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Wie Banken Geld schöpfen (einfach erklärt)
Ein früherer Teil hat gezeigt, dass Geld vor allem Vertrauen ist. Offen blieb, wer es eigentlich herstellt. Die überraschende Antwort ist, dass den größten Teil weder der Staat noch die Zentralbank schöpft, sondern ganz normale Geschäftsbanken, jedes Mal, wenn sie einen Kredit vergeben.
Was dahintersteckt
Den meisten Euro schöpft nicht der Staat, sondern deine Bank
Ein früherer Teil hat Geld als Vertrauen beschrieben, als etwas, das nur gilt, weil alle es annehmen. Damit stellt sich die Frage, wer dieses Geld eigentlich in die Welt bringt. Die meisten würden auf den Staat oder die Zentralbank tippen. Für den Großteil des Geldes ist das falsch.
Es gibt zwei Arten von Geld. Die eine ist Zentralbankgeld, also die Scheine und Münzen in deinem Portemonnaie plus die Guthaben, die Banken bei der Zentralbank halten. Nur die Zentralbank kann es schaffen. Die andere ist Buchgeld, auch Giralgeld genannt, die Zahl auf deinem Konto. Und dieses Buchgeld schaffen die Geschäftsbanken.
Der Anteil ist dabei erstaunlich schief. Bargeld ist nur ein kleiner Teil des umlaufenden Geldes, der ganz überwiegende Rest, grob 80 bis 90 Prozent, ist Buchgeld auf Konten. Wenn du an Geld denkst, denkst du also fast immer an etwas, das eine private Geschäftsbank geschaffen hat.
Der Kern
Ein Kredit schafft die Einlage, nicht umgekehrt
Das übliche Bild geht so. Sparer tragen ihr Geld zur Bank, die Bank sammelt diese Einlagen und verleiht sie an andere weiter. Anschaulich, aber falsch. Die Deutsche Bundesbank stellt ausdrücklich klar, dass eine Spareinlage nicht weitergereicht wird, sondern dass bei der Kreditvergabe neues Geld entsteht.
Vergibt eine Bank einen Kredit, schreibt sie dem Kreditnehmer den Betrag einfach auf dem Konto gut. In diesem Moment entsteht das Geld, allein durch einen Buchungsvorgang. Sie braucht dafür keine Spareinlage, die vorher jemand eingezahlt hat. In der Bilanz der Bank wächst dabei beides gleichzeitig, auf der einen Seite die Forderung aus dem Kredit, auf der anderen Seite die neue Einlage des Kunden. Fachleute nennen das Bilanzverlängerung.
Damit dreht sich die vertraute Reihenfolge um. Nicht die Einlage kommt zuerst und ermöglicht den Kredit, sondern der Kredit kommt zuerst und schafft die Einlage. Deshalb sagen Zentralbanken, dass der Großteil des Geldes durch die Kreditvergabe der Banken in die Welt kommt. Geld ist zum ganz überwiegenden Teil ein Versprechen, das bei einem Kreditvertrag entsteht.
Praxisbeispiel
Wie ein Autokredit Geld entstehen und wieder verschwinden lässt
Nimm Nina, 34, die sich ein Auto für 24.000 Euro kauft und dafür einen Kredit aufnimmt. Ihre Bank prüft ihre Bonität und schreibt ihr die 24.000 Euro auf dem Konto gut. Dieses Geld lag vorher nicht in einem Tresor und gehörte keinem Sparer, es ist mit der Gutschrift neu entstanden. Ninas Guthaben ist um 24.000 Euro gestiegen, und genau so viel neues Buchgeld ist im Umlauf.
Nina überweist das Geld an den Autohändler. Damit fließt die neue Einlage zu dessen Bank ab. Jetzt muss Ninas Bank den Betrag an die Bank des Händlers ausgleichen, und dafür braucht sie Zentralbankgeld, das sie sich am Geldmarkt oder bei der Zentralbank beschafft. Das kostet sie etwas, und dieser Punkt ist wichtig, wenn es später um die Grenzen der Geldschöpfung geht.
