umrechnen und Absichern kostet, steckt in der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Wer diese Kurssteller sind, steht in Market Maker und Designated Sponsor, wie sich die Plätze unterscheiden, in Deutsche Handelsplätze im Vergleich.
Geliefert wird nach den Regeln des Platzes, an dem du kaufst. Ein Kauf in Frankfurt wird nach zwei Geschäftstagen erfüllt, einer in New York nach einem, seit die USA im Mai 2024 auf diesen kürzeren Rhythmus umgestellt haben, so steht es in der Mitteilung der US-Börsenaufsicht SEC. Die Kette zwischen Kauf und Lieferung beschreibt Clearing, Settlement und T+2, und was geschieht, wenn eine Lieferung ausbleibt, der Teil davor über Lieferverzug und Buy-in.
Am Beispiel
100 Cobalt-Aktien, gekauft und wieder verkauft
Cobalt Interactive Inc. ist erfunden und steht in dieser Serie für einen reinen US-Wert. Tarek kauft 100 Aktien an der Nasdaq zu 40,00 Dollar, zusammen 4.000 Dollar. Der Euro steht an diesem Tag bei 1,10 Dollar, nach diesem Kurs wären das 3.636,36 Euro.
Sein Broker tauscht aber nicht zu diesem Kurs, er gibt Tarek für jeden Euro nur 1,095 Dollar. Für die 4.000 Dollar zieht er deshalb 3.652,97 Euro vom Verrechnungskonto ab, also 16,61 Euro mehr. Das ist der Aufschlag auf den Devisenkurs, knapp ein halbes Prozent, und in keiner Gebührenzeile steht er.
Ein Jahr später verkauft Tarek, und zufällig steht alles wie am ersten Tag, die Aktie bei 40,00 Dollar und der Euro bei 1,10 Dollar. Jetzt tauscht der Broker in die andere Richtung und gibt ihm einen Euro erst für 1,105 Dollar. Aus 4.000 Dollar werden so 3.619,91 Euro. Ohne dass sich Aktie oder Dollar bewegt hätten, fehlen Tarek 33,06 Euro, und die Ordergebühren kommen noch dazu.
Kauf, Verkauf und Dividende von 100 Aktien in Dollar
| in Dollar | Kurs in Dollar je Euro | in Euro | |
|---|---|---|---|
| Kauf, zum Tageskurs gerechnet | 4.000,00 | 1,1000 | 3.636,36 |
| Kauf, zum Kurs des Brokers | 4.000,00 | 1,0950 | 3.652,97 |
| Verkauf, zum Kurs des Brokers | 4.000,00 | 1,1050 | 3.619,91 |
| Hin und zurück | je 4.000,00 | 1,0950 und 1,1050 | minus 33,06 |
| Dividende nach US-Quellensteuer | 34,00 | 1,1050 | 30,77 |
Die Dividende
Was vor einer Dividende aus dem Ausland abgezogen wird
Cobalt zahlt 0,40 Dollar Dividende je Aktie, für Tareks 100 Stück also 40,00 Dollar. Gutgeschrieben werden ihm davon 30,77 Euro, und dazwischen liegen zwei Schritte.
Zuerst behalten die USA einen Teil ein, die Quellensteuer. Sie wird abgezogen, bevor das Geld das Land verlässt, also an der Quelle. Der gesetzliche Satz für Anleger ohne Wohnsitz in den USA liegt nach Angaben der US-Steuerbehörde IRS bei 30 Prozent. Das Abkommen zwischen Deutschland und den USA senkt ihn für gewöhnliche Dividenden auf 15 Prozent, so führt es die Abkommenstabelle der IRS. Dafür muss belegt sein, dass du außerhalb der USA wohnst, bei vielen Brokern über das US-Formular W-8BEN, das du einmal ausfüllst. Fehlt der Nachweis, gehen 30 Prozent ab.
Bei Tarek liegt der Nachweis vor, also werden 15 Prozent einbehalten, das sind 6,00 Dollar. Die übrigen 34,00 Dollar tauscht die Depotbank in Euro, wieder zu ihrem eigenen Kurs. Dieser Aufschlag fällt bei jeder einzelnen Ausschüttung an, bei einer Aktie mit vier Zahlungen im Jahr also viermal.
Was danach in Deutschland mit der Dividende geschieht und wie die 6,00 Dollar dort zählen, ist die Steuerseite, und die behandelt ein eigener Teil dieser Serie über die Kapitalertragsteuer an der Quelle. Für die Abwicklung genügt ein Satz. Die 15 Prozent kommen in der Regel nicht obendrauf, sie werden auf die deutsche Steuer angerechnet. Beim Verkauf der Aktie behalten die USA bei einem Anleger mit Wohnsitz in Deutschland nichts ein, die Quellensteuer betrifft die Dividende.
