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Warum 29.000 neue Stellen in den USA kein Einbruch sein müssen

Stand 2. Oktober 2026. In den USA sind im September 29.000 Stellen dazugekommen, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent. Vor drei Jahren hätte das nach einem Einbruch ausgesehen. Damals brauchte die Wirtschaft nach einer Studie der Fed rund 155.000 neue Stellen im Monat, nur damit die Quote stehen blieb. Seit die Zuwanderung eingebrochen ist und die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, liegt diese Schwelle viel tiefer. Wo genau, weiß auch die Fed nicht, ihre Schätzungen für 2026 reichen von fast null bis 87.000 Stellen im Monat.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion12 Min Lesezeit

Der September in vier Zahlen

29.000
Neue Stellen in den USA im September 2026, ohne Landwirtschaft
Juli und August zusammen 60.000 niedriger als zuerst gemeldet
4,2 %
Arbeitslosenquote im September 2026
seit März zwischen 4,1 und 4,3 %
155.000
Stellen im Monat, die 2023 und 2024 nötig waren, damit die Quote stehen blieb
Schätzung aus einer Studie der Fed
unter 10.000 bis 87.000
Geschätzte Schwelle für 2026, Stellen im Monat
Fed in Washington und Fed St. Louis

Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics, saisonbereinigt; Murray und Vidangos (Federal Reserve Board, April 2026); Bick (Federal Reserve Bank of St. Louis, März 2026)

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

ZahlBedeutung
29.000Neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft im September 2026, vorläufig
minus 10.000 / 133.000Juli und August 2026 nach der Korrektur, zuerst gemeldet waren plus 21.000 und 162.000
45.000Monatsschnitt der zwölf Monate bis August 2026
210.000 / 122.000 / 10.000 / 68.000Monatsschnitt 2023, 2024, 2025 und Januar bis September 2026, eigene Rechnung aus den Monatswerten
4,2 % / 4,1 %Arbeitslosenquote im September und im August 2026, gerundet
4,18 % / 4,14 %Dieselben beiden Quoten ungerundet, eigene Rechnung aus Arbeitslosen und Erwerbspersonen
7,11 Mio. / 170,26 Mio.Arbeitslose und Erwerbspersonen im September 2026
2,10 Mio. / 2,00 Mio. / 2,23 Mio.Seit weniger als fünf Wochen arbeitslos, September 2026, August 2026 und September 2025
185.000 / 80.000Geschätzte Schwelle im Schnitt der 1970er und der 2010er Jahre, Stellen im Monat
155.000 / 85.000Geschätzte Schwelle 2023 und 2024 sowie 2025, Stellen im Monat
unter 10.000Schwelle für 2026 nach Murray und Vidangos, Federal Reserve Board
15.000 bis 87.000Schwelle für 2026 nach Bick, Fed St. Louis, je nach Annahme zur Zuwanderung
80.000Monatsschnitt 2026, den Fed-Gouverneur Michael Barr am 29. September nahe an der Schwelle nannte, Stand vor der Korrektur
175.000 / 34.000Zuwanderung netto im Monat, erste und korrigierte Schätzung des Haushaltsbüros des Kongresses für 2025
4,13 % / 4,6 %Dreimonatsschnitt der Quote Juli bis September 2026 und die Marke, ab der die Faustregel von Claudia Sahm anschlägt
3,75 bis 4,00 %Leitzins der Fed seit der Erhöhung vom 16. September 2026
72,14 %Anteil der USA im MSCI World, Stand 31. August 2026

Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics; Federal Reserve Board; Federal Reserve Bank of St. Louis; MSCI; eigene Rechnungen

Was 29.000 Stellen zu sagen scheinen

Im September sind in den USA außerhalb der Landwirtschaft 29.000 Stellen dazugekommen. So zählt es das Bureau of Labor Statistics, das Statistikamt des US-Arbeitsministeriums, in seiner Befragung von Betrieben und Behörden, die international unter dem Namen Nonfarm Payrolls bekannt ist. Zugleich hat das Amt die beiden Vormonate um zusammen 60.000 Stellen nach unten korrigiert. Der Juli steht jetzt bei minus 10.000, der August bei 133.000 statt 162.000. Wer diese Zahlen an dem Maß misst, das bis vor Kurzem galt, sieht einen Arbeitsmarkt, der kippt. 2024 kamen im Schnitt 122.000 Stellen im Monat dazu, 2023 waren es rund 210.000. Die 29.000 vom September sind weniger als ein Viertel des Monatsschnitts von 2024.

