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Die Inflation fällt auf 2,8 Prozent, und 0,3 Punkte davon sind eine Steuersenkung mit Ablaufdatum
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Oktober 2026 nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf 2,8 Prozent gefallen, nach 3,3 Prozent im September. Rund 0,3 Prozentpunkte dieses Rückgangs stammen aus der Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel, die seit dem 1. Oktober gilt, denn vor Steuer wurde Sprit im Oktober sogar etwas teurer. Die Senkung endet laut Gesetz am 31. Dezember. Wie ihr Ende in der Rate aussieht, hat der Juli gezeigt. Nach der ersten Senkung des Jahres stieg die Inflation von 2,3 auf 2,8 Prozent, und rund 0,35 Prozentpunkte davon waren die zurückgekehrte Steuer.
Der Oktober in vier Zahlen
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Alle Zahlen des Artikels gebündelt. Literpreise als Mittel der vier Montagswerte des EU-Ölbulletins je Monat, Beiträge zur Rate als eigene Rechnung.
| Zahl | Bedeutung |
|---|---|
| 2,8 % | Inflationsrate Oktober 2026, vorläufig, Statistisches Bundesamt |
| 3,3 % | Inflationsrate September 2026 |
| −0,2 % | Veränderung der Verbraucherpreise von September auf Oktober |
| 2,1 % | Rate ohne Nahrungsmittel und Energie im Oktober, nach 2,4 % im September |
| 12,2 % | Energie im Oktober gegenüber dem Vorjahr, nach 14,9 % im September |
| 2,345 auf 2,189 Euro | Liter Super, Mittel September und Oktober, minus 15,6 Cent |
| 2,412 auf 2,272 Euro | Liter Diesel, Mittel September und Oktober, minus 14,0 Cent |
| −16,5 und −16,3 Cent | Steuer im Liter Super und Diesel, September auf Oktober |
| +0,9 und +2,3 Cent | Preis vor Steuer, Super und Diesel, September auf Oktober |
| 14,04 Cent | Senkung der Energiesteuer je Liter, mit Umsatzsteuer 16,7 Cent |
| 1.10. bis 31.12.2026 | Zeitraum der zweiten Senkung, BGBl. 2026 I Nr. 275 |
| 1.5. bis 30.6.2026 | Zeitraum der ersten Senkung mit denselben Sätzen |
| 30,46 von 1.000 | Gewicht der Kraftstoffe im Wägungsschema 2020 |
| rund 46 von 1.000 | Gewicht der Kraftstoffe zu Preisen vom September 2026, eigene Rechnung |
| −0,32 % | Wirkung der Steuersenkung auf das Preisniveau im Oktober, eigene Rechnung |
| rund 3,1 % | Inflationsrate Oktober ohne die Steuersenkung, eigene Rechnung |
| 2,3 auf 2,8 % | Inflationsrate Juni auf Juli 2026, nach dem Ende der ersten Senkung |
| rund 0,35 Punkte | Anteil der zurückgekehrten Steuer am Juli-Anstieg, eigene Rechnung |
| 17 bis 19 Cent | Anstieg an der Zapfsäule rund um den 1. Juli, Bundeskartellamt |
| +27,5 % und +43,9 % | Super und Diesel im Oktober 2026 gegenüber Oktober 2025 |
| 11.11.2026 | endgültige Oktoberzahlen mit dem amtlichen Wert für Kraftstoffe |
Was die 2,8 Prozent zu sagen scheinen
Das Statistische Bundesamt hat am 30. Oktober 2026 die vorläufige Inflationsrate für den Oktober veröffentlicht. Sie liegt bei 2,8 Prozent, nach 3,3 Prozent im September und 2,9 Prozent im August. Gegenüber dem Vormonat sind die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent gesunken. Die Energie, also Strom, Heizung und Kraftstoff zusammen, kostete 12,2 Prozent mehr als vor einem Jahr, nach 14,9 Prozent im September. Die Rate ohne Nahrungsmittel und Energie ging von 2,4 auf 2,1 Prozent zurück. Ein halber Prozentpunkt weniger in einem einzigen Monat ist für eine Inflationsrate ein großer Schritt, und auf den ersten Blick zieht er sich durch fast alle Zeilen der Tabelle.
