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DAX über 26.000: warum der Rekord an der Rechenregel hängt und nicht nur an den Kursen
Stand 3. August 2026. Der DAX hat am Montag zum ersten Mal die Marke von 26.000 Punkten überschritten und im Tageshoch 26.028,94 Punkte erreicht. Der DAX-Kursindex, der dieselben 40 Unternehmen zu denselben Kursen enthält, kam am selben Tag auf höchstens 9.500,60 Punkte und blieb damit rund 0,6 Prozent unter seinem eigenen Höchststand der vergangenen zwölf Monate. Beide Reihen kommen von derselben Stelle, aus demselben Handelstag und aus denselben Aktien. Der Abstand zwischen ihnen ist keine Wertentwicklung, sondern eine Buchungsregel.
Die Zerlegung in Zahlen
Quelle: Deutsche Börse, Kursdaten vom 3. August 2026
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Alle Werte von der Deutschen Börse, abgerufen am 3. August 2026. Die Tagesstände stammen aus dem laufenden Handel gegen 15 Uhr, die Schlusskurse vom 31. Juli 2026.
| Zahl | Bedeutung |
|---|---|
| 26.028,94 | Tageshoch des DAX am 3. August 2026, zugleich der höchste Stand der Reihe |
| 25.900,10 | bisheriger Höchststand des DAX aus dem Juli 2026 |
| 25.629,24 | Schlussstand des DAX am 31. Juli 2026 |
| 9.500,60 | Tageshoch des DAX-Kursindex am 3. August 2026 |
| 9.556,28 | höchster Stand des DAX-Kursindex in den vergangenen zwölf Monaten |
| 9.354,71 | Schlussstand des DAX-Kursindex am 31. Juli 2026 |
| 1.000 Punkte | Startwert beider Reihen zum 31. Dezember 1987 |
| 16.274,53 | Punkte Abstand beider Reihen am 31. Juli 2026, also der rechnerisch wiederangelegte Teil |
| rund 8,8 gegen 6,0 Prozent | durchschnittliche Veränderung pro Jahr seit dem 31. Dezember 1987, eigene Rechnung aus beiden Schlussständen |
| 15 Prozent | Kappungsgrenze für das Gewicht eines einzelnen Unternehmens im DAX, seit März 2024, davor 10 Prozent |
| 15 Prozent | Steuer, die ein Fonds auf deutsche Dividenden zahlt, seit der Investmentsteuerreform 2018 |
| 30 Prozent | Teilfreistellung, die ein Anleger bei einem Aktienfonds auf seine Erträge erhält |
| 40 | Zahl der Unternehmen im DAX, seit September 2021, davor 30 |
| 1. Juli 1988 | Tag, an dem der DAX eingeführt wurde |
Quelle: Deutsche Börse, STOXX, Investmentsteuergesetz
Was ein Rekord im DAX zu behaupten scheint
Am Montagvormittag ist der DAX zum ersten Mal über 26.000 Punkte gestiegen. Im Tageshoch standen 26.028,94 Punkte auf der Anzeige der Deutschen Börse, mehr als der bisherige Spitzenwert von 25.900,10 Punkten aus dem Juli. Der Auslöser war ein Nachrichtenimpuls von außen, die Ankündigung neuer Gespräche im Konflikt mit dem Iran, in deren Folge der Ölpreis deutlich nachgab. Europäische Aktien zogen an, während der japanische Leitindex am selben Tag verlor und der Londoner Index nahezu unverändert blieb. Von einem allgemeinen Aufschwung an allen Börsen kann also keine Rede sein, der Anstieg war regional.
Aus einem Rekordstand folgt fast automatisch eine Deutung, und die geht so. Die größten deutschen Unternehmen stünden so gut da wie nie und besser als ihre europäischen und amerikanischen Wettbewerber, deren Indizes zum Teil weiter unter alten Höchstständen liegen. Wer sein Depot betrachtet, zieht daraus schnell einen Schluss über die Gewichtung. Wenn der deutsche Index Rekorde setzt und der breite europäische nicht, muss doch am deutschen Markt etwas besser laufen.
