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Markt & Investieren

Der Index-Effekt schrumpft seit dreißig Jahren, und abgeschafft hat ihn niemand

Stand 29. Juli 2026. Am 12. August gibt MSCI bekannt, welche Aktien zum 1. September in seine Indizes wandern, und im Dezember stellt FTSE Russell seine US-Indizes zum ersten Mal ein zweites Mal im selben Jahr um. Dahinter steht eine bekannte These. Ein Indexfonds sei ein Zwangskäufer mit öffentlich angekündigtem Auftrag, Schnellere kauften ihm vor, und dieser Aufschlag koste dich mehr als die Gebühr auf deinem Kontoauszug. Die These war einmal richtig. Eine Aufnahme in den S&P 500 brachte in den neunziger Jahren im Schnitt 7,6 Prozent Zusatzrendite, im Jahrzehnt bis 2020 waren es 0,8 Prozent. Abgeschafft hat das niemand.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion12 Min Lesezeit

Die Zerlegung in Zahlen

7,6 %
Zusatzrendite einer S&P-500-Aufnahme in den neunziger Jahren
im Jahrzehnt bis 2020 noch 0,8 Prozent
0,8 %
derselbe Wert für das Jahrzehnt 2010 bis 2020
Streichungen minus 0,6 Prozent
3 Werktage
Mindestvorlauf, mit dem S&P Dow Jones Indices Auf- und Abnahmen ankündigt
bei FTSE Russell liegen zwischen erster Liste und Wirksamkeit fünf Wochen
12,2 Bio. USD
Anlegergeld, das den Russell-US-Indizes folgt oder an ihnen gemessen wird
Angabe von FTSE Russell zur Umstellung 2026

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

Stand 29. Juli 2026. Die Renditewerte sind Durchschnitte über viele Einzelereignisse, keine Werte eines bestimmten Titels.

ZahlBedeutung
3,4 %durchschnittliche Zusatzrendite einer S&P-500-Aufnahme in den achtziger Jahren
7,6 %derselbe Wert für die neunziger Jahre, der Höhepunkt der Reihe
0,8 %derselbe Wert für das Jahrzehnt bis 2020
-0,6 %durchschnittlicher Kurseffekt einer Streichung aus dem Index, 2010 bis 2020
1980 bis 2020Untersuchungszeitraum der Auswertung von Greenwood und Sammon
1995 bis Juni 2021Untersuchungszeitraum der eigenen Untersuchung von S&P Dow Jones Indices
0,21 bis 0,28 %jährliche Kosten für S&P-500-Indexfonds nach der älteren Rechnung von Antti Petajisto, Daten bis 2005
0,38 bis 0,77 %derselbe Wert in derselben Rechnung für den Russell 2000, also den Bereich der kleinen Werte
13,5 Bio. USDGeld, das Ende 2020 am S&P 500 gemessen oder in ihn investiert war
12,2 Bio. USDdieselbe Größe für die Russell-US-Indizes, Angabe von FTSE Russell 2026
12-fach und 35-fachWachstum des Geldes in den Indizes S&P MidCap 400 und S&P SmallCap 600 in zwanzig Jahren bis 2021
12. August 2026Ankündigung der MSCI-Überprüfung, wirksam zum 1. September 2026
Juni und Dezemberneue Termine der Russell-Umstellung, seit 2026 zweimal statt einmal im Jahr
1,68 %Indexgewicht von Tesla bei der Aufnahme in den S&P 500 im Dezember 2020, fünftgrößter Wert

Was die These behauptet

Die Rechnung, die dahintersteht, klingt zwingend. Ein Indexfonds bildet eine Liste nach. Ändert sich die Liste, muss er kaufen und verkaufen, und zwar nicht dann, wenn es günstig ist, sondern dann, wenn die Regel es sagt. Er hat kein Ermessen, keine Ausweichmöglichkeit und keinen Grund zu warten, denn jede Abweichung von der Liste ist für ihn ein Fehler, an dem er gemessen wird. Ein solcher Käufer ist der berechenbarste Marktteilnehmer, den es gibt.

