Preisstatistik
Kraftstoff wiegt 30 von 1000 Euro im Warenkorb und liefert knapp ein Drittel der Inflation
Stand 16. September 2026. Die Verkaufspreise im Großhandel lagen im August 6,8 Prozent über dem Vorjahr, so viel wie zuletzt im Februar 2023. Im Laden waren es 2,9 Prozent. Die Lücke von knapp vier Punkten ist keine Ankündigung für den nächsten Kassenzettel, sie folgt aus den Gewichten.
Die Lücke in vier Zahlen
Quelle: Statistisches Bundesamt, Großhandelsverkaufspreise und Verbraucherpreisindex August 2026
Zwei Zahlen derselben Behörde, fünf Tage auseinander
Am 10. September meldete das Statistische Bundesamt für August eine Inflationsrate von 2,9 Prozent. Am 15. September meldete dieselbe Behörde, dass die Verkaufspreise im Großhandel im selben Monat 6,8 Prozent über dem Vorjahr lagen. Im Juli waren es dort 5,3 Prozent, im Juni 4,9. Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt im Februar 2023 mit 9,5 Prozent.
Zwischen den beiden Zahlen liegen knapp vier Prozentpunkte, und der naheliegende Schluss wäre, dass diese vier Punkte noch unterwegs sind. Der Großhandel kauft ein und verkauft weiter, der Einzelhandel kommt danach, also müsste die Welle mit etwas Verzögerung im Regal ankommen. So liest sich die Reihenfolge, und so stimmt sie auch. Was daraus aber nicht folgt, ist die Höhe.
Die beiden Statistiken zählen verschiedene Dinge, und sie zählen sie verschieden schwer. Wer die 6,8 Prozent als Vorschau auf die eigene Rechnung liest, unterstellt, dass die Ware im Großhandel dieselbe ist wie die im Haushalt. Bei einem Teil stimmt das, und dort kommt die Bewegung auch an. Beim größeren Teil stimmt es nicht.
Was den Großhandel nach oben zieht, steht in vier Positionen
Destatis nennt als Hauptursache die Mineralölerzeugnisse mit 36,1 Prozent über dem Vorjahr, zum Juli allein noch einmal 4,8 Prozent. Dahinter folgen der Großhandel mit Nicht-Eisen-Erzen, Metallen und Metallhalbzeug mit 27,4 Prozent, chemische Erzeugnisse mit 13,6 Prozent und Datenverarbeitungsgeräte mit 11,1 Prozent. Als Grund nennt die Behörde die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten, in deren Folge sich Energieprodukte und Rohstoffe verteuerten.
Drei dieser vier Positionen kauft kein Haushalt. Kupfer, Aluminium und Zink gehen in Kabel, Karosserien und Wärmetauscher, chemische Grundstoffe gehen in Kunststoff, Lack und Dünger. Das sind Vorleistungen der Industrie, und sie erscheinen im Verbraucherkorb erst Jahre später und stark verdünnt, als Teil eines fertigen Geräts oder Autos. Die Datenverarbeitungsgeräte sind die Ausnahme in dieser Reihe, und tatsächlich meldet der Verbraucherpreisindex für Informationsverarbeitungsgeräte 9,0 Prozent, also fast denselben Wert.
Das ist der erste Teil der Antwort. Der Index der Großhandelsverkaufspreise misst eine Handelsstufe und nicht eine Verbrauchsstufe. Er enthält alles, was Großhändler weiterverkaufen, und ein großer Teil davon geht an andere Unternehmen.
Beim Kraftstoff kommt es an, und zwar fast vollständig
Wenn die These stimmt, dass die Lücke aus verschiedenen Waren entsteht, dann muss die Bewegung dort ankommen, wo beide Statistiken dieselbe Ware meinen. Genau das ist beim Kraftstoff der Fall. Mineralöl im Großhandel plus 36,1 Prozent, Kraftstoffe an der Tankstelle plus 27,7 Prozent, leichtes Heizöl plus 49,6 Prozent. Zwischen Raffinerie und Zapfsäule liegen Steuern und Handelsspanne, die einen Teil der Bewegung dämpfen, aber die Richtung und die Größenordnung stehen.
