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Preisstatistik

Erzeugerpreise August 2026, warum plus 4,6 und minus 2,0 in derselben Tabelle stehen

Stand 18. September 2026. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im August 4,6 Prozent über dem Vorjahr. In derselben Meldung stehen die Güter des täglichen Verbrauchs bei minus 2,0 Prozent. Beide Zahlen sind richtig, denn der Index misst vier Stufen der Produktion getrennt und verrechnet sie erst danach zu einem Wert.

Endgültige Daten
Portora Redaktion7 Min Lesezeit

Eine Meldung, vier Stufen

+4,6 %
Erzeugerpreise gewerblicher Produkte, August 2026 gegenüber dem Vorjahr
gegenüber Juli 2026 sind es 1,1 Prozent
+6,1 %
Vorleistungsgüter, die Stufe am Anfang der Kette
Kupfer und Edelmetalle jeweils 34,6 Prozent
-2,0 %
Verbrauchsgüter, die Stufe kurz vor dem Handel
Nahrungsmittel 4,3 Prozent darunter, Butter 40,5
+3,7 %
Erzeugerpreise für Dienstleistungen, zweites Quartal 2026
See- und Küstenschifffahrt 20,7 Prozent

Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilungen vom 18. September 2026

Zwei Zahlen aus derselben Meldung, mit verschiedenen Vorzeichen

Am 18. September hat das Statistische Bundesamt die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte für August veröffentlicht. In der Kopfzeile steht plus 4,6 Prozent gegenüber August 2025. Das ist die Zahl, die in den Meldungen des Tages steht.

Vier Zeilen tiefer, in derselben Mitteilung, steht eine andere. Die Verbrauchsgüter lagen 2,0 Prozent unter dem Vorjahr. Verbrauchsgüter sind die Waren, die du aufbrauchst statt sie über Jahre zu benutzen, also Lebensmittel, Getränke, Körperpflege. Butter kostete ab Werk 40,5 Prozent weniger als vor einem Jahr, Schweinefleisch 16,3 Prozent weniger, Rindfleisch 9,3.

Beide Zahlen sind richtig, und keine widerspricht der anderen. Sie beschreiben verschiedene Dinge, und dass sie in derselben Zeile zusammengefasst werden, ist eine Entscheidung der Statistik und keine Eigenschaft der Preise.

Was in der Tabelle steht, wenn man sie aufklappt

Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im August 2026, Veränderung in Prozent. Die Hauptgruppen sind nach dem Abstand zum Käufer sortiert, von der Rohstoffseite oben zur Ladentheke unten.

Hauptgruppegegenüber August 2025gegenüber Juli 2026
Energie+8,3 %+3,2 %
Vorleistungsgüter+6,1 %+0,2 %
Investitionsgüter+2,4 %+0,2 %
Gebrauchsgüter+2,1 %+0,1 %
Verbrauchsgüter-2,0 %+0,2 %
Alle gewerblichen Produkte+4,6 %+1,1 %
Die rechte Spalte ist der Monatsvergleich, und dort liegen vier der fünf Gruppen zwischen plus 0,1 und plus 0,2 Prozent. Die Spreizung in der linken Spalte ist ein Jahresvergleich, kein Ereignis des Monats August.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Erzeugerpreise August 2026

Der Abstand zum Käufer erklärt die Reihenfolge

Der Erzeugerpreisindex ist kein einzelner Preis, sondern ein Durchschnitt über sehr verschiedene Waren. Die Statistik gliedert sie nach dem, wofür sie gekauft werden. Vorleistungsgüter sind das, was ein Betrieb einkauft, um daraus etwas anderes zu machen, also Kupfer, Stahl, chemische Grundstoffe, Holzwaren. Investitionsgüter sind Maschinen und Fahrzeuge, die ein Betrieb über Jahre nutzt. Gebrauchsgüter sind langlebige Dinge für private Haushalte, Möbel und Hausgeräte etwa. Verbrauchsgüter sind der Rest, also alles, was aufgebraucht wird.