Berechenbar ist er, weil die Regeln öffentlich sind. S&P Dow Jones Indices kündigt Auf- und Abnahmen nach eigener Methodik mindestens drei Werktage vorher an. FTSE Russell veröffentlicht für seine jährliche Umstellung schon Wochen vorher vorläufige Listen, im Jahr 2026 lag die erste am 22. Mai vor, wirksam wurde die Umstellung nach Börsenschluss am 26. Juni. MSCI nennt seine nächste Überprüfung für den 12. August, wirksam zum 1. September. Wer will, kann sich also lange vorher ausrechnen, welche Aktien wann von wem gekauft werden müssen.

Daraus folgt die These, die man in Foren, Verkaufsunterlagen und Kommentarspalten findet. Wer diesen Auftrag vorher kennt, kauft die betroffene Aktie vorher und verkauft sie am Stichtag an den Fonds, der nicht nein sagen kann. Die Differenz zahlt der Fonds. Und weil der Fonds dir gehört, zahlst du sie. Das Unangenehme daran ist, dass diese Kosten in keiner Gebührenaufstellung auftauchen. Sie stehen nicht in der Kostenquote, sie erscheinen auf keiner Abrechnung, sie zeigen sich nur als Rückstand des Fonds gegenüber genau dem Index, den er abbilden soll.

Was die Zahlen zeigen

Robin Greenwood und Marco Sammon haben für das National Bureau of Economic Research die Kursreaktionen auf Änderungen im S&P 500 über den Zeitraum 1980 bis 2020 ausgewertet. Das Ergebnis widerspricht der Erwartung. In den achtziger Jahren brachte eine Aufnahme im Schnitt 3,4 Prozent Zusatzrendite, in den neunziger Jahren 7,6 Prozent. Im Jahrzehnt bis 2020 waren es 0,8 Prozent. Bei Streichungen aus dem Index, wo derselbe Mechanismus mit umgekehrtem Vorzeichen wirken müsste, blieben zwischen 2010 und 2020 im Schnitt minus 0,6 Prozent übrig.

Das ist keine Einzelmeinung. S&P Dow Jones Indices hat dieselbe Frage in einer eigenen Untersuchung über den Zeitraum von 1995 bis Juni 2021 geprüft und kommt zu demselben Bild, das dort als struktureller Rückgang beschrieben wird. Als Erklärung nennt der Indexanbieter die verbesserte Handelbarkeit der betroffenen Aktien. Zwei Auswertungen mit unterschiedlichen Zeiträumen, unterschiedlichen Methoden und sehr unterschiedlichen Interessenlagen kommen also zum selben Schluss.

Der Widerspruch zur Intuition ist der eigentliche Befund. Das Geld in Indexprodukten ist in diesen Jahrzehnten nicht geschrumpft, sondern gewachsen, und zwar dramatisch. Ende 2020 waren nach Angabe des Indexanbieters 13,5 Billionen Dollar am S&P 500 gemessen oder in ihn investiert. Den Russell-US-Indizes folgen nach Angabe von FTSE Russell 12,2 Billionen Dollar. Der Zwangskäufer ist also viel größer geworden, sein Auftrag viel lauter, und trotzdem ist der Aufschlag, den er zahlt, fast verschwunden. Wenn mehr Nachfrage weniger Preiswirkung erzeugt, stimmt etwas an der einfachen Erzählung nicht.

Balkendiagramm der durchschnittlichen Zusatzrendite bei Aufnahme in den S&P 500 nach Zeitraum, 3,4 Prozent in den achtziger Jahren, 7,6 Prozent in den neunziger Jahren und 0,8 Prozent im Jahrzehnt bis 2020, dazu minus 0,6 Prozent bei Streichungen im letzten Zeitraum
Durchschnittliche abnormale Rendite je Indexänderung. Auswertung von Greenwood und Sammon, National Bureau of Economic Research, Arbeitspapier 30748.

