Alterssicherung
Von hundert Euro im Ruhestandshaushalt kommen 93 aus Renten und Pensionen und 4 aus Vermögen
Von hundert Euro, die in einem Ruhestandshaushalt ankommen, stammen 93 Euro aus Renten und Pensionen und 4 Euro aus eigenem Vermögen. Im Osten ist der Vermögensanteil ein einziger Euro.
Der Ruhestandshaushalt in vier Zahlen
Quelle: Statistisches Bundesamt (EU-SILC 2025), Alterssicherungsbericht 2024 der Bundesregierung
Ein Stapel trägt fast alles
Das Statistische Bundesamt hat am 1. September 2026 ausgewertet, woraus das Einkommen von Haushalten besteht, in denen ausschließlich Menschen ab 65 Jahren im Ruhestand leben. Der mittlere dieser Haushalte hat 2.330 Euro netto im Monat zur Verfügung. Interessanter als die Höhe ist die Herkunft. Legt man das Geld als vier Stapel auf den Tisch, trägt ein Stapel fast alles. 93 von hundert Euro stammen aus Renten und Pensionen. Der zweite Stapel, also alles was der Haushalt selbst angespart hat und was daraus an Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen fließt, sind 4 Euro. Staatliche Leistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld machen 2 Euro aus, eigene Arbeit 1 Euro.
Die Zahlen stammen aus EU-SILC, der europäischen Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen, die seit 2020 als Unterstichprobe im Mikrozensus läuft. Erfasst sind rund 13,6 Millionen Menschen, 10,5 Millionen im Westen und 3,1 Millionen im Osten. Gemessen wird jeweils das Einkommen des Vorjahres, die Erhebung von 2025 beschreibt also das Jahr 2024. Der Wert von 2.330 Euro ist ein Median und kein Durchschnitt. Die eine Hälfte der Ruhestandshaushalte hat mehr, die andere weniger. Der Unterschied hat Folgen, denn ein Durchschnitt würde von wenigen sehr hohen Einkommen nach oben gezogen, ein Median nicht.
Beim Einkommen liegen 80 Euro dazwischen, beim Vermögen der Faktor vier
Ruhestandshaushalte mit Personen ab 65 Jahren, Erhebungsjahr 2025 mit Einkommen des Jahres 2024. Der Osten schließt Berlin ein.
| Osten mit Berlin | Westen | |
|---|---|---|
| Haushaltsnettoeinkommen im Median | 2.270 Euro | 2.350 Euro |
| Anteil aus Renten und Pensionen | 96 Prozent | 92 Prozent |
| Anteil aus Vermögen | 1 Prozent | gut 4 Prozent |
| Wohnen im Eigentum | 44 Prozent | 61 Prozent |
| Wohnen zur Miete | 56 Prozent | 39 Prozent |
| Armutsgefährdungsquote | 18,5 Prozent | 19,0 Prozent |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. N061 vom 1. September 2026
2.330 Euro sind ein Haushalt, keine Person
Der häufigste Lesefehler bei dieser Zahl steckt im Wort Haushalt. Die 2.330 Euro sind das, was in den Haushalt fließt, nicht das, was eine Person bekommt. Lebt dort ein Paar, teilen sich zwei Menschen diesen Betrag, und meist sind es zwei Renten, die ihn zusammenbringen. Lebt dort jemand allein, hat er die Summe für sich, zahlt davon aber auch die ganze Miete und den ganzen Strom. Genau deshalb rechnet die Statistik für Armutsvergleiche mit einem gewichteten Einkommen, bei dem das Haushaltseinkommen eines Paares durch 1,5 geteilt wird. Für die Frage, wie viel Geld am Monatsanfang auf dem Konto liegt, ist der reine Haushaltswert trotzdem der ehrlichere.
Der zweite Lesefehler ist, den Wert für die Rentenhöhe zu halten. Eine niedrige gesetzliche Rente ist für sich genommen kein Hinweis auf ein niedriges Einkommen, und der Alterssicherungsbericht 2024 zeigt das an einer Stelle sehr deutlich. Bei Ehepaaren mit einem gesetzlichen Rentenzahlbetrag unter 500 Euro im Monat liegt das durchschnittliche Bruttoeinkommen des Haushalts bei 5.310 Euro, die Rente macht dort 6 Prozent aus. Dahinter stehen ehemals Selbstständige, berufsständisch Versorgte und Beamte, die nebenbei kleine Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben haben. Wer aus einer kleinen Rente auf ein kleines Einkommen schließt, liegt bei dieser Gruppe um mehr als das Zehnfache daneben. Das ist der Grund, warum die Statistik den ganzen Haushalt misst und nicht den Rentenbescheid.
Woraus hundert Euro im Ruhestandshaushalt bestehen
Anteile am verfügbaren Haushaltseinkommen von Ruhestandshaushalten ab 65 Jahren, bundesweit.