Über die nächsten Jahre zahlt Nina den Kredit in Raten zurück. Mit jeder getilgten Rate verschwindet ein Stück des damals geschaffenen Buchgeldes wieder aus der Welt. Am Ende der Laufzeit sind die 24.000 Euro neu geschaffenes Geld vollständig gelöscht. Was der Bank bleibt, sind die Zinsen, denn die sind kein vernichtetes Kreditgeld, sondern ihr Verdienst für das Geschäft.
Die Kehrseite
Warum Tilgen Geld wieder verschwinden lässt
Dass Geld bei der Kreditvergabe entsteht, hat eine spiegelbildliche Kehrseite. Wird ein Kredit getilgt, wird das dabei geschaffene Buchgeld wieder vernichtet. Die Bilanz der Bank verkürzt sich, Kreditforderung und Einlage fallen zusammen weg. Geld verschwindet also nicht in einem Tresor, es hört schlicht auf zu existieren.
Für die ganze Wirtschaft heißt das etwas Überraschendes. Die Geldmenge wächst nicht, weil irgendwo Scheine gedruckt werden, sondern wenn unterm Strich mehr neue Kredite vergeben als alte getilgt werden. Sie schrumpft, wenn Haushalte und Unternehmen mehr zurückzahlen, als sie neu aufnehmen. In einer Kreditklemme kann die Geldmenge deshalb sinken, ganz ohne dass jemand Geld einsammelt.
Damit hängt die Geldmenge direkt an der Lust auf Kredit. Und weil mehr Geld bei gleicher Gütermenge am Ende auf die Preise drückt, ist die Geldschöpfung der Banken auch der Grund, warum eine Zentralbank überhaupt steuern will, wie viel davon passiert. Ihr Hebel dafür ist der Leitzins.
Die Grenzen
Warum Banken nicht unbegrenzt Geld schöpfen können
Wenn eine Buchung Geld schafft, drängt sich sofort die Sorge auf, dass Banken beliebig viel davon herstellen. Das tun sie nicht, und zwar nicht aus Anstand, sondern weil mehrere handfeste Bremsen wirken. Jede einzelne macht das Geldschöpfen teuer oder riskant, sobald es zu weit geht.
Diese vier Bremsen begrenzen die Geldschöpfung:
- Zins und Nachfrage. Eine Bank kann Kredit anbieten, aufnehmen muss ihn jemand freiwillig. Je höher der Zins, den die Geldpolitik setzt, desto teurer der Kredit und desto geringer die Nachfrage. Am Ende hängt die Geldmenge am Leitzins der Zentralbank.
- Refinanzierung. Sobald die neu geschaffene Einlage zu einer anderen Bank abfließt, muss die Bank den Betrag in Zentralbankgeld ausgleichen, das sie sich beschaffen muss. Das kostet und diszipliniert jede einzelne Bank.
- Eigenkapital und Regulierung. Jeder Kredit muss mit Eigenkapital unterlegt sein. Das begrenzt, wie stark eine Bank ihr Kreditbuch überhaupt ausweiten darf, unabhängig davon, wie viele Buchungen sie technisch machen könnte.
- Risiko und Gewinn. Eine Bank vergibt einen Kredit nur, wenn sie ihn für rückzahlbar hält und daran verdient. Ein fauler Kredit vernichtet am Ende ihr eigenes Kapital, nicht fremdes.
Ein zählebiger Mythos
Was im Schulbuch steht, und warum es überholt ist
In vielen Lehrbüchern steht bis heute ein anderes Bild, der Geldmultiplikator. Danach nimmt die Bank eine Einlage herein, legt einen kleinen Teil als Reserve zurück und verleiht den Rest, der wieder eingezahlt und erneut verliehen wird, immer weiter. Aus einer Einlage werde so ein Vielfaches an Geld, gedeckelt durch die Mindestreserve.
Dieses Bild ist nicht völlig falsch, aber es stellt die Reihenfolge auf den Kopf. Die Deutsche Bundesbank hält fest, dass die Bank das Geld zuerst per Kredit schafft und die nötigen Reserven danach besorgt, nicht umgekehrt. Die Mindestreserve, die Banken im Euroraum bei der Zentralbank halten müssen, ist mit rund einem Prozent viel zu klein, um als starrer Multiplikator zu wirken.
