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Rekordgewinn beim größten Staatsfonds der Welt: warum der Rekord in Kronen steht und nicht in der Rendite

Stand 12. August 2026. Der norwegische Staatsfonds hat im ersten Halbjahr 9,4 Prozent Rendite erzielt, in seiner Rechnungswährung 1.753 Milliarden Kronen. Der Fonds selbst nennt das einen Rekord in Kronen, und dieses eine Wort trägt die ganze Einschränkung. Gewachsen ist der Fonds nämlich nur um 1.416 Milliarden, und was die Verwaltung selbst dazu beigetragen hat, sind 0,22 Prozentpunkte.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion14 Min LesezeitAktualisiert

Die Zerlegung in Zahlen

9,4 %
Rendite im ersten Halbjahr 2026
gemessen im Währungskorb des Fonds
1.753 Mrd.
rechnungsmäßiger Ertrag in Kronen
höchster Halbjahreswert der Fondsgeschichte
1.416 Mrd.
tatsächlicher Wertzuwachs in Kronen
337 Milliarden weniger als der Ertrag
0,22 Punkte
Abstand zur Vergleichsmarke im Halbjahr
der Teil, den die Verwaltung selbst verantwortet

Quelle: Norges Bank Investment Management, Pressemitteilung und Halbjahresbericht 2026, Stand 30. Juni 2026

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

Alle relevanten Zahlen des Themas gebündelt, für den schnellen Überblick. Die Details stehen im Text darunter.

ZahlBedeutung
9,4 %Rendite des Fonds im ersten Halbjahr 2026, gemessen im Währungskorb
13,0 %Rendite des Aktienteils, der mit 72,1 Prozent den Fonds dominiert
0,9 %Rendite des Anleiheteils, 25,8 Prozent des Fonds
3,0 % / −0,2 %unnotierte Immobilien und unnotierte erneuerbare Infrastruktur, zusammen 2,1 Prozent des Fonds
1.753 Mrd. Kronenrechnungsmäßiger Ertrag im Halbjahr, der höchste Halbjahreswert der Fondsgeschichte
−427 Mrd. KronenWertverlust aus der Aufwertung der Krone gegen mehrere Hauptwährungen
+89 Mrd. KronenZufluss aus dem Staatshaushalt im Halbjahr, nach Abzug der Kosten
1.416 Mrd. KronenWertzuwachs des Fonds im Halbjahr, also Ertrag minus Währung plus Zufluss
22.683 Mrd. KronenFondswert am 30. Juni 2026, rund 2 Billionen Euro zum EZB-Referenzkurs vom 11. August
−1,9 %Rendite im ersten Quartal 2026, das Halbjahr enthält also ein negatives Quartal
+0,22 / +0,01 PunkteAbstand zur Vergleichsmarke im Halbjahr und im ersten Quartal
6,86 %annualisierte Rendite seit 1998, bei 0,22 Prozentpunkten über der Vergleichsmarke
rund 7.100Unternehmen im Fonds, im Schnitt 1,5 Prozent aller börsennotierten Unternehmen weltweit
612 Mrd. Kronengrößte Einzelposition (Nvidia), vor Apple mit 522 und Alphabet mit 499

Quelle: Norges Bank Investment Management (Pressemitteilungen 12. August und 23. April 2026, Renditeseite, Bestandsliste) und Europäische Zentralbank (Referenzkurse), Stand August 2026

Was die Rekordzahl zu sagen scheint

1.753 Milliarden Kronen in sechs Monaten. Das ist eine Zahl, die sich von selbst erzählt, und sie erzählt eine Geschichte von Können. Der größte Staatsfonds der Welt, der formal Staatlicher Pensionsfonds Ausland heißt und in Norwegen schlicht der Ölfonds genannt wird, hat im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Ertrag seiner Geschichte eingefahren. Umgerechnet sind das rund 160 Milliarden Euro, gerechnet mit dem EZB-Referenzkurs vom 11. August. In sechs Monaten. Für ein Land mit gut fünfeinhalb Millionen Einwohnern. Die Zahl ist echt, sie stammt aus der Pressemitteilung des Fonds selbst, und niemand hat sie geschönt.