Sortiert man die vier nach ihrer Rate, entsteht eine Reihenfolge, die genau dem Abstand zum Käufer folgt. Ganz vorne die Rohstoffseite mit 6,1 Prozent, dahinter Kupfer und Edelmetalle mit jeweils 34,6 Prozent und chemische Grundstoffe mit 11,2. Dann die Maschinen mit 2,4 Prozent. Dann die langlebigen Haushaltsdinge mit 2,1. Und am Ende, kurz bevor der Handel übernimmt, ein Minus.

Dafür gibt es zwei nüchterne Gründe. Rohstoffpreise schwanken stark, weil das Angebot kurzfristig kaum auf die Nachfrage reagieren kann, und sie schlagen deshalb voll durch. Je weiter eine Ware die Kette hinaufwandert, desto mehr andere Kosten kommen dazu, die sich langsamer bewegen, also Löhne, Mieten, Abschreibungen. Ein Ausschlag am Anfang wird dadurch nicht kleiner, er verteilt sich nur auf eine größere Summe. Der zweite Grund ist schlicht, dass die Gruppen aus verschiedenen Waren bestehen, und die Butter am Ende hat eine eigene Geschichte, die mit dem Kupfer am Anfang nichts zu tun hat.

Dieselbe Spaltung haben wir für den April dieses Jahres schon einmal an derselben Statistik aufgeschrieben, damals mit steigender Energie und fallenden Lebensmitteln. Neu ist nicht, dass ein Durchschnitt eine gespaltene Lage verdeckt. Neu ist, wie weit die Stufen im August auseinanderliegen, nämlich 8,1 Prozentpunkte zwischen der Energie und den Verbrauchsgütern.

Energie erklärt die Hälfte, und die andere Hälfte bleibt

Die Energie ist die auffälligste Position der Meldung. Sie lag 8,3 Prozent über dem Vorjahr, und darunter stehen Zahlen, die in einer Preisstatistik selten sind. Mineralölerzeugnisse plus 40,5 Prozent, leichtes Heizöl plus 65,3, Rohbenzin plus 44,4, Kraftstoffe plus 37,7.

Auffällig ist, was daneben steht. Strom lag nur 1,7 Prozent über dem Vorjahr, Fernwärme 0,5 Prozent darunter, Erdgas bei plus 7,5. Was die Energie nach oben zieht, ist also nicht die Energie insgesamt, sondern der Teil, der an einem Weltmarktpreis für Öl hängt. Warum ein hoher Ölpreis nicht gleichmäßig auf alle Energieträger durchschlägt, haben wir an der Inflationsrate im August getrennt auseinandergenommen.

Trotzdem ist Energie nicht die ganze Erklärung. Das Bundesamt weist den Index auch ohne Energie aus, und dort stehen 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist deutlich weniger als 4,6, aber immer noch mehr als die 2,9 Prozent, mit denen die Inflation im August gemessen wurde. Der Preisdruck weiter vorne in der Kette ist also real, er kommt nur nicht dort an, wo die Verbrauchsgüter stehen.

Die zweite Reihe desselben Tages misst keine Waren

Am selben 18. September erschien eine zweite Preisstatistik, die deutlich seltener zitiert wird. Es gibt nicht nur Erzeugerpreise für Waren, sondern auch für Dienstleistungen. Sie erscheinen quartalsweise, und für das zweite Quartal 2026 lagen sie 3,7 Prozent über dem Vorjahr, 1,6 Prozent über dem Vorquartal.

Der stärkste Bereich ist Verkehr und Lagerei mit plus 6,2 Prozent, darin die See- und Küstenschifffahrt mit plus 20,7, der Güterkraftverkehr mit plus 5,8 und die Speditionen mit plus 6,2. Daneben stehen Zahlen, die eher nach Büro als nach Hafen klingen. Buchführung plus 6,0 Prozent, Rechtsberatung plus 4,1, Reinigung plus 3,7, Zeitarbeit plus 2,5. Im Grundstücks- und Wohnungswesen sind es 2,5 Prozent, bei den Mieten darin 1,7. Information und Kommunikation ist mit plus 1,5 Prozent der ruhigste Bereich.

Das ist die zweite Hälfte des Bildes, und sie gehört daneben, weil ein Haushalt nicht nur Waren kauft. Wer eine Handwerkerrechnung, eine Versicherung, eine Reparatur oder eine Steuererklärung bezahlt, bezahlt eine Dienstleistung. Während die Waren für den täglichen Verbrauch ab Werk billiger wurden, wurden die Dienstleistungen ab Anbieter teurer, und zwar stärker als der Index ohne Energie.

