DGB-Steuerkonzept 2026: Wärst du Gewinner oder Verlierer?
Das DGB-Steuerkonzept 2026 ist ein Vorschlag, kein beschlossenes Gesetz. Es senkt den Einkommensteuertarif für die breite Mitte und finanziert das über höhere Steuern auf Kapital, Vermögen und Unternehmen. Ob du dabei gewinnst oder verlierst, entscheidet nicht der Tarif allein, sondern was sonst noch zu deinem Einkommen gehört. Gib dein zu versteuerndes Arbeitseinkommen, deine Kapitalerträge, deinen Familienstand, deine Kinder und deinen Arbeitsweg ein. Der Rechner zeigt dir den Effekt nur über den Tarif und den Netto-Effekt mit allem zusammen, jeweils im Vergleich zum geltenden Recht. Es ist eine Modellrechnung mit offengelegten Annahmen, keine centgenaue Steuerschuld.
Das Wichtigste in Kürze
- Stand: DGB-Steuerkonzept vom Juni 2026. Es ist ein Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes, kein Gesetzentwurf der Bundesregierung und kein laufendes parlamentarisches Verfahren.
- Vergleicht den geltenden Einkommensteuertarif (§ 32a EStG 2026) mit dem DGB-Tarif: Grundfreibetrag 15.400 statt 12.348 Euro, Eingangssatz 22 Prozent, Spitzensatz 49 Prozent ab 88.800 Euro, Höchstsatz 52 Prozent ab 140.000 Euro zu versteuerndem Einkommen.
- Rechnet die vier Hebel mit, die ein Haushalt direkt spürt: Wegfall der Abgeltungsteuer (Kapital zum persönlichen Satz), Wegfall des Ehegattensplittings, Mobilitätsgeld statt Pendlerpauschale und höheres Kindergeld statt Kinderfreibetrag.
- Trennt Tarif-Effekt und Netto-Effekt, weil ein Tarif-Gewinner durch Kapital, Ehe oder Pendeln unterm Strich trotzdem mehr zahlen kann.
- Vereinfachte Annahmen: Solidaritätszuschlag beidseitig ausgeklammert, Kapitalerträge ohne Teileinkünfteverfahren, Kindergeld-Günstigerprüfung und Mobilitätsgeld vereinfacht. Die Beträge zeigen Größenordnungen.
- Bildet bewusst nicht ab, was nicht auf deinem Steuerbescheid sichtbar ist: Körperschaftsteuer, Vermögensteuer, Vermögensabgabe und Finanztransaktionsteuer wirken über Unternehmen und Kapitalmärkte, nicht direkt im Haushalt.
- Cross-Link zur ausführlichen Analyse für den vollständigen Kontext und die Quellen.
Was würde das DGB-Steuerkonzept für dich bedeuten?
Anleitung
So nutzt du den Rechner
Gib dein zu versteuerndes Arbeitseinkommen pro Jahr ein. Das ist grob dein Bruttojahreslohn nach Abzug von Sozialabgaben und Pauschalen, also der Betrag, auf den die Einkommensteuer berechnet wird. Wenn du verheiratet bist, trägst du dein eigenes Einkommen ein und setzt das Häkchen für die gemeinsame Veranlagung, dann erscheint ein Feld für das Einkommen deines Partners.
Ergänze deine Kapitalerträge pro Jahr (Zinsen und Dividenden, brutto), die Zahl deiner Kinder und deinen einfachen Arbeitsweg in Kilometern. Jeder dieser Werte steuert einen der vier Hebel, die ein Haushalt vom DGB-Konzept direkt spürt. Wenn ein Wert bei dir null ist, lass ihn auf null, dann wirkt der entsprechende Hebel nicht.
Methodik
Wie der Rechner rechnet
Für die heutige Seite verwendet der Rechner den geltenden Einkommensteuertarif nach § 32a EStG in der Fassung 2026, die pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag, das Ehegattensplitting bei Verheirateten, die Pendlerpauschale von 0,38 Euro je Kilometer als Abzug vom Einkommen und die Günstigerprüfung zwischen Kindergeld und Kinderfreibetrag.