Die naheliegende Lesart ist deshalb, dass der Preisdruck nachlässt. Sie hat einen Haken, der in keiner Zeile der Mitteilung steht. Seit dem 1. Oktober gilt eine niedrigere Energiesteuer auf Benzin und Diesel, und zwar genau für die drei Monate Oktober, November und Dezember. Ein Steuersatz ist kein Marktpreis, ihn legt der Gesetzgeber fest. Trotzdem landet er vollständig im Verbraucherpreisindex, denn gemessen wird, was der Haushalt an der Kasse bezahlt, einschließlich aller Steuern. Eine Steuersenkung senkt deshalb die gemessene Inflation, auch wenn das Gut selbst vor Steuer nicht billiger geworden ist.
Wie viel davon im Oktober steckt, weist das Statistische Bundesamt nicht aus. Den Monatswert für Kraftstoffe veröffentlicht es erst mit den endgültigen Zahlen am 11. November. Die Rechnung lässt sich aber schon jetzt aus drei öffentlichen Quellen führen, aus den wöchentlichen Literpreisen der EU-Kommission, aus dem Gewicht der Kraftstoffe im amtlichen Warenkorb und aus dem Gesetz, das die Senkung regelt. Was dabei herauskommt, ist eine eigene Rechnung und kein amtlicher Wert, und sie steht im nächsten Abschnitt.
Von 3,3 auf 2,8 Prozent, Schritt für Schritt
Die EU-Kommission veröffentlicht jede Woche im Weekly Oil Bulletin die Literpreise für Benzin und Diesel in allen Mitgliedstaaten, einmal mit und einmal ohne Steuern. Gemittelt über die vier Montagswerte kostete ein Liter Super in Deutschland im September 2,345 Euro und im Oktober 2,189 Euro. Das sind 15,6 Cent oder 6,7 Prozent weniger. Beim Diesel fiel der Preis von 2,412 auf 2,272 Euro, um 14,0 Cent oder 5,8 Prozent. Die Steuern im Literpreis sanken im selben Zeitraum um 16,5 Cent bei Super und um 16,3 Cent bei Diesel. Das passt zum Gesetz, das die Energiesteuer um 14,04 Cent senkt, mit der darauf entfallenden Umsatzsteuer um 16,7 Cent.
Vor Steuer sieht der Oktober anders aus. Der Preis ohne Steuern stieg bei Super um 0,9 Cent und bei Diesel um 2,3 Cent je Liter. Die ganze Entlastung an der Zapfsäule kommt also aus der Steuer, und ein kleiner Teil davon ist schon wieder weg, weil das Produkt selbst teurer wurde. Der kleine Abstand zwischen den 16,7 Cent im Gesetz und den gemessenen 16,5 Cent ist die Umsatzsteuer auf genau diesen Anstieg. Ob eine Steuersenkung vollständig an der Zapfsäule ankommt, ist eine eigene Frage, das Bundeskartellamt hat sie für die erste Senkung im Frühjahr gemessen, die Zahlen dazu stehen in der Analyse, wie viel von der Steuersenkung im Frühjahr an der Zapfsäule ankam.
Für die Inflationsrate zählt, wie schwer die Kraftstoffe im Warenkorb wiegen. Gewichtet man Super und Diesel so, wie der Warenkorb sie gewichtet, sinkt der Preis an der Zapfsäule um 6,5 Prozent. Davon gehen 7,0 Prozent auf die Steuer, während der Preis vor Steuer um 0,5 Prozent zulegt. Bei einem Anteil der Kraftstoffe am Warenkorb von rund 4,6 Prozent drückt die Steuer das Preisniveau im Oktober um 0,32 Prozent (wie dieser Anteil zustande kommt, steht im nächsten Abschnitt). Die Verbraucherpreise sind insgesamt um 0,2 Prozent gefallen. Ohne die Steuersenkung wären sie also um gut 0,1 Prozent gestiegen.
Ein um 0,32 Prozent niedrigeres Preisniveau senkt die Rate gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 0,3 Prozentpunkte. Ohne die Steuersenkung läge die Inflationsrate im Oktober bei rund 3,1 Prozent statt bei 2,8. Von den 0,5 Prozentpunkten, um die die Rate gegenüber dem September gefallen ist, gehen damit rund 0,3 Prozentpunkte auf die Steuer. Die übrigen rund 0,2 Prozentpunkte kommen aus allen anderen Preisen zusammen. Sie stiegen im Oktober um gut 0,1 Prozent, im Oktober 2025 waren es 0,3 Prozent, und die Jahresrate verliert genau diesen Unterschied, weil der alte Oktober aus dem Vergleich herausfällt (wie so ein Tausch der Vergleichsmonate eine Jahresrate bewegt, steht in Jahresrate, Monatstausch statt Abkühlung).

