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Europas Diesel-Notvorrat reicht 59 Tage, und Washington verlangt fast die Hälfte davon

Stand 1. Oktober 2026. Die US-Regierung verlangt von Deutschland und Frankreich, ihre Notvorräte an Diesel anzuzapfen, und droht sonst mit einem Exportverbot für amerikanischen Diesel, so berichtet es Reuters. Von der EU insgesamt sollen es 120 Millionen Barrel in sechs Monaten sein. In der EU lagen im Juni rund 36,9 Millionen Tonnen Gasöl und Diesel als Notvorrat, das reicht beim Verbrauch des Vorjahres 59 Tage. Die verlangte Menge entspricht 44 Prozent davon. Deutschland hat im März per Verordnung 150.000 Tonnen Diesel freigegeben, gut einen Tag Verbrauch, und kauft seit Juni schon wieder nach.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion11 Min Lesezeit

Der Vorrat in vier Zahlen

59 Tage
Reichweite des EU-Notvorrats an Gasöl und Diesel im Juni 2026, beim Verbrauch des Jahres 2025
36,9 Millionen Tonnen
44 %
Anteil, den die von den USA verlangten 120 Millionen Barrel an diesem Vorrat ausmachten
rund 16,1 Millionen Tonnen
150.000 t
Diesel, den Deutschland vom 19. März bis 31. August aus dem Notvorrat freigab
rund 1,2 Tage Verbrauch
−3,0 %
Rückgang des deutschen Diesel-Notvorrats von Ende Februar bis Ende Juli 2026
auf 5,58 Millionen Tonnen

Quelle: Eurostat; Bundesgesetzblatt; Internationale Energieagentur; Reuters; eigene Rechnung

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

ZahlBedeutung
120 Mio. Barrel / 6 MonateDiesel, den die USA laut einer von Reuters zitierten Quelle von der EU verlangen, umgerechnet rund 16,1 Millionen Tonnen
36,9 Mio. t / 59 TageNotvorrat der EU an Gasöl und Diesel im Juni 2026 und seine Reichweite beim Verbrauch 2025
624.600 tInlandsabsatz von Gasöl und Diesel in der EU je Tag im Jahr 2025
88.100 t / 14 %Die verlangte Menge je Tag über sechs Monate und ihr Anteil am Tagesverbrauch der EU
5,58 / 7,58 Mio. tDiesel-Notvorrat Deutschlands (Juli 2026) und Frankreichs (Juni 2026)
46 / 76 TageReichweite dieser Vorräte beim jeweils eigenen Verbrauch 2025, 121.300 und 99.400 Tonnen je Tag
35,8 %Anteil Deutschlands und Frankreichs am Diesel-Notvorrat der EU im Juni 2026
400 Mio. / 426 Mio. BarrelGemeinsame Freigabe der IEA vom 11. März 2026, nach den Länderbeiträgen vom 19. März
19,5 / 14,6 Mio. BarrelZusage Deutschlands (aus öffentlichen Vorräten) und Frankreichs an die IEA
400.000 / 150.000 / 50.000 tFreigabe nach der 6. Erdöl-Freigabeverordnung, Rohöl, Diesel und Kerosin, gültig 19. März bis 31. August 2026
834.000 / 175.000 tRückgang des deutschen Notvorrats insgesamt und beim Diesel, Ende Februar bis Ende Juli 2026
588.000 / 362.000 tRückgang des französischen Notvorrats insgesamt und beim Diesel, Ende Februar bis Ende Juni 2026
95,1 / 87,9 TageNotvorrat insgesamt nach EU-Rechnung, Deutschland im Juli, Frankreich im Juni 2026, Pflicht sind 90 Tage Nettoeinfuhren
10,10 Mio. tGasöl und Diesel auf Lager in Deutschland insgesamt Ende Juli 2026, 2,11 Millionen Tonnen mehr als Ende 2025
−16,0 %Inlandsabsatz von Gasöl und Diesel in Deutschland Januar bis Juli 2026 gegen denselben Zeitraum 2025