Für die DGB-Seite ersetzt der Rechner den Tarif durch den vorgeschlagenen Verlauf mit einem Grundfreibetrag von 15.400 Euro, einem Eingangssatz von 22 Prozent, einem Spitzensatz von 49 Prozent ab 88.800 Euro und einem Höchstsatz von 52 Prozent ab 140.000 Euro zu versteuerndem Einkommen. Kapitalerträge fließen zum persönlichen Steuersatz in den Tarif, wobei der Sparerpauschbetrag erhalten bleibt und nur der pauschale 25-Prozent-Satz entfällt. Das Splitting entfällt zugunsten der Einzelveranlagung, statt der Pendlerpauschale gibt es ein Mobilitätsgeld von 0,17 Euro je Kilometer direkt von der Steuerschuld, und das Kindergeld steigt von 259 auf 290 Euro im Monat bei Wegfall des Kinderfreibetrags.
Den Tarif-Effekt zeigt der Rechner getrennt vom Netto-Effekt. Der Tarif-Effekt ist die reine Wirkung des neuen Tarifs auf dein Arbeitseinkommen. Der Netto-Effekt rechnet Kapital, Ehe, Kindergeld und Pendeln dazu. Die Lücke zwischen beiden ist der eigentliche Punkt: Sie erklärt, warum eine Schlagzeile über die Tarifentlastung wenig über deinen Geldbeutel aussagt.
Hintergrund
Warum ein Tarif-Gewinner netto verlieren kann
Der DGB gibt an, rund 95 Prozent der Steuerzahler würden entlastet. Diese Aussage gilt nur für den Tarif. Wer aber Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag hat, zahlt darauf künftig den persönlichen Satz von bis zu 49 oder 52 Prozent statt pauschal 25 Prozent. Und wer in einer Alleinverdiener-Ehe lebt, verliert mit dem Ehegattensplitting einen Vorteil, der heute mehrere tausend Euro im Jahr ausmachen kann.
Beide Effekte können größer sein als die Tarifentlastung. Dann bist du ein Tarif-Gewinner und ein Netto-Verlierer. Umgekehrt kann jemand, der über den Tarif leicht draufzahlt, durch das Mobilitätsgeld oder das höhere Kindergeld netto trotzdem entlastet werden. Der Rechner macht diese Mechanik sichtbar, statt sie hinter einer Prozentzahl zu verstecken.
Grenzen
Was der Rechner bewusst nicht abbildet
Der Rechner zeigt nur die Hebel, die ein Haushalt auf seinem Steuerbescheid sieht. Die eigentliche Gegenfinanzierung des Konzepts, also Körperschaftsteuer, Vermögensteuer, eine einmalige Vermögensabgabe und die Finanztransaktionsteuer, wirkt über Unternehmen und Kapitalmärkte. Wer eine Steuer am Ende wirtschaftlich trägt, lässt sich nicht einem einzelnen Haushalt zuordnen und wird hier deshalb nicht berechnet.
Auch der Solidaritätszuschlag bleibt auf beiden Seiten ausgeklammert, die Kapitalbesteuerung ist ohne Teileinkünfteverfahren modelliert, und Mobilitätsgeld wie Kindergeld-Günstigerprüfung sind vereinfacht. Die Ergebnisse zeigen Größenordnungen und die Richtung, nicht die centgenaue Steuerschuld. Für eine verbindliche Berechnung deiner Situation ist eine steuerberatende Person zuständig.
Status
Vorschlag, kein Gesetz
Das DGB-Steuerkonzept ist ein Positionspapier des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Es liegt nicht im Bundestag, und es ist offen, ob und in welcher Form einzelne Elemente jemals umgesetzt werden. Aus dem Rechner ergibt sich deshalb keine Handlung, die du heute vornehmen müsstest.
Der Wert liegt woanders: Du siehst, wie sich dein Netto-Effekt aus mehreren Bausteinen zusammensetzt, und du lernst, eine politische Schlagzeile über eine Tarifentlastung nicht mit deinem tatsächlichen Geldbeutel zu verwechseln. Diese Einsicht gilt unabhängig davon, ob das Konzept je Gesetz wird.
