Stand:

Markt & Investieren

Bitcoin-Positionierung: warum dieselbe Statistik netto long und netto short zeigt

Stand 10. August 2026. Es heißt, die Hedgefonds hätten ihre jahrelange Gegenposition zu Bitcoin aufgegeben und seien an der US-Terminbörse netto long. In Kontrakten gezählt stimmt das, dort steht seit dem 4. August ein Plus von 5.807. In Bitcoin gerechnet zeigt dieselbe Statistik 35.715 Bitcoin netto short, und diese Zahl ist in derselben Woche größer geworden statt kleiner.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion12 Min Lesezeit

Die Zerlegung in Zahlen

+5.807
Netto-Position der gehebelten Fonds in Kontrakten
Stichtag 4. August 2026, Vorwoche minus 53.309
35.715
dieselbe Position in Bitcoin gerechnet, netto short
in derselben Woche um 1.473 gewachsen
81 zu 1,7
Anteil des kleinsten Kontrakts an Stückzahl und Bitcoin-Menge
in Prozent, Stichtag 4. August 2026
31 von 31
Wochen des Jahres 2026 mit netto short im großen Kontrakt
lückenlos netto short seit 2020

Quelle: Commitments of Traders der US-Terminmarktaufsicht (CFTC), Traders in Financial Futures, Stichtag 4. August 2026, eigene Umrechnung

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

Alle relevanten Zahlen des Themas gebündelt, für den schnellen Überblick. Stichtag ist überall der 4. August 2026, die Details stehen im Text darunter.

ZahlBedeutung
+5.807Netto-Position der gehebelten Fonds über alle Bitcoin-Kontrakte, in Kontrakten gezählt
35.715dieselbe Netto-Position in Bitcoin umgerechnet, mit umgekehrtem Vorzeichen
5, 0,1 und 0,01Bitcoin je Kontrakt in den drei Bitcoin-Kontrakten der Terminbörse
minus 7.240Netto-Position im großen Kontrakt über fünf Bitcoin, entspricht 36.200 Bitcoin
plus 9.104Netto-Position im kleinsten Kontrakt über ein Hundertstel Bitcoin, entspricht 91 Bitcoin
+59.116 und minus 1.473Wochenveränderung vom 28. Juli zum 4. August, in Kontrakten und in Bitcoin
104.617gesamte offene Position aller drei Bitcoin-Kontrakte, in Bitcoin gerechnet
9,2 zu 96,3Anteil des großen Kontrakts an Stückzahl und Bitcoin-Menge, in Prozent
120 gegen 1.267Zahl der Händler im großen und im kleinsten Kontrakt
minus 16.497durchschnittliche Netto-Position im großen Kontrakt 2024, nach minus 5.327 im Jahr 2023
3,89 und 4,20 ProzentUS-Zins für drei Monate und für zwei Jahre am 4. August 2026
über 10 Prozentdurchschnittliche Krypto-Basis pro Jahr in der Langfriststudie der BIZ, teils über 40
6,5 Mrd €Netto-Position der gehebelten Fonds im Euro-Terminkontrakt, 52.205 Kontrakte zu je 125.000 Euro
13 zu 1,5Anteil des kleinen Gold-Kontrakts an Stückzahl und Unzen, in Prozent

Quelle: Commitments of Traders der US-Terminmarktaufsicht (CFTC), US-Finanzministerium (Zinsstrukturkurve) und Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Stand August 2026

Die Meldung, die gerade die Runde macht

Über Bitcoin kursiert seit dem Wochenende eine Beobachtung, die als Wende gelesen wird. Die Hedgefonds, so heißt es, hätten ihre jahrelange Gegenposition an der Chicagoer Terminbörse aufgegeben und seien erstmals seit Jahren netto long. Der Satz, der die These trägt, lautet, man könne kein klassisches Zinsgeschäft mit einer insgesamt netto langen Terminposition betreiben. Wenn die Fonds also insgesamt long sind, kann die alte Erklärung nicht mehr stimmen, und dann bleibt nur eine Deutung übrig. Die Profis setzen jetzt auf steigende Kurse.