Die Dienstleistungsreihe hinkt der Warenreihe strukturell hinterher. Sie erscheint quartalsweise, der aktuelle Stand ist das zweite Quartal, die Waren sind schon beim August. Die beiden Zahlen liegen also nicht auf demselben Stichtag und sind kein direkter Vergleich.

Was du damit anfangen kannst

Die praktische Lehre ist eine Frage, die du jeder Preismeldung stellen kannst. Welche Stufe ist gemeint? Eine Zahl aus der Rohstoffseite sagt über deinen nächsten Einkauf fast nichts, eine Zahl aus den Verbrauchsgütern sagt etwas, aber auch sie ist noch nicht der Ladenpreis.

Zwischen den minus 2,0 Prozent und deinem Kassenbon liegen mehrere Dinge, die in dieser Statistik nicht vorkommen. Die Handelsspanne des Supermarkts, die Mehrwertsteuer, die Verarbeitung nach dem Werkstor und die Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Lebensmittel importiert wird und deshalb gar nicht in diesem Index steht. Wie weit ein gefallener Erzeugerpreis am Regal ankommt, haben wir an der Milch durchgerechnet, und die kurze Antwort lautet, deutlich langsamer und deutlich schwächer, als die Rohzahl vermuten lässt.

Für die eigene Planung heißt das wenig Dramatisches und etwas Nützliches. Wer im Herbst tankt oder heizt, zahlt den Teil der Meldung, der nach oben zeigt. Wer einen Handwerker beauftragt, zahlt die Dienstleistungsseite mit ihren 3,7 Prozent. Und wer den Wocheneinkauf plant, bekommt von der 4,6 in der Schlagzeile schlicht die falsche Auskunft.

Was offen bleibt

Der Index misst die Verkaufspreise deutscher Hersteller beim Absatz im Inland. Eingeführte Waren stehen nicht darin, dafür gibt es eine eigene Reihe für die Einfuhrpreise, die wir für den Juli gesondert angesehen haben. Bei Lebensmitteln ist dieser Unterschied groß, ein Minus im deutschen Erzeugerpreis sagt deshalb nichts über den Preis importierter Ware.

Die Spreizung zwischen den Stufen ist ein Jahresvergleich. Im Monatsvergleich liegen vier der fünf Gruppen zwischen plus 0,1 und plus 0,2 Prozent, auch die Verbrauchsgüter. Wer aus dem Minus ein laufendes Fallen liest, liest mehr, als dort steht. Das Minus bedeutet, dass das Niveau unter dem von August 2025 liegt, nicht dass es gerade sinkt.

Wie lange die Butter 40 Prozent unter dem Vorjahr bleibt, hängt an einem Basiseffekt, den niemand aus dieser Meldung ablesen kann. Fiel der Preis vor einem Jahr von einem Höchststand, verschwindet ein Teil des Minus allein dadurch, dass der Vergleichsmonat wechselt. Die nächste Veröffentlichung für den September erscheint Ende Oktober, und die Dienstleistungsreihe für das dritte Quartal folgt erst im Dezember.

Quellen

  1. Erzeugerpreise im August 2026: +4,6 % gegenüber August 2025 Statistisches Bundesamt · pressemitteilung ·
  2. Erzeugerpreise für Dienstleistungen im 2. Quartal 2026: +3,7 % zum Vorjahresquartal Statistisches Bundesamt · pressemitteilung ·
  3. Großhandelspreise im August 2026: +6,8 % gegenüber August 2025 Statistisches Bundesamt · pressemitteilung ·
  4. Annual inflation up to 3.2% in the euro area, August 2026 Eurostat · statistik ·

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Primärquellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen sind aus den genannten Pressemitteilungen entnommen und im Text mit Quellen verknüpft.

Letzte Aktualisierung: 18. September 2026
Versionshistorie: Erste Veröffentlichung am 18. September 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine sachliche Einordnung wirtschafts- und sozialpolitischer Entwicklungen und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechtsberatung dar. Für konkrete Entscheidungen in deiner persönlichen Situation wende dich an eine fachlich zuständige Person.

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