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Schwellenländer-ETF: warum darin mehr Technik steckt als im Welt-Index

Stand 6. August 2026. Der koreanische Leitindex verlor an diesem Donnerstag 4,6 Prozent, der japanische am selben Tag weniger als ein Prozent, und ausgelöst hatte beides dieselbe Nachricht aus Amerika. Der Unterschied steckt in der Zusammensetzung. Wer Schwellenländer als Gegengewicht zum Welt-ETF hält, hält nach den aktuellen Indexdaten mehr Informationstechnik, als er im Welt-ETF ohnehin schon hat.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion13 Min Lesezeit

Die Zerlegung in Zahlen

40,79 %
Informationstechnik im Schwellenländer-Index
28,87 %
Informationstechnik im Welt-Index
28,23 %
Anteil der drei größten Positionen, alle Halbleiter
46,96 %
Taiwan und Südkorea zusammen

Quelle: MSCI Emerging Markets und MSCI World Index Factsheets, Stand 31. Juli 2026

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

Alle relevanten Zahlen des Themas gebündelt, für den schnellen Überblick. Die Herleitung steht im Text.

ZahlBedeutung
1.178Titel im MSCI Emerging Markets, aus 24 Ländern, Stand 31. Juli 2026
40,79 %Informationstechnik im Schwellenländer-Index, die mit Abstand größte Branche
28,87 %Informationstechnik im MSCI World zum selben Stichtag
19,98 %Finanzwerte im Schwellenländer-Index, die zweitgrößte Branche
26,63 %Taiwan, das schwerste Land im Index
20,33 %Südkorea, zusammen mit Taiwan 46,96 Prozent
21,38 %China, seit Jahren nicht mehr der größte Block
15,46 %TSMC allein, die größte Einzelposition
7,20 %Samsung Electronics, Stammaktie
5,57 %SK Hynix
38,12 %die zehn größten Positionen zusammen, sieben davon Informationstechnik
32,45 %Technik-Anteil eines Depots aus 70 Prozent Welt und 30 Prozent Schwellenländern
+36,44 %Schwellenländer-Index auf zwölf Monate, Stand 31. Juli 2026
+20,41 %Welt-Index im selben Zeitraum
9,19 %Schwellenländer-Index über zehn Jahre pro Jahr, gegen 12,73 Prozent beim Welt-Index
65,25 %größter Rückgang des Schwellenländer-Index seit 2001, Oktober 2007 bis Oktober 2008

Quelle: MSCI Emerging Markets und MSCI World Index Factsheets, Stand 31. Juli 2026

Zwei Börsen, ein Auslöser, sehr verschiedene Ausschläge

Am Donnerstag, dem 6. August 2026, schloss der koreanische Leitindex Kospi rund 4,6 Prozent tiefer bei etwa 6.295 Punkten. Zwischenzeitlich lag er über fünf Prozent im Minus, was an der Börse in Seoul eine Schutzvorrichtung auslöste, die Verkaufsprogramme vorübergehend anhält. Ausländische Anleger gaben an diesem Tag netto Aktien im Wert von rund 1,9 Billionen Won ab, umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Dollar. Der Auslöser lag nicht in Korea. Am Vorabend hatten amerikanische Halbleiter- und Softwarewerte nachgegeben, weil mehrere Quartalsberichte die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllten. Diese Bewegung lief über Nacht nach Asien weiter.

Am selben Tag verlor der japanische Nikkei 225 weniger als ein Prozent und schloss bei rund 65.683 Punkten. Beide Börsen liegen in derselben Zeitzone, beide reagieren auf dieselbe amerikanische Sitzung, beide gelten als exportabhängig. Trotzdem trennen sie an diesem Tag mehr als dreieinhalb Prozentpunkte. Der Unterschied liegt nicht in einer Nachricht, die nur Korea betraf. Er liegt darin, was in den beiden Indizes drinsteckt.

