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Drei Maße für dieselbe Inflation, und dazwischen liegt ein Prozentpunkt

Stand 29. Juli 2026. Am 30. Juli veröffentlicht die amerikanische Wirtschaftsanalysebehörde das Preismaß für Juni, an dem die Federal Reserve ihr Ziel von zwei Prozent festgemacht hat. Drei Zahlen stehen gerade nebeneinander, und alle drei wollen dieselbe Sache messen. Der Kern-Verbraucherpreisindex lag im Juni bei 2,6 Prozent, das Kern-Preismaß der Konsumausgaben im Mai bei 3,4 Prozent, und das getrimmte Mittel derselben Behördendaten bei 2,4 Prozent. Je nachdem, welche dieser Zahlen gilt, ist die Notenbank 0,4 Punkte von ihrem Ziel entfernt oder 1,4. Fed-Chef Kevin Warsh arbeitet daran, den Maßstab zu wechseln.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion11 Min Lesezeit

Die Zerlegung in Zahlen

1,0 Punkt
Spanne zwischen dem höchsten und dem niedrigsten der drei Kernmaße
2,4 bis 3,4 Prozent, alle für dieselbe Volkswirtschaft
30 gegen 17 %
Gewicht des Wohnens im Verbraucherpreisindex gegen das Preismaß der Konsumausgaben
der größte einzelne Unterschied zwischen beiden Verfahren
47 Basispunkte
durchschnittlicher Vorsprung der Verbraucherpreis-Kernrate seit 1960
das Vorzeichen hat sich im November 2025 gedreht
0,4 statt 1,4
Abstand der Notenbank zu ihrem Ziel, je nach gewähltem Maß
dreieinhalbfacher Unterschied, ohne dass ein Preis sich bewegt

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

Stand 29. Juli 2026. Die Werte stammen aus verschiedenen Berichtsmonaten, weil die Behörden zu verschiedenen Terminen veröffentlichen. Der Juni-Wert des Konsumausgaben-Maßes erscheint erst am 30. Juli.

ZahlBedeutung
2,6 %Kernrate des Verbraucherpreisindex, Juni 2026, ohne Energie und Nahrungsmittel
3,4 %Kernrate des Preismaßes der Konsumausgaben, Mai 2026
2,4 %getrimmtes Mittel des Preismaßes der Konsumausgaben, Mai 2026, Dallas-Filiale der Fed
3,5 %Gesamtrate des Verbraucherpreisindex, Juni 2026, nach 4,2 Prozent im Mai
4,1 %Gesamtrate des Preismaßes der Konsumausgaben, Mai 2026
2,0 %Ziel der Fed, definiert auf der Gesamtrate des Konsumausgaben-Maßes
-0,4 %Monatsveränderung des Verbraucherpreisindex im Juni, stärkster Rückgang seit April 2020
-5,7 %Monatsveränderung des Energieindex im Juni, Hauptgrund für den Rückgang
+0,1 %Monatsveränderung der Mieten im Juni, kleinster Wert seit Januar 2021
23 bis 24 %Gewicht der unterstellten Eigentümermiete im Verbraucherpreisindex
7 bis 8 %Gewicht der tatsächlich gezahlten Mieten im Verbraucherpreisindex
15 bis 18 %Gewicht des gesamten Wohnens im Preismaß der Konsumausgaben
24. und 69.Perzentile, unterhalb und oberhalb derer die Dallas-Filiale die Preisänderungen abschneidet
-54 Basispunkteaktueller Abstand der beiden Kernraten, mit umgekehrtem Vorzeichen gegenüber der historischen Norm
30. Juli 2026Veröffentlichung des Juni-Werts für das Preismaß der Konsumausgaben

Zwei Behörden, zwei Verfahren, eine Volkswirtschaft

In den Vereinigten Staaten wird die Teuerung von zwei verschiedenen Stellen gemessen. Das Arbeitsstatistikamt erhebt den Verbraucherpreisindex, indem es Preise in Läden und im Netz abfragt und sie danach gewichtet, was Haushalte in einer Verbrauchsstichprobe angegeben haben. Die Wirtschaftsanalysebehörde erstellt das Preismaß der privaten Konsumausgaben und leitet dessen Gewichte aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ab, also daraus, was tatsächlich umgesetzt wurde. Beide messen dieselbe Sache, sie kommen nur über verschiedene Wege dorthin.