Die Arbeitslosenquote passt nicht recht zu diesem Bild. Sie lag im September bei 4,2 Prozent und im August bei 4,1 Prozent, und seit März bewegt sie sich zwischen 4,1 und 4,3 Prozent. Das Amt schreibt selbst, beide Zahlen hätten sich im September kaum verändert. Ungerundet stieg die Quote von 4,14 auf 4,18 Prozent, also um gut drei Hundertstel Punkte. Dahinter stehen 78.000 Arbeitslose mehr bei rund 170 Millionen Menschen, die arbeiten oder Arbeit suchen.

Wie passt ein Land mit kaum neuen Stellen zu einer Quote, die sich seit einem halben Jahr kaum rührt? Die Antwort steckt in einer Zahl, die in keiner Tabelle des Berichts steht. Sie sagt, wie viele neue Stellen es überhaupt braucht, und sie hat sich in drei Jahren so stark verändert wie kaum eine andere Größe am amerikanischen Arbeitsmarkt.

Wie viele neue Stellen genug sind

Eine Arbeitslosenquote bleibt stehen, wenn die neuen Stellen genau die Menschen aufnehmen, die neu Arbeit suchen. Wer die Schule verlässt, wer einwandert oder wer nach Jahren zu Hause zurück in den Beruf will, vergrößert die Zahl der Erwerbspersonen. Wer in Rente geht, verkleinert sie. Die Zahl der Stellen, bei der die Quote gleich bleibt, heißt im Deutschen am ehesten Gleichgewichtsschwelle (Breakeven). Sie ergibt sich aus dem Zuwachs der Erwerbspersonen mal dem Anteil davon, der Arbeit hat. Wachsen die Erwerbspersonen um 50.000 im Monat und liegt die Quote bei 4,2 Prozent, braucht es knapp 48.000 neue Stellen. Wachsen sie nur um 10.000, genügen gut 9.500.

Genau dieser Zuwachs ist in drei Jahren eingebrochen. Seth Murray und Ivan Vidangos, zwei Ökonomen im Stab der Fed in Washington, haben die Schwelle im April für mehrere Zeiträume berechnet. In den 1970er Jahren lag sie bei rund 185.000 Stellen im Monat, in den 2010er Jahren bei 80.000. In den Jahren 2023 und 2024, als sehr viele Menschen ins Land kamen, stieg sie auf rund 155.000. Für 2025 kommen die beiden auf etwa 85.000. Für 2026 erwarten sie weniger als 10.000 Stellen im Monat, so wenig wie zu keinem Zeitpunkt der vergangenen 65 Jahre.

Andere Schätzungen liegen höher, und der Abstand zwischen ihnen ist selbst ein Befund. Alexander Bick von der Fed in St. Louis kommt im März für 2026 auf 15.000 bis 87.000 Stellen im Monat, je nachdem, welche Annahme zur Zuwanderung man nimmt. Das untere Ende setzt voraus, dass im Monat netto 77.000 Menschen mehr das Land verlassen als kommen. Das obere Ende rechnet mit 48.000 Menschen, die netto dazukommen. Fed-Gouverneur Michael Barr nannte am 29. September einen Monatsschnitt von rund 80.000 Stellen nahe an vernünftigen Schätzungen der Schwelle. Zwischen unter 10.000 und 87.000 liegt mehr als das Achtfache.

Die Grafik legt den Monatsschnitt jedes Jahres neben die Schwelle, die für dieses Jahr geschätzt wurde. Die 29.000 vom September liegen mitten in der Spanne für 2026. Ob sie viel oder wenig sind, hängt allein davon ab, welchem Ende der Spanne man glaubt.