Die zugrunde liegende Statistik ist echt, öffentlich und gut. Die US-Terminmarktaufsicht veröffentlicht jeden Freitag den Positionsbericht Commitments of Traders (COT) mit dem Stand vom Dienstag davor. Er sortiert die Händler in Gruppen, und eine davon heißt gehebelte Fonds (leveraged funds), das sind überwiegend Hedgefonds. Für den Stichtag 4. August 2026 steht dort tatsächlich ein Plus. Über alle Bitcoin-Kontrakte zusammengezählt halten diese Fonds 5.807 Kontrakte mehr auf der Kaufseite als auf der Verkaufsseite, nachdem es eine Woche zuvor noch 53.309 Kontrakte in die andere Richtung waren.

Rechnet man dieselbe Zeile in Bitcoin um, kommt eine Netto-Position von 35.715 Bitcoin heraus, und zwar auf der Verkaufsseite. Beide Zahlen stammen aus derselben Datei, derselben Zeile, demselben Stichtag. Keine ist falsch gerechnet. Sie messen nur nicht dasselbe, und das eine Wort, an dem alles hängt, ist das Wörtchen zusammengezählt. Denn was hier addiert wird, sind Stückzahlen von Verträgen, die unterschiedlich groß sind.

Dieselben Daten, zwei Vorzeichen

Die Terminbörse führt für Bitcoin nicht einen Kontrakt, sondern mehrere. Der große lautet über fünf Bitcoin. Daneben gibt es einen über ein Zehntel Bitcoin und einen über ein Hundertstel. Ein Kontrakt ist also keine Menge, sondern eine Verpackungsgröße, und die Verpackungen unterscheiden sich um den Faktor fünfhundert. Wer die drei Reihen addiert, tut rechnerisch dasselbe, als würde er Paletten, Kartons und Einzelstücke zu einer Zahl zusammenzählen und diese Zahl dann Lagerbestand nennen.

Zerlegt man den Stichtag, wird es eindeutig. Im großen Kontrakt über fünf Bitcoin stehen die gehebelten Fonds mit 7.240 Kontrakten auf der Verkaufsseite, das sind 36.200 Bitcoin. Im Zehntel-Kontrakt sind sie mit 3.943 Kontrakten auf der Kaufseite, das sind 394 Bitcoin. Im Hundertstel-Kontrakt mit 9.104 Kontrakten, das sind 91 Bitcoin. Die beiden kleinen Reihen liefern zusammen also 485 Bitcoin gegen 36.200 in der großen. In der Stückzählung schlagen sie die große Reihe trotzdem, weil 13.047 Stück mehr sind als 7.240 Stück.

Am schärfsten zeigt sich das an der Wochenveränderung, und dort wird aus einem Messfehler ein Vorzeichenfehler. Vom 28. Juli zum 4. August verbesserte sich die Netto-Position um 59.116 Kontrakte, das ist der Sprung, aus dem die Wende gelesen wird. Fast der ganze Sprung kommt aus dem Hundertstel-Kontrakt, der von 52.963 Kontrakten auf der Verkaufsseite auf 9.104 auf der Kaufseite drehte. In Bitcoin sind diese 62.067 Kontrakte gerade einmal 621 Bitcoin. Im selben Zeitraum ging der große Kontrakt um 367 Kontrakte tiefer in die Verkaufsseite, und das sind 1.835 Bitcoin. Unter dem Strich wanderte die Position um 1.473 Bitcoin weiter ins Minus, während die Stückzahl um 59.116 ins Plus sprang. Dieselbe Woche, dieselbe Datei, zwei entgegengesetzte Richtungen.