Der wichtigste Unterschied im Ergebnis liegt beim Wohnen. Im Verbraucherpreisindex macht es zusammen rund 30 bis 32 Prozent des Warenkorbs aus, davon 23 bis 24 Punkte allein für die unterstellte Miete, die ein Eigentümer sich selbst zahlen würde, und 7 bis 8 Punkte für tatsächlich gezahlte Mieten. Im Preismaß der Konsumausgaben liegt das gesamte Wohnen bei rund 15 bis 18 Prozent. Wohnen wiegt im einen Verfahren also ungefähr doppelt so schwer wie im anderen. Bewegen sich die Mieten stark, ziehen sie das eine Maß mit und das andere kaum.

Dazu kommt ein zweiter, weniger bekannter Unterschied. Das Konsumausgaben-Maß erfasst auch Ausgaben, die für Haushalte getätigt werden, ohne dass diese sie selbst bezahlen, vor allem im Gesundheitswesen über Versicherungen und staatliche Programme. Deshalb wiegt Gesundheit dort deutlich schwerer. Für den Leser heißt das, die beiden Zahlen sind nicht zwei Schätzungen desselben Werts, zwischen denen die Wahrheit läge. Es sind zwei verschiedene Fragen. Die eine lautet, was ein Haushalt aus eigener Tasche für seinen Korb zahlt. Die andere lautet, was der Konsum in dieser Volkswirtschaft insgesamt kostet.

Drei Zahlen, ein Ziel, ein Prozentpunkt dazwischen

Wie groß der Unterschied praktisch wird, zeigt der aktuelle Stand. Die Kernrate des Verbraucherpreisindex lag im Juni bei 2,6 Prozent. Die Kernrate des Konsumausgaben-Maßes lag im Mai bei 3,4 Prozent. Das getrimmte Mittel, das dieselbe Behörde liefert und aus dem die Dallas-Filiale der Fed die Ausreißer entfernt, lag im Mai bei 2,4 Prozent. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert liegt genau ein Prozentpunkt, und keiner davon ist falsch berechnet.

Rechne einmal durch, was das für die Zielverfehlung bedeutet. Das Ziel der Notenbank liegt bei zwei Prozent. Misst man mit dem getrimmten Mittel, fehlen 0,4 Punkte. Misst man mit der Kernrate der Konsumausgaben, fehlen 1,4 Punkte. Das ist der dreieinhalbfache Abstand. Nimmt man die Gesamtrate der Konsumausgaben, an der das Ziel formal festgemacht ist und die im Mai bei 4,1 Prozent lag, sind es 2,1 Punkte. Zwischen der günstigsten und der ungünstigsten Lesart derselben Volkswirtschaft im selben Monat liegt ein Faktor von mehr als fünf, und dafür muss sich kein einziger Preis in einem einzigen Laden bewegen.

Diese Spanne ist kein Rechenfehler und kein Skandal. Sie ist die normale Folge davon, dass ein Preisindex kein Naturgesetz misst, sondern eine Konstruktion ist. Jemand muss entscheiden, welche Güter in den Korb kommen, wie schwer sie wiegen, wie man Qualitätsverbesserungen herausrechnet und ob man Ausreißer stehen lässt. Jede dieser Entscheidungen ist begründbar, und jede verschiebt das Ergebnis. Wer eine Inflationszahl liest, liest immer auch die Entscheidungen mit, die in ihrer Konstruktion stecken.