Trotzdem steht in derselben Pressemitteilung ein Wort, das die ganze Einschränkung trägt. Der Fonds überschreibt sein Ergebnis mit Rekordrendite in Kronen. Nicht mit Rekordrendite. Das Wort Kronen sieht aus wie eine Selbstverständlichkeit, schließlich rechnet ein norwegischer Fonds in norwegischen Kronen. Es ist aber keine Einheit, sondern eine Bedingung. Wer die Zahl ohne dieses Wort liest, liest etwas anderes, als der Fonds geschrieben hat.

Dahinter liegt eine Frage, die weit über diesen einen Fonds hinausgeht und die jeden betrifft, der Geld anlegt. Wenn du am Jahresende auf dein Depot schaust und es steht mehr darauf als am Anfang, dann hat diese Differenz mindestens drei Quellen. Was der Markt getan hat, was die Währung getan hat und was du selbst eingezahlt hast. Nur die erste ist Rendite. Und wenn jemand in deinem Namen anlegt, kommt eine vierte Frage dazu, nämlich was diese Person besser gemacht hat als eine Maschine, die stur den Index kauft. Der norwegische Halbjahresbericht beantwortet alle vier, weil er alle vier ausweist. Genau das macht ihn zum besten Anschauungsobjekt, das man für dieses Thema finden kann.

Ertrag, Währung, Zufluss und was am Ende übrig bleibt

Der Fonds weist vier Zahlen nebeneinander aus, und sie ergeben eine saubere Kette. Der rechnungsmäßige Ertrag betrug 1.753 Milliarden Kronen. Davon gingen 427 Milliarden wieder ab, weil die Krone im ersten Halbjahr gegen mehrere Hauptwährungen aufgewertet hat. Dazu kamen 89 Milliarden Zufluss aus dem Staatshaushalt, nach Abzug der Verwaltungskosten. Unter dem Strich ist der Fonds um 1.416 Milliarden Kronen gewachsen. Die Differenz zwischen dem Ertrag und dem tatsächlichen Zuwachs beträgt also 337 Milliarden Kronen, das sind rund 31 Milliarden Euro, die zwischen dem Ertrag und dem Wertzuwachs verschwinden.

Der Währungsposten ist dabei der interessanteste, weil er intuitiv in die falsche Richtung läuft. Eine starke Heimatwährung klingt nach guter Nachricht. Für diesen Fonds ist sie das Gegenteil, und der Grund steckt in seiner Bauweise. Der Ölfonds darf ausschließlich im Ausland investieren. Das ist kein Zufall und keine Renditeüberlegung, sondern eine Konstruktionsentscheidung. Würde Norwegen seine Öleinnahmen im eigenen Land anlegen, würde eine kleine Volkswirtschaft mit Geld geflutet, die Preise stiegen und die übrige Wirtschaft würde erdrückt. Der Fonds ist also von Gesetzes wegen ein reines Auslandsvermögen. Und ein reines Auslandsvermögen verliert an Kronenwert, sobald die Krone steigt, ganz ohne dass irgendein Kurs an irgendeiner Börse gefallen wäre.

Der Zufluss ist die dritte Zeile und die harmloseste, aber sie gehört ausdrücklich dazu. 89 Milliarden Kronen sind frisches Geld aus dem Staatshaushalt, kein Ertrag. Sie erhöhen den Fondswert und haben mit Anlageerfolg nichts zu tun. Das ist exakt derselbe Posten, der in jedem privaten Depot steht. Wer monatlich 300 Euro in einen Sparplan einzahlt, hat am Jahresende 3.600 Euro mehr auf dem Konto, bevor irgendein Kurs sich bewegt hat. Bei einem Sparplan fällt das niemandem schwer zu trennen, weil man die Einzahlung selbst überweist. Bei einem Fonds, der die Einzahlung in derselben Zeile wie den Ertrag stehen hat, fällt es sehr wohl schwer.

Die Grafik unten zeigt die vier Posten als Kette. Der erste Balken ist der Ertrag, der zweite zieht die Währung ab, der dritte legt den Zufluss drauf, der vierte ist, was übrig bleibt.