Balken je Jahr mit dem Monatsschnitt neuer US-Stellen, daneben die geschätzte Schwelle für eine stabile Arbeitslosenquote. 2023 rund 210.000 bei 155.000, Quote 3,5 auf 3,8 Prozent. 2024 rund 122.000 bei 155.000, Quote 3,7 auf 4,1 Prozent. 2025 rund 10.000 bei 85.000, Quote 4,0 auf 4,4 Prozent. 2026 bis September rund 68.000 bei einer Spanne von 15.000 bis 87.000, Quote 4,3 auf 4,2 Prozent. Der September mit 29.000 liegt in der Spanne.
Neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Monatsschnitt je Jahr, 2026 Januar bis September, eigene Rechnung aus saisonbereinigten Monatswerten. Die Schwelle für 2023 und 2024 ist ein gemeinsamer Wert. Seit Januar 2026 gelten neue Bevölkerungszahlen, die Quoten davor und danach sind nicht direkt vergleichbar. Quellen U.S. Bureau of Labor Statistics, Murray und Vidangos (Federal Reserve Board), Bick (Fed St. Louis).

Die Probe sind die Jahre davor

Eine Schwelle lässt sich nicht direkt messen, aber man kann prüfen, ob sie zu dem passt, was die Quote getan hat. 2024 entstanden im Schnitt 122.000 Stellen im Monat, weniger als die geschätzten 155.000. Die Quote stieg in diesem Jahr von 3,7 Prozent im Januar auf 4,1 Prozent im Dezember. 2025 waren es nach den jüngsten Korrekturen nur noch rund 10.000 Stellen im Monat, weit unter den geschätzten 85.000. Die Quote stieg von 4,0 auf 4,4 Prozent, im November stand sie bei 4,5 Prozent. In den ersten neun Monaten von 2026 kamen im Schnitt 68.000 Stellen dazu, und die Quote lag im September mit 4,2 Prozent etwas unter den 4,3 Prozent vom Januar.

Ganz sauber geht die Rechnung nicht auf. 2023 lag die Stellenzahl mit rund 210.000 im Monat deutlich über der geschätzten Schwelle, und die Quote stieg trotzdem von 3,5 auf 3,8 Prozent. Die 155.000 sind ein Schnitt über zwei Jahre, in denen die Zuwanderung erst anschwoll, für 2023 allein lag die Schwelle vermutlich höher. Außerdem hat das Amt zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 die Bevölkerungszahlen seiner Haushaltsbefragung neu gesetzt, die Quoten vor und nach diesem Wechsel lassen sich nicht direkt vergleichen. Die Schwelle ist deshalb eine Richtgröße über Jahre und kein Maßstab, an dem sich ein einzelner Monat ablesen lässt.

Die Richtung stimmt trotzdem in drei von vier Jahren, und sie stimmt dort, wo der Abstand groß ist. Wo die Stellenzahl weit unter der Schwelle lag, ist die Quote gestiegen, 2025 um fast einen halben Punkt. In diesem Jahr liegt der Monatsschnitt über dem unteren Teil der Spanne, und die Quote ist leicht gesunken.

Zwei Befragungen, und keine kennt die Zuwanderung genau

Die Stellenzahl und die Quote stammen aus zwei verschiedenen Befragungen. Die Stellenzahl kommt von Betrieben und Behörden, die melden, wie viele Menschen auf ihrer Lohnliste stehen. Die Quote kommt aus einer monatlichen Befragung von Haushalten, die angeben, ob jemand arbeitet, sucht oder keins von beidem tut. Wie weit die beiden auseinanderlaufen können, zeigt der Blick auf die 162.000 Stellen vom August, von denen 101.000 aus zwei Kategorien kamen, und für die Quote die Rechnung, warum sie fallen kann, während die Beschäftigung mitfällt. Auch die Stellenzahl selbst steht nicht fest, die jährliche Korrektur verschiebt einzelne Branchen um ein Vielfaches des Saldos.

