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VersicherungenTeil 21 von 21

Versicherungen: Risiko teilen, nicht eliminieren

Aktien sind Eigentum, Anleihen sind Leihen, und beide Male trägst oder überträgst du Risiko. Der dritte Weg ist, es mit vielen anderen zu teilen, und genau das leistet eine Versicherung. Sie beseitigt das Risiko nicht, sie verteilt es so, dass ein einzelner Schaden niemanden ruiniert.

Portora Redaktion10 Min Lesezeit

Was dahintersteckt

Versicherung ist ein Tausch, kein Sparprodukt

Der vorige Teil hat die zwei großen Wege beschrieben, mit Zeit und Risiko umzugehen. Beim Eigentum trägst du das Risiko selbst, beim Leihen gibst du die Chance ab und bekommst feste Zusagen. Der dritte Weg ist, das Risiko mit vielen anderen zu teilen. Genau das ist eine Versicherung.

Im Kern ist sie ein einfacher Tausch. Du zahlst einen kleinen, festen Betrag, die Prämie, und gibst dafür ein großes, unsicheres Risiko ab. Brennt dein Haus, wird es ersetzt. Verursachst du einen teuren Schaden, springt die Versicherung ein. Du tauschst also ein sicheres kleines Minus gegen den Schutz vor einem seltenen großen Verlust.

Wichtig ist, was eine Versicherung nicht tut. Sie beseitigt das Risiko nicht. Es brennt weiterhin, Unfälle passieren weiterhin. Was sie leistet, ist das Risiko so zu verteilen, dass ein einzelner Schaden niemanden ruiniert. Deshalb ist eine Versicherung auch kein Sparprodukt. Das eingezahlte Geld liegt nicht für dich bereit, es finanziert die Schäden der anderen, so wie deren Beiträge deinen Schaden finanzieren würden.

Der Kern

Warum Teilen das Risiko wirklich kleiner macht

Dass Teilen mehr ist als Verschieben, liegt an einer statistischen Eigenart. Für einen einzelnen Haushalt ist ein Wohnungsbrand selten, aber wenn er eintritt, ist er ruinös, und niemand weiß, ob und wann er kommt. Für tausend Haushalte zusammen ist die Zahl der Brände pro Jahr dagegen ziemlich stabil und gut vorhersehbar. Aus lauter unvorhersehbaren Einzelfällen wird in der Summe eine kalkulierbare Größe.

Auf dieser Vorhersehbarkeit beruht das ganze Geschäft. Jeder zahlt einen kleinen Beitrag, der die erwartete Schadenssumme der Gruppe deckt, und wen es trifft, der bekommt den großen Schaden ersetzt. Das Risiko ist damit nicht verschwunden, aber es lastet nicht mehr auf einer Person, sondern verteilt sich auf viele Schultern. In genau diesem Bündeln liegt die Reduktion.

Daraus folgt, warum Versicherung kein Nullsummenspiel ist, bei dem der eine gewinnt, was der andere verliert. Die Police ist dir mehr wert, als sie den Versicherer kostet, weil du das ungebündelte Einzelrisiko trägst und er das gebündelte Durchschnittsrisiko. Beide Seiten stehen nach dem Tausch besser da. Du bist die Unsicherheit los, der Versicherer verdient an der Differenz zwischen dem kalkulierbaren Durchschnitt und dem Preis, den Sicherheit dir wert ist.

Der Preis

Die Prämie ist ein Preisschild fürs Risiko

Warum zahlt nicht jeder denselben Beitrag? Weil die Prämie das Risiko abbildet, das jemand in den Pool einbringt. Ein sicherer Fahrer zahlt weniger als ein Fahranfänger, ein riskanter Beruf mehr als ein Bürojob, ein Haus in der Hochwasserzone mehr als eines auf dem Hügel. Die Prämie ist damit ein Preis, der Information trägt, in diesem Fall über das Risiko.

Das kann sich ungerecht anfühlen. Der vorsichtige junge Fahrer zahlt mehr, nur weil andere in seiner Altersgruppe häufiger Unfälle bauen. Trotzdem folgt die Prämie keiner Schuldfrage, sondern der Wahrscheinlichkeit. Würde man alle zum selben Beitrag zwingen, subventionieren die risikoärmeren die risikoreicheren, und der Durchschnittsbeitrag steigt für alle. Ob das wünschenswert ist, ist eine politische Frage. Die Mechanik dahinter ist es nicht.