Warum die Rente verschwand

Die Erklärung liegt in der Sache selbst. Ein Aufschlag, der zuverlässig auftritt, öffentlich angekündigt wird und mehrere Prozent bringt, ist eine Einladung. In den neunziger Jahren war er groß und bekannt genug, dass es sich lohnte, Kapital und Aufmerksamkeit darauf zu richten. Genau das ist dann passiert. Je mehr Geld dem Aufschlag hinterherlief, desto früher wurde die betroffene Aktie gekauft, desto mehr Anbieter standen am Stichtag bereit, und desto kleiner wurde der Rest, der übrig blieb. Der Gewinn aus dem Wissen um eine Regel fällt, je mehr Leute dasselbe wissen.

Dazu kommt ein zweiter, sehr handfester Mechanismus, den man leicht übersieht. Viele Neuzugänge im S&P 500 kommen nicht aus dem Nichts, sondern steigen aus einem kleineren Index derselben Familie auf, etwa dem S&P MidCap 400 oder dem S&P SmallCap 600. In dem Moment, in dem der Fonds auf den großen Index kaufen muss, muss der Fonds auf den kleineren Index dieselbe Aktie verkaufen, denn sie ist dort nicht mehr drin. Dem Zwangskäufer steht also ein Zwangsverkäufer gegenüber. Die beiden Aufträge treffen sich, und für einen Dritten, der dazwischen verdienen will, bleibt wenig Platz.

Dieser Gegenpart ist über die Jahre stärker geworden. Das Geld in den beiden kleineren Indizes ist in den zwanzig Jahren bis 2021 rund zwölffach beziehungsweise rund fünfunddreißigfach gewachsen, also deutlich schneller als das Geld im großen Index. Was als Argument gegen Indexfonds gedacht war, nämlich ihre schiere Größe, hat sich in ein Argument für sie gedreht. Erst als genug Geld auf beiden Seiten der Naht lag, fanden die Zwangsaufträge zueinander. Wer wissen will, wie zwei Aufträge im Markt aufeinandertreffen, findet die Mechanik in unserem Erklärstück zum Orderbuch und der Entstehung eines Kurses, und warum Handelbarkeit dabei alles entscheidet, steht in der Einordnung zu Bid, Ask, Spread und Markttiefe.

Die Falle im Vergleich

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die Zahl, mit der die These meistens belegt wird. Antti Petajisto hat den Aufschlag in jährliche Kosten für Indexfonds umgerechnet und kam auf 0,21 bis 0,28 Prozent im Jahr für Fonds auf den S&P 500 und auf 0,38 bis 0,77 Prozent für Fonds auf den Russell 2000. Diese Zahlen kursieren bis heute, und sie sind auch nicht falsch. Nur beruhen sie auf Daten bis 2005, also auf genau dem Zeitraum, in dem der Effekt seinen Höhepunkt hatte und danach zu fallen begann. Sie beschreiben einen Markt, den es so nicht mehr gibt.

Der zweite Fehler im Vergleich ist subtiler und begegnet einem ständig. Die 7,6 Prozent aus den neunziger Jahren sind eine einmalige Kursbewegung bei einem einzelnen Ereignis. Die Kostenquote eines Fonds ist ein jährlicher Satz auf das gesamte Vermögen. Wer beide Zahlen nebeneinanderstellt und sagt, der versteckte Aufschlag sei ein Vielfaches der sichtbaren Gebühr, vergleicht einen Einzelbetrag mit einer laufenden Zahlung. Das ist derselbe Denkfehler wie der Vergleich eines Kaufpreises mit einer Monatsmiete.

Wie groß der Unterschied ist, zeigt die Umrechnung. Ein Index wie der S&P 500 tauscht in einem normalen Jahr eine einstellige Zahl seiner fünfhundert Mitglieder aus. Selbst ein Aufschlag von mehreren Prozent auf diesen kleinen Teil des Fondsvermögens ergibt für den ganzen Fonds nur einen Bruchteil eines Prozents. Genau deshalb landete Petajisto trotz zweistelliger Einzeleffekte bei einem Wert im Zehntelprozentbereich. Wer die Größenordnung nicht selbst nachrechnet, hält eine Zahl für dramatisch, die es rechnerisch nie war.