Dieser Schluss lässt sich am selben Tag mit Zahlen derselben Stelle prüfen, und er hält nicht. Die Deutsche Börse veröffentlicht den DAX in zwei Fassungen. Die bekannte heißt Performanceindex und stand am Montag auf ihrem Höchstwert. Die zweite heißt DAX-Kursindex, enthält exakt dieselben 40 Unternehmen mit exakt denselben Aktienkursen, und erreichte am selben Tag höchstens 9.500,60 Punkte. Das ist rund 0,6 Prozent unter dem höchsten Stand, den diese Reihe in den vergangenen zwölf Monaten hatte. Am Tag des Rekords war der reine Kursanstieg derselben Unternehmen also nicht auf einem Höchststand.
Dieselben 40 Firmen, zwei Zählweisen
Der Unterschied zwischen beiden Reihen ist eine einzige Regel. Zahlt ein Unternehmen eine Dividende, verlässt dieses Geld die Firma und landet beim Aktionär. Der Aktienkurs fällt am Tag der Ausschüttung ungefähr um diesen Betrag, denn das Unternehmen ist um genau diese Summe ärmer geworden. Der Kursindex nimmt diesen Rückgang mit und zeigt danach einen niedrigeren Stand. Der Performanceindex tut so, als hätte der Aktionär die Dividende noch am selben Tag wieder in dieselbe Aktie gesteckt, und bucht sie deshalb rechnerisch zurück in den Index.
Beide Reihen der Deutschen Börse starten am 31. Dezember 1987 bei 1.000 Punkten, mit denselben Unternehmen und denselben Kursen. Zum Schluss des 31. Juli 2026 stand der DAX bei 25.629,24 Punkten und der DAX-Kursindex bei 9.354,71 Punkten. Aus denselben 1.000 Startpunkten sind also einmal gut 25.600 und einmal gut 9.300 Punkte geworden, das 2,7-fache. Von den 25.629 Punkten entfallen 9.355 auf den Anstieg der Aktienkurse und 16.275 auf den wieder angelegten Rest. Fast zwei Drittel des Indexstandes stammen also nicht aus gestiegenen Kursen. Diese 16.275 Punkte sind allerdings nicht die Summe der ausgezahlten Dividenden. Sie sind das, was aus den wieder angelegten Beträgen über die Jahrzehnte selbst geworden ist, samt der Kursgewinne auf die nachgekauften Anteile. Ein kleiner Teil davon entfällt zudem auf andere Kapitalmaßnahmen, die der Performanceindex mitrechnet.
In Jahresraten umgerechnet sind das rund 8,8 Prozent für den Performanceindex und rund 6,0 Prozent für den Kursindex, ein Abstand von etwa 2,8 Prozentpunkten pro Jahr über achtunddreißigeinhalb Jahre. Dieser Abstand ist genau die Größenordnung, die man von deutschen Dividenden erwartet. Und er ist der Grund, warum sich die beiden Zahlen über die Jahrzehnte so weit voneinander entfernen. Ein Vorbehalt gehört dazu. Das sind Indexstände, kein Depotauszug. Ein echter Anleger zahlt Gebühren und Steuern, und die Rechenregel unterstellt eine sofortige, kostenlose Wiederanlage, die es so nicht gibt. Wie groß dieser Abzug ausfällt, steht weiter unten.

Gleicher Tag, gleiche Unternehmen, zwei Ergebnisse
Veränderung über verschiedene Zeiträume, beide Reihen am 3. August 2026 bei der Deutschen Börse abgerufen. Die letzte Spalte ist die Differenz und damit der Beitrag der wiederangelegten Ausschüttungen.