Balkendiagramm mit drei Kernmaßen der US-Inflation, Kern-Verbraucherpreisindex 2,6 Prozent im Juni 2026, Kern-Preismaß der Konsumausgaben 3,4 Prozent im Mai 2026 und getrimmtes Mittel 2,4 Prozent im Mai 2026, dazu eine gestrichelte Linie beim Zwei-Prozent-Ziel der Fed
Drei Kernmaße derselben US-Inflation, jeweils der zuletzt veröffentlichte Wert. Quellen sind das Arbeitsstatistikamt, die Wirtschaftsanalysebehörde und die Dallas-Filiale der Federal Reserve.

Die Rangfolge hat sich gedreht

Bemerkenswert am aktuellen Stand ist nicht der Abstand, sondern sein Vorzeichen. Seit 1960 lag die Kernrate der Verbraucherpreise in fast 80 Prozent aller Monate über der Kernrate der Konsumausgaben, im Durchschnitt um 47 Basispunkte, also knapp einen halben Prozentpunkt. Das war so verlässlich, dass Volkswirte im Kopf umrechnen konnten. Seit November 2025 ist es andersherum, zum ersten Mal seit 2021, und der Abstand liegt zuletzt bei rund 54 Basispunkten in die neue Richtung.

Ein Teil der Erklärung liegt beim Wohnen und ist gut belegt. Die Mieten im Verbraucherpreisindex stiegen im Juni nur noch um 0,1 Prozent zum Vormonat, der kleinste Wert seit Januar 2021. Weil das Wohnen dort doppelt so schwer wiegt wie im anderen Verfahren, drückt diese Abkühlung die Verbraucherpreis-Kernrate deutlich stärker nach unten. Dieselbe Bewegung, zwei verschieden große Wirkungen, allein wegen der Gewichte. Genau dafür ist der Abstand der beiden Maße ein Messinstrument.

Für den zweiten Teil der Erklärung gibt es bisher nur Deutungen aus dem Analysegeschäft, keine amtliche Zerlegung. Sie verweisen auf die Preise für Mikrochips und verwandte Güter, die im Zuge des Ausbaus von Rechenzentren stark angezogen haben und über die Investitions- und Vorleistungsseite anders in die beiden Körbe wandern. Plausibel ist das, belegt im Sinne einer amtlichen Aufgliederung ist es nicht, und dieser Artikel führt es deshalb ausdrücklich als offene Frage und nicht als Befund.

Was das Trimmen mit der Zahl macht

Das dritte Maß im Bild entsteht aus demselben Datensatz wie das zweite, es wird nur anders zusammengefasst. Statt alle Preisänderungen zu mitteln, sortiert man sie der Größe nach und schneidet die Ränder ab. Die Dallas-Filiale der Fed entfernt alles unterhalb des 24. und oberhalb des 69. Perzentils und mittelt den Rest. Ein Median-Maß geht noch weiter und nimmt schlicht die Position in der Mitte. Der Gedanke dahinter ist, dass ein einzelner heftiger Ausschlag bei Eiern oder Flugtickets wenig darüber sagt, wohin die Preise insgesamt laufen.

Der Unterschied zur Kernrate ist wichtiger, als er klingt. Die Kernrate streicht immer dieselben zwei Gruppen, Energie und Nahrungsmittel, unabhängig davon, ob sie in diesem Monat überhaupt auffällig waren. Ein getrimmtes Mittel streicht dagegen das, was in diesem Monat tatsächlich am Rand liegt, und das können mal Gebrauchtwagen sein, mal Versicherungen. Es ist also keine feste Liste, sondern eine Regel, die sich jeden Monat neu anwendet.