Was man nicht sieht
Warum der Aufschlag auf den Devisenkurs so selten auffällt
Ordergebühren stehen in Euro auf jeder Preisliste und lassen sich in einer Minute vergleichen. Der Aufschlag auf den Devisenkurs steht in keiner Gebührenzeile, er steckt im Kurs, und wer nur die Ordergebühren vergleicht, sieht ihn nicht.
Ein naheliegender Maßstab ist der Referenzkurs der Europäischen Zentralbank, der an jedem Arbeitstag gegen 16 Uhr erscheint. Die EZB schreibt selbst dazu, er diene nur der Information und solle nicht für Geschäfte verwendet werden. Kauft Tarek um 18 Uhr, hat sich der Markt seitdem weiterbewegt, und ein Teil der Abweichung ist dann gar kein Aufschlag. Wer den Aufschlag sehen will, braucht deshalb zwei Dinge, den Devisenkurs auf der Abrechnung und den Satz aus dem Preisverzeichnis des Brokers.
Bei einem Kauf über 4.000 Dollar sind 16 Euro wenig. Ins Gewicht fällt der Aufschlag bei vielen kleinen Vorgängen, etwa bei häufigen kleinen Käufen oder bei Dividenden, die jedes Quartal einzeln umgerechnet werden. Wie sich die Kosten einer Order zusammensetzen, die sichtbaren und die in der Spanne, steht in Was ein Wertpapiergeschäft kostet.
Häufige Fehler
Was bei Aktien in Fremdwährung falsch verstanden wird
Die meisten Fehler entstehen, weil der Handelsplatz für wichtiger gehalten wird, als er ist, und weil der Devisenkurs wie eine neutrale Zahl aussieht.
- Eine in Euro gekaufte US-Aktie für eine Euro-Anlage halten. Fällt der Dollar, fällt ihr Wert in Euro mit, egal an welcher Börse du gekauft hast.
- Den Devisenkurs auf der Abrechnung für den Tageskurs halten, den du im Netz nachschlägst. Er ist ein Preis des Brokers und fällt für dich in beide Richtungen etwas schlechter aus.
- Glauben, an einer deutschen Börse entfalle die Quellensteuer. Sie hängt am Sitz des Unternehmens, deshalb bringt eine in Frankfurt gekaufte US-Aktie dieselben 15 Prozent mit.
- Den Nachweis des Wohnsitzes liegen lassen. Fragt der Broker nach dem Formular W-8BEN und bleibt es unausgefüllt, werden von jeder US-Dividende 30 statt 15 Prozent abgezogen.
- Beim Vergleich von Brokern nur auf die Ordergebühr schauen. Bei Käufen an einer Auslandsbörse kommen der Aufschlag auf den Devisenkurs und oft fremde Spesen hinzu.
Grenzen
Wo die Rechnung anders aussieht
Nicht jedes Land senkt den Abzug gleich an der Quelle. Die Schweiz behält auf Dividenden 35 Prozent Verrechnungssteuer ein, so beschreibt es die Eidgenössische Steuerverwaltung. Wer in Deutschland wohnt, bekommt einen Teil davon nur mit einem eigenen Antrag in der Schweiz zurück, innerhalb von drei Jahren nach Ablauf des Jahres, in dem die Dividende fällig wurde. Ohne Antrag bleibt dieser Teil dort.
Manche Länder erheben außerdem beim Kauf eine eigene Abgabe. In Großbritannien fallen nach Angaben der britischen Steuerbehörde beim elektronischen Kauf von Aktien britischer Unternehmen meist 0,5 Prozent Stempelsteuer an. Eine solche Abgabe steht als eigene Zeile auf der Abrechnung und hat mit dem Devisenkurs nichts zu tun.
Die Währung, in der eine Aktie notiert, sagt nichts über die Quellensteuer. Entscheidend ist, wo das Unternehmen sitzt. Das Zertifikat auf die Kavaro-Aktie, das an der New Yorker Börse in Dollar gehandelt wird, trägt keine US-Quellensteuer, weil die Kavaro Interactive AG in Deutschland sitzt. Was ein solches Zertifikat ist und warum es keine Aktie ist, steht in Eine Firma, mehrere Aktien.
Und die Zahlen im Beispiel sind angenommen. Manche Broker nehmen einen festen Aufschlag je Richtung, andere einen Kurs mit Spanne, wieder andere tauschen gar nicht, wenn auf einem eigenen Dollarkonto genug liegt. Die Mechanik bleibt dieselbe, die Höhe steht in den Bedingungen.
Tiefer
Warum der Euro-Kurs einer US-Aktie nachts weiterläuft
Ein Market Maker in Frankfurt, der Cobalt in Euro anbietet, rechnet im Kern den Dollarkurs in New York in Euro um. Ist die Nasdaq offen, hat er für Aktie und Wechselkurs laufende Preise. Schließt sie, bleibt ihm für die Aktie nur der letzte Kurs, während der Devisenmarkt an Werktagen rund um die Uhr weiterhandelt. Bewegt sich der Euro nachts um ein Prozent, bewegt sich auch sein Euro-Kurs für Cobalt, obwohl in New York keine einzige Aktie gehandelt wurde.