Ein einzelner Handelstag wäre für sich genommen wenig aussagekräftig, deshalb lohnt der Blick auf den Monat davor. Über die vier Wochen bis zum 6. August verlor der koreanische Index rund 17,8 Prozent, der japanische rund 3,8 Prozent. Der Abstand ist über den längeren Zeitraum also nicht kleiner, sondern größer. Und beide Indizes stehen dabei auf Jahressicht weiterhin deutlich im Plus, der koreanische sogar rund 95 Prozent über dem Vorjahreswert. Es geht hier also nicht um einen Absturz, sondern um die Frage, warum zwei Nachbarmärkte auf denselben Auslöser so unterschiedlich stark reagieren.

Genau an dieser Stelle wird der Tag interessant für jemanden, der weder koreanische noch japanische Aktien einzeln hält. Denn der Kospi ist kein exotischer Nebenschauplatz. Südkorea ist einer der beiden schwersten Blöcke im gängigen Schwellenländer-Index, und dieser Index steckt in fast jedem Sparplan, der breiter aufgestellt sein will als der reine Welt-ETF. Was am Donnerstag in Seoul passiert ist, beschreibt eine Eigenschaft dieses Bausteins, die den meisten Anlegern nicht bewusst ist.

Vierundzwanzig Länder, 1.178 Titel, drei Namen

Der MSCI Emerging Markets Index, kurz MSCI EM, ist der Standard für diesen Baustein. Er hielt zum 31. Juli 2026 genau 1.178 Titel aus 24 Ländern und deckt damit rund 85 Prozent des frei handelbaren Börsenwerts in jedem dieser Länder ab. Die Länderliste reicht von Brasilien und Chile über Ägypten, Griechenland und Ungarn bis Katar, Saudi-Arabien, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf dem Etikett steht also eine ziemlich große Landkarte.

Sieht man in den Index hinein, wird die Landkarte mit jedem Blickwinkel kleiner. Nach Ländern wiegen Taiwan mit 26,63 Prozent und Südkorea mit 20,33 Prozent zusammen 46,96 Prozent, also fast die Hälfte. China folgt mit 21,38 Prozent, Indien mit 11,66 Prozent, Brasilien mit 4,15 Prozent. Für die übrigen 19 Länder zusammen bleiben 15,85 Prozent. Nach Branchen ist Informationstechnik mit 40,79 Prozent die mit Abstand größte, danach kommen Finanzwerte mit 19,98 Prozent, zyklischer Konsum mit 8,55 Prozent und Kommunikation mit 6,6 Prozent. Und nach einzelnen Positionen tragen TSMC mit 15,46 Prozent, Samsung Electronics mit 7,20 Prozent und SK Hynix mit 5,57 Prozent zusammen 28,23 Prozent. Alle drei bauen Halbleiter, alle drei sitzen in Taiwan oder Südkorea.

Das ist die Zerlegung, um die es geht. Von 1.178 Titeln aus 24 Ländern bleiben, wenn man nach dem Risiko statt nach der Zahl schaut, drei Namen aus einer Branche in zwei Ländern für gut ein Viertel des Ganzen. Die zehn größten Positionen zusammen stehen für 38,12 Prozent, und sieben davon sind Informationstechnik. Warum der Kospi am Donnerstag 4,6 Prozent verlor und der Nikkei knapp ein Prozent, lässt sich damit ohne weitere Nachricht erklären. In Korea hängt ein sehr großer Teil des Index an zwei Speicherchip-Herstellern.

Drei waagerechte Balken zeigen denselben Schwellenländer-Index aus drei Blickwinkeln. Nach Ländern wiegen Taiwan und Südkorea zusammen 46,96 Prozent, nach Branchen Informationstechnik 40,79 Prozent, nach Einzelpositionen tragen TSMC, Samsung und SK Hynix zusammen 28,23 Prozent.
Jeder Balken stellt denselben Index als volle 100 Prozent dar, nur nach einem anderen Merkmal geordnet. Blau markiert jeweils den Teil mit Halbleiter-Bezug. Quelle MSCI Emerging Markets Index Factsheet, Stand 31. Juli 2026.