Die Haushaltsbefragung rechnet ihre Stichprobe auf die ganze Bevölkerung hoch, und diese Bevölkerung schätzt das Census Bureau, das Statistikamt für Bevölkerung. Seit Januar 2026 nimmt das Arbeitsministerium dafür die neuen Schätzungen des Census Bureau, deren Angaben zur Zuwanderung noch nicht im Detail veröffentlicht sind. Murray und Vidangos weisen ausdrücklich darauf hin. In den Tabellen des Amts wächst die Bevölkerung ab 16 Jahren von Mai bis September um 500.000 Menschen, also um rund 125.000 im Monat. Kommen in Wahrheit weniger ins Land, stimmt schon die Zahl nicht genau, durch die die Arbeitslosen geteilt werden.

Die Unsicherheit über die Zuwanderung ist dabei größer als jede andere in dieser Rechnung. Das Census Bureau ging für 2026 von 320.000 Zuwanderern netto aus. Das Brookings-Institut in Washington hält eine Spanne von minus 925.000 bis plus 185.000 für möglich, also sogar mehr Fortzüge als Zuzüge. Wer die Schwelle schätzt, schätzt in Wahrheit vor allem diese eine Zahl, und genau deshalb liegen die Schätzungen so weit auseinander.

Warum die Latte so schnell gefallen ist

In den 2010er Jahren lag die Schwelle über lange Zeit bei rund 80.000 Stellen im Monat. In den Jahren 2023 und 2024 kamen dann sehr viele Menschen ins Land, und mit ihnen stieg die Zahl der Stellen, die nötig waren, damit sie Arbeit fanden, auf rund 155.000. Seit 2025 kehrt sich das um. Das Congressional Budget Office, das Haushaltsbüro des Kongresses, hatte für 2025 zunächst mit 175.000 Zuwanderern netto im Monat gerechnet. Später senkte es die Schätzung um 81 Prozent auf 34.000. Alexander Bick nennt das als Beispiel dafür, wie schwer sich die Zuwanderung vorhersagen lässt.

Dazu kommt das Alter. Jedes Jahr erreichen mehr Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen das Rentenalter, und wer in Rente geht, zählt nicht mehr zu den Erwerbspersonen. Murray und Vidangos führen den negativen Beitrag zum Wachstum der Erwerbspersonen in den vergangenen Jahren vor allem auf dieses Altern zurück. Beides zusammen, weniger Zuwanderung und mehr Ruheständler, ergibt für 2026 nach ihrer Rechnung weniger als 10.000 zusätzliche Erwerbspersonen im Monat.

Das hat eine Seite, die über den Arbeitsmarkt hinausreicht. Wenn kaum neue Arbeitskräfte dazukommen, kann die Wirtschaftsleistung nur noch wachsen, wenn jede Arbeitsstunde mehr hervorbringt. Murray und Vidangos schreiben, jedes Wachstum des Produktionspotenzials müsse 2026 aus der Produktivität kommen. Eine niedrige Schwelle macht schwache Stellenzahlen also unauffälliger. Sie senkt zugleich das Tempo, mit dem die amerikanische Wirtschaft auf Dauer wachsen kann, ohne an ihre Grenzen zu stoßen.

Und wenn die Schwäche doch echt ist

Der stärkste Einwand nimmt die hohe Schätzung ernst. Liegt die Schwelle bei den 80.000 Stellen, die Michael Barr genannt hat, dann fehlen bei 29.000 rund 50.000 Stellen im Monat, und das nicht zum ersten Mal. Von Juli bis September entstanden im Schnitt 51.000 Stellen. Dazu kommen die Korrekturen, die beiden Vormonate fielen um zusammen 60.000 niedriger aus als zuerst gemeldet. In der Finanzbranche sind seit Mai 2025 129.000 Stellen weggefallen, 90.000 davon bei Versicherern. Und die Zahl derer, die seit weniger als fünf Wochen arbeitslos sind, stieg im September von 2,00 auf 2,10 Millionen. Diese Neuzugänge sind der Prüfstein, den die Zerlegung der Arbeitslosigkeit in Zugang und Dauer für diesen Bericht benannt hat. Sie liegen allerdings noch unter den 2,23 Millionen vom September 2025.