Quelle: Statistisches Bundesamt, EU-SILC 2025
Auf jeden Euro Riester-Rente kommen rund 134 Euro gesetzliche Rente
Die 4 Euro aus Vermögen wirken klein, und eine zweite, völlig unabhängige Quelle bestätigt die Größenordnung. Der Alterssicherungsbericht 2024 der Bundesregierung stellt die Auszahlungen der geförderten Riester-Verträge denen der gesetzlichen Rentenversicherung gegenüber. 2023 flossen aus Riester-Verträgen 1,906 Milliarden Euro an die Berechtigten. Aus den Altersrenten der gesetzlichen Rentenversicherung flossen im selben Jahr 256,0 Milliarden Euro. Auf jeden Euro Riester-Rente kommen damit rund 134 Euro gesetzliche Altersrente, das sind 0,7 Prozent. Der Anteil der Abfindungen von Kleinbetragsrenten lag dabei bei 20,6 Prozent nach 21,5 Prozent im Jahr zuvor, und eine Abfindung ist eine Einmalzahlung und keine laufende Rente.
Auch breiter betrachtet bleibt das Bild stabil. Gemessen am gesamten Bruttoeinkommen der über 65-Jährigen ist die gesetzliche Rente mit 53 Prozent die mit Abstand größte einzelne Quelle. Was in der Destatis-Zahl als ein Stapel erscheint, besteht dahinter aus mehreren Systemen. Die Beamtenversorgung hat ihren Anteil an allen Alterssicherungsleistungen zwischen 2011 und 2023 von 13 auf 19 Prozent ausgebaut, vor allem weil die vielen Verbeamtungen der 1960er bis 1980er Jahre jetzt in den Ruhestand kommen. Insgesamt zahlten die Alterssicherungssysteme 2023 rund 395 Milliarden Euro aus. Der große Stapel ist also kein einzelnes System, sondern alles, was als regelmäßige Zahlung kommt, und nicht das, was aus einem Depot oder einem Sparbuch stammt.
Warum die 4 Prozent nicht heißen, dass Sparen nichts bringt
Aus dieser Zahl lässt sich nicht ableiten, dass private Vorsorge wirkungslos ist. Sie beschreibt Menschen, die ihr Arbeitsleben weitgehend hinter sich hatten, als die geförderte Zusatzvorsorge überhaupt erst anfing. Die Riester-Rente startete 2002, die Rürup-Rente 2005. Wer heute 75 Jahre alt ist, war 2002 einundfünfzig und hatte noch rund fünfzehn Berufsjahre vor sich. Breit gestreute Indexfonds wurden für Privatanleger in Deutschland erst nach 2010 zur Normalausstattung, mit Sparplänen ab kleinen Monatsbeträgen. Diese Generation konnte die dritte Säule nicht dreißig Jahre lang füllen, sie konnte sie im besten Fall anfangen. Die 4 Prozent messen also, was am Ende eines Arbeitslebens noch möglich war, nicht was über ein ganzes Arbeitsleben möglich ist.
Umgekehrt lässt sich aus der Zahl auch nicht ableiten, dass es bei den nächsten Jahrgängen automatisch besser aussieht. Der Alterssicherungsbericht misst nämlich, wie sich die Zusatzvorsorge derzeit entwickelt, und die Richtung stimmt nicht. Die betriebliche Altersvorsorge stagniert bei rund 18 Millionen Personen, während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen ist. Die Verbreitungsquote ist dadurch auf knapp 52 Prozent gefallen. Bei den Riester-Verträgen wurde der Höchststand 2017 erreicht, seitdem sinkt der Bestand, und als häufigsten Grund gegen einen Vertrag nannten 39 Prozent der Befragten, die Angebote lohnten sich nicht. Rund 38 Prozent der Beschäftigten hatten 2023 weder eine Betriebsrente noch einen Riester-Vertrag. Bei Bruttolöhnen unter 1.500 Euro im Monat sind es knapp 55 Prozent, also etwa 1,5 von 2,8 Millionen Menschen in dieser Gruppe. Was ab 2027 an die Stelle der bisherigen Förderung treten soll, steht im Altersvorsorgereformgesetz, und für Kinder legt der Bund mit der Frühstartrente selbst einen zweiten Stapel an.
Die Armutsquote misst einen Abstand, keine leeren Konten
18,9 Prozent der Menschen ab 65 Jahren im Ruhestand gelten als armutsgefährdet, in der Gesamtbevölkerung sind es 16,1 Prozent. Armutsgefährdet heißt in dieser Statistik, dass das bedarfsgewichtete Einkommen unter 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der gesamten Bevölkerung liegt. Das ist eine relative Schwelle. Steigen alle Einkommen um zehn Prozent, steigt die Schwelle mit, und die Quote bleibt, wo sie war. Sie sagt etwas über Abstände innerhalb der Gesellschaft aus und nichts darüber, ob jemand seine Rechnungen bezahlen kann. Genau deshalb liegt sie im Ruhestand höher als in der Gesamtbevölkerung, obwohl Ruhestandshaushalte seltener Kinder zu versorgen und häufiger eine abbezahlte Wohnung haben.