Auch der Monatsschritt passt. Der Großhandel meldet für Mineralöl 4,8 Prozent gegenüber Juli, der Verbraucherpreisindex meldet für Kraftstoffe 3,1 Prozent, beim Diesel sogar 6,4 Prozent. Warum die Durchleitung an der Zapfsäule schneller läuft als bei fast allem anderen, hängt daran, dass das Produkt praktisch unverändert weitergereicht wird. Diese Mechanik ist an anderer Stelle ausführlich <a href="/wissen/warum-der-spritpreis-nicht-dem-oelpreis-folgt">auseinandergenommen</a>.
Damit ist die Frage gestellt, aber noch nicht beantwortet. Wenn beim Kraftstoff 27,7 Prozent ankommen, warum steht die Gesamtrate dann bei 2,9?
Was jede Position im Warenkorb wiegt und was sie beiträgt
Der Wägungsanteil sagt, wie viele von 1000 Euro Haushaltsausgaben auf eine Position entfallen. Der Beitrag ist überschlägig als Gewicht mal Veränderungsrate gerechnet, der amtliche Wert weicht davon leicht ab.
| Position | Gewicht von 1000 Euro | Preis zum Vorjahr | Beitrag zur Rate |
|---|---|---|---|
| Kraftstoffe | 30,46 € | +27,7 % | 0,84 Punkte |
| Nettokaltmieten, tatsächlich und unterstellt | 172,43 € | +2,2 % und +1,8 % | 0,34 Punkte |
| Haushaltsenergie, also Strom, Gas und Brennstoffe | 43,44 € | −0,7 % | −0,03 Punkte |
| Nahrungsmittel | 104,69 € | +0,1 % | 0,01 Punkte |
| Gesamtindex | 1.000,00 € | +2,9 % | 2,9 Punkte |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex August 2026, Wägungsanteile aus der Übersichtstabelle der Pressemitteilung
Kraftstoff wiegt 30 von 1000 Euro, die beiden Mieten wiegen 172
In der Übersichtstabelle unter jeder Inflationsmeldung steht eine Spalte, die selten zitiert wird. Sie gibt den Wägungsanteil an, also wie viele von 1000 Euro Haushaltsausgaben auf eine Position entfallen. Für Kraftstoffe sind das 30,46 Euro. Bei 27,7 Prozent Preisanstieg ergibt das überschlägig 0,84 Prozentpunkte der Gesamtrate. Von den 2,9 Prozent Teuerung im August kommen also rund 0,8 Prozentpunkte aus einer Position, die drei Prozent des Haushaltsbudgets ausmacht. Das ist der größte Einzelbeitrag im ganzen Index.
Und jetzt die Gegenrechnung. Die tatsächliche Nettokaltmiete wiegt 68,30 Euro von 1000, die unterstellte Nettokaltmiete für Eigentümer wiegt 104,13 Euro. Zusammen sind das 172,43 Euro, also fast sechsmal so viel wie der Kraftstoff. Ihre Preise stiegen um 2,2 Prozent und um 1,8 Prozent, was zusammen etwa 0,34 Prozentpunkte ergibt. Die schwerste Position im Warenkorb trägt weniger als die Hälfte dessen bei, was die Tankfüllung beiträgt. Warum die unterstellte Miete überhaupt im Warenkorb steht, obwohl sie niemand überweist, ist <a href="/news/inflation-warenkorb-unterstellte-miete">getrennt aufgeschrieben</a>.
Damit ist die Lücke erklärt, und sie ist keine Verzögerung. Kein Großhändler handelt Mieten. Kein Großhändler handelt Versicherungen, Arztpraxen, Pauschalreisen, Kindergärten oder Handwerkerstunden. Im August stiegen die Preise für Dienstleistungen insgesamt um 2,8 Prozent, ruhig und ohne Ausschlag, und dieser ruhige Block ist im Verbraucherkorb der größte. Der Großhandelsindex sieht ihn nicht. Er kann deshalb die Gesamtrate gar nicht vorhersagen, weil ihm der Teil fehlt, der sie festhält.
Bei den Nahrungsmitteln laufen beide Zahlen nach unten
Der Großhandelsindex ist kein reiner Vorleistungs-Index, und wer ihn so liest, macht denselben Fehler in der anderen Richtung. Er enthält sehr wohl Waren, die im Haushalt landen, und bei den Nahrungsmitteln lässt sich die Durchleitung sauber nachvollziehen. Im Großhandel fielen die Preise für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette um 10,3 Prozent, bei Fleisch und Fleischwaren um 6,7 Prozent, bei lebenden Tieren um 18,3 Prozent.