| Zeitraum | DAX (Performanceindex) | DAX-Kursindex | Abstand |
|---|---|---|---|
| 1 Monat | +0,85 % | +0,79 % | 0,06 Punkte |
| 3 Monate | +7,03 % | +5,38 % | 1,65 Punkte |
| 6 Monate | +4,92 % | +2,16 % | 2,76 Punkte |
| 1 Jahr | +10,99 % | +8,07 % | 2,92 Punkte |
| 2 Jahre | +47,21 % | +39,79 % | 7,42 Punkte |
| 3 Jahre | +63,59 % | +50,81 % | 12,78 Punkte |
Quelle: Deutsche Börse, abgerufen am 3. August 2026
Warum der Abstand im Frühsommer am schnellsten wächst
Die Tabelle enthält eine Auffälligkeit, die den ganzen Mechanismus greifbar macht. Über zwölf Monate liegen die beiden Reihen 2,92 Prozentpunkte auseinander. Über sechs Monate sind es bereits 2,76 Prozentpunkte, über einen Monat dagegen nur 0,06. Fast der gesamte Jahresabstand entsteht also in einem einzigen Abschnitt des Jahres, und über den Rest passiert kaum etwas.
Dahinter steckt der deutsche Hauptversammlungskalender. Die meisten großen deutschen Aktiengesellschaften lassen ihre Dividende im Frühjahr beschließen und zahlen sie zwischen April und Juni aus. In diesen Wochen fallen die Kurse reihenweise am Tag der Ausschüttung, weil das Geld die Unternehmen verlässt. Der Kursindex nimmt jeden dieser Abschläge mit, der Performanceindex bucht sie zurück. Deshalb kann der Kursindex einen ganzen Frühling lang auf der Stelle treten, während der Performanceindex in derselben Zeit klettert.
Genau das erklärt den Befund vom Montag. Der DAX setzte einen Höchststand, der Kursindex blieb rund 0,6 Prozent unter seiner eigenen Bestmarke aus den vergangenen zwölf Monaten, und diese Bestmarke liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Zwischen jenem Hoch und heute lag die gesamte Ausschüttungssaison 2026. Der Kursindex musste sie erst wieder aufholen, der Performanceindex nicht. Wer beide Kurven nebeneinanderlegt, sieht keine unterschiedliche Wirtschaftslage, sondern zweimal dieselbe Wirtschaftslage in zwei verschiedenen Buchungssystemen.
Wie der DAX zu dieser Zählweise kam
Der DAX wurde am 1. Juli 1988 eingeführt, gemeinsam entwickelt von der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen, der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börsen-Zeitung. Damit der neue Index nicht bei null anfing, wurde er auf den 31. Dezember 1987 zurückgerechnet und dort auf 1.000 Punkte normiert. Von Beginn an war er als Performanceindex angelegt, und das war eine bewusste Entscheidung mit einem klaren Zweck. Ein Performanceindex beantwortet die Frage, was ein Anleger mit diesem Aktienkorb verdient hätte. Ein Kursindex beantwortet die Frage, was dieser Aktienkorb kostet. Beide Fragen sind sinnvoll, sie sind nur nicht dieselbe.
Die Regel ist damit keine deutsche Marotte, sondern die Antwort auf eine bestimmte Frage. Wer wissen will, wie sich sein Vermögen entwickelt hat, muss die Dividende mitzählen, sonst unterschlägt er einen Teil dessen, was ihm zugeflossen ist. Wer dagegen zwei Märkte oder zwei Zeitpunkte auf ihr Preisniveau hin vergleichen will, ist mit der Kursfassung besser bedient, weil dort nur die Bewertung der Unternehmen steckt und nicht zusätzlich die Frage, wie viel davon ausgeschüttet und wie das Geld wieder angelegt wurde.
Am Aufbau des Index selbst hat sich seither mehr geändert als an dieser Grundregel. Seit September 2021 enthält der DAX 40 statt 30 Unternehmen. Und seit März 2024 darf ein einzelnes Unternehmen höchstens 15 Prozent des Index ausmachen, davor waren es 10 Prozent. Die Zählweise mit den wiederangelegten Ausschüttungen ist dagegen dieselbe geblieben, weshalb sich die Punktstände von 1988 bis heute durchgehend vergleichen lassen, solange man sie nicht mit fremden Indizes verwechselt.