Dieselbe Logik erklärt, warum manche Risiken teuer oder gar nicht versicherbar sind. Ist ein Schaden fast sicher oder unbegrenzt hoch, gibt es keinen kleinen Beitrag mehr, der ihn deckt. Versicherung funktioniert dort, wo ein Schaden möglich, aber nicht die Regel ist. Genau deshalb versichert man das Seltene und Große, nicht das Häufige und Kleine.

Praxisbeispiel

Warum 30 Euro im Jahr die wichtigste Police sein können

Nimm die private Haftpflichtversicherung. Sie kostet oft nur 25 bis 40 Euro im Jahr und deckt Schäden, die du anderen zufügst. Die Verbraucherzentrale nennt sie ein absolutes Muss und empfiehlt eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro. Trotzdem hat rund jeder sechste Haushalt keine.

Warum lohnt dieser kleine Beitrag so sehr? Stell dir vor, du übersiehst als Radfahrer eine rote Ampel und ein Fußgänger wird schwer verletzt. Kann er dauerhaft nicht mehr arbeiten und braucht Pflege, summieren sich Verdienstausfall, Behandlung und Schmerzensgeld schnell auf mehrere hunderttausend Euro, im Extremfall lebenslang. Ohne Versicherung haftest du dafür mit deinem gesamten Einkommen und Vermögen, oft über Jahrzehnte. Mit ihr sind es 30 Euro im Jahr.

Das ist der ganze Sinn hinter der Faustregel, versichere die Katastrophe und zahl den Alltag selbst. Ein kaputtes Handy für 400 Euro tut weh, aber es ruiniert dich nicht, dafür brauchst du keine Police, sondern einen Notgroschen. Ein Haftungsfall über 500.000 Euro dagegen ist genau das Risiko, das ein Einzelner nicht tragen kann und deshalb teilen sollte. Die beste Versicherung ist oft die billigste, weil sie das größte Risiko abdeckt.

Nicht der Preis entscheidet über den Wert einer Police, sondern die Größe des Schadens, den sie abfängt.

Selbst tragen

Welche Risiken du gar nicht erst versichern solltest

Die Kehrseite folgt aus derselben Rechnung. Ein Versicherer muss mehr verlangen, als der Schaden im Schnitt kostet, denn er hat auch Verwaltung, Vertrieb und einen Gewinn zu decken. Über viele kleine Schäden hinweg zahlst du also im Durchschnitt drauf. Für Risiken, die du selbst tragen kannst, ist Versichern deshalb ein Verlustgeschäft.

Diese Policen kosten meist mehr, als sie bringen:

  • Handy-, Brillen- und Elektronikversicherungen. Der Schaden ist ärgerlich, aber tragbar, und die Beiträge summieren sich über die Jahre oft auf den Neupreis.
  • Glasbruch-, Reisegepäck- und Garantieverlängerungen. Seltene, kleine Schäden, die dein Notgroschen problemlos abfängt.
  • Sterbegeldversicherungen als Sparform. Sie mischen einen kleinen Schutz mit einem teuren Sparanteil, beides getrennt ist fast immer günstiger.
Dein Notgroschen ist die Selbstversicherung für alle kleinen Fälle. Er erspart dir die Beiträge für Risiken, die dich ohnehin nicht ruinieren.

Zwei Tücken

Warum Versicherung das Verhalten verändert

Sobald ein Risiko versichert ist, ändert sich, wie Menschen sich verhalten, und das auf zwei Arten, die jeder Versicherer einkalkulieren muss. Die erste heißt moralisches Risiko. Wer kaskoversichert ist, stellt das Auto vielleicht sorgloser ab als jemand, der jeden Kratzer selbst zahlt. Das Risiko steigt, gerade weil es versichert ist. Dagegen hilft die Selbstbeteiligung, bei der du einen ersten Teil des Schadens selbst trägst und deshalb aufmerksam bleibst.

Die zweite heißt Negativauslese. Wer weiß, dass er ein Risiko besonders trägt, schließt die Versicherung besonders wahrscheinlich ab. Eine Zusatzversicherung für eine bestimmte Krankheit kaufen vor allem die, die sie fürchten. Dadurch sammeln sich im Pool überdurchschnittlich viele schlechte Risiken, und der Beitrag muss steigen. Deshalb fragen Versicherer nach Vorerkrankungen, Beruf und Wohnort, und deshalb ist manches Pflicht.