Wasserfall-Diagramm mit vier Balken. Der Ertrag von plus 1.753 Milliarden Kronen wird um 427 Milliarden Währungsverlust gekürzt, um 89 Milliarden Zufluss erhöht und ergibt einen Wertzuwachs von 1.416 Milliarden Kronen.
Norwegischer Staatsfonds, erstes Halbjahr 2026, alle Werte in Milliarden Kronen. Rechnungsmäßiger Ertrag, Währungseffekt aus der Aufwertung der Krone, Zufluss aus dem Staatshaushalt nach Kosten und der daraus folgende Wertzuwachs. Quelle Norges Bank Investment Management, Pressemitteilung vom 12. August 2026.

Zwei Zahlen im selben Bericht, zwei verschiedene Maßstäbe

Jetzt kommt die Stelle, an der die meisten Nachrechnungen scheitern, und sie ist lehrreicher als alles andere in diesem Bericht. Der Fonds war am Jahresanfang rund 21.267 Milliarden Kronen wert, das ergibt sich aus dem Halbjahreswert von 22.683 Milliarden minus dem Zuwachs von 1.416 Milliarden. Wer nun den Ertrag von 1.753 Milliarden durch diesen Anfangsbestand teilt, bekommt 8,2 Prozent. Der Fonds meldet aber 9,4 Prozent. Die beiden Zahlen passen nicht zusammen, und das ist kein Fehler auf einer der beiden Seiten.

Der Grund steht in der Methodenbeschreibung des Fonds, und er ist eine der wichtigsten Unterscheidungen für jeden, der Renditen vergleicht. Die 1.753 Milliarden sind ein Geldbetrag in Kronen. Die 9,4 Prozent sind eine zeitgewichtete Rendite (Time-Weighted Return), gemessen nicht in Kronen, sondern im Währungskorb des Fonds (Currency Basket), also in der gewichteten Mischung genau jener Währungen, in denen die Vergleichsmarke notiert. Der Fonds schreibt selbst, dass Schwankungen des Kronenkurses die in Kronen gemessene Rendite verändern, für die internationale Kaufkraft des Fonds aber ohne Bedeutung sind. Deshalb berichtet er standardmäßig im Währungskorb.

Das ist keine Rechenkosmetik, sondern die einzig sinnvolle Wahl für dieses Vermögen. Der Fonds soll irgendwann Renten und Staatsausgaben bezahlen, und er besitzt dafür Anteile an Unternehmen in aller Welt. Ob die Krone gerade stark oder schwach steht, ändert nichts daran, wie viele Nvidia-Aktien er hält oder wie viel Gewinn diese Unternehmen erwirtschaften. Es ändert nur die Zahl, die im norwegischen Rechnungswesen auftaucht. Der Währungskorb misst, was der Fonds international kaufen kann. Die Kronenzahl misst, wie er in Oslo aussieht.

Für dein eigenes Depot ist das exakt dieselbe Frage, nur mit anderen Vorzeichen. Ein Welt-ETF hält überwiegend Papiere in Dollar. Steigt der Euro, sinkt dein Depotwert in Euro, obwohl kein einziger Kurs gefallen ist. Steigt der Dollar, gewinnst du in Euro, ohne dass ein Unternehmen mehr verdient hätte. Wer wissen will, wie seine Anlage wirklich gelaufen ist, muss diese zwei Effekte auseinanderhalten, und die meisten Depotauszüge helfen dabei nicht. Wie der Wechselkurs sich durch die Zahlen zieht, steht ausführlich in unserem Wissensartikel zu Wechselkursen.

Warum ein Rekord in Kronen fast von selbst kommt

Ein Ertrag in Geldeinheiten ist Rendite mal Bestand. Diese Formel klingt banal, aber sie entscheidet darüber, wie viel eine Rekordmeldung überhaupt wert ist. Wenn der Bestand über die Jahre wächst, dann liefert dieselbe prozentuale Rendite jedes Mal einen größeren absoluten Betrag. Ein Fonds, der dauerhaft Zuflüsse bekommt und im Schnitt positive Renditen erzielt, produziert deshalb in regelmäßigen Abständen neue Geldrekorde, ohne dass er in irgendeinem Sinn besser geworden wäre.

Die Größenordnung dieses Effekts lässt sich beim Ölfonds ablesen. Der Fondswert überschritt 2019 die Marke von 10.000 Milliarden Kronen und 2024 die von 20.000 Milliarden. Zum 30. Juni 2026 stehen 22.683 Milliarden in den Büchern. Der Bestand hat sich in sieben Jahren also gut verdoppelt. Damit hat sich auch verdoppelt, welchen Kronenbetrag ein Halbjahr mit 9,4 Prozent abwirft. Hätte der Fonds im ersten Halbjahr 2019 dieselben 9,4 Prozent erzielt, wäre der Kronenbetrag ungefähr halb so groß ausgefallen, und niemand hätte von einem Rekord gesprochen. Die Rendite wäre dieselbe gewesen.