Warum die Zapfsäule heute schwerer wiegt als im Wägungsschema
Im Wägungsschema des Statistischen Bundesamtes stehen die Kraftstoffe mit 30,46 von 1.000 Anteilen. Davon entfallen 23,19 Anteile auf Super, 6,92 auf Diesel und der Rest auf Autogas. Die Zahlen beschreiben das Basisjahr 2020. Von 1.000 Euro, die ein durchschnittlicher Haushalt damals für seinen Konsum ausgab, gingen also gut 30 Euro an die Zapfsäule. Wie man aus so einem Gewicht und einem Preisanstieg den Beitrag zur Inflation ausrechnet, ist am amerikanischen Warenkorb durchgerechnet, wo Flugtickets achtmal so stark stiegen wie die Wohnkosten und trotzdem weniger beitrugen.
Der deutsche Verbraucherpreisindex hält die Mengen dieses Basisjahres bis zur nächsten Umstellung fest und bewertet sie zu den Preisen von heute. Daraus folgt eine Eigenschaft, die oft übersehen wird. Ein Gut, das seit 2020 stärker teurer geworden ist als der Rest, wiegt heute mehr als sein Gewicht im Schema. Ein Liter Super kostete 2020 im Jahresmittel des Ölbulletins 1,29 Euro, im September 2026 waren es 2,35 Euro. Gemischt über Super und Diesel ist Sprit damit 90 Prozent teurer als im Basisjahr, der Warenkorb insgesamt nur 26,6 Prozent. Aus gut 30 Euro von 1.000 sind so rund 46 Euro geworden.
Für die Rechnung im Oktober ist das der Unterschied zwischen einer Wirkung von 0,21 und einer von 0,32 Prozent. Wer nur das Schema-Gewicht nimmt, unterschätzt die Steuersenkung um ein Drittel. Das gilt in beide Richtungen, auch der Sprung im Januar fällt mit dem heutigen Gewicht größer aus als mit dem von 2020. Eine Grenze hat die Rechnung. Sie nimmt an, dass die Literpreise des Ölbulletins dieselbe Bewegung zeigen wie die Preise im amtlichen Index. Für Mai und Juni lässt sich das prüfen. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt nennt für Super E5 im Mai 2,04 Euro und im Juni 1,93 Euro, das Ölbulletin kommt auf 2,04 und 1,92 Euro, beim Diesel stehen 1,98 und 1,82 Euro gegen 1,99 und 1,80 Euro.
Was der Preis vor Steuer im Oktober getan hat
Die Steuer ist der größte einzelne Posten im Literpreis. Im September gingen beim Liter Super 1,18 Euro von 2,35 Euro an den Staat, also die Hälfte. Beim Diesel waren es 1,02 von 2,41 Euro, gut zwei Fünftel. Darin stecken die Energiesteuer und die Umsatzsteuer, die auch auf die Energiesteuer selbst erhoben wird. Nach der Senkung sind es im Oktober bei Super noch 46 Prozent und bei Diesel 38 Prozent des Literpreises.
Der Rest, also der Preis vor Steuer, enthält das Rohöl, die Verarbeitung in der Raffinerie, Transport und Lager und die Marge von Großhandel und Tankstelle. Die EU-Kommission ermittelt ihn, indem sie die gesetzlichen Steuern vom Literpreis abzieht. Er ist damit der Teil des Literpreises, der etwas über die Knappheit sagt. Und dieser Teil ist im Oktober nicht gefallen. Super kostete vor Steuer 1,177 Euro nach 1,168 Euro im September, Diesel 1,417 Euro nach 1,395 Euro. Gegenüber dem Oktober 2025 hat sich der Preis vor Steuer bei Super um 77 Prozent erhöht und bei Diesel fast verdoppelt.
An der Zapfsäule kommt davon nur ein Teil an. Ein Liter Super kostete im Oktober 27,5 Prozent mehr als vor einem Jahr, ein Liter Diesel 43,9 Prozent mehr. Die Energiesteuer ist ein fester Betrag je Liter und kein Prozentsatz, deshalb dämpft sie jede prozentuale Bewegung des Preises vor Steuer. Senkt man den festen Betrag, sinkt der Literpreis um einen Schritt, der mit der Lage am Ölmarkt nichts zu tun hat. Warum der Literpreis auch sonst nicht im Gleichschritt mit dem Rohöl läuft, erklärt der Wissensartikel warum der Spritpreis nicht dem Ölpreis folgt.