Quelle: Eurostat; Bundesgesetzblatt; Internationale Energieagentur; Reuters; eigene Rechnung

Europa soll seinen Diesel hergeben

Die US-Regierung hat Deutschland und Frankreich aufgefordert, ihre Notvorräte an Diesel anzuzapfen. Das berichtet Reuters am 1. Oktober unter Berufung auf drei Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind. Andernfalls drohe ein Verbot von Dieselausfuhren aus den USA, über das Präsident Trump derzeit öffentlich nachdenkt. Washington ist nach demselben Bericht verärgert, weil beide Länder Zusagen aus der gemeinsamen Freigabe der Internationalen Energieagentur (IEA) vom März aus amerikanischer Sicht nicht vollständig erfüllt haben. Eine Quelle in einer europäischen Hauptstadt nennt eine Zahl, 120 Millionen Barrel Diesel in den nächsten sechs Monaten für die EU insgesamt. Bestätigt hat das bisher weder Berlin noch Paris, das Wirtschaftsministerium antwortete nicht sofort, das französische Energieministerium lehnte einen Kommentar ab.

Hinter der Forderung steht ein naheliegender Gedanke. Europa sitzt auf Millionen Tonnen Diesel in Tanks, die für Notfälle gefüllt wurden, und der Notfall scheint da zu sein. Die Ausfuhren aus dem Nahen Osten sind gestört, China hat seine Exporte von Kraftstoffen zurückgefahren, und ein Exportverbot der USA würde zwei Dieselpreise entstehen lassen, einen in Amerika und einen im Rest der Welt. Wer seinen Vorrat freigibt, so die Lesart, bringt Angebot auf den Markt und senkt den Preis. Ob das stimmt, hängt an drei Zahlen, die in der Forderung nicht vorkommen. Wie lange der Vorrat reicht, wie viel davon bisher geflossen ist, und was danach passiert.

Tonnen in Tage umgerechnet

Ein Vorrat in Tonnen sagt wenig, solange man ihn nicht neben den Verbrauch legt. In der EU lagen Ende Juni 2026 nach Eurostat rund 36,9 Millionen Tonnen Gasöl und Diesel als Notvorrat. Im ganzen Jahr 2025 wurden in der EU 228 Millionen Tonnen davon abgesetzt, rund 624.600 Tonnen am Tag. Der Vorrat reicht damit 59 Tage, wenn kein einziger Liter von außen dazukäme. Die verlangten 120 Millionen Barrel sind bei 7,46 Barrel je Tonne Diesel rund 16,1 Millionen Tonnen. Das wären 44 Prozent des Vorrats, oder 26 Tage Verbrauch. Über sechs Monate verteilt kämen jeden Tag rund 88.100 Tonnen zusätzlich auf den Markt, das sind 14 Prozent des Tagesverbrauchs.

Für die beiden genannten Länder sieht die Rechnung verschieden aus. Deutschland hielt Ende Juli 5,58 Millionen Tonnen Gasöl und Diesel als Notvorrat, bei einem Absatz von 121.300 Tonnen am Tag im Jahr 2025 sind das 46 Tage. Frankreich hielt Ende Juni 7,58 Millionen Tonnen, bei 99.400 Tonnen am Tag reicht das 76 Tage. Zusammen stellen beide 35,8 Prozent des EU-Vorrats, und daher kommt der Druck auf genau diese zwei Hauptstädte. In Deutschland ist der Verbrauch 2026 gesunken, von Januar bis Juli wurden 16 Prozent weniger Gasöl und Diesel abgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Bei diesem Tempo reicht derselbe Vorrat rund 55 Tage.