Deshalb ist ein Geldrekord bei einem wachsenden Vermögen die schwächste aller Erfolgsmeldungen. Er ist nicht falsch, er ist nur fast unvermeidlich. Genau aus diesem Grund misst die Finanzbranche Anlageerfolg in Prozent und nicht in Beträgen, und genau aus diesem Grund hat der Fonds das Wort Kronen in seine eigene Überschrift geschrieben. Er weiß, dass die absolute Zahl beeindruckt und wenig aussagt. Wer sie ohne die Einschränkung weitergibt, macht aus einer korrekten Angabe eine schiefe Botschaft.

Der Test dafür ist einfach und funktioniert bei jeder Rekordmeldung über Geldbeträge. Frag, ob die Bezugsgröße im selben Zeitraum gewachsen ist. Bei einem Staatsfonds mit laufenden Zuflüssen ist die Antwort immer ja. Bei einem Konzern, der Aktien zurückkauft, kann sie nein lauten, und dann ist ein Gewinnrekord tatsächlich eine Aussage. Der Unterschied kostet einen Satz Nachdenken und entscheidet darüber, ob eine Zahl eine Nachricht ist.

Das Halbjahr enthält ein negatives Quartal

Zur Einordnung gehört ein Detail, das in der Halbjahreszahl vollständig verschwindet. Im ersten Quartal 2026 lag die Rendite des Fonds bei minus 1,9 Prozent. Die Aktien verloren 2,6 Prozent, die Anleihen 0,2 Prozent, und der Fondswert fiel um 1.270 Milliarden Kronen. Als Begründung nannte der stellvertretende Vorstandschef Trond Grande damals vor allem den Rückgang bei großen US-Technologiewerten. Am 31. März stand der Fonds bei 19.998 Milliarden Kronen.

Drei Monate später steht er bei 22.683 Milliarden. Das Halbjahresergebnis von plus 9,4 Prozent besteht also aus einem klar negativen und einem sehr starken Quartal, und in der zusammengefassten Zahl ist von diesem Verlauf nichts mehr zu sehen. Das ist keine Manipulation, es ist die Natur jeder Periodenzahl. Sie berichtet über einen Anfangs- und einen Endpunkt, nicht über den Weg dazwischen. Wer aus einer Halbjahreszahl auf einen ruhigen Aufwärtsverlauf schließt, hat eine Annahme getroffen, die in den Daten nicht steht.

Auch der Währungsposten sieht auf Quartalsebene anders aus als im Halbjahr. Im ersten Quartal kostete die Aufwertung der Krone 646 Milliarden Kronen. Über das gesamte Halbjahr sind es nur noch 427 Milliarden. Das heißt, im zweiten Quartal hat die Währung dem Fonds rund 219 Milliarden zurückgegeben, sie lief also in die andere Richtung. Aus dem Halbjahreswert allein ließe sich das nicht erkennen, und wer daraus einen Trend der Kronenstärke ableiten wollte, läge falsch. Eine Nettozahl über einen Zeitraum sagt nichts darüber, ob die Bewegung dahinter in eine Richtung lief oder hin und her.

Das ist derselbe Denkfehler, der bei jedem Zeitreihen-Vergleich lauert. Die Differenz zwischen zwei Endpunkten ist keine Beschreibung der Bewegung dazwischen. Sie kann eine ruhige Entwicklung abbilden oder einen tiefen Einbruch mit anschließender Erholung, und beide sehen in der Endzahl identisch aus.

Das eigentliche Signal sind 0,22 Prozentpunkte

Wenn die Geldzahl vom Bestand kommt und die Prozentzahl vom Markt, was bleibt dann als Leistung der Verwaltung? Genau eine Zahl, und der Fonds weist sie aus. Die Rendite lag 0,22 Prozentpunkte über der Vergleichsmarke, die das norwegische Finanzministerium festlegt. Diese Größe heißt Zusatzrendite, international relative return, und sie ist die einzige im ganzen Bericht, die etwas über die Arbeit der rund 700 Leute aussagt, die diesen Fonds verwalten. Die anderen gut neun Prozentpunkte kamen aus dem Markt und hätte im Grundsatz auch ein Indexfonds eingesammelt, abzüglich seiner eigenen Kosten und der Abweichung, die beim Nachbilden entsteht.