Was der Vergleich mit dem S&P 500 wirklich vergleicht
Aus alldem wird oft ein falscher Satz gebaut, und er lautet, deutsche Indizes rechneten Dividenden mit und ausländische nicht. So stimmt das nicht. Auch vom S&P 500 gibt es eine offizielle Fassung mit wiederangelegten Dividenden, und der Euro Stoxx 50 wird von seinem Anbieter in drei Varianten gerechnet, einmal als reiner Kursindex und zweimal mit Ausschüttungen, vor und nach Quellensteuer. Der Unterschied liegt nicht darin, welche Fassungen existieren, sondern darin, welche in der Schlagzeile steht. In Deutschland ist das die Fassung mit Dividenden, in den meisten anderen Ländern die ohne.
Die Falle klappt auch in die andere Richtung zu, und dort trifft sie mehr Anleger. Die großen Welt-Indizes, an denen sich die verbreiteten Welt-Fonds messen, werden in der Regel in einer Netto-Fassung geführt. Sie unterstellt, dass von jeder Dividende zuerst Quellensteuer abgezogen wird und nur der Rest wieder angelegt werden kann. Wer den Stand eines DAX-Fonds gegen den Stand eines Welt-Fonds hält, vergleicht damit eine Brutto-Rechnung mit einer Netto-Rechnung, und diesmal sieht der deutsche Wert dadurch besser aus, als der Unterschied in der Sache hergibt.
Daraus folgt eine Prüffrage, die sich in einer Minute beantworten lässt und die auf jeden Indexvergleich passt. Bevor du zwei Indexstände nebeneinanderlegst oder zwei Abstände zum Höchststand vergleichst, sieh nach, welche Fassung du jeweils vor dir hast. Bei einem Fonds steht sie im Factsheet in der Zeile mit dem Vergleichsindex, meist als Zusatz wie Kursindex, Performanceindex, Total Return oder Net Return. Ohne diese Angabe ist der Vergleich zweier Zahlen kein Vergleich zweier Märkte.
Warum nicht einmal ein DAX-Fonds den DAX erreicht
Es gibt eine zweite Stelle, an der die Indexzahl mehr verspricht, als ein Anleger bekommt, und die betrifft die Steuer. Der DAX legt die Dividende in ihrer vollen Höhe wieder an, ohne jeden Steuerabzug, so als flösse sie ungekürzt zurück in die Aktie. Ein Fonds, der den DAX nachbildet, bekommt sie aber nicht ungekürzt. Seit der Investmentsteuerreform von 2018 zahlt ein Fonds auf deutsche Dividenden 15 Prozent Steuer, und zwar unabhängig davon, ob er in Deutschland, Irland oder Luxemburg aufgelegt ist. Weil im DAX ausschließlich deutsche Unternehmen stehen, trifft das praktisch jede Ausschüttung im Korb.
Was das ausmacht, lässt sich abschätzen. Der Abstand der beiden Reihen über zwölf Monate lag bei 2,92 Prozentpunkten, das ist ungefähr die Ausschüttungsrendite des Index. Fünfzehn Prozent davon sind rund vier Zehntel eines Prozentpunktes pro Jahr, die im Fonds hängen bleiben, bevor überhaupt eine Verwaltungsgebühr abgezogen wurde. Ein Fonds, der die Aktien wirklich hält, kann seinen Index also nicht einholen, und das ist kein Mangel des Fonds, sondern eine Eigenschaft der Indexrechnung. Für einen Fonds, der den Index über ein Tauschgeschäft nachbildet statt über die Aktien selbst, gilt diese Rechnung nicht in derselben Form, weil er die Dividenden gar nicht erst vereinnahmt. Der Indexstand ist damit in jedem Fall eine Obergrenze und kein Versprechen.
Für den Anleger gleicht sich ein Teil davon an anderer Stelle wieder aus, allerdings in einem anderen Topf. Bei einem Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Erträge beim Anleger steuerfrei, die sogenannte Teilfreistellung, die genau als Ausgleich für die Steuer auf der Fondsebene eingeführt wurde. Das mindert die Steuer des Anlegers, es hebt aber nicht die Wertentwicklung des Fonds. Wer die Zahl im Factsheet mit der Zahl im Index vergleicht, sieht deshalb weiter eine Lücke, auch wenn sie ihn unter dem Strich weniger kostet, als sie aussieht.