Der praktische Unterschied ist groß. Im alten Bild bestimmt die Reserve, wie viel Geld entstehen kann. Im richtigen Bild bestimmen Kreditnachfrage, Zins und Regulierung die Menge, und die Reserve folgt hinterher. Wer den Unterschied kennt, versteht auch, warum die Zentralbank die Geldmenge über den Zins steuert und nicht über eine feste Reservequote.
Dein Konto
Warum dein Guthaben ein Versprechen ist
Wenn dein Kontoguthaben Buchgeld ist, das deine Bank geschaffen hat, dann ist es kein Bargeld in einem Tresor, sondern ein Anspruch gegen deine Bank. Das ist derselbe Gedanke wie bei Tagesgeld und Festgeld, wo du der Bank effektiv Geld leihst. Solange die Bank gesund ist, merkst du davon nichts. Die Frage wird erst interessant, wenn eine Bank in Schieflage gerät.
Weil eine Bank kurzfristige Einlagen hält, aber langfristige Kredite vergeben hat, kann sie nie alle Einleger gleichzeitig auszahlen. Fürchten viele um ihr Geld und heben zugleich ab, entsteht ein Bank-Run, eine sich selbst verstärkende Panik. Gegen genau diese Panik gibt es zwei Schutzwälle. Die gesetzliche Einlagensicherung garantiert laut BaFin 100.000 Euro je Kunde und Bank. Und die Zentralbank kann einer grundsätzlich gesunden, aber vorübergehend klammen Bank Liquidität leihen.
Diese 100.000 Euro gelten je Bank und je Kunde, nicht je Konto. Bei einigen Instituten, etwa den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken, stützt zusätzlich ein Verbund das ganze Institut, sodass der Entschädigungsfall gar nicht erst eintritt. In besonderen Lebenslagen, etwa nach dem Verkauf einer selbst genutzten Immobilie, ist für sechs Monate mehr geschützt. Der praktische Kern bleibt aber einfach. Über die gesetzliche Grenze hinaus solltest du dich nicht auf eine einzige Bank verlassen.
Häufige Fehler
Was die meisten über Bankgeld falsch verstehen
Die meisten Missverständnisse über Bankgeld haben eine gemeinsame Wurzel. Sie stellen sich Geld als eine feste Menge Bargeld vor, die nur hin und her wandert. Sobald man versteht, dass Buchgeld bei der Kreditvergabe entsteht und bei der Tilgung vergeht, lösen sich die meisten davon auf.
Diese Denkfehler halten sich hartnäckig:
- Glauben, die Bank verleihe das eigene Sparbuch an andere weiter. Tatsächlich schafft sie mit jedem Kredit neues Geld, deine Spareinlage bleibt davon unberührt.
- Meinen, Banken könnten unbegrenzt Geld drucken. Eigenkapital, Refinanzierung, Zins und Risiko begrenzen die Menge sehr wohl, auch wenn die Buchung selbst nichts kostet.
- Das Kontoguthaben für Bargeld im Tresor halten. Es ist Buchgeld, ein Anspruch an die Bank, und Bargeld ist nur ein kleiner Teil des gesamten Geldes.
- Die Einlagensicherung für unbegrenzt halten. Gesetzlich garantiert sind 100.000 Euro je Kunde und Bank, größere Summen gehören auf mehrere Institute.
- Denken, nur der Staat mache Geld. Den größten Teil schöpfen private Geschäftsbanken durch Kredite, der Staat setzt über die Zentralbank nur den Rahmen.
Entscheidungshilfe
Was das für dein eigenes Geld heißt
Aus der Mechanik folgen ein paar sehr praktische Konsequenzen, vor allem, wenn du größere Guthaben hältst oder einen Kredit aufnimmst. Es geht nicht darum, der Bank zu misstrauen, sondern darum, dein Geld an das anzupassen, was es wirklich ist.
Zieh aus der Geldschöpfung diese Schlüsse:
- Wenn du mehr als 100.000 Euro sicher parken willst, verteile die Summe über mehrere Banken. Die gesetzliche Sicherung gilt je Institut, nicht je Konto bei derselben Bank.
- Wenn du ein Angebot einer weniger bekannten oder ausländischen Bank nutzt, prüfe, welches Sicherungssystem greift und in welchem Land es sitzt. Der Zins ist nur die halbe Information.