Der Unterschied zwischen Vorrat und Verbrauch ist der Kern der Sache. Ein Notvorrat ist ein Bestand, der Verbrauch ist ein Strom, der jeden Tag neu fließen muss. Fehlt Angebot für ein paar Wochen, etwa weil Tanker umgeleitet werden, kann ein Bestand die Lücke schließen, bis der Strom wieder läuft. Fehlt Angebot dauerhaft, weil durch die Straße von Hormus weniger kommt oder weil China nicht mehr ausführt, verschiebt eine Freigabe den Engpass nur nach hinten. 14 Prozent des Tagesverbrauchs über sechs Monate sind viel, aber sie enden nach sechs Monaten, und mit ihnen das zusätzliche Angebot.

Waagerechte Balken für die Reichweite von Diesel-Notvorräten in Tagen. EU im Juni 2026 59,0 Tage, davon die von den USA verlangten 120 Millionen Barrel 25,8 Tage, Frankreich im Juni 76,3 Tage, Deutschland im Juli 46,0 Tage, die deutsche Diesel-Freigabe von März bis August 1,2 Tage.
Notvorräte an Gasöl und Diesel nach EU-Recht (Eurostat, Bestand am Monatsende), geteilt durch den Inlandsabsatz je Tag im Jahr 2025 (Eurostat, beobachteter Bruttoinlandsverbrauch). 120 Millionen Barrel umgerechnet mit 7,46 Barrel je Tonne. Eigene Rechnung.

Zugesagt, freigegeben, abgeflossen

Am 11. März 2026 haben die Mitgliedsländer der IEA beschlossen, 400 Millionen Barrel aus Notvorräten auf den Markt zu bringen, die größte gemeinsame Freigabe in der Geschichte der Agentur. Nach der Länderliste vom 19. März summieren sich die Beiträge auf 426 Millionen Barrel. Deutschland sagte 19,5 Millionen Barrel zu, vollständig aus öffentlichen Vorräten, Frankreich 14,6 Millionen. Die IEA spricht dabei durchgehend davon, Öl verfügbar zu machen, und genau hier liegt der Unterschied, um den es geht. Verfügbar heißt, der Vorrat darf verkauft werden. Ob und wie viel davon tatsächlich verkauft wird, hängt am Verfahren jedes Landes und daran, ob jemand zu den angebotenen Bedingungen kauft.

In Deutschland lief die Freigabe über die Sechste Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes, verkündet am 18. März. Sie erlaubt dem Verband, vom 19. März bis zum 31. August vorübergehend weniger zu halten als vorgeschrieben, und zwar 400.000 Tonnen Rohöl, 150.000 Tonnen Diesel und 50.000 Tonnen Kerosin. Zusammen sind das 600.000 Tonnen oder rund 4,45 Millionen Barrel, also knapp ein Viertel der Zusage an die IEA. In der Regierungspressekonferenz vom 11. März war noch von 2,4 Millionen Tonnen die Rede. Eine weitere Freigabeverordnung ist im Bundesgesetzblatt bisher nicht erschienen.

Was tatsächlich abfloss, zeigt Eurostat. Der deutsche Notvorrat insgesamt sank von Ende Februar bis Ende Juli von 20,83 auf 20,00 Millionen Tonnen, um 834.000 Tonnen. Beim Diesel waren es 175.000 Tonnen, von 5,75 auf 5,58 Millionen, ein Rückgang um 3,0 Prozent. Die Größenordnung passt zur Verordnung, die erlaubten Mengen sind also weitgehend geflossen, nur waren sie klein. In Frankreich sank der Notvorrat bis Ende Juni um 588.000 Tonnen, beim Diesel um 362.000 Tonnen oder 4,6 Prozent. Für die EU insgesamt lag der Rückgang beim Diesel von Februar bis Juni bei 1,45 Millionen Tonnen, 3,8 Prozent des Vorrats.

Gepaarte waagerechte Balken je Produkt für Deutschland, freigegebene Menge laut Verordnung und gemessener Rückgang des Notvorrats von Ende Februar bis Ende Juli 2026, in Tausend Tonnen. Rohöl 400 und 420, Diesel und Gasöl 150 und 175, Kerosin 50 und 154, Benzin keine Freigabe und 85.
Freigabe nach der Sechsten Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes (BGBl. 2026 I Nr. 71). Rückgang der Notvorräte nach EU-Recht am Monatsende laut Eurostat. Die Monatswerte schwanken auch ohne Freigabe, etwa durch Umschichtung zwischen Lagern.