Dass diese Maße meist niedriger liegen, ist kein Zufall, sondern eine Folge der Verteilung. Preisänderungen sind nach oben offen und nach unten praktisch bei null begrenzt, die extremen Ausschläge liegen also häufiger oben. Wer die Ränder abschneidet, schneidet damit im Schnitt mehr oben als unten weg. Im Februar 2026 lag die Gesamtrate der Konsumausgaben bei 2,8 Prozent und das getrimmte Mittel bei 2,3. Im März lagen der Median der Verbraucherpreise bei 2,31 Prozent und die Kernrate bei 2,38, dort also fast gleichauf. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt davon ab, wie schief die Verteilung gerade ist.

Warum die Frage gerade jetzt aufkommt

Kevin Warsh hat seit seinem Amtsantritt mehrfach gesagt, dass er die vorhandenen Inflationsdaten für ein unvollkommenes Bild der zugrundeliegenden Preisentwicklung hält. Sein Argument ist ein methodisches. Die gängigen Maße werfen jede Preisänderung in denselben Topf, und dabei wird ein einmaliger Sprung, etwa durch einen Zoll auf Elektronik, genauso behandelt wie eine dauerhafte Mieterhöhung. Für eine Notenbank, die auf die kommenden Quartale schauen muss, sind das aber zwei sehr verschiedene Vorgänge.

Wichtig ist dabei eine Präzisierung, die in der Berichterstattung oft untergeht. Warsh hat ausdrücklich widersprochen, er wolle das getrimmte Mittel der Dallas-Filiale zum neuen Hauptmaß machen. Er will neue Maße entwickeln lassen. Beim geldpolitischen Forum der Europäischen Zentralbank in Sintra formulierte er die Erwartung, in neun bis zwölf Monaten mit neuen Techniken beinahe in Echtzeit verstehen zu können, was in der Realwirtschaft geschieht. Das ist kein Vorschlag, eine bestimmte bestehende Zahl zu bevorzugen, sondern die Ankündigung eines Umbaus.

Der Zeitpunkt macht die Sache heikel. Ein Maßstabswechsel, der genau dann kommt, wenn das offizielle Maß deutlich über dem Ziel liegt und das alternative Maß nahe daran, sieht anders aus als derselbe Wechsel in ruhigen Zeiten. Das ist keine Unterstellung über Motive, sondern eine Feststellung über die Optik. Genau deshalb ist die Frage, welche Zahl gilt, in diesem Sommer keine statistische Fußnote, sondern eine Frage, die Zinserwartungen und damit Anleihekurse und Wechselkurse berührt.

Der deutsche Leser hat dasselbe Problem

Wer das für ein amerikanisches Kuriosum hält, sollte einen Blick auf die eigene Statistik werfen. Auch in Deutschland gibt es zwei Verbraucherpreisindizes nebeneinander. Das Statistische Bundesamt berechnet den nationalen Verbraucherpreisindex und zusätzlich einen harmonisierten Index für den europäischen Vergleich. Die Europäische Zentralbank hat ihr Ziel am harmonisierten Index festgemacht, nicht am nationalen.

Der wichtigste Unterschied zwischen beiden ist derselbe wie in den Vereinigten Staaten, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Der nationale Index rechnet die unterstellte Miete für selbst genutztes Wohneigentum mit und schätzt sie über die Entwicklung der Nettokaltmieten. Der harmonisierte Index lässt sie bisher weg. Ein weiterer kleiner Unterschied ist der Rundfunkbeitrag, der seit 2020 nur noch im nationalen Index steckt. Beide Notenbanken zielen also auf dasjenige Maß, in dem das Wohnen der Eigentümer weniger oder gar nicht vorkommt.

Diese Lücke ist in Europa seit Jahren umstritten. Befürworter einer Aufnahme argumentieren, dass sonst ein Abstand entsteht zwischen dem, was Haushalte als Anstieg ihrer Lebenshaltung erleben, und dem, was gemessen wird. Ein Vorschlag aus dem Direktorium der Europäischen Zentralbank liegt seit 2020 vor, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat 2021 dafür argumentiert, dass eine Aufnahme die Glaubwürdigkeit der Notenbank sogar stärken würde. Umgesetzt ist es bis heute nicht.