Außerhalb der New Yorker Handelszeit ist die Spanne deshalb meist breiter, weil der Market Maker eine Aktie anbietet, deren Heimatmarkt geschlossen ist, mehr dazu in Handelszeiten und Nachbörse. Und ein Euro-Kurs für eine US-Aktie ist nie frei vom Wechselkurs, er weist ihn nur nicht aus. Wer am Abend in Frankfurt einen tieferen Kurs sieht und in New York keine Bewegung findet, sieht oft nur den Dollar.
Entscheidungshilfe
Was du vor einem Kauf im Ausland nachsiehst
Für einen ETF-Sparplan spielt das meiste davon kaum eine Rolle. Der Fonds rechnet seine Käufe selbst um, zu Sätzen, die für große Beträge gelten, und auf deiner Abrechnung steht ein Euro-Betrag. Am Dollar hängt ein Welt-ETF trotzdem, und wie viel der Wechselkurs in einem einzelnen Monat ausmachen kann, zeigt die Rechnung zum Welt-ETF im September. Wer einzelne Aktien aus dem Ausland kauft, prüft vorher vier Dinge.
- Im Preisverzeichnis deines Brokers den Abschnitt zu Devisen oder Fremdwährung suchen. Dort steht, wie weit sein Kurs vom Marktkurs abweicht.
- Bei einer US-Aktie nachsehen, ob dem Broker der Nachweis deines Wohnsitzes vorliegt, bei vielen über das Formular W-8BEN.
- Die beiden Wege nebeneinanderlegen. In Deutschland zahlst du die Umrechnung über die Spanne, an der Heimatbörse über den Devisenkurs, und welcher Weg günstiger ist, zeigen Spanne, Aufschlag und Ordergebühr erst zusammen.
- Bei Aktien aus der Schweiz und anderen Ländern mit hohem Abzug die Frist für eine Rückforderung im Blick behalten.
Häufige Fragen
- Kaufe ich US-Aktien besser in Euro oder in Dollar?
- Beides geht. In Euro an einer deutschen Börse siehst du keinen Devisenkurs, die Umrechnung steckt in der Spanne des Market Maker. In Dollar an der Heimatbörse tauscht dein Broker mit Aufschlag, beim Kauf und beim Verkauf. Am Dollar hängt die Aktie in beiden Fällen.
- Wie hoch ist die Quellensteuer auf US-Dividenden?
- 15 Prozent, wenn dein Broker belegen kann, dass du außerhalb der USA wohnst, bei vielen über das Formular W-8BEN. Ohne Nachweis sind es 30 Prozent. Wie die 15 Prozent in Deutschland angerechnet werden, ist eine Frage der deutschen Steuer.
- Was ist der Devisenkurs auf meiner Wertpapierabrechnung?
- Der Kurs, zu dem dein Broker Euro in die fremde Währung getauscht hat oder zurück. Er enthält einen Aufschlag und weicht deshalb vom Referenzkurs der EZB ab, zum Teil auch, weil sich der Markt seit dessen Veröffentlichung bewegt hat.
- Fällt die Quellensteuer weg, wenn ich eine US-Aktie in Deutschland kaufe?
- Nein. Sie hängt am Sitz des Unternehmens und nicht am Handelsplatz. Eine in Frankfurt gekaufte US-Aktie trägt dieselben 15 Prozent wie eine in New York gekaufte.
Quellen & weiterführende Links
- Europäische Zentralbank, Euro foreign exchange reference rates
- IRS, Federal income tax withholding and reporting on other kinds of U.S. source income paid to nonresident aliens
- IRS, Tax Treaty Table 1, Tax rates on income other than personal service income
- IRS, About Form W-8 BEN
- SEC, Press Release 2023-29, Shortening the settlement cycle to T+1
- Eidgenössische Steuerverwaltung, Verrechnungssteuer
- GOV.UK, Stamp Duty Reserve Tax, the basics
Zur Entstehung dieses Artikels
Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft.
Nächster Schritt
Ein Konto in Dollar getrennt von deinen Euro führen
Führt dein Broker ein Verrechnungskonto in Dollar, liegen dort Verkaufserlöse und Dividenden, bevor sie getauscht werden. In Portora legst du dafür ein eigenes Konto an und wählst die Währung beim Anlegen. Das Dashboard rechnet dann je Währung getrennt und ohne Umrechnung, so mischt sich der Dollarbestand nicht unbemerkt in deine Euro-Zahlen.
Funktionen ansehenVom Wissen in die Anwendung
Wenn du die Einordnung auf deine eigene Lage anwenden willst, findest du in Portora den direkten Einstieg.
Wissen schafft Orientierung. Der nächste Schritt bleibt die Registrierung oder der Blick in die passende Produktseite.