Der Einwand begrenzt die These, er widerlegt sie nicht. Auch im ungünstigsten Fall wächst die Arbeitslosigkeit langsam. 50.000 fehlende Stellen im Monat sind bei rund 170 Millionen Erwerbspersonen knapp drei Hundertstel Prozentpunkte Quote. Über ein Jahr ergäbe das rund einen Drittelpunkt, die Quote stünde dann bei gut 4,5 Prozent. Das ist ein Unterschied, den eine Notenbank ernst nimmt. Er zeigt sich aber erst über Monate in der Quote und nie in einer einzelnen Stellenzahl.

Welches Ende der Spanne stimmt, entscheidet deshalb kein einzelner Bericht. Ein schwacher Monat bei niedriger Schwelle und ein schwacher Monat bei hoher Schwelle sehen am Tag der Veröffentlichung gleich aus. Erst wenn die Quote über mehrere Monate in eine Richtung läuft, lässt sich sagen, welche Schätzung näher dran war.

Das eigentliche Signal steht in der Quote

Für die Frage, ob der amerikanische Arbeitsmarkt kippt, ist die Stellenzahl im Moment das schwächere Messgerät. Ihr Maßstab hat sich so weit verschoben, dass dieselben 29.000 Stellen vor drei Jahren ein deutliches Warnzeichen gewesen wären und heute im Bereich des Normalen liegen können. Die Notenbank müsste die Schwelle kennen, um die Stellenzahl lesen zu können, und die Schätzungen aus ihrem eigenen Haus liegen zwischen fast null und 87.000. Kein Amt misst diese Zahl, sie entsteht aus Annahmen über Menschen, die über Grenzen ziehen und in Rente gehen. In der Erklärung zu ihrer Erhöhung vom 16. September stützt sich die Fed trotzdem auf genau diesen Maßstab. Die neuen Stellen hätten mit dem Wachstum der Erwerbspersonen Schritt gehalten, schreibt sie dort. Ich halte das für gewagt. Wer den Arbeitsmarkt an einer Schwelle misst, die der eigene Stab zwischen fast null und 87.000 Stellen schätzt, liest ein Messgerät ab, dessen Skala er nicht kennt.

Die Quote braucht diesen Maßstab nicht. Sie zählt direkt, wie viele der Menschen, die arbeiten wollen, keine Stelle haben. Für sie gibt es eine verbreitete Faustregel der Ökonomin Claudia Sahm. Sie schlägt an, wenn der Schnitt der Quote über drei Monate einen halben Prozentpunkt über seinem tiefsten Stand der vorangegangenen zwölf Monate liegt. Der Schnitt von Juli bis September liegt bei 4,13 Prozent und ist zugleich der tiefste Wert des Jahres. Die Marke läge damit bei gut 4,6 Prozent.

Davon ist die Quote im Moment ein gutes Stück entfernt. Wer wissen will, ob aus den schwachen Stellenzahlen eine echte Schwäche wird, schaut in den nächsten Monaten deshalb auf zwei Dinge. Auf die Quote und auf die Zahl derer, die neu arbeitslos werden. Der Bericht für Oktober erscheint am 6. November.

Was das für Anleger heißt

Für einen Anleger zählt weniger, ob 29.000 Stellen viel oder wenig sind, als wie die Fed sie liest. Sie hat den Leitzins am 16. September um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht. Sie misst die Stellenzahl dabei selbst an der Schwelle und nicht am alten Maß. Wo der Leitzins nach Abzug der Inflation trotz der Erhöhung steht, ist eine eigene Rechnung.

Der Weg ins Depot eines deutschen Anlegers führt über zwei Stellen. Auf US-Aktien entfallen im MSCI World 72,14 Prozent des Index, Stand Ende August. Was die Fed mit dem Leitzins macht, bewegt die Zinsen auf US-Staatsanleihen und den Dollar, und der Dollar entscheidet mit, was von einer Kursbewegung in Euro ankommt. Im September hat genau dieser Umrechnungseffekt aus einem Minus des Welt-ETF in Dollar ein Plus in Euro gemacht.