Beispiel: 55.000 Euro Lohn plus 10.000 Euro Dividenden, ledig
Ein Single mit ordentlichem Gehalt und Kapitalerträgen gewinnt beim Tarif und verliert trotzdem netto.
- Zu versteuerndes Arbeitseinkommen: 55.000 Euro pro Jahr.
- Kapitalerträge: 10.000 Euro pro Jahr (der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro bleibt auch unter dem DGB erhalten).
- Tarif-Effekt: Der DGB-Tarif entlastet das Arbeitseinkommen um rund 751 Euro. Bis hierhin ein klarer Gewinner.
- Kapital-Effekt: Die Dividenden über dem Sparerpauschbetrag werden künftig zum persönlichen Satz besteuert statt pauschal mit 25 Prozent. Das kostet mehr als die Tarifentlastung einbringt.
- Netto-Effekt: rund 439 Euro mehr pro Jahr. Tarif-Gewinner, netto Verlierer.
Häufige Fragen
- Ist das DGB-Steuerkonzept schon beschlossen?
- Nein. Es ist ein Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes, also ein Positionspapier, kein Gesetzentwurf der Bundesregierung und kein laufendes parlamentarisches Verfahren. Der Rechner zeigt, was passieren würde, wenn der Tarif und die vier haushaltsnahen Hebel so kämen. Ob und in welcher Form einzelne Elemente umgesetzt werden, ist offen.
- Warum zeigt der Rechner einen Tarif-Effekt und einen Netto-Effekt getrennt?
- Weil beide auseinanderfallen können. Der Tarif-Effekt ist die reine Wirkung des neuen Steuertarifs auf dein Arbeitseinkommen. Der Netto-Effekt rechnet Kapitalerträge, den Wegfall des Ehegattensplittings, das Kindergeld und das Mobilitätsgeld dazu. Wer beim Tarif gewinnt, kann netto trotzdem mehr zahlen, etwa durch Dividenden oder eine Alleinverdiener-Ehe. Genau diese Lücke ist der Kern des Konzepts.
- Was bedeutet der Wegfall der Abgeltungsteuer für mich?
- Heute werden Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag pauschal mit 25 Prozent besteuert. Nach dem DGB-Konzept würden sie zu deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, der bis zu 49 oder 52 Prozent betragen kann. Für Menschen mit hohem Einkommen und nennenswerten Kapitalerträgen ist das eine deutliche Mehrbelastung, die die Tarifentlastung übersteigen kann.
- Warum verliert eine Alleinverdiener-Ehe besonders viel?
- Beim heutigen Ehegattensplitting wird das gemeinsame Einkommen für die Steuer rechnerisch auf beide Partner verteilt. Das bringt vor allem dann einen großen Vorteil, wenn nur einer verdient. Fällt das Splitting weg und wird jeder einzeln veranlagt, steigt die Steuerlast für Alleinverdiener-Ehen spürbar, je nach Einkommen um mehrere tausend Euro im Jahr. Bei zwei etwa gleich hohen Einkommen ist der Splittingvorteil dagegen klein, der Wegfall trifft dort kaum.
- Warum rechnet der Rechner die Vermögensteuer oder die Körperschaftsteuer nicht mit?
- Weil diese Steuern nicht direkt auf deinem Steuerbescheid stehen. Sie wirken über Unternehmen, Vermögen und Kapitalmärkte, und wer eine solche Steuer am Ende wirtschaftlich trägt, lässt sich keinem einzelnen Haushalt zuordnen. Der Rechner beschränkt sich ehrlich auf die vier Hebel, die du selbst beziffern kannst. Die übrigen Bausteine und ihre Wirkung ordnet die Analyse ein.
Vom Rechner in die Analyse
Die ganze Geschichte hinter den Zahlen
Warum die Entlastung für 95 Prozent unterm Strich ein Minus von 13,5 Milliarden Euro pro Jahr ist, wer sie über Kapital, Vermögen und Unternehmen bezahlt und welche Argumente beide Seiten haben, steht in der ausführlichen Analyse zum DGB-Steuerkonzept 2026.