Preise und Inflation
Die Importpreise liegen 6,8 Prozent über dem Vorjahr, importierte Nahrungsmittel 6,8 Prozent darunter
Die Einfuhrpreise lagen im Juli 2026 um 6,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Fast der gesamte Wert stammt aus Energie und aus Vorprodukten, die niemand im Laden kauft. Die eingeführten Konsumgüter kosteten 0,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, die eingeführten Nahrungsmittel 6,8 Prozent weniger.
Der Index in vier Zahlen
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 309 vom 28. August 2026 und Nr. 283 vom 12. August 2026
Die Zahl, die nach teurer Einfuhr aussieht
Das Statistische Bundesamt hat für Juli 2026 einen Importpreisindex gemeldet, der 6,8 Prozent über dem Wert von Juli 2025 liegt. Gegenüber dem Vormonat Juni beträgt der Abstand 0,2 Prozent. Wer nur die Überschrift liest, nimmt daraus mit, dass die Einfuhr nach Deutschland spürbar teurer geworden ist, und das stimmt auch.
Die Reihe davor lohnt trotzdem einen Blick, bevor daraus ein Trend wird. Im Mai lag der Abstand zum Vorjahr bei 6,8 Prozent, im Juni bei 6,1 Prozent, im Juli wieder bei 6,8 Prozent. Der Wert bewegt sich seit dem Frühjahr in einem schmalen Band, statt weiter zu steigen. Ein Satz wie „die Importpreise ziehen weiter an" beschreibt eine Schwankung als Fahrtrichtung.
Interessanter als die Höhe ist ohnehin, woraus sie entsteht. Ein Preisindex ist ein gewichteter Durchschnitt über einen festgelegten Korb, und was er anzeigt, hängt davon ab, was in diesem Korb liegt und wie schwer es wiegt. Diese Mechanik hat Portora in Beitrag ist Gewicht mal Anstieg am Verbraucherpreisindex durchgerechnet. Beim Importpreisindex führt sie zu einem überraschenden Ergebnis.
Was in diesem Korb tatsächlich liegt
Den größten Einfluss auf den Juliwert hatten zwei Gütergruppen. Eingeführte Energie lag 26,4 Prozent über dem Vorjahresmonat, eingeführte Vorleistungsgüter 10,2 Prozent. Vorleistungsgüter sind Dinge, die in Deutschland weiterverarbeitet werden, bevor irgendjemand sie kaufen kann. Bei ihnen waren im Juli vor allem Nichteisen-Metalle teuer. Kupfer kostete 33,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Aluminium 20,4 Prozent. Auch Kunststoffe in Primärformen und elektronische Bauelemente lagen klar über dem Vorjahr, mit 17,8 und 15,0 Prozent.
Bei der Energie nennt das Statistische Bundesamt den Krieg im Nahen Osten als Ursache. Mineralölerzeugnisse kosteten 47,5 Prozent mehr als im Juli 2025, Erdöl 22,3 Prozent mehr. Bei elektrischem Strom waren es 19,7 Prozent, bei Erdgas 18,8 Prozent. Innerhalb der Mineralölerzeugnisse lag Motorenbenzin 50,3 Prozent über dem Vorjahr, Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl 52,4 Prozent. Schmier- und andere Öle kosteten fast das Doppelte.
Diese Einkaufsliste gehört der Industrie. Kupfergranulat, Kerosin, Primärkunststoff und elektronische Bauelemente stehen auf keinem privaten Kassenbon. Genau dort fallen die Überschrift und der eigene Haushalt auseinander. Rechnet man die Energie ganz heraus, bleiben von den 6,8 Prozent noch 4,8 Prozent. Lässt man nur Erdöl und Mineralölerzeugnisse weg, sind es 5,4 Prozent.
Das andere Vorzeichen steht in derselben Mitteilung
Weit unten in derselben Mitteilung steht die Gütergruppe, die ein privater Haushalt tatsächlich kauft. Eingeführte Konsumgüter, also Ge- und Verbrauchsgüter zusammen, kosteten im Juli 2026 nicht mehr, sondern 0,2 Prozent weniger als im Juli 2025. Gebrauchsgüter lagen 1,5 Prozent darüber, Verbrauchsgüter 0,5 Prozent darunter.