Der Baustein für die Streuung hat mehr Technik als das, was er streuen soll

Die verbreitete Begründung für eine Schwellenländer-Beimischung geht ungefähr so. Der Welt-ETF ist amerikanisch und technologielastig geworden, also nimmt man Schwellenländer dazu, um etwas anderes im Depot zu haben. Diese Begründung war lange richtig. Sie stimmt heute nicht mehr, und das lässt sich an einer einzigen Gegenüberstellung zeigen.

Zum 31. Juli 2026 hielt der MSCI World 28,87 Prozent Informationstechnik. Der MSCI Emerging Markets hielt zum selben Stichtag 40,79 Prozent. Der Baustein, mit dem viele die Technik im Depot verdünnen wollen, trägt fast zwölf Prozentpunkte mehr Technik als das, was verdünnt werden soll. Das ist keine Feinheit, es dreht die Wirkung um.

Rechne es an der gängigsten Aufteilung durch, siebzig Prozent Welt und dreißig Prozent Schwellenländer. Der Technik-Anteil dieser Mischung ist 0,7 mal 28,87 plus 0,3 mal 40,79, also 32,45 Prozent. Wer statt eines reinen Welt-ETF diese Mischung hält, hat danach 3,58 Prozentpunkte mehr Informationstechnik im Depot, nicht weniger. Bei 30.000 Euro Depotwert sind das rund 9.734 Euro in Technik statt 8.661 Euro, also gut 1.070 Euro mehr, obwohl der Zweck der Beimischung das Gegenteil war.

Noch enger wird es bei den einzelnen Namen. In derselben Mischung stecken über den Schwellenländer-Teil 4,64 Prozent des Depots in TSMC, 2,16 Prozent in Samsung Electronics und 1,67 Prozent in SK Hynix. Über den Welt-Teil kommen 3,63 Prozent Nvidia und 1,37 Prozent Broadcom dazu. Allein diese fünf Halbleiterfirmen tragen dann rund 13,5 Prozent des gesamten Depots, und weitere Chipwerte in beiden Indizes sind dabei noch nicht mitgezählt.

Was die Beimischung mit dem Technik-Anteil macht

Eigene Berechnung aus den beiden Sektorgewichten. Die Eurobeträge beziehen sich auf 30.000 Euro Depotwert.

DepotAnteil Informationstechnikbei 30.000 Euro
100 Prozent Welt-Index28,87 %8.661 Euro
70 Prozent Welt, 30 Prozent Schwellenländer32,45 %9.734 Euro
100 Prozent Schwellenländer-Index40,79 %12.237 Euro

Quelle: MSCI Emerging Markets und MSCI World Index Factsheets, Stand 31. Juli 2026

Vor knapp zwanzig Jahren war das ein Rohstoff-Index

Diese Zusammensetzung ist neu, und niemand hat sie beschlossen. Im Juni 2008 machten Energie und Rohstoffe zusammen rund 40 Prozent des Schwellenländer-Index aus, Informationstechnik lag bei etwa zehn Prozent. Bis Ende 2020 war das Verhältnis schon halb gedreht, Energie und Rohstoffe auf rund zwölf, Technik auf rund zwanzig Prozent. Heute stehen Energie mit 3,45 und Rohstoffe mit 5,74 Prozent zusammen bei 9,19 Prozent, während Informationstechnik bei 40,79 liegt. Wer vor fünfzehn Jahren Schwellenländer kaufte, kaufte tatsächlich etwas anderes als den amerikanischen Markt, nämlich Öl, Erz und Banken.

Verantwortlich ist die Rechenregel des Index, nicht eine Entscheidung. Ein nach Börsenwert gewichteter Index gibt jedem Unternehmen genau den Anteil, den sein frei handelbarer Börsenwert an der Summe aller hat. Steigt ein Kurs, steigt das Gewicht, ganz von selbst und ohne Kauf. Die Verschiebung von Öl zu Halbleitern ist also nichts anderes als das Protokoll dessen, was der Markt in diesen achtzehn Jahren höher und was er niedriger bewertet hat. Wie dieselbe Regel im Welt-Index wirkt, steht in Dein Welt-ETF ist eine KI-Wette.