Dieselbe Senkung gab es schon im Mai und Juni
Die Senkung im Herbst ist die zweite in diesem Jahr. Paragraf 68 des Energiesteuergesetzes setzt die Steuer auf 1.000 Liter Benzin auf 514,10 Euro und auf 1.000 Liter Diesel auf 330,00 Euro, jeweils 140,40 Euro unter dem regulären Satz, zuerst für die Zeit vom 1. Mai bis 30. Juni 2026. Am 25. September 2026 wurde derselbe Paragraf um den Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 ergänzt, verkündet am 30. September im Bundesgesetzblatt (BGBl. 2026 I Nr. 275). Die Änderung steht dort als Artikel 11 und 12 in einem Gesetz über die Sanierung von Versicherungsunternehmen. Sie ändert nur die Zeiträume, die Sätze bleiben dieselben, und ab dem 1. Januar 2027 gilt nach demselben Text wieder der reguläre Satz.
Der Juli zeigt, was am Ende einer solchen Senkung passiert. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt meldet, dass die Preise an der Zapfsäule rund um den 1. Juli um etwa 17 bis 19 Cent gestiegen sind, davon 9,6 Cent bei Benzin und 10,4 Cent bei Diesel allein vom 30. Juni auf den 1. Juli. Im Ölbulletin stieg der Liter Super vom Juni- auf das Julimittel um 21,9 Cent, davon 17,5 Cent Steuer und 4,4 Cent Preis vor Steuer. Beim Diesel waren es 26,8 Cent, davon 18,3 Cent Steuer.
In der Inflationsrate hat das eine klare Spur hinterlassen. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli gegenüber dem Juni um 0,8 Prozent, die Rate sprang von 2,3 auf 2,8 Prozent. Die Gruppe Heizöl und Kraftstoffe lag im Juni 12,6 Prozent über dem Vorjahr und im Juli 23,8 Prozent. Nach derselben Rechnung wie für den Oktober trug die zurückgekehrte Steuer im Juli rund 0,35 Prozentpunkte zum Anstieg bei. Das Gewicht der Kraftstoffe lag damals bei rund 3,7 Prozent, weil Sprit im Juni billiger war als heute. Im Mai, als die erste Senkung begann, lief dieselbe Rechnung in die andere Richtung, die Rate fiel von 2,9 auf 2,6 Prozent.
Der Stand für August hat die Energie mit ihrem Wägungsanteil zerlegt, als ihre Jahresrate von 3,4 Prozent im Juni auf 10,5 Prozent im August stieg. Ein Teil dieses Anstiegs war die erste Steuersenkung, die die Junirate gedrückt hatte und im Juli aus dem Preis verschwand. Neu ist im Oktober, dass dieselbe Steuer die Rate nach unten zieht, während der Preis vor Steuer weiter steigt.
Was im Januar in der Rate passiert
Endet die Senkung am 31. Dezember, steigt die Energiesteuer am 1. Januar 2027 wieder um 14,04 Cent je Liter, mit Umsatzsteuer um 16,7 Cent. Bliebe der Preis vor Steuer auf dem Stand vom Oktober, würde der Liter Super um 7,6 Prozent teurer und der Liter Diesel um 7,4 Prozent. Bei einem Gewicht der Kraftstoffe von dann rund 4,3 Prozent hebt das allein das Preisniveau um gut 0,3 Prozent. Das ist die Oktoberrechnung mit umgekehrtem Vorzeichen.
Für die Jahresrate kommt eine Besonderheit hinzu. Die Inflationsrate vergleicht die Preise immer mit demselben Monat des Vorjahres. Im Oktober, November und Dezember 2026 steht ein Monat mit Steuersenkung gegen einen Monat ohne, deshalb liegt die Rate rund 0,3 Punkte tiefer, als sie ohne die Senkung läge. Im Januar 2027 stehen zwei Monate ohne Senkung gegeneinander, der Effekt ist aus dem Vergleich verschwunden. Rechnerisch steigt die Rate deshalb vom Dezember auf den Januar um rund 0,3 Punkte, ohne dass sich an der Lage irgendetwas geändert hätte. Wer die Januarzahl liest, sieht dann einen Anstieg, der im Oktober schon feststand.