Der faire Gegenpunkt

Gegen die Aufnahme des selbst genutzten Wohneigentums in den europäischen Index gibt es ein ernstes Argument, und es ist kein Vorwand. Wer ein Haus kauft, konsumiert nicht nur, er legt auch Vermögen an. Ein Verbraucherpreisindex soll aber Konsum messen, nicht Vermögensbildung. Nimmt man den Kaufpreis hinein, wandern Anlageentscheidungen in eine Zahl, die eigentlich Lebenshaltung abbilden soll, und das widerspricht dem rechtlichen Auftrag des Index. Dazu kommt ein praktisches Hindernis, denn der vorhandene europäische Index für selbst genutztes Wohnen erscheint nur vierteljährlich und mit spürbarer Verzögerung, während die Notenbank monatlich entscheiden muss.

Auch gegen die getrimmten Maße gibt es begründete Einwände. Sie schneiden die Ränder unabhängig davon ab, warum ein Preis dort liegt. Ein Zoll oder ein Energieschock wirkt auf viele Güter zugleich und ist für Haushalte sehr real, kann aber als Ausreißer aus der Rechnung fallen. Verschiebt sich die Form der Preisverteilung, verschiebt sich auch die Verzerrung des getrimmten Maßes, ohne dass man es der Zahl ansieht. Die Dallas-Filiale selbst hat im Frühjahr 2026 zur Vorsicht gemahnt, weil die Schiefe der Verteilung die Aussagekraft gerade einschränkt.

Der schwerwiegendste Einwand ist aber institutioneller Natur, und er kommt aus der Notenbank-Debatte selbst. Wer den Maßstab wechselt, während er das alte Ziel verfehlt, riskiert den Verdacht, das Tor zu verschieben. Eine Notenbank arbeitet fast ausschließlich mit Glaubwürdigkeit. Ist erst der Eindruck da, dass die Zahl an das gewünschte Ergebnis angepasst wird, hilft auch das methodisch bessere Maß nicht mehr. Dieses Risiko ist der stärkste Grund, an einem unbequemen Maß festzuhalten, selbst wenn ein anderes technisch überlegen wäre.

Was das für Anleger heißt

Der praktische Ertrag dieser Analyse ist eine Lesegewohnheit. Wenn eine Schlagzeile eine Inflationszahl nennt, steht darin nicht die Inflation, sondern ein bestimmtes Maß davon, zu einem bestimmten Monat, nach einem bestimmten Verfahren. Die drei Fragen dazu sind immer dieselben. Welches Verfahren, welcher Monat, Gesamtrate oder Kernrate. Ohne diese drei Angaben lassen sich zwei Zahlen nicht vergleichen, und der Abstand von einem vollen Prozentpunkt zwischen den aktuellen amerikanischen Werten zeigt, wie groß der Fehler dabei werden kann.

Für ein breit gestreutes Depot ist der Übertragungsweg der Zins. Das gewählte Maß bestimmt, wie weit eine Notenbank sich von ihrem Ziel entfernt sieht, und daraus folgen die Erwartungen an den künftigen Leitzins. Diese Erwartungen bewegen die Renditen der Staatsanleihen, und über die Abzinsung künftiger Gewinne wirken sie auf die Bewertung von Aktien, besonders bei Werten, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen. Deshalb ist eine Debatte über Messkonzepte kein akademisches Randthema, sondern etwas, das über den Zins in fast jeder Anlageklasse ankommt. Wie ein Zins vom Leitsatz bis zum langen Ende wandert, ist in unserer Einordnung zum Bauzins am langen Ende ausgeführt, die Grundlagen zur Rolle der Notenbank stehen im Erklärstück zu Zentralbanken und Leitzins.