Wo der Effekt überlebt hat

Verschwunden ist der Aufschlag dort, wo der Zwangskäufer einen Zwangsverkäufer findet. Er hält sich dort, wo es keinen gibt. Kommt eine Aktie nicht aus einem kleineren Index derselben Familie, sondern von außerhalb, weil sie erst jetzt eine Aufnahmebedingung erfüllt, steht dem Kaufauftrag niemand mit einem gleich großen Verkaufsauftrag gegenüber. Dann muss der Fonds im offenen Markt kaufen, und dort wartet, wer sich vorher eingedeckt hat.

Der bekannteste Fall dieser Art ist die Aufnahme von Tesla in den S&P 500 im Dezember 2020, nachdem das Unternehmen die Gewinnanforderung des Index erfüllt hatte. Der Titel kam mit einem Indexgewicht von 1,68 Prozent herein und war damit sofort der fünftgrößte Wert. Zwischen der Ankündigung und dem Wirksamwerden legte der Kurs nach Auswertung von Morningstar um über 70 Prozent zu, das rund achtundzwanzigfache der Marktrendite im selben Zeitraum. In den zwei Tagen nach dem Indexdebüt gab er 7,86 Prozent nach. Der Wert, der weichen musste, Apartment Investment and Management, verlor im Vorfeld 0,69 Prozent und legte in denselben zwei Tagen 12,39 Prozent zu. Über die folgenden drei Monate lag der Ausgeschiedene mehr als achtundzwanzig Prozentpunkte vor dem Neuzugang. Daraus folgt allerdings keine Handelsregel. Der Zusammenhang gilt als Durchschnitt über viele Fälle, nicht im Einzelfall, und ein gestrichener Wert erholt sich keineswegs verlässlich. Foot Locker verlor nach der Streichung im August 2019 bis März 2022 rund 21,9 Prozent und blieb damit mehr als fünfundachtzig Prozentpunkte hinter dem Index zurück.

Dasselbe Muster gilt für den Bereich der kleinen Werte, wo einzelne Aktien dünner gehandelt werden und ein großer Auftrag entsprechend mehr bewegt. Petajistos höhere Kostenschätzung für den Russell 2000 zeigt in dieselbe Richtung, und die Umstellung der Russell-Indizes ist bis heute ein Ereignis mit außergewöhnlichem Handelsvolumen. Die Regel dahinter ist einfach. Der Aufschlag ist umso größer, je dünner der Markt und je fehlender der natürliche Gegenpart. Er ist keine Eigenschaft von Indexfonds an sich, sondern eine Eigenschaft der Naht, an der sie handeln.

Wie es dazu kam

Dass die Regeln überhaupt so weit vorher bekannt sind, ist kein Versehen der Indexanbieter, sondern Absicht. Ein Index, dessen Änderungen überraschend kämen, wäre für einen großen Fonds kaum nachbildbar, weil er dann in einem einzigen Handelsschluss ein Milliardenvolumen bewegen müsste. Der lange Vorlauf verteilt die Umschichtung auf viele Tage und viele Hände. Er ist der Grund, warum das Vorwissen anderer überhaupt möglich ist, und gleichzeitig der Grund, warum die Umschichtung im Normalfall geräuschlos abläuft.

FTSE Russell hat diese Architektur im Jahr 2026 verändert. Die Umstellung der US-Indizes findet seit diesem Jahr zweimal statt, im Juni und im Dezember, statt wie zuvor einmal jährlich. Der Ablauf für Juni 2026 zeigt, wie viel Vorlauf dabei entsteht. Die Rangliste wurde zum Handelsschluss des 30. April festgestellt, die erste vorläufige Mitgliederliste erschien am 22. Mai, danach folgten vier Aktualisierungen, ab dem 8. Juni galten die Änderungen als endgültig, wirksam wurden sie nach Handelsschluss am 26. Juni. Begründet wird die Umstellung damit, dass die Indizes den Marktveränderungen schneller folgen sollen.