Die Pflicht ist die einfachste Antwort auf die Negativauslese. Wenn alle dabei sein müssen, mischen sich gute und schlechte Risiken automatisch. Die Kfz-Haftpflicht funktioniert so, und die gesetzliche Sozialversicherung ist der größte Pflicht-Pool überhaupt. Ob eine Pflicht im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Fall ab, das Prinzip dahinter ist immer dasselbe.

Kein Sparprodukt

Wo Versicherung und Geldanlage vermischt werden

Die klarsten Versicherungen sind reine Risikoverträge. Du zahlst einen Beitrag, und wenn nichts passiert, ist das Geld verbraucht, so wie bei der Haftpflicht. Das klingt nach schlechtem Deal, ist aber der Normalfall, denn du hast die ganze Zeit den Schutz gekauft und keine Rückzahlung.

Verwirrend wird es bei Produkten, die Versicherung und Sparen mischen, etwa Kapitallebens- oder fondsgebundene Policen. Sie zahlen am Ende Geld aus und wirken dadurch wie eine Geldanlage mit Schutz obendrauf. Tatsächlich stecken zwei Dinge darin, ein kleiner Risikoschutz und ein Sparvertrag mit eigenen Kosten. Beide Teile lassen sich fast immer besser getrennt lösen, der Schutz über eine günstige Risikopolice, das Sparen über ein breit gestreutes Depot.

Deshalb lohnt bei jeder Police, die eine Auszahlung verspricht, der getrennte Blick. Wie viel Schutz bekomme ich, und wie gut ist der Sparanteil im Vergleich zu einer eigenständigen Anlage? Der Beitrag zu Versicherungsmantel oder Depot rechnet genau das durch. Eine Versicherung ist dazu da, ein Risiko zu tragen. Sobald sie zusätzlich dein Geld anlegen soll, ist das eine zweite Entscheidung, die du getrennt bewerten solltest.

Häufige Fehler

Was die meisten bei Versicherungen falsch machen

Die typischen Fehler bei Versicherungen haben fast alle dieselbe Wurzel. Sie versichern das Falsche. Kleine Ärgernisse werden abgesichert, während das eine Risiko offen bleibt, das wirklich existenzbedrohend wäre.

Diese Fehler kosten am meisten:

  • Das Kleine versichern, das Große offen lassen. Eine Handyversicherung abschließen, aber keine Berufsunfähigkeitsversicherung, obwohl der Verlust der Arbeitskraft das mit Abstand größere Risiko ist.
  • Versicherung als Geldanlage kaufen. Eine Police, die Rendite verspricht, vermischt Schutz und Sparen und ist selten in beidem gut. Trenne die beiden Fragen.
  • Nur auf den Beitrag schauen. Die billigste Police nützt nichts, wenn die Deckungssumme zu niedrig ist oder der wichtige Schadensfall ausgeschlossen wird. Erst die Bedingungen, dann der Preis.
  • Alte Policen unbemerkt weiterlaufen lassen. Doppelte oder überflüssige Verträge kosten jeden Monat, ohne dass jemand sie noch braucht.
  • Das existenzielle Risiko für unwahrscheinlich halten und es deshalb nicht absichern. Genau die seltenen, großen Fälle sind der Grund, warum es Versicherung überhaupt gibt.
Die Prüffrage ist immer dieselbe. Kann dich dieser Schaden finanziell ruinieren? Dann teile das Risiko, sonst trag es selbst.

Entscheidungshilfe

Welches Risiko du teilen und welches du tragen solltest

Ob eine Versicherung sich lohnt, entscheidet nicht das Gefühl, sondern zwei Fragen. Wie hoch wäre der Schaden im schlimmsten Fall, und könntest du ihn selbst tragen? Daraus ergibt sich eine klare Reihenfolge, die auch die Verbraucherzentrale so setzt, existenzielle Risiken zuerst. Wie du deinen Bestand konkret durchgehst, zeigt der Beitrag zum Versicherungen prüfen.