0,22 Prozentpunkte klingen nach nichts. Auf einem Bestand von gut 21.000 Milliarden Kronen sind es überschlägig rund 47 Milliarden Kronen, also gut vier Milliarden Euro in sechs Monaten. Das ist ein ernstzunehmender Betrag, und er zeigt zugleich, warum große Anleger um Zehntelprozentpunkte kämpfen. Bemerkenswert ist außerdem, dass der Fonds seit 1998 im Mittel ebenfalls 0,22 Prozentpunkte über seiner Vergleichsmarke liegt, bei einer annualisierten Rendite von 6,86 Prozent. Über achtundzwanzig Jahre hinweg ist das ein bemerkenswert stabiler und bemerkenswert kleiner Vorsprung.

Für den Vergleich mit dem eigenen Depot ist an dieser Stelle ein Vorbehalt nötig, sonst zieht man die falsche Lehre. Die Vergleichsmarke des Fonds ist kein handelsüblicher Weltindex. Sie beruht auf Bausteinen der FTSE Group für Aktien und von Bloomberg für Anleihen, sie wird vom Finanzministerium zugeschnitten, sie enthält einen Anleiheteil von gut einem Viertel, und aus ethischen Gründen ausgeschlossene Unternehmen fehlen darin. Wer die 9,4 Prozent direkt neben die Halbjahresrendite seines Welt-ETF legt, vergleicht zwei verschiedene Körbe. Die Mechanik der Zerlegung überträgt sich, die konkrete Zahl nicht.

Was sich sehr wohl überträgt, ist die Frage. Bei jedem aktiv verwalteten Produkt gibt es genau eine Zahl, die die Arbeit des Verwalters beschreibt, und das ist der Abstand zum passenden Vergleichsindex nach Kosten. Alles andere im Verkaufsprospekt beschreibt den Markt. Ein Fonds, der in einem guten Jahr 18 Prozent gemacht hat, während sein Index 20 Prozent gemacht hat, hat Geld gekostet und nicht verdient, egal wie die absolute Zahl aussieht.

Der faire Gegenpunkt

Gegen diese ganze Argumentation lässt sich etwas Gewichtiges einwenden, und es wäre unredlich, das zu übergehen. Die Kronenzahl ist für Norwegen nicht die unwichtigere, sondern die entscheidende Größe. Der norwegische Staatshaushalt rechnet in Kronen, und die sogenannte Handlungsregel erlaubt der Regierung, jährlich einen begrenzten Anteil des Fondswertes für den Haushalt zu entnehmen. Bemessungsgrundlage dafür ist der Fondswert in Kronen. Für die Frage, wie viele Krankenhäuser Norwegen nächstes Jahr bauen kann, ist die Kronenzahl also genau die richtige, und der Währungskorb wäre die akademische Größe.

Damit stehen zwei legitime Maßstäbe nebeneinander, und keiner ist der wahre. Wer wissen will, wie gut der Fonds angelegt hat, muss im Währungskorb rechnen und gegen die Vergleichsmarke messen. Wer wissen will, was Norwegen sich leisten kann, muss in Kronen rechnen. Die beiden Fragen haben unterschiedliche Antworten, und der Fonds beantwortet beide, indem er beide Zahlen veröffentlicht. Der Fehler entsteht erst, wenn eine Zahl die Frage der anderen beantworten soll.

Auch der zweite mögliche Einwand hat etwas für sich. 0,22 Prozentpunkte als Maß der Leistung zu nehmen unterschätzt die Arbeit, die darin steckt, ein Vermögen dieser Größe überhaupt marktnah anzulegen. Ein Fonds, der 1,5 Prozent aller börsennotierten Unternehmen der Welt hält, kann nicht einfach kaufen und verkaufen wie ein Privatanleger. Er bewegt mit jeder Order den Preis gegen sich. Dass er über achtundzwanzig Jahre überhaupt nicht hinter seiner Vergleichsmarke liegt, ist unter dieser Bedingung bereits eine Leistung, und sie taucht in keiner der Zahlen auf, über die hier gestritten wird.