Für die Frage nach den versteckten Kosten hat das zwei gegenläufige Folgen, und beide sind vorläufig unbeziffert. Zweimal umstellen heißt zweimal zwangsweise handeln, also mehr Gelegenheiten, an denen jemand vorher kaufen kann. Zweimal umstellen heißt aber auch, dass jede einzelne Umstellung weniger Bewegung enthält, weil sich zwischen zwei Terminen weniger angestaut hat. Ob unter dem Strich mehr oder weniger Aufschlag anfällt, wird sich erst nach dem Dezembertermin an den Daten zeigen lassen. Der erste Halbjahrestermin liegt hinter uns, der zweite steht noch aus.

Der faire Gegenpunkt

Der stärkste Einwand gegen diese Einordnung betrifft die Quellenlage. Eine der beiden Untersuchungen stammt von S&P Dow Jones Indices, also von einem Unternehmen, das Indizes verkauft und ein erkennbares Interesse daran hat, dass Indexprodukte als preiswert gelten. Wer diesen Befund liest, sollte wissen, wer ihn veröffentlicht hat. Die Entlastung ist, dass die unabhängige Auswertung von Greenwood und Sammon mit anderem Zeitraum und anderer Methode zum selben Ergebnis kommt. Ein Anbieterbefund allein würde die These nicht tragen, zwei unabhängige Auswertungen tun es.

Der zweite Einwand ist inhaltlich gewichtiger. Dass die durchschnittliche abnormale Rendite gegen null geht, heißt nicht, dass am Umstellungstag nichts passiert. Die Handelsvolumen in den betroffenen Aktien steigen an solchen Tagen um ein Vielfaches, und Vermögensverwalter, die eigene Rekonstitutionskosten messen, berichten weiterhin von spürbarem Preisdruck. Ein Durchschnitt von 0,8 Prozent kann aus vielen kleinen Bewegungen entstehen oder aus wenigen sehr großen und vielen bei null. Für den einzelnen Fonds in einem einzelnen Jahr ist der Durchschnitt deshalb nur ein Erwartungswert, keine Zusage.

Der dritte Einwand ist der ehrlichste. Die belastbaren Zahlenreihen enden 2020 beziehungsweise Mitte 2021. Was seither passiert ist, und gerade jetzt passiert, während die Marktwerte im Halbleiterbereich sich stark verschieben und damit die Ranglisten der nächsten Überprüfungen, ist noch nicht ausgewertet. Wer aus einer Reihe, die 2020 endet, eine Aussage über den August 2026 macht, geht über die Daten hinaus. Belegt ist der lange Rückgang. Nicht belegt ist, dass er in diesem Jahr weiterläuft.

Was das für Anleger heißt

Für einen breit gestreuten Aktienbestand ordnet sich der Befund so ein. Die versteckten Umschichtungskosten eines großen, liquiden Index sind nach der belegten Datenlage klein geworden, kleiner jedenfalls, als die verbreitete Erzählung nahelegt. Sie sind kein Argument gegen Indexprodukte als Anlageform. Wer sie als Hauptkritikpunkt hört, sollte nach dem Zeitraum der zitierten Zahlen fragen, denn die meistgenannte Kostenschätzung beruht auf Daten bis 2005.

Der Hebel, der bleibt, liegt nicht bei den Gebühren, sondern beim Zuschnitt. Der Aufschlag entsteht an den Nähten zwischen Indizes, also dort, wo eine Aktie aus einem Index heraus und in einen anderen hineinwandert. Wer sein Aktienvermögen aus mehreren Bausteinen zusammensetzt, also getrennt nach großen, mittleren und kleinen Werten oder nach Anlagestilen, hat mehr solcher Nähte im Depot als jemand, der einen einzigen breiten Index hält, in dem dieselbe Wanderung gar kein Handelsereignis auslöst. Das ist eine Aussage über die Bauart von Indizes, keine Aussage darüber, welche Form für dich die richtige ist. Wie unterschiedlich breit gestreute Indizes tatsächlich streuen, zeigt unsere Einordnung zum Klumpenrisiko im Welt-ETF.