Drei Dinge können diese Rechnung verändern. Erstens kann der Gesetzgeber die Senkung verlängern, wie er es im September für den Herbst getan hat, dann bleibt der Effekt in der Rate, bis die Senkung endet. Zweitens haben Bund und Länder am 18. September vereinbart, spätestens zum 1. Januar 2027 einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens einzuführen. Ein Gesetz dazu gibt es zum Stand dieses Artikels nicht, und wie ein solcher Deckel mit dem Ende der Steuersenkung zusammenwirken würde, lässt sich ohne Gesetzestext nicht rechnen. Drittens bewegt sich der Preis vor Steuer weiter, und mit ihm alle anderen Preise im Warenkorb. Die 0,3 Punkte sind der Teil der Januarrate, der heute schon feststeht, nicht die Januarrate selbst.
Und wenn die 2,8 Prozent genau das Richtige messen
Gegen diese Rechnung gibt es einen ernsthaften Einwand. Der Verbraucherpreisindex soll messen, was die Haushalte bezahlen, und sie bezahlen im Oktober tatsächlich weniger für den Liter. Die Steuer ist Teil des Preises, eine Rate ohne sie ist eine Konstruktion, die das Statistische Bundesamt in seiner Meldung nicht ausweist. Für die Kaufkraft eines Haushalts mit Auto sind die 2,8 Prozent deshalb die richtige Zahl. Wer seinen Lohn oder seine Rente damit vergleicht, braucht keine bereinigte Fassung, denn er hat das Geld, das er an der Zapfsäule spart, im Oktober wirklich in der Tasche.
Der Einwand trifft für die Frage, was ein Haushalt im Oktober ausgibt. Er begrenzt die These, er hebt sie nicht auf. Die Inflationsrate wird auch für eine zweite Frage gelesen, nämlich ob der Preisdruck in der Wirtschaft nachlässt, und für diese Frage misst sie im Oktober einen Steuersatz mit. Ein Steuersatz, der nach drei Monaten in einem Schritt zurückkehrt, sagt über die Richtung der Preise nichts. Beide Lesarten stehen nebeneinander, und welche Zahl die passende ist, hängt an der Frage, die man an sie stellt. Wer das nicht trennt, liest im Oktober eine Entspannung und im Januar eine Verschärfung, und beide Male liest er vor allem das Gesetzblatt.
Was der Preis an der Zapfsäule gerade nicht sagt
Ein Preis trägt eine Nachricht. Steigt der Literpreis, fahren manche weniger oder bilden Fahrgemeinschaften, Spediteure planen Touren anders, und Importeure holen Ware dorthin, wo sie am meisten bringt. Beim Sprit trägt diese Nachricht nur der Teil vor Steuer, und genau dieser Teil ist im Oktober gestiegen. Der Preis an der Zapfsäule fiel im Oktober um gut 15 Cent, während der Preis vor Steuer um knapp einen Cent stieg, und wer tankt, sieht nur die erste Zahl.
Ich lese die 2,8 Prozent deshalb als die schwächere Zahl, gemessen an der Frage, ob der Preisdruck nachlässt. Die Steuersenkung macht den Liter in genau dem Monat billiger, in dem er vor Steuer teurer wird, und nimmt dem Preis damit für drei Monate die Nachricht, für die er da ist. Wer die Lage messen will, braucht die Rate ohne den Steuerschritt, rund 3,1 Prozent, und wer an der Zapfsäule spart, bekommt das Signal, wenn die Senkung wie im Gesetz endet, erst im Januar zurück, gebündelt in einem Schritt von rund 17 Cent.
Was das für Anleger heißt
Die Inflationsrate ist der Abzug, der aus einem Zins einen realen Zins macht. Wer auf dem Tagesgeld 2,0 Prozent bekommt, liegt bei 2,8 Prozent Inflation real knapp 0,8 Prozent im Minus, bei 3,1 Prozent gut einen Prozentpunkt. Der Unterschied ist klein, aber er ist im Oktober vom Gesetzgeber gesetzt und nicht vom Markt, und er ist auf drei Monate befristet. Wer eine reale Rendite über mehrere Monate verfolgt, liest Oktober bis Januar besser mit beiden Zahlen. Wie die Umrechnung von nominal auf real genau funktioniert, steht in Inflation, Deflation und Kaufkraft.