Der Verlauf der Jahresrenditen zeichnet die Drehung nach. Von 2013 bis 2015 lag der Schwellenländer-Index dreimal in Folge hinter dem Welt-Index und verlor 2015 fast fünfzehn Prozent, während der Welt-Index nahezu unverändert blieb. Das war die Phase, in der Rohstoffpreise und chinesisches Wachstum nachgaben. Seit 2025 läuft es andersherum, 33,57 Prozent für die Schwellenländer gegen 21,09 Prozent für den Welt-Index, und im laufenden Jahr bis Ende Juli 20,04 gegen 10,26 Prozent. Angetrieben hat das derselbe Halbleiterzyklus, der jetzt für die Rückschläge sorgt.

Das eigentliche Signal ist nicht die Konzentration, sondern der gemeinsame Auslöser

Ein Index darf konzentriert sein, ohne dass daraus ein Problem für die Streuung wird. Entscheidend ist, ob er sich auf dieselben Nachrichten bewegt wie der Rest des Depots. Genau das hat der 6. August gezeigt. Es war keine koreanische Nachricht, die den Kospi 4,6 Prozent kostete, sondern eine amerikanische Handelssitzung. Und dieselbe Sitzung bewegt über Nvidia und Broadcom auch den Welt-Teil des Depots.

Damit ist die Frage nach der Streuung falsch gestellt, solange man sie über Länder stellt. Ein Depot streut nicht, weil die Papiere darin an verschiedenen Börsen notieren, sondern weil sie auf verschiedene Ereignisse verschieden reagieren. Taiwan, Südkorea und der amerikanische Technologiesektor hängen an demselben Nachfragezyklus für Rechenleistung. Sie sitzen auf drei Kontinenten und in drei Währungen, aber sie beantworten dieselbe Frage, nämlich wie viel in Rechenzentren investiert wird. Der Begriff dafür heißt Klumpenrisiko, und wie es im Welt-ETF entsteht, steht ausführlich in ETF-Klumpenrisiko.

Es lohnt sich, an dieser Stelle nicht zu übertreiben, und zwar in zwei Richtungen. Der Schwellenländer-Index enthält auch 19,98 Prozent Finanzwerte, indische Banken, brasilianische Rohstoffkonzerne, saudische Energieunternehmen und chinesische Versicherer. Diese Teile haben mit dem Halbleiterzyklus wenig zu tun, und sie sind der Grund, warum der Index an einem Chip-Tag nicht so stark fällt wie der Kospi allein. Die Aussage lautet also nicht, dass die Beimischung nichts bringt. Sie lautet, dass sie deutlich weniger anderes ins Depot holt, als das Etikett vermuten lässt.

Und ein methodischer Vorbehalt gehört dazu, weil er die Reichweite dieser Aussage begrenzt. Ein einzelner Handelstag und ein Monatsvergleich sind kein Nachweis dafür, wie stark sich zwei Indizes dauerhaft im Gleichschritt bewegen. Dafür bräuchte es eine Messung des Gleichlaufs über Jahre, und die ist hier nicht angestellt. Was die Indexgewichte allein zeigen, ist etwas Schwächeres, aber Robusteres. Sie sagen, wie viel des Geldes auf dieselbe Frage gesetzt ist. Ob sich daraus an einem bestimmten Tag ein Gleichlauf ergibt, hängt zusätzlich davon ab, was die Nachricht des Tages ist.