Bei den eingeführten Nahrungsmitteln ist der Abstand größer, und er hat dieselbe Ziffer wie die Überschrift. Sie kosteten 6,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Einzelne Positionen liegen deutlich tiefer, Kakaobutter und verwandte Fette 46,7 Prozent, Frucht- und Gemüsesäfte 27,6 Prozent, Schweinefleisch 25,1 Prozent. Bei den landwirtschaftlichen Gütern insgesamt sind es 2,1 Prozent unter Vorjahr, mit lebenden Schweinen bei 35,9 Prozent darunter.
Beide Zahlen stammen aus derselben Veröffentlichung desselben Amtes für denselben Monat. Die eine steht in der Überschrift, die andere nicht. Wer aus der ersten schließt, dass sein Einkauf teurer wird, hat die Zahl richtig gelesen und auf den falschen Korb bezogen.
An der Grenze und im Laden, derselbe Monat
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat Juli 2025, in Prozent. Für die Lesart ist entscheidend, dass die beiden Spalten nicht denselben Korb messen. Links steht der Preis, den ein Importeur beim Grenzübertritt zahlt, rechts der Preis, den ein Haushalt im Laden zahlt. In der rechten Spalte stecken zusätzlich inländisch erzeugte Ware, Verarbeitung, Handelsspanne und Steuern. Die Gruppen sind ähnlich zugeschnitten, aber nicht deckungsgleich.
| Gütergruppe | Importpreis | Verbraucherpreis |
|---|---|---|
| Insgesamt | +6,8 | +2,8 |
| Energie | +26,4 | +8,3 |
| Nahrungsmittel | -6,8 | +0,4 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 309 vom 28. August 2026 (Importpreise) und Nr. 283 vom 12. August 2026 (Verbraucherpreise)
Warum aus 26,4 Prozent an der Grenze 8,3 Prozent im Laden werden
Zwischen dem Preis am Grenzübertritt und dem Preis an der Kasse liegen drei Dämpfer. Der erste ist die Zusammensetzung des Korbs. Ein großer Teil dessen, was ein Haushalt kauft, wird gar nicht eingeführt, sondern in Deutschland erzeugt, und Dienstleistungen wie Miete, Versicherung oder Friseur haben mit Einfuhrpreisen ohnehin nichts zu tun. Sie wiegen im Verbraucherpreisindex trotzdem mit.
Der zweite Dämpfer sitzt in der inländischen Wertschöpfung. In einem Liter Diesel an der Tankstelle steckt der eingeführte Rohstoff, dazu Raffinerie, Transport, Tankstellenpacht, Personal und Marge. Steigt der eingeführte Anteil um die Hälfte, steigt der Endpreis um einen Bruchteil davon, weil der Rest sich nicht mitbewegt. Warum das gerade bei Kraftstoff besonders auffällt, steht in Warum der Spritpreis nicht dem Ölpreis folgt.
Der dritte Dämpfer ist der Staat, und im Juli 2026 ist er der interessanteste. Die Verbraucherpreise für Kraftstoffe lagen 23,0 Prozent über dem Vorjahr, nach 11,3 Prozent im Juni. Das Statistische Bundesamt führt diesen Sprung neben dem Rohölmarkt ausdrücklich darauf zurück, dass die vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe am 30. Juni 2026 auslief. Dieser Teil der Verteuerung hat keinen Einfuhrpreis als Ursache. Er ist eine Steueränderung im Inland und wäre auch dann eingetreten, wenn an der Grenze kein einziger Preis sich bewegt hätte.
Ein vierter Punkt wirkt in beide Richtungen und wird leicht übersehen. Der Importpreisindex rechnet in Euro. Verliert der Euro gegenüber der Währung eines Lieferlandes an Wert, steigt der eingeführte Preis, auch wenn der Verkäufer im Ausland seinen Preis unverändert lässt. Ein Teil jeder Importpreis-Veränderung ist deshalb keine Preisbewegung der Ware, sondern eine Wechselkursbewegung. Wie groß dieser Teil im Juli war, weist die Pressemitteilung nicht aus.