Zwei Linien über sechs Wochen. Die in Kontrakten gezählte Netto-Position springt am 4. August 2026 von minus 53.309 auf plus 5.807 über die Nulllinie, die in Bitcoin umgerechnete Position bleibt bei rund minus 35.700 und wandert leicht weiter nach unten.
Netto-Position der Gruppe gehebelte Fonds über die drei Bitcoin-Kontrakte der Chicagoer Terminbörse, wöchentliche Stichtage. Die rote Linie zählt Kontrakte, die schwarze rechnet dieselben Kontrakte mit ihrer jeweiligen Größe in Bitcoin um. Quelle Commitments of Traders der US-Terminmarktaufsicht, eigene Umrechnung, Stand 4. August 2026.

Wo die Zählung sonst noch stolpert

Die Größenfalle ist nicht die einzige. Eine zweite steckt im Namen. In derselben Statistik steht eine Reihe, die Bitcoin Cash heißt, und das ist keine kleinere Verpackung von Bitcoin, sondern eine andere Kryptowährung mit eigenem Preis. Wer maschinell alles addiert, worin das Wort Bitcoin vorkommt, nimmt sie mit und verschiebt das Ergebnis um weitere 875 Kontrakte. Für sich genommen ist das wenig. Es zeigt aber, wie leicht eine Auswertung entsteht, die niemand böswillig gebaut hat und die trotzdem etwas anderes misst, als ihre Überschrift sagt.

Eine dritte Beobachtung erklärt, warum die Stückzählung so kippt. Die drei Kontrakte werden von sehr unterschiedlichen Leuten gehandelt. Im großen Kontrakt über fünf Bitcoin sind 120 Händler unterwegs, im Hundertstel-Kontrakt 1.267. Der kleinste Kontrakt hat damit mehr als das Zehnfache an Teilnehmern und stellt 81 Prozent aller offenen Kontrakte, trägt aber nur 1,7 Prozent der Bitcoin-Menge. Umgekehrt stellt der große Kontrakt 9,2 Prozent der Stückzahl und 96,3 Prozent der Menge. Eine Stückzählung misst hier also vor allem, wie viele kleine Marktteilnehmer gerade aktiv sind, und fast nichts über die Größe der Wette.

Für den Leser ist das die eigentliche Lehre, und sie hat mit Bitcoin nichts zu tun. Bei jeder Positionsstatistik gehört die Frage davor, in welcher Einheit gezählt wird. Kontrakte sind Stück, und Stück wird erst zu einer Menge, wenn man die Kontraktgröße kennt. Steht in einer Grafik eine Zahl ohne Einheit, ist die erste Rückfrage nicht, ob sie stimmt, sondern was sie zählt. Ein Vorzeichen, das nur in einer der beiden Einheiten kippt, ist kein Signal über den Markt, sondern eines über die Zählweise.

Warum diese Fonds überhaupt auf der Verkaufsseite stehen

Damit bleibt die Frage, warum eine ganze Händlergruppe seit Jahren fast durchgehend auf der Verkaufsseite steht, ohne dass jemand von einem Dauer-Pessimismus spricht. Die Antwort ist ein Zinsgeschäft und keine Meinung. Beim Basis-Handel (cash and carry) kauft ein Fonds Bitcoin am Kassamarkt oder über einen Indexfonds darauf und verkauft gleichzeitig den Terminkontrakt. Beide Beine beziehen sich auf denselben Basiswert und heben sich in der Richtung fast auf. Verdient wird an der Differenz zwischen Termin- und Kassapreis, der Basis, die bis zur Fälligkeit zusammenläuft. Dieselbe Mechanik läuft bei US-Staatsanleihen in weit größerem Maßstab, wo der Rekord-Short der Händler überwiegend die Gegenseite eines abgesicherten Geschäfts ist.