- Wenn du einen Kredit aufnimmst, sei dir bewusst, dass du neu geschaffenes Geld bekommst und es mit Zins zurückzahlst. Mit der Tilgung nimmst du dieses Geld nach und nach wieder aus der Welt, der Zins ist der Preis dafür.
- Wenn du deine Rücklage sicher und verfügbar halten willst, zählt für den Notgroschen die Einlagensicherung und der schnelle Zugriff, nicht die letzte Nachkommastelle beim Zins.
Was sich verändert
Andere Fragen an das eigene Geld
Wer verstanden hat, dass Banken Geld schöpfen, sieht Kredit und Konto mit anderen Augen. Ein Kredit ist nicht das umverteilte Ersparnis anderer Leute, sondern frisch geschaffenes Geld, das mit der Tilgung wieder verschwindet. Und dein Guthaben ist kein Bargeldstapel, sondern ein Versprechen, das die Einlagensicherung verlässlich macht.
Damit steht auch die nächste Frage im Raum. Wenn private Banken den größten Teil des Geldes schaffen, wer sorgt dann dafür, dass es nicht zu viel oder zu wenig wird? Das ist die Aufgabe der Zentralbank, und ihr Hebel ist der Leitzins. Wie der bis auf dein Konto durchschlägt, klärt der nächste Teil der Serie Wirtschaft verstehen.
Häufige Fragen
- Woher kommt das Geld, das eine Bank verleiht?
- Es entsteht bei der Kreditvergabe neu. Die Bank reicht keine vorhandene Spareinlage weiter, sondern schreibt dem Kreditnehmer den Betrag per Buchung auf dem Konto gut. In diesem Moment ist neues Buchgeld entstanden. Die Bundesbank stellt ausdrücklich klar, dass der Kredit die Einlage schafft und nicht umgekehrt.
- Können Banken unbegrenzt Geld schöpfen?
- Nein. Zwar kostet die Buchung selbst nichts, aber mehrere Bremsen wirken. Jeder Kredit muss mit Eigenkapital unterlegt sein, abfließende Einlagen muss die Bank in Zentralbankgeld ausgleichen, der Zins der Zentralbank steuert die Kreditnachfrage, und ein fauler Kredit vernichtet das eigene Kapital der Bank. Zusammen begrenzen sie die Geldschöpfung deutlich.
- Was passiert mit dem Geld, wenn ich einen Kredit tilge?
- Es wird wieder vernichtet. Bei der Tilgung verschwindet das bei der Kreditvergabe geschaffene Buchgeld, die Bilanz der Bank verkürzt sich. Für die gesamte Wirtschaft heißt das, die Geldmenge wächst, wenn mehr neue Kredite vergeben als alte getilgt werden, und sie schrumpft im umgekehrten Fall. Die Zinsen bleiben davon unberührt, sie sind der Verdienst der Bank.
- Ist mein Geld auf dem Konto sicher, wenn die Bank pleitegeht?
- Bis 100.000 Euro je Kunde und Bank ist es gesetzlich gesichert, in Deutschland über das Einlagensicherungsgesetz nach EU-Vorgabe. In besonderen Lebenslagen gilt für sechs Monate ein höherer Schutz. Bei Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken stützt zusätzlich ein Verbund das ganze Institut. Größere Summen verteilst du besser über mehrere Banken.
Quellen & weiterführende Links
- Deutsche Bundesbank: Wie Geld entsteht
- Deutsche Bundesbank: FAQ zum Thema Geldschöpfung
- Deutsche Bundesbank: Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess (Monatsbericht April 2017)
- Bank of England: Money creation in the modern economy (Quarterly Bulletin 2014 Q1)
- BaFin: Einlagensicherung
Nächster Schritt
Behalte den Überblick über mehrere Konten
Weil dein Guthaben ein Anspruch an deine Bank ist, sichert die gesetzliche Einlagensicherung es je Bank bis 100.000 Euro. Wer mehr hält, verteilt größere Summen über mehrere Banken und Konten. Der Mehrkonten-Rechner hilft dir, mehrere Konten sinnvoll aufzuteilen und den Überblick zu behalten.
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