Im Laden kamen davon 5,5 Prozent Rückgang bei Molkereiprodukten an und 15,3 Prozent bei Speisefetten und Speiseölen, darunter 29,9 Prozent bei Butter. Die Richtung stimmt also, und bei der Butter ist der Rückgang im Regal sogar größer als im Großhandel. Insgesamt blieben Nahrungsmittel mit 0,1 Prozent über dem Vorjahr die ruhigste große Position im Warenkorb. Warum vom Erzeugerpreis unterschiedlich viel im Regal ankommt, je nachdem wie viel Verarbeitung dazwischen liegt, steht <a href="/news/agrarpreise-erzeuger-gegen-regal">in der Analyse zu den Agrarpreisen</a>.
Für die Frage dieses Artikels ist entscheidend, dass die Nahrungsmittel im Großhandel fallen, während der Gesamtindex dort um 6,8 Prozent steigt. Ein Durchschnitt aus einer Position mit plus 36 Prozent und einer mit minus 18 Prozent beschreibt keine dieser beiden. Er beschreibt eine Mischung, deren Zusammensetzung sich von der Mischung im Haushalt unterscheidet.
Was du damit anfangen kannst
Die praktische Regel ist kurz. Wenn eine Meldung über eine Preisstatistik auf der Vorstufe kommt, frag zuerst, ob die Ware darin in deinem Haushalt vorkommt und wie schwer sie dort wiegt. Bei Kupfer und Grundchemie lautet die Antwort, dass du sie nicht kaufst. Bei Mineralöl lautet sie, dass du es kaufst, aber nur für drei Prozent deines Budgets.
Für die eigene Lage ist die Rechnung ohnehin eine andere. Der Warenkorb mit seinen 1000 Euro beschreibt einen statistischen Durchschnittshaushalt, nicht deinen. Wer täglich 60 Kilometer pendelt, hat einen Kraftstoffanteil weit über 30 Euro und spürt im August eine Teuerung deutlich über 2,9 Prozent. Wer zur Miete in der Stadt wohnt und kein Auto hat, spürt eher die 2,2 Prozent der Nettokaltmiete. Die amtliche Rate ist der Mittelwert über beide, und sie trifft in dieser Höhe kaum jemanden genau.
Und für die Frage, ob die Teuerung durch ist, taugt die Großhandelszahl in ihrer aggregierten Form nicht. Sie taugt sehr wohl für einzelne Positionen. Wer wissen will, wohin der Spritpreis läuft, sieht auf die Mineralölzeile, und die hat im August zum Vormonat noch einmal 4,8 Prozent zugelegt.
Was offen bleibt
Die Beitragsrechnung in der Tabelle ist ein Überschlag aus Gewicht mal Veränderungsrate. Das amtliche Verfahren nutzt preisaktualisierte Gewichte, weshalb die veröffentlichten Beiträge etwas abweichen. Für die Größenordnung und für den Vergleich zwischen zwei Positionen reicht der Überschlag, für eine Abstimmung auf die zweite Nachkommastelle nicht.
Offen ist auch, wie lange der Mineralöl-Block trägt. Er hängt an den Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten, die Destatis in beiden Meldungen als Ursache nennt, und über deren Verlauf sagt eine Preisstatistik nichts. Ebenfalls offen ist, ob die Metall- und Chemiepreise zeitversetzt doch in den Gebrauchsgütern auftauchen. Dort lagen die Preise im August 1,0 Prozent über dem Vorjahr, bei Haushaltsgeräten sogar 1,9 Prozent darunter, davon ist also bisher nichts zu sehen.
Die dritte offene Stelle ist der nächste Termin. Die Großhandelspreise für September erscheinen Mitte Oktober, die Verbraucherpreise Anfang Oktober. Wer die These prüfen will, sieht auf zwei Zeilen. Ob Mineralöl im Großhandel weiter steigt, und ob sich die Nettokaltmieten aus ihrem Korridor von rund zwei Prozent bewegen.
Quellen
Transparenz. Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft. Alle Zahlen stammen aus den im Quellenverzeichnis genannten amtlichen Veröffentlichungen und wurden vor der Veröffentlichung gegen die Primärquellen abgeglichen. Der Text ist eine Einordnung und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
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