Sortiere deine Absicherung nach der Schadenshöhe:

  • Wenn ein Schaden dich finanziell ruinieren kann, etwa Haftpflichtfälle, der Verlust der Arbeitskraft oder bei Familie und Krediten der eigene Tod, dann teile dieses Risiko zuerst. Hier ist Versicherung am wichtigsten.
  • Wenn ein Schaden gesetzlich abzusichern ist, etwa die Kfz-Haftpflicht oder die Krankenversicherung, ist die Entscheidung ohnehin gefallen.
  • Wenn ein Schaden ärgerlich, aber tragbar ist, etwa Handy, Brille oder Reisegepäck, trag ihn selbst und halte dafür einen Notgroschen bereit.
  • Wenn eine Police zusätzlich Geld anlegen soll, prüfe den Schutz und den Sparanteil getrennt und vergleiche den Sparteil mit einer eigenständigen Anlage.

Was sich verändert

Andere Fragen an jede Police

Wer Versicherung als geteiltes Risiko versteht, kauft anders ein. Die Frage ist dann nicht mehr, wogegen man sich alles absichern könnte. Die Frage ist, welcher Schaden einen ruinieren würde, und nur den gibt man in den Pool. Für alles andere reicht ein Polster auf dem Konto. Eine teure Police für ein kleines Risiko ist dann kein Schutz, sondern ein schlechter Tausch.

Damit sind die drei Wege beisammen, mit Zeit und Risiko umzugehen. Beim Eigentum trägst du das Risiko, beim Leihen gibst du es gegen feste Zusagen ab, bei der Versicherung teilst du es mit vielen. Was diesen ganzen Kreislauf am Laufen hält, ist etwas, das bisher stillschweigend vorausgesetzt wurde, das Geld selbst. Was Geld eigentlich ist und woher es kommt, beginnt der nächste Teil der Serie zu klären.

Versicherung teilt Risiko, sie beseitigt es nicht. Deshalb gehört in den Pool nur, was du allein nicht tragen könntest.

Häufige Fragen

Was bedeutet Risiko teilen, nicht eliminieren?
Eine Versicherung lässt das Risiko selbst bestehen, es brennt und verunglückt weiterhin. Was sie ändert, ist die Verteilung. Viele zahlen einen kleinen Beitrag, und wen der Schaden trifft, der bekommt ihn ersetzt. So lastet der große Verlust nicht mehr auf einer Person, sondern auf vielen Schultern. Das Risiko verschwindet nicht, aber es ruiniert niemanden mehr.
Welche Versicherungen sind wirklich wichtig?
Wichtig sind die, die vor einem existenzbedrohenden Schaden schützen. Dazu zählen die private Haftpflicht, die Absicherung der Arbeitskraft über eine Berufsunfähigkeitsversicherung und, bei Familie oder Krediten, eine Risikolebensversicherung. Die Krankenversicherung ist ohnehin Pflicht. Kleine, tragbare Risiken wie ein Handyschaden brauchen dagegen meist keine Police.
Ist eine Versicherung eine Geldanlage?
Eine reine Versicherung ist es nicht. Du kaufst Schutz, kein Sparguthaben, und wenn nichts passiert, ist der Beitrag für den Schutz verbraucht. Es gibt Mischprodukte wie Kapitallebens- oder fondsgebundene Policen, die Versicherung und Sparen kombinieren. Bei ihnen lohnt es sich, den Schutzteil und den Sparteil getrennt zu bewerten, weil beides einzeln oft günstiger ist.
Warum zahlen manche Leute höhere Beiträge für dieselbe Versicherung?
Weil die Prämie das Risiko abbildet, das jemand einbringt, nicht seine Schuld. Alter, Beruf, Wohnort oder Vorerkrankungen verändern die Wahrscheinlichkeit eines Schadens und damit den Beitrag. Würde man alle gleich einstufen, müssten die risikoärmeren die risikoreicheren mitfinanzieren, und der Durchschnittsbeitrag stiege für alle.

Quellen & weiterführende Links

  1. Verbraucherzentrale: Private Haftpflichtversicherung, ein absolutes Muss
  2. Verbraucherzentrale: Geld und Versicherungen

Im Portora Cockpit

Sieh, was deine Absicherung monatlich kostet

Versicherungsbeiträge sind wiederkehrende Fixkosten, und viele laufen unbemerkt weiter. Im Cockpit ordnest du sie einer Kategorie zu und siehst über die Monate, was für welche Absicherung abfließt. Das ist die Grundlage, um die wichtige Police von der überflüssigen zu unterscheiden.

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