Zwei Dinge gehören dabei zweiseitig gesehen. Ein neues Maß kann tatsächlich besser sein, denn die Kritik an der starren Herausnahme von Energie und Nahrungsmitteln ist alt und sachlich begründet. Und es kann zugleich Vertrauen kosten, wenn der Wechsel im falschen Moment kommt. Beides ist möglich, und welches Gewicht du dem einen oder anderen gibst, hängt davon ab, wie stark dein Depot von Zinserwartungen abhängt und wie lange dein Anlagehorizont ist. Diese Analyse beschreibt die Mechanik und die offenen Fragen. Welche Schlüsse du daraus für deine eigene Aufstellung ziehst, bleibt deine Entscheidung.

Quellen

  1. Consumer Price Index, Juni 2026 U.S. Bureau of Labor Statistics · behoerde ·
  2. Personal Income and Outlays, Mai 2026 U.S. Bureau of Economic Analysis · behoerde ·
  3. Trimmed Mean PCE Inflation Rate, Mai 2026 Federal Reserve Bank of Dallas · behoerde ·
  4. CPI rent and owners' equivalent rent (OER) questions and answers U.S. Bureau of Labor Statistics · behoerde ·
  5. What are trimmed mean and median inflation rates? And why does Kevin Warsh prefer them? Brookings Institution, Hutchins Center (Andrew Rosin und David Wessel) · wissenschaft ·
  6. Harmonisierter Verbraucherpreisindex, methodische Erläuterungen Statistisches Bundesamt (Destatis) · behoerde ·
  7. Berücksichtigung von selbstgenutztem Wohnen im Preisindex kann Glaubwürdigkeit der EZB stärken Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Wochenbericht · wissenschaft ·
  8. Warsh says he wants the Fed to adopt a new approach to measuring inflation Yahoo Finance · medien ·

Stand der Analyse: 29. Juli 2026, vormittags.

Wichtiger Hinweis zum Zeitpunkt: Dieser Text entstand vor der geldpolitischen Entscheidung der Federal Reserve am Abend des 29. Juli 2026 und vor der Veröffentlichung des Juni-Werts für das Preismaß der privaten Konsumausgaben am 30. Juli 2026. Er trifft bewusst keine Aussage über den Ausgang der Sitzung und keine Prognose für den Juni-Wert. Die beschriebene Mechanik, also der Unterschied zwischen den Messverfahren, ist von beidem unabhängig. Der im Text genannte Wert von 3,4 Prozent bezieht sich auf Mai 2026, weil der Juni-Wert zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht vorlag.

Zur Vergleichbarkeit der Zahlen: Die drei Kernmaße stammen aus unterschiedlichen Berichtsmonaten, weil die Behörden zu verschiedenen Terminen veröffentlichen. Der Verbraucherpreisindex liegt für Juni vor, das Preismaß der Konsumausgaben und dessen getrimmtes Mittel für Mai. Das ist bei jeder Nennung ausgewiesen. Ein Vergleich derselben Monate würde die Abstände leicht verschieben, an der Größenordnung und am Vorzeichen ändert er nichts.

Als Deutung gekennzeichnet: Die Erklärung des veränderten Abstands über die Preise für Mikrochips und den Ausbau von Rechenzentren stammt aus Analysen von Marktteilnehmern, nicht aus einer amtlichen Aufgliederung. Sie ist im Text ausdrücklich als offene Frage geführt.

Zu den Gewichtungsangaben: Die Bandbreiten für das Gewicht des Wohnens, also rund 30 bis 32 Prozent im Verbraucherpreisindex und rund 15 bis 18 Prozent im Preismaß der Konsumausgaben, sind gerundete Größenordnungen. Die exakten Gewichte werden jährlich angepasst und unterscheiden sich je nach Abgrenzung der Wohnkategorie.

Hinweis nach der Marktmissbrauchsverordnung: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

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