Zwei Vorbehalte, die den Unterschied ausmachen

Bevor jemand diese Zahlen auf sein eigenes Depot überträgt, gehören zwei Einschränkungen dazu, und die erste ist groß. Nicht jeder Schwellenländer-Fonds folgt dem MSCI Emerging Markets. Der zweite große Indexanbieter FTSE Russell stuft Südkorea seit 2009 als Industrieland ein und nicht als Schwellenland. In einem Fonds auf den FTSE Emerging fehlen Samsung und SK Hynix deshalb vollständig, und der Technik-Anteil fällt spürbar niedriger aus. Wer diesen Text auf sein Depot anwenden will, muss also zuerst nachsehen, welchem Index sein Fonds folgt. Das steht im Namen des Fonds und im Factsheet.

Die zweite Einschränkung ist kleiner, aber sie erklärt Abweichungen von ein paar Zehnteln. Ein börsengehandelter Fonds bildet den Index ab, er ist nicht der Index. Die Gewichte im Fonds weichen durch den Zeitpunkt der Anpassung, durch Bargeldbestände und durch die Abbildungsmethode leicht ab. Dazu kommen die IMI-Varianten, die zusätzlich kleine Unternehmen enthalten und die hier genannten Gewichte dadurch etwas verdünnen, an der Grundaussage aber nichts ändern.

Die Zahlen in diesem Text stammen aus den Factsheets von MSCI zum 31. Juli 2026 und beschreiben zwei bestimmte Indizes zu einem bestimmten Stichtag. Bei einer Branche, die knapp 41 Prozent eines Index ausmacht, verschieben schon wenige Wochen Kursbewegung das Gewicht um mehr als einen Punkt. Die Größenordnung ist stabil, die zweite Nachkommastelle nicht.

Warum ein Index das tut, ganz nüchtern

Es wäre falsch, daraus einen Vorwurf an die Indexkonstruktion zu machen. Die Gewichtung nach Börsenwert löst ein echtes Problem, und sie löst es gut. Sie ist die einzige Gewichtung, die alle Anleger gleichzeitig halten können, denn sie bildet ab, wie das Kapital tatsächlich verteilt ist. Sie verursacht kaum Handelskosten, weil steigende Gewichte von selbst entstehen und nicht nachgekauft werden müssen. Und sie enthält keine Meinung darüber, welche Branche als Nächstes läuft, was sie gegen den Irrtum des Fondsmanagers immun macht. Das ist der Grund, warum sie sich durchgesetzt hat, und dieser Grund ist gut.

Der Preis dieser Ehrlichkeit ist genau das, was hier zu sehen ist. Ein Index, der den Markt spiegelt, spiegelt auch dessen Vorlieben. Verliebt sich der Markt über Jahre in ein Thema, wandert dieses Thema in den Index, ohne dass jemand eine Entscheidung getroffen hätte. Der Anleger hat nichts falsch gemacht, der Index hat nichts falsch gemacht, und trotzdem hält der Anleger am Ende etwas anderes als das, was er kaufen wollte. Streuung ist bei dieser Konstruktion ein Nebenprodukt, kein Konstruktionsziel.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz, die nichts mit Kaufen oder Verkaufen zu tun hat. Ein Etikett wie Schwellenländer beschreibt, wo die Unternehmen ihren Sitz haben. Es beschreibt nicht, woran sie verdienen. Solange beides zusammenfiel, war das Etikett brauchbar. Seit ein einziger globaler Nachfragezyklus quer durch alle Regionen läuft, fällt es auseinander, und wer weiter nach Regionen denkt, misst etwas, das die Bewegung seines Depots nicht mehr erklärt.

Der faire Gegenpunkt

Das stärkste Argument gegen diesen Text ist die Rendite, und es ist ein gutes Argument. Die Konzentration, die hier als Risiko beschrieben wird, war zuletzt genau der Grund für die Mehrrendite. Auf zwölf Monate zum 31. Juli 2026 legte der Schwellenländer-Index 36,44 Prozent zu, der Welt-Index 20,41 Prozent. Im Kalenderjahr 2025 waren es 33,57 gegen 21,09 Prozent. Wer die Beimischung hatte, hat besser abgeschnitten, und zwar wegen der Halbleiter, nicht trotz ihnen. Auch die Bewertung spricht nicht gegen diesen Baustein, das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag bei 17,72 gegen 24,25 im Welt-Index.