Ein Rekord, den einzelne Schwergewichte tragen
Neben der Zählweise steht am Montag eine zweite Frage im Raum, nämlich wie breit dieser Rekord getragen wurde. Die Antwort ist, eher schmal. Unter den größten Tagesgewinnern lagen Siemens Healthineers mit 5,81 Prozent und SAP mit 5,62 Prozent über dem Freitagsschluss, während Beiersdorf, Siemens Energy und RWE im Minus standen. SAP war zugleich der mit Abstand meistgehandelte Wert des Tages. Das ist eine Beobachtung über einen einzelnen Handelstag und sagt nichts über den weiteren Verlauf.
Hier greift die zweite Regel, die den DAX von einem reinen Marktabbild unterscheidet. Ein nach Börsenwert gewichteter Index hält von jedem Unternehmen so viel, wie es im Verhältnis zur Summe aller wiegt, und lässt den Größten immer größer werden. Der DAX bremst das ab einem Anteil von 15 Prozent. Der Zweck dieser Grenze ist Streuung. Ohne sie könnte ein einziger Konzern den Index so dominieren, dass ein Indexfonds faktisch zu einer Wette auf dieses eine Unternehmen wird, und jeder, der den Index nachbildet, müsste diese Wette mitgehen, ohne sie je gewählt zu haben.
Ein Vorbehalt gehört an diese Regel, weil sie oft strenger klingt, als sie wirkt. Die Grenze wird nicht laufend nachgezogen, sondern bei den Überprüfungen des Index alle drei Monate gesetzt. Zwischen zwei Terminen kann das Gewicht eines stark gestiegenen Unternehmens deshalb über 15 Prozent hinauswandern und bleibt dort bis zur nächsten Anpassung. Die Kappungsgrenze verhindert also keine Konzentration, sie begrenzt nur, wie weit sie sich zwischen zwei Stichtagen festsetzt. Wie stark dein Depot an einzelnen Namen hängt, steht am Ende im ETF-Klumpenrisiko und nicht in der Indexregel.
Der faire Gegenpunkt
Der stärkste Einwand gegen diesen ganzen Text lautet, dass hier die falsche Seite kritisiert wird. Wer Aktien besitzt, bekommt Dividenden tatsächlich ausgezahlt. Sie sind kein Rechentrick, sondern Geld, das auf dem Konto landet, und wer sie beim Messen weglässt, unterschlägt einen realen Teil dessen, was ihm als Miteigentümer zugeflossen ist. Nach diesem Maßstab ist der DAX das ehrlichere Konstrukt, und irreführend sind die Kursindizes, die den Ertrag eines Investments seit Jahrzehnten zu niedrig ausweisen. Dass der DAX seit 1988 so viel weiter gestiegen ist, liegt dann nicht an einer geschönten Rechnung, sondern daran, dass er als Einziger vollständig rechnet.
Dieser Einwand ist berechtigt, und er wird von der Praxis gestützt. Wer ein Papier auf den DAX hält, ist auch tatsächlich an der Performance-Fassung dran. Terminkontrakte und Optionen auf den DAX werden gegen sie abgerechnet, und die üblichen DAX-Fonds bilden sie nach. Für jemanden, der einen DAX-Fonds besitzt, ist der Performanceindex also die richtige Bezugsgröße und der Kursindex die falsche. Wer stattdessen wissen will, was deutsche Unternehmen an der Börse gerade kosten und wie sich dieser Preis über Jahrzehnte entwickelt hat, braucht die andere Reihe. Auch das ist eine sinnvolle Frage, die etwa jeder stellt, der ein Bewertungsniveau über die Zeit vergleicht.