Wofür die 6,8 Prozent nicht taugen
Der Index misst Preise, keine Mengen. Er sagt nicht, ob Deutschland mehr oder weniger eingeführt hat, sondern nur, was das Eingeführte je Einheit kostete. Ein Land kann bei stark steigenden Einfuhrpreisen weniger ausgeben, wenn es weniger abnimmt, und diese Frage beantwortet erst die Außenhandelsstatistik.
Er ist auch keine Vorhersage. Dass eingeführte Vorprodukte teurer werden, heißt nicht, dass die Verbraucherpreise mit einer festen Verzögerung nachziehen. Ob und wie viel davon weitergegeben wird, hängt vom Wettbewerb in der jeweiligen Branche ab, von Lagerbeständen, von laufenden Lieferverträgen und davon, wie viel Spielraum die Marge hergibt. Es gibt keinen Umrechnungsfaktor, und wer einen nennt, hat ihn geschätzt.
Und die Gegenrichtung gilt genauso. Dass eingeführte Nahrungsmittel 6,8 Prozent billiger wurden, ist kein Versprechen auf sinkende Supermarktpreise. Im Juli sind sie im Laden um 0,4 Prozent gestiegen. Der eingeführte Rohstoff ist nur ein Teil des Endpreises, und die übrigen Teile, vor allem Löhne, Energie im Betrieb und Handelsspanne, sind nicht gefallen.
Für den Vergleich zweier Zeitpunkte bleibt der Index dagegen belastbar, und dafür ist er gebaut. Er zeigt, dass die Verteuerung der deutschen Einfuhr im Juli 2026 fast vollständig in Energie und Vorprodukten saß, und dass die eingeführte Konsumware in derselben Zeit leicht billiger wurde.
Was du mit dieser Zahl anfangen kannst
Die praktische Lehre ist eine Lesegewohnheit. Wenn eine Preiszahl in einer Überschrift steht, lohnt die Frage, wessen Korb dort gemessen wurde. Beim Importpreisindex ist es der Korb der einführenden Wirtschaft, beim Verbraucherpreisindex der eines durchschnittlichen Haushalts, beim Erzeugerpreisindex der eines inländischen Abnehmers gewerblicher Produkte. Dieselbe Ware kann in zwei dieser Körbe in verschiedene Richtungen laufen, ohne dass eine der Zahlen falsch wäre. Wie weit drei Inflationsmaße auseinanderliegen können, hat Portora in Drei Maße für dieselbe Inflation gezeigt.
Für die eigene Haushaltsrechnung ist der Verbraucherpreisindex die zuständige Zahl, und dort waren es im Juli 2026 genau 2,8 Prozent. Wer wissen will, was davon auf welche Position entfällt, findet die Gliederung in derselben Veröffentlichung, und für den Unterschied zwischen nominaler und realer Betrachtung steht Inflation, Deflation und Kaufkraft bereit.
Der nächste Datenpunkt kommt Ende September, dann veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Importpreise für August. Die aussagekräftige Zeile darin ist nicht der Gesamtwert, sondern der Wert ohne Energie. Er lag im Juli bei 4,8 Prozent. Bewegt er sich, verschiebt sich etwas in der Breite. Bleibt er stehen, während der Gesamtwert schwankt, war es wieder das Öl.
Quellen
Zur Entstehung dieses Artikels
Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Primärquellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen stammen aus den beiden genannten Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamts und sind dort nachlesbar. Eigene Rechnungen enthält der Text nicht.
Zur Einordnung der Tabelle: Importpreisindex und Verbraucherpreisindex messen unterschiedliche Warenkörbe auf unterschiedlichen Handelsstufen. Die Gegenüberstellung zeigt die Differenz zwischen beiden Messungen und ist ausdrücklich keine Berechnung einer Weitergabe.
Letzte Aktualisierung: 28. August 2026
Versionshistorie: Erste Veröffentlichung am 28. August 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine sachliche Einordnung wirtschaftlicher Daten und keine Anlageberatung.
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