Was das für Anleger heißt

Der praktische Nutzen dieses Berichts liegt nicht in seiner Zahl, sondern in seiner Gliederung. Der Fonds macht öffentlich, was jeder Depotauszug verschweigt, nämlich die Trennung von Ertrag, Währungseffekt, Einzahlung und Zusatzrendite. Wer das einmal an einem fremden Vermögen nachvollzogen hat, sieht es im eigenen Depot leichter. Die vier Fragen lauten, wie viel der Markt gebracht hat, was die Währung damit gemacht hat, wie viel davon meine eigene Einzahlung war und ob jemand, dem ich dafür etwas zahle, besser war als ein Index.

Die Ähnlichkeit zum eigenen Depot ist dabei größer, als es der Größenunterschied vermuten lässt. Der Fonds hält Anteile an rund 7.100 Unternehmen und im Schnitt 1,5 Prozent aller börsennotierten Unternehmen weltweit. Seine größten Positionen sind Nvidia mit 612 Milliarden Kronen, Apple mit 522, Alphabet mit 499, Microsoft mit 347, TSMC mit 332 und Amazon mit 315. Das ist im Wesentlichen dieselbe Spitze, die auch in einem breiten Welt-ETF ganz oben steht. Wer einen solchen ETF bespart, hat eine sehr ähnliche Konzentration im Depot, und wie stark die inzwischen ist, haben wir in unserer Analyse zur Konzentration im Welt-ETF durchgerechnet. Wie breit ein Welt-ETF wirklich streut, steht im Wissensartikel zum Klumpenrisiko.

Für den Umgang mit Rekordmeldungen folgt daraus eine Prüfroutine, die in den meisten Fällen genügt. Steht der Rekord in einer Währung oder in Prozent? Ist die Bezugsgröße im selben Zeitraum gewachsen? Enthält der Zeitraum Einzahlungen, die keine Rendite sind? Und wird die Zahl in derselben Einheit gemessen wie die Vergleichsgröße, gegen die sie gestellt wird? Vier Fragen, die sich in wenigen Minuten beantworten lassen, wenn die Quelle sie ausweist, und die man sich sparen kann, wenn sie es nicht tut.

Was aus alldem für die eigene Anlage folgt, entscheidet dieser Text ausdrücklich nicht. Weder die Höhe des Aktienanteils noch die Frage, ob eine Währungsabsicherung sinnvoll ist, noch die Wahl zwischen aktiv und passiv verwalteten Produkten lassen sich aus einem Halbjahresbericht ableiten. Sie hängen am eigenen Anlagehorizont, an der Risikotragfähigkeit und an der steuerlichen Lage. Dieser Bericht liefert kein Argument für oder gegen eine dieser Entscheidungen. Er liefert die Gliederung, in der man sie sauber diskutieren kann.

Quellen

  1. Record high krone return in the first half of the year Norges Bank Investment Management · pressemitteilung ·
  2. Negative return in the first quarter Norges Bank Investment Management · pressemitteilung ·
  3. Fund returns (Renditeübersicht des Fonds) Norges Bank Investment Management · statistik ·
  4. Methodology for the calculation of returns Norges Bank Investment Management · bericht ·
  5. The fund (Bestand, Beteiligungsquote und größte Positionen) Norges Bank Investment Management · statistik ·
  6. Euro-Referenzkurse der EZB vom 11. August 2026 Europäische Zentralbank · statistik ·

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Sämtliche Zahlen zu Rendite, Ertrag, Währungseffekt, Zufluss und Fondswert stammen aus den Pressemitteilungen und dem Halbjahresbericht von Norges Bank Investment Management, die Methodenangaben aus dessen veröffentlichter Renditemethodik, die Euro-Umrechnung aus den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank.

Stand der Daten

Alle Angaben beziehen sich auf den Stichtag 30. Juni 2026, veröffentlicht am 12. August 2026. Der Fondswert ändert sich börsentäglich. Der Anfangsbestand zum 31. Dezember 2025, die Quartalsaufteilung des zweiten Quartals und die überschlägige Umrechnung der Zusatzrendite in Kronen sind eigene Berechnungen aus veröffentlichten Werten und als solche im Text kenntlich gemacht.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

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