Warum Europa Diesel lagert und Amerika Rohöl

Die Pflicht zum Vorrat stammt in Europa aus der Richtlinie 2009/119/EG. Jedes Mitgliedsland muss Öl und Ölprodukte für 90 Tage seiner Nettoeinfuhren oder für 61 Tage seines Verbrauchs halten, je nachdem, welcher Wert höher ist. Deutschland erfüllt das über den Erdölbevorratungsverband, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, in der die Mineralölfirmen Pflichtmitglieder sind und die ihre Bestände über deren Beiträge finanziert. Ende Juli 2026 hielt Deutschland nach EU-Rechnung Vorräte für 95,1 Tage. Frankreich lag Ende Juni bei 87,9 Tagen und damit unter der Pflichtgrenze, was in einer gemeinsamen Freigabe zulässig ist. Der Vorrat soll im Krieg genau dafür da sein, und es wäre seltsam, ihn auch dann vollständig zu halten.

Der Unterschied zu den USA liegt in der Form. Die amerikanische Ölreserve besteht ausschließlich aus Rohöl, das erst durch eine Raffinerie muss, bevor es als Diesel an der Zapfsäule ankommt. In Deutschland waren Ende Juli knapp 60 Prozent des Notvorrats Rohöl und knapp 28 Prozent Gasöl und Diesel. Europa hat mehr fertige Produkte eingelagert, weil es mehr davon einführt, seit die Lieferungen aus Russland weggefallen sind. Ein Diesel-Notvorrat wirkt deshalb schneller, ein freigegebener Liter steht ohne Umweg über die Raffinerie zur Verfügung. Genau deshalb richtet sich die amerikanische Forderung auf die europäischen Dieseltanks und nicht auf das eigene Rohöl.

Was danach kommt, ist Nachfrage

Ein Notvorrat ist gesetzlich vorgeschrieben, und was freigegeben wurde, muss später wieder hinein. Das Wirtschaftsministerium hat das schon im März gesagt, die Reserve müsse wieder aufgefüllt werden, „allerdings nicht sofort, sondern mit einem gebührenden zeitlichen Abstand“. In Deutschland hat das Nachkaufen früher begonnen, als der Abstand vermuten ließ. Bloomberg berichtet über Ausschreibungen des Erdölbevorratungsverbands für fast 630.000 Barrel Diesel im Juni und über 760.000 Barrel im Juli, ein Sprecher bestätigte den Zweck. Zusammen sind das umgerechnet rund 186.000 Tonnen, mehr als die 150.000 Tonnen Diesel, die bis Ende August hätten freigegeben bleiben dürfen. Die Freigabe ist inzwischen ausgelaufen.

Damit ist die Rechnung einer Freigabe erst vollständig, wenn man beide Hälften nebeneinanderlegt. Die erste Hälfte bringt Angebot auf den Markt, wenn es knapp ist. Die zweite Hälfte holt dieselbe Menge später wieder heraus, als zusätzliche Nachfrage. Für die verlangten 120 Millionen Barrel hieße das, dass die EU nach den sechs Monaten rund 16 Millionen Tonnen Diesel zurückkaufen müsste, das entspricht 26 Tagen ihres gesamten Verbrauchs. Ob eine Freigabe den Preis über die ganze Strecke senkt, hängt deshalb daran, ob die Knappheit beim Nachkaufen vorbei ist. Ist sie es nicht, verschiebt sich die Nachfrage nur in einen Zeitraum, in dem sie genauso trifft. Beim Gasspeicher wirkt dieselbe Rückkopplung, dort heben Pflichtkäufe in einem bekannten Zeitfenster genau den Preis, den die Füllung absichern soll.