Dazu kommt ein zweites, ehrliches Argument. Wer Konzentration vermeiden will, muss sie durch etwas ersetzen, und jede Alternative hat ihren eigenen Preis. Eine Gleichgewichtung erzeugt laufende Handelskosten und kippt das Depot in kleinere Unternehmen. Ein aktiv gesteuerter Fonds ersetzt die Regel durch eine Meinung und kostet mehr. Wer den Schwellenländer-Teil ganz weglässt, hat danach ein Depot, das noch stärker an den Vereinigten Staaten hängt, die im Welt-Index bei 72,03 Prozent stehen. Es gibt hier keine Variante ohne Nachteil.

Der Gegenpunkt trägt weit, und er endet an einer einzigen Stelle. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Die Konzentration hat die Rendite gebracht, und sie ist derselbe Grund, warum das Depot an einem Tag wie dem 6. August an zwei Stellen gleichzeitig nachgibt. Über zehn Jahre zeigt die andere Seite dieser Medaille, dort steht der Schwellenländer-Index bei 9,19 Prozent pro Jahr gegen 12,73 Prozent beim Welt-Index, und der größte Rückgang seiner Geschichte betrug zwischen Oktober 2007 und Oktober 2008 65,25 Prozent. Wer die höhere Rendite der letzten zwölf Monate mitgenommen hat, hat auch den Grund für die stärkeren Ausschläge mitgekauft.

Was das für Anleger heißt

Aus alldem folgt keine Kauf- oder Verkaufsentscheidung, und dieser Text trifft auch keine. Was daraus folgt, sind drei Dinge, die du an deinem eigenen Depot nachsehen kannst. Erstens, welchem Index dein Schwellenländer-Fonds folgt. Bei MSCI Emerging Markets sind Samsung und SK Hynix drin, bei FTSE Emerging nicht, und das ist der größte einzelne Unterschied zwischen zwei Fonds, die im Regal nebeneinander liegen und fast gleich heißen.

Zweitens, wie hoch der Technik-Anteil deiner Mischung tatsächlich ist. Die Rechnung dafür braucht zwei Zahlen aus zwei Factsheets und eine Minute. Ob das Ergebnis für dich zu hoch ist, hängt von deinem Anlagehorizont, deinen übrigen Vermögenswerten und davon ab, wie du auf Rückschläge reagierst. Diese Frage kann dir niemand von außen beantworten, und sie ist die eigentliche Frage.

Drittens, woran die Streuung in deinem Depot hängt. Ein Blick auf die Länderliste sagt darüber inzwischen wenig. Aussagekräftiger ist, ob zwei Positionen auf dieselbe Nachricht gleich reagieren. Fällt dein Schwellenländer-Teil immer dann, wenn amerikanische Chipwerte fallen, dann erfüllt er die Aufgabe nicht, für die du ihn gekauft hast, egal wie viele Länder auf dem Etikett stehen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung, und sie hängt von Umständen ab, die dieser Text nicht kennt.

Quellen

  1. MSCI Emerging Markets Index (USD), Index Factsheet MSCI · statistik ·
  2. MSCI World Index (USD), Index Factsheet MSCI · statistik ·
  3. KOSPI, Marktdaten und Indexstände der koreanischen Börse Korea Exchange · statistik ·
  4. Market Classification, Länderklassifizierung der Indexfamilie FTSE Russell · bericht ·
  5. Sector and Factor Evolution in Emerging Markets MSCI · bericht ·

Stand der Daten. Die Index-Zusammensetzung stammt aus den Factsheets von MSCI zum 31. Juli 2026, die Marktbewegung vom 6. August 2026. Index-Gewichte verschieben sich laufend mit den Kursen und werden bei den regelmäßigen Index-Überprüfungen angepasst.

Zur Einordnung. Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

KI-Unterstützung. Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft. Alle tragenden Zahlen wurden gegen die genannten Primärquellen verifiziert.

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