Für die Geldpolitik zählt nicht die deutsche Rate, sondern der harmonisierte Verbraucherpreisindex des gesamten Euroraums. Der deutsche harmonisierte Wert liegt im Oktober ebenfalls bei 2,8 Prozent, und er enthält dieselbe Steuersenkung, denn auch er misst Preise einschließlich Steuern. Er unterscheidet sich vom nationalen Index nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Erfassungsbereich, Methodik und Gewichtung, die Größenordnung des Steuereffekts ist deshalb ähnlich, aber nicht dieselbe. Was die Notenbank daraus macht, entscheidet sie selbst, und dieser Text sagt nichts darüber, wie ihre nächste Entscheidung ausfällt. Dass ein Steuersatz in einer Kopfzahl auch ganz ohne Steuersenkung die Richtung verdrehen kann, zeigt der britische Fall, in dem die Rate fiel, während die Preise stiegen.
Direkt in Geld übersetzt wird der Index bei der Indexmiete. Nach Paragraf 557b des Bürgerlichen Gesetzbuchs folgt sie dem Verbraucherpreisindex für Deutschland, und die Miete muss zwischen zwei Anpassungen mindestens ein Jahr unverändert bleiben. Wer als Vermieter oder Mieter eine Anpassung auf Basis des Standes von Oktober bis Dezember rechnet, rechnet mit einem Index, der rund 0,3 Prozent unter dem Stand ohne Steuersenkung liegt. Bei 1.000 Euro Kaltmiete sind das rund 3 Euro im Monat, die im nächsten Anpassungsjahr wieder auftauchen.
Was daraus für die eigene Anlage folgt, entscheidest du selbst, und diese Einordnung nimmt dir die Entscheidung ausdrücklich nicht ab. Die Oktoberzahl ist vorläufig, die endgültigen Ergebnisse erscheinen am 11. November 2026, dann auch mit dem amtlichen Wert für Kraftstoffe. Liegt der Beitrag der Kraftstoffe dort deutlich neben der Rechnung dieses Artikels, ist die amtliche Zahl die maßgebliche.
Quellen
- Inflationsrate im Oktober 2026 voraussichtlich +2,8 %, Pressemitteilung Nr. 382
- Verbraucherpreisindex, Sondergliederungen, monatliche Indizes und Veränderungsraten
- Verbraucherpreisindex, Veränderungsraten zum Vorjahresmonat
- Verbraucherpreisindex für Deutschland, Wägungsschema für das Basisjahr 2020
- Verbraucherpreisindex Deutschland, insgesamt, Monatswerte (2020 = 100)
- Weekly Oil Bulletin, Prices with taxes and prices without taxes, price history
- Gesetz zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2, Artikel 11 und 12 (Energiesteuergesetz, Energiesteuer-Durchführungsverordnung)
- Energiesteuergesetz, § 68 Steuersätze für Kraftstoffe im Jahr 2026
- Weitergabe der Energiesteuersenkung, 12 Uhr-Regel, Quartalsbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe
- Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, Energiesteuersenkung Mai bis Juni 2026
- Bund und Länder beschließen Spritpreis-Entlastungspaket, Pressemitteilung 171
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 557b Indexmiete
Zur Entstehung dieses Artikels
Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Stand der Daten ist der 30. Oktober 2026. Die Inflationsraten sind die vorläufigen Werte des Statistischen Bundesamtes aus der Schnellmeldung vom 30. Oktober 2026, die endgültigen Ergebnisse erscheinen am 11. November 2026. Die Literpreise sind Mittelwerte der vier Montagswerte je Monat aus dem Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission für Deutschland, mit und ohne Steuern. Der Beitrag der Steuersenkung zur Inflationsrate (rund 0,3 Prozentpunkte), die Rate ohne Steuersenkung (rund 3,1 Prozent), das Gewicht der Kraftstoffe zu heutigen Preisen und die Rechnung für Juli und Januar sind eigene Rechnungen aus diesen Literpreisen, dem Wägungsschema 2020 und dem Gesamtindex, kein amtlicher Wert. Den Monatswert für Kraftstoffe im Oktober hat das Statistische Bundesamt zum Stand dieses Artikels noch nicht veröffentlicht. Die Rechnung für Januar setzt voraus, dass die Senkung wie im Gesetz endet und der Preis vor Steuer gleich bleibt, sie ist keine Prognose der Januarrate. Die Einordnung gibt den Kenntnisstand zum genannten Datum wieder.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.
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