Warum es diese Differenz bei Krypto überhaupt gibt, hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich untersucht. Auf der Kaufseite des Terminmarkts stehen überwiegend kleinere, trendfolgende Anleger, die Hebel wollen, ohne den Basiswert selbst zu halten. Sie sind bereit, für den Terminkontrakt einen Aufschlag zu zahlen. Auf der Verkaufsseite stehen Arbitrageure, die genau diesen Aufschlag einsammeln. Historisch war er üppig, im Schnitt über zehn Prozent pro Jahr und zeitweise über vierzig, deutlich mehr als vergleichbare Aufschläge bei Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen.

Das erklärt die Dauer-Position, und es erklärt auch, warum sie kein Kursurteil ist. Ein Fonds, der am Kassamarkt long und im Termin short ist, hat in der Summe kaum eine Richtungswette laufen. In der Positionsstatistik taucht aber nur das Termin-Bein auf, weil die Aufsicht Terminkontrakte erfasst und keine Kassa-Bestände. Was dort als Wette gegen Bitcoin aussieht, ist zu einem großen Teil die sichtbare Hälfte eines Geschäfts, dessen andere Hälfte in derselben Statistik gar nicht vorkommt.

Wie die Dauer-Position entstanden ist

Die Reihe lässt sich weit zurückverfolgen, und sie ist erstaunlich stabil. Im Jahr 2018, kurz nach dem Start des Kontrakts, waren die gehebelten Fonds in 59 Prozent der Wochen netto auf der Verkaufsseite, im Schnitt mit 115 Kontrakten. Seit 2020 gibt es keine einzige Ausnahme mehr. In den Jahren 2020 bis 2025 standen sie im großen Kontrakt in jeder einzelnen Berichtswoche netto short, und 2026 setzt sich das fort, in 31 von 31 Wochen bis zum 4. August. Eine Position, die sechs Jahre lang in jeder Woche dasselbe Vorzeichen trägt, ist keine Marktmeinung. Marktmeinungen wechseln.

Die Größe hat sich dagegen sehr wohl verändert, und der Sprung ist datierbar. Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Netto-Position im großen Kontrakt bei 5.327 Kontrakten auf der Verkaufsseite. Im Jahr 2024 waren es 16.497, also mehr als das Dreifache, und 2025 blieb es mit 16.240 auf diesem Niveau. Der Auslöser dazwischen ist der Start der amerikanischen Kassa-Indexfonds auf Bitcoin im Januar 2024. Erst damit konnte ein Fonds das Kassa-Bein bequem über Anteile an einem regulierten Fonds abbilden, beide Beine über denselben Broker abwickeln und ohne eigene Verwahrung von Kryptowährungen auskommen. Der Basis-Handel wurde damit von einer Spezialität zu einem Standardgeschäft.

Das ordnet auch die aktuelle Bewegung ein. Wenn die Netto-Position im großen Kontrakt 2026 im Schnitt bei 9.020 Kontrakten liegt und damit deutlich unter den rund 16.400 der beiden Vorjahre, dann schrumpft das Geschäft tatsächlich. Nur zeigt sich das in der Größe der Position und nicht in ihrem Vorzeichen. Der Unterschied ist wichtig. Ein schrumpfendes Zinsgeschäft heißt, dass weniger Kapital diese Brücke zwischen Kassa- und Terminmarkt baut. Ein Vorzeichenwechsel hieße, dass eine Gruppe ihre Rolle im Markt getauscht hat. Das eine ist belegt, das andere nicht.

Das eigentliche Signal steckt im Aufschlag

Wer nach einer echten Nachricht in diesen Daten sucht, findet sie nicht im Vorzeichen, sondern in der Basis selbst. Der Aufschlag des Dreimonats-Terminkontrakts auf den Kassapreis liegt nach Marktangaben derzeit bei rund drei Prozent im Jahr. Diese Zahl ist kein amtlicher Wert, sie stammt aus der Marktbeobachtung, und man sollte sie entsprechend vorsichtig behandeln. Interessant ist sie trotzdem, denn sie ist gegen einen amtlichen Wert zu halten. Am 4. August 2026 zahlte eine dreimonatige US-Staatsanleihe 3,89 Prozent, eine zweijährige 4,20 Prozent. Weil ein Basis-Handel vierteljährlich weitergerollt wird, ist der Dreimonatssatz der passende Vergleich, und schon der liegt oberhalb von drei Prozent.