Zwei Dinge sind zweiseitig zu sehen. Ein breiterer Index vermeidet Nahtkosten, enthält dafür aber mehr kleine und dünner gehandelte Titel, deren eigene Handelskosten höher sind. Und ein Index, der seltener umgestellt wird, spart Handelstage, bildet dafür aber die Marktentwicklung träger ab. Beides sind Abwägungen ohne eindeutig richtige Antwort, sie hängen von Anlagehorizont, Depotgröße und persönlicher Toleranz gegenüber Abweichungen ab. Diese Analyse beschreibt die Mechanik. Welche Konsequenz du daraus ziehst, ist deine Entscheidung, und im Zweifel gehört sie mit jemandem besprochen, der deine Gesamtsituation kennt.

Quellen

  1. The Disappearing Index Effect (Arbeitspapier 30748) National Bureau of Economic Research · wissenschaft ·
  2. What Happened to the Index Effect? A Look at Three Decades of S&P 500 Adds and Drops S&P Dow Jones Indices · dokument ·
  3. Index Methodology, S&P U.S. Indices (Juli 2026) S&P Dow Jones Indices · dokument ·
  4. FTSE Russell Begins June 2026 Semi-Annual Russell US Indexes Reconstitution FTSE Russell (LSEG) · dokument ·
  5. The index premium and its hidden cost for index funds Journal of Empirical Finance (Antti Petajisto) · wissenschaft ·
  6. The Index Inclusion Effect Isn't Cause for Concern Morningstar (Ryan Jackson) · medien ·

Stand der Analyse: 29. Juli 2026.

Zur Datenlage: Die tragenden Zahlen dieser Analyse stammen aus zwei unabhängigen Auswertungen. Die Reihe 3,4 Prozent, 7,6 Prozent und 0,8 Prozent sowie der Wert von minus 0,6 Prozent für Streichungen stammen aus dem Arbeitspapier 30748 des National Bureau of Economic Research von Robin Greenwood und Marco Sammon, Untersuchungszeitraum 1980 bis 2020. Die zweite Auswertung stammt von S&P Dow Jones Indices und deckt den Zeitraum 1995 bis Juni 2021 ab. Wichtig zur Einordnung: S&P Dow Jones Indices ist Indexanbieter und damit an dem Befund wirtschaftlich interessiert. Diese Analyse stützt sich deshalb nicht allein darauf, sondern führt beide Auswertungen nebeneinander.

Zu den Kostenzahlen: Die Werte von 0,21 bis 0,28 Prozent für den S&P 500 und 0,38 bis 0,77 Prozent für den Russell 2000 stammen aus der Arbeit von Antti Petajisto und beruhen auf Daten bis 2005. Sie sind im Text ausdrücklich als historische Größenordnung geführt und beschreiben nicht die heutige Lage.

Zu den Einzelwerten im Beispiel: Die Kursangaben zur Indexaufnahme im Dezember 2020 stammen aus einer Auswertung von Morningstar vom Juli 2022 und sind nicht aus Börsendaten nachgerechnet. Sie dienen der Veranschaulichung eines Mechanismus und sind keine Aussage über die heutige Lage dieser Unternehmen.

Was diese Analyse nicht kann: Die belastbaren Zahlenreihen enden 2020 beziehungsweise Mitte 2021. Ob der beschriebene Rückgang im laufenden Jahr anhält, ist nicht belegt. Die Folgen der Umstellung der Russell-Indizes auf zwei Termine im Jahr sind mangels abgeschlossenem Dezembertermin noch nicht messbar.

Hinweis nach der Marktmissbrauchsverordnung: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

KI-Einsatz: Recherche, Quellenprüfung und Entwurf dieses Beitrags wurden mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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