Warum ein voller Tank nicht reicht

Eine Beobachtung aus den deutschen Zahlen passt nicht zur Vorstellung leerer Tanks. Insgesamt lagen Ende Juli in Deutschland 10,10 Millionen Tonnen Gasöl und Diesel auf Lager, Notvorrat und Handelsbestände zusammen. Ende 2025 waren es 7,99 Millionen, das sind 2,11 Millionen Tonnen mehr. Der Teil außerhalb des Notvorrats hat sich in dieser Zeit fast verdoppelt, von 2,37 auf 4,52 Millionen Tonnen. Gleichzeitig ist der Absatz gefallen. Die Unternehmen haben also mehr eingelagert, und abgesetzt wurde weniger.

Der Diesel fehlt in Deutschland also nicht in den Tanks, er ist teuer, weil weltweit weniger angeboten wird und jeder Käufer mit jedem anderen um dieselbe Menge bietet. Wer in einer solchen Lage Vorräte anlegt, handelt vernünftig, und dieselbe Vorsicht treibt den Preis zusätzlich. Ein freigegebener Notvorrat kann diesen Kreislauf dämpfen, weil er den Händlern zeigt, dass Nachschub da ist. Das Ministerium nannte genau das im März als Zweck, ein Signal an den Markt, dass genug Öl da ist. Das Signal wirkt allerdings nur, solange die Menge glaubwürdig ist. Eine Freigabe von gut einem Tag Verbrauch wirkt eher als Zeichen als über die Menge, eine Freigabe von 44 Prozent des Vorrats wäre beides.

Der faire Gegenpunkt

Die stärkste Verteidigung einer großen Freigabe lautet, dass ein Vorrat, den man im Krieg nicht anrührt, seinen Zweck verfehlt. Hohe Dieselpreise treffen Spedition, Landwirtschaft und Bau sofort und treiben die Inflation, und ein vorübergehend gedämpfter Preis kann bleibende Schäden verhindern. Sechs Monate Überbrückung sind dann kein Verschieben, sondern Zeit, in der sich Lieferwege umstellen, Raffinerien anderswo hochfahren und die Durchfahrt durch Hormus vielleicht wieder frei wird. Die IEA selbst nennt die Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Meerenge den wichtigsten Faktor für eine Rückkehr zu stabilen Lieferungen. Dazu kommt das Druckmittel. Fällt die Ausfuhr aus den USA weg, verliert Europa einen Lieferanten, von dem es seit dem Wegfall russischer Ware zunehmend abhängt, und gegen dieses Risiko ist ein Teil des Vorrats ein vergleichsweise kleiner Preis.

Der zweite Einwand betrifft die Rechnung selbst. Die 59 Tage gelten nur, wenn gar nichts mehr eingeführt würde, und das ist kein realistisches Szenario. Der Vorrat ist für einen völligen Ausfall bemessen, eine teilweise Lücke deckt er viel länger. Wer den Vorrat nur gegen den Ausfall misst, hält ihn für knapper, als er für eine Teillücke ist. Die Gegenrechnung bleibt trotzdem stehen. Was heute freigegeben wird, fehlt für den nächsten Ausfall, solange es nicht nachgekauft ist, und das Nachkaufen selbst trifft wieder auf denselben Markt.

Was das für Anleger heißt

Für ein Depot wirkt der Dieselpreis über zwei Wege. Der direkte führt über Energie als Anlageklasse, also Rohstoff-Indizes und Ölwerte, deren Preise auf jede Nachricht zu Freigaben und Exportverboten reagieren. Der indirekte führt über die Inflation. Kraftstoff macht im deutschen Warenkorb nur einen kleinen Anteil aus, liefert aber derzeit einen großen Teil der Inflation, und an der Inflation hängen die nächsten Schritte der Europäischen Zentralbank und damit Euro-Anleihen und Zinsen auf Tagesgeld. Eine Freigabe kann den Preis eine Zeit lang dämpfen, das Nachkaufen kann ihn später stützen. Wer die Wirkung einer Ankündigung einschätzen will, rechnet sie in Tage um und fragt, wann die Menge zurückgekauft wird.