Der Widerspruch löst sich damit auf, und zwar nicht zugunsten einer Seite. Keine der beiden Reihen ist falsch, und keine ist geschönt. Falsch ist ausschließlich der Vergleich über die Grenze hinweg, also der Satz, der einen Punktestand aus der einen Rechnung neben einen Punktestand aus der anderen legt und daraus eine Aussage über Unternehmen macht. Genau dieser Satz stand am Montag in vielen Köpfen, und er ist der einzige Teil der Geschichte, der einer Prüfung nicht standhält.
Was das für Anleger heißt
Das Erste und Wichtigste ist eine Gewohnheit, keine Entscheidung. Bevor du zwei Indexstände nebeneinanderlegst, prüfe, welche Fassung du jeweils vor dir hast. Die Angabe steht bei jedem Fonds im Factsheet in der Zeile mit dem Vergleichsindex, und sie kostet dich dreißig Sekunden. Ein Rekord in einer Fassung mit Dividenden und ein Rekord in einer Fassung ohne sind zwei verschiedene Ereignisse, und der Abstand zum Höchststand ist dementsprechend zweimal etwas anderes. Nach der Regel, die dieser Text beschreibt, ist die deutsche Reihe seit 1988 rund um 2,8 Prozentpunkte pro Jahr schneller gelaufen als ihre eigene Kursfassung, allein durch diese Buchungsregel.
Das Zweite betrifft die Erwartung, die du an eine Indexzahl knüpfst. Der Stand des Performanceindex ist die Obergrenze dessen, was ein Fonds auf diesen Index erreichen kann, denn die Steuer auf der Fondsebene und die Verwaltungsgebühr liegen darunter. Wenn ein DAX-Fonds seinen Index um einige Zehntel im Jahr verfehlt, ist das der erwartete Zustand und kein Hinweis auf ein schlechtes Produkt. Umgekehrt gilt, dass ein Indexstand nichts darüber sagt, ob Aktien gerade teuer oder billig sind. Ein hoher Punktestand ist in einem Performanceindex zu einem erheblichen Teil aufgelaufene Ausschüttung und kein Bewertungssignal.
Das Dritte ist der offene Teil, und er bleibt offen. Wie groß der Dividendenanteil an der künftigen Entwicklung sein wird, hängt daran, wie viel die Unternehmen ausschütten und wie viel sie stattdessen einbehalten oder für eigene Aktien ausgeben. Beides kann sich verschieben, in beide Richtungen, und der Anteil der vergangenen achtunddreißig Jahre ist dafür keine Zusage. Was aus dieser Einordnung folgt, ist deshalb keine Aussage über die Gewichtung deines Depots und erst recht kein Kauf- oder Verkaufsanlass. Es ist die Grundlage, um die Zahl in der Schlagzeile richtig zu lesen. Was du daraus machst, entscheidest du.
Quellen
- DAX, Kurs- und Performancedaten (ISIN DE0008469008)
- DAX Kursindex, Kurs- und Performancedaten (ISIN DE0008467440)
- DAX Index-Familie, Konzept und Berechnung
- Auswahlindizes, Kappungsgrenze wird auf 15 Prozent angehoben
- Investmentsteuergesetz, Besteuerung von Investmentfonds und Teilfreistellung
- Fakten aus mehr als 35 Jahren DAX
Stand der Daten. Alle Index- und Kurswerte stammen von der Deutschen Börse und wurden am 3. August 2026 abgerufen. Die Tagesstände und Tageshöchstwerte beziehen sich auf den laufenden Handel gegen 15 Uhr, die Schlussstände auf den 31. Juli 2026. Intraday-Werte können sich bis Handelsschluss verändern, und die Angaben zu Zwölfmonatshochs verschieben sich mit jedem weiteren Handelstag. Die Jahresraten seit dem 31. Dezember 1987 sind eine eigene Berechnung aus den beiden Schlussständen vom 31. Juli 2026 und als gerundete Größenordnung zu lesen.
Zur Entstehung. Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und von der Portora-Redaktion geprüft. Die tragenden Zahlen wurden gegen die Primärquellen abgeglichen, im Wesentlichen die Kurs- und Performancedaten der Deutschen Börse zu beiden DAX-Fassungen sowie die Regelwerke zur Indexfamilie.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.
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