Die Zahl, die auf tatsächliche Bedürftigkeit zeigt, ist die Grundsicherung im Alter. Ende 2025 bezogen sie 764.100 Menschen, und der Alterssicherungsbericht nennt für 2023 einen Anteil von 3,9 Prozent der Bevölkerung ab der Regelaltersgrenze. Auffällig sind dabei die ehemals Selbstständigen. Sie stellen 9 Prozent dieser Altersgruppe, aber 19 Prozent der Grundsicherungsempfänger, was an den fehlenden Pflichtbeiträgen liegt. Der Sozialbeirat, der den Bericht im gesetzlichen Auftrag begutachtet, hält allerdings dagegen, dass aus den 3,9 Prozent nicht auf eine geringe Verbreitung von Altersarmut geschlossen werden darf, weil die Nichtinanspruchnahme dabei ausgeblendet wird. Wer Anspruch hätte und ihn aus Scham oder Unkenntnis nicht stellt, taucht in keiner der beiden Zahlen auf.
Was du damit machst
Die nützliche Frage an diese Statistik ist nicht, ob 2.330 Euro viel oder wenig sind, sondern wie groß dein eigener zweiter Stapel einmal sein soll. Rechne dafür nicht in Prozent, sondern in Euro im Monat. Teile den Betrag, den du bis zum Ruhestand angespart hast, gedanklich durch die Zahl der erwarteten Ruhestandsjahre. Bei 100.000 Euro und 25 Jahren sind das rund 333 Euro im Monat, bevor Erträge und Inflation gegeneinander laufen. Gemessen an einem Haushaltseinkommen von 2.330 Euro wären das 14 Prozent statt der heutigen 4. Diese Überschlagsrechnung ersetzt keine Entnahmeplanung, sie bringt die Größenordnung nur in die Einheit, in der du tatsächlich lebst.
Zwei Dinge sind an dieser Statistik ausdrücklich nicht ablesbar, und deshalb steht hier auch kein Rat dazu. Sie sagt nichts darüber, welches Produkt für dich passt, und sie sagt nichts darüber, ob eine abbezahlte Wohnung die bessere zweite Säule ist als ein Depot. 57 Prozent der Ruhestandshaushalte wohnen im Eigentum, im Osten nur 44 Prozent. Eine abbezahlte Wohnung senkt die Ausgaben, statt das Einkommen zu erhöhen, und taucht in einer Einkommensstatistik deshalb gar nicht auf. Wer die 4 Prozent liest und daraus schließt, die Ruheständler hätten kein Vermögen, übersieht genau diesen Teil. Wie viel von der Rente am Ende beim Finanzamt landet, steht in der Auswertung zur Rentenbesteuerung.
Was die Daten nicht beantworten
EU-SILC erfasst Einkommen und kein Vermögen. Wie groß die Depots, Sparguthaben und Lebensversicherungen der Ruhestandshaushalte sind, steht in dieser Statistik nicht, sondern nur, was daraus an laufenden Erträgen fließt. Ein Haushalt mit 200.000 Euro auf einem unverzinsten Konto hat dort einen Vermögensanteil nahe null. Dazu kommt ein Punkt, der für Leser mit Depot besonders zählt. Eine planmäßige Entnahme aus dem eigenen Kapital ist kein Einkommen im Sinne dieser Erhebung. Wer sein Depot Stück für Stück auflöst und davon lebt, erscheint in der Statistik ärmer, als er dasteht. Die 4 Prozent sind deshalb eine Untergrenze für den Beitrag des Vermögens und nicht sein voller Umfang.
Offen bleibt auch, wie sich die Zusammensetzung verschiebt, wenn die Jahrgänge in den Ruhestand kommen, die Betriebsrente und private Vorsorge über ein ganzes Berufsleben bespart haben. EU-SILC liefert jährlich, der nächste Alterssicherungsbericht der Bundesregierung ist für 2028 vorgesehen. Der Wert, auf den es dabei ankommt, ist nicht das Haushaltseinkommen, sondern der Anteil, der nicht aus Renten und Pensionen stammt. Solange dieser Anteil bei 4 Prozent steht, trägt die dritte Säule im Bestand rechnerisch nichts.
Quellen
Zur Transparenz. Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft. Alle Zahlen stammen aus den unten verlinkten Primärquellen, überwiegend aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 1. September 2026 und aus dem Alterssicherungsbericht 2024 der Bundesregierung. Die Überschlagsrechnung im Abschnitt „Was du damit machst" ist eine eigene Rechnung der Redaktion und keine Quellenangabe. Der Artikel ordnet Daten ein und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
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