Beide Lesarten der Schwelle haben ihr eigenes Risiko. Liegt sie am unteren Ende, sind schwache Stellenzahlen für die Fed kein Grund, mit den Erhöhungen aufzuhören, und wer daraus eine Zinspause ableitet, liest die Zahl gegen ihren Maßstab. Liegt sie am oberen Ende, steigt die Quote in den nächsten Monaten langsam, und aus einer Reihe schwacher Zahlen wird ein Rückgang, den man erst mit Verzögerung sieht. Welche Lesart man für wahrscheinlicher hält und was daraus für das eigene Depot folgt, entscheidet jeder selbst.

Quellen

  1. The Employment Situation, September 2026 U.S. Bureau of Labor Statistics · Amtliche Statistik ·
  2. The Employment Situation, September 2026, Table A-1: Employment status of the civilian population by sex and age U.S. Bureau of Labor Statistics · Amtliche Statistik ·
  3. The Employment Situation, September 2026, Table A-12: Unemployed people by duration of unemployment U.S. Bureau of Labor Statistics · Amtliche Statistik ·
  4. All employees, total nonfarm, seasonally adjusted, 1-month net change (CES0000000001) U.S. Bureau of Labor Statistics · Amtliche Statistik ·
  5. Unemployment rate, seasonally adjusted (LNS14000000) U.S. Bureau of Labor Statistics · Amtliche Statistik ·
  6. Labor force growth, breakeven employment, and potential GDP growth (FEDS Notes) Board of Governors of the Federal Reserve System · Notenbank ·
  7. Breakeven Employment Growth: Estimate Range Widens in 2026 Federal Reserve Bank of St. Louis · Notenbank ·
  8. Michael S. Barr, Economic Conditions and Monetary Policy Board of Governors of the Federal Reserve System · Notenbank ·
  9. Federal Reserve issues FOMC statement, 16. September 2026 Board of Governors of the Federal Reserve System · Notenbank ·
  10. MSCI World Index (USD), Index Factsheet, Stand 31. August 2026 MSCI · Indexanbieter-Factsheet ·
  11. Direct Stimulus Payments to Individuals The Hamilton Project, Brookings Institution · Fachorganisation ·

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die Stellenzahlen stammen aus der Betriebsbefragung des U.S. Bureau of Labor Statistics (Reihe CES0000000001), die Arbeitslosenquote, die Zahl der Arbeitslosen, der Erwerbspersonen und der Bevölkerung aus der Haushaltsbefragung desselben Amts (Reihe LNS14000000, Tabellen A-1 und A-12), jeweils saisonbereinigt und abgerufen am 2. Oktober 2026. Die Schwellen für 2023 bis 2026 stammen aus der Studie von Seth Murray und Ivan Vidangos (Federal Reserve Board, 2. April 2026) und aus der Schätzung von Alexander Bick (Federal Reserve Bank of St. Louis, 24. März 2026), die Zahlen zur Zuwanderung des Census Bureau und des Brookings-Instituts aus der Studie von Murray und Vidangos. Die Aussagen der Fed stammen aus der Erklärung vom 16. September 2026 und aus der Rede von Michael Barr vom 29. September 2026, der Länderanteil aus dem Factsheet des MSCI World vom 31. August 2026, die Faustregel aus dem Vorschlag von Claudia Sahm für das Hamilton Project (2019).

Stand der Einordnung: 2. Oktober 2026, mit dem Arbeitsmarktbericht für September 2026.

Belastbarkeit einzelner Werte: Die Stellenzahlen für August und September sind vorläufig und werden in den nächsten beiden Berichten und mit dem Jahresabgleich korrigiert. Die Jahresschnitte, die ungerundeten Quoten, der Dreimonatsschnitt und die Rechnung zum Anstieg der Quote bei 50.000 fehlenden Stellen im Monat sind eigene Rechnungen aus den Werten des Amts. Die Schwellen sind Schätzungen, die vor allem an Annahmen zur Zuwanderung hängen. Für Oktober 2025 fehlt die Haushaltsbefragung. Zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 wurden die Bevölkerungszahlen neu gesetzt, die Quoten davor und danach sind nicht direkt vergleichbar.

Versionshistorie: Erste Veröffentlichung am 2. Oktober 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

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