Drei Stellen zeigen in den nächsten Monaten, was aus der Forderung wird. Die Monatsdaten von Eurostat zu den Notvorräten, die mit rund zwei Monaten Abstand erscheinen und zeigen, was wirklich abfließt. Das Bundesgesetzblatt, in dem jede deutsche Freigabe als eigene Verordnung stehen muss. Und die Ausschreibungen des Erdölbevorratungsverbands, die zeigen, wann wieder gekauft wird. Die Ankündigungen selbst sagen über die Menge wenig, wie der Abstand zwischen 19,5 Millionen Barrel Zusage und 600.000 Tonnen Verordnung zeigt. Was daraus für ein Depot folgt, entscheidest du.

Quellen

  1. US tells France and Germany to release diesel stocks or face US export ban, sources say Reuters · Nachrichtenagentur ·
  2. IEA confirms Member country contributions to collective action to release oil stocks in response to Middle East disruptions Internationale Energieagentur (IEA) · Internationale Organisation ·
  3. Sechste Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes (6. ErdölFrV), BGBl. 2026 I Nr. 71 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz · Gesetzblatt ·
  4. Stock levels for oil products, monthly data (nrg_stk_oilm), Notvorräte nach EU-Recht Eurostat · Amtliche Statistik ·
  5. Emergency oil stocks in days equivalent, monthly data (nrg_stk_oem) Eurostat · Amtliche Statistik ·
  6. Supply and transformation of oil, monthly data (nrg_cb_oilm), Gasöl und Diesel, Bruttoinlandsverbrauch Eurostat · Amtliche Statistik ·
  7. Richtlinie 2009/119/EG zur Verpflichtung der Mitgliedstaaten, Mindestvorräte an Erdöl und/oder Erdölerzeugnissen zu halten Europäische Union, EUR-Lex · EU-Recht ·
  8. Regierungspressekonferenz vom 11. März 2026 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung · Regierungsmitteilung ·
  9. Deutschland füllt strategische Dieselreserven wieder auf Bloomberg · Nachrichtenmedium ·
  10. Bestandsinformationen des Erdölbevorratungsverbands Erdölbevorratungsverband (EBV) · Körperschaft des öffentlichen Rechts

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die Bestände stammen aus den Monatsdaten von Eurostat zu den Ölvorräten (Notvorräte nach EU-Recht, Bestand am Monatsende), der Verbrauch aus der monatlichen Ölbilanz von Eurostat (beobachteter Bruttoinlandsverbrauch von Gasöl und Diesel), die Freigabe aus dem Bundesgesetzblatt und die Zusagen aus der Länderliste der Internationalen Energieagentur vom 19. März 2026. Die Forderung der US-Regierung beruht auf einem Bericht von Reuters vom 1. Oktober 2026 mit nicht namentlich genannten Quellen, die Ausschreibungen des Erdölbevorratungsverbands auf einem Bericht von Bloomberg vom 7. Juli 2026.

Stand der Einordnung: 1. Oktober 2026. Eurostat-Daten für Deutschland bis Juli 2026, für Frankreich und die EU bis Juni 2026.

Belastbarkeit einzelner Werte: Die Monatsdaten von Eurostat sind vorläufig und werden nachträglich korrigiert. Die Reichweite in Tagen ist eine eigene Rechnung, Bestand geteilt durch den Verbrauch je Tag im Jahr 2025, und unterstellt, dass nichts eingeführt wird. Barrel sind mit 7,46 Barrel je Tonne für Diesel, 7,33 für Rohöl und 7,88 für Kerosin umgerechnet, die Zusage an die IEA in Barrel ist dadurch nur ungefähr in Tonnen vergleichbar. Ein Rückgang des Notvorrats in einem Monat kann auch andere Gründe haben als eine Freigabe. Die Menge von 120 Millionen Barrel nennt eine einzelne Quelle und ist nicht bestätigt.

Versionshistorie: Erste Veröffentlichung am 1. Oktober 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

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