Ein Geschäft, das nach Kosten weniger einbringt als eine kurzlaufende Staatsanleihe, hört auf, ein Geschäft zu sein. Dazu kommen Sicherheitsleistungen, Finanzierungs- und Ausführungsrisiken, die bei der Staatsanleihe entfallen. Wer den Aufschlag verfolgt, sieht also, wie eng die Luft für dieses Geschäft geworden ist, und genau daraus folgt der Rückgang der Positionsgröße, den die Daten zeigen. Diese Lesart braucht keinen Vorzeichenwechsel, sie kommt ohne ihn aus und ist besser belegt.

Die Untersuchung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich fügt dem noch eine Beobachtung hinzu, die in die andere Richtung zeigt. Eine hohe Basis ging historisch mit erhöhter Wahrscheinlichkeit späterer Kurseinbrüche einher, weil sie anzeigt, wie stark gehebelte Nachfrage gerade auf den Terminmarkt drückt. Eine niedrige Basis ist nach dieser Logik ein Zeichen für nachlassenden Hebel und nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Was sie sicher nicht ist, ist eine Aussage über den künftigen Kurs. Sie beschreibt die Anspannung im Markt, nicht seine Richtung.

Der faire Gegenpunkt

Das stärkste Gegenargument lautet, dass die Umrechnung in Bitcoin zwar korrekt ist, aber die falsche Frage beantwortet. Wer wissen will, wie viele Marktteilnehmer sich gerade neu positionieren, für den ist die Stückzahl durchaus aussagekräftig. Dass Tausende kleiner Kontrakte von der Verkaufs- auf die Kaufseite wechseln, ist eine echte Veränderung im Verhalten vieler Händler, auch wenn sie in Bitcoin gemessen wenig wiegt. Wer Stimmung messen will, misst Köpfe, nicht Tonnage. In diesem Sinn beschreibt die Stückzahl etwas Reales.

Dazu kommt, dass die Kritik an der Erklärung selbst einen wahren Kern hat. Der Basis-Handel schrumpft messbar, die Position im großen Kontrakt ist 2026 deutlich kleiner als 2024 und 2025, und die Basis liegt unter dem kurzfristigen Zins. Wenn das Zinsgeschäft an Bedeutung verliert, wird der verbliebene Short tatsächlich stärker von anderen Motiven getragen, und dann ist die alte Standarderklärung nicht mehr die ganze Wahrheit. So weit trägt der Einwand, und er ist der Grund, warum dieser Text die Beobachtung nicht als Erfindung abtut.

Er kippt an einer Stelle, und die ist der Satz, an dem die These hängt. Die Behauptung war, man könne kein Zinsgeschäft mit einer insgesamt netto langen Terminposition betreiben. Genau das lässt sich nachrechnen, und es stimmt nicht. Die 5.807 Kontrakte auf der Kaufseite bestehen aus 13.047 winzigen Kontrakten mit zusammen 485 Bitcoin und 7.240 großen mit 36.200 Bitcoin auf der Gegenseite. Das Zinsgeschäft läuft ungestört in der großen Reihe weiter, während die Stückzahl in der kleinen es rechnerisch überdeckt. Der Schluss vom Vorzeichen auf das Verschwinden des Geschäfts setzt voraus, dass beide Reihen dasselbe wiegen, und das tun sie um den Faktor fünfhundert nicht.

Was das für Anleger heißt

Was heißt das nun für dich, ohne dass daraus eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung wird. Der praktische Teil hat mit Bitcoin am wenigsten zu tun, denn dieselbe Zählweise steckt in den Positionsgrafiken, die dir für Gold, Öl und Währungen begegnen. Auch dort führt die Terminbörse einen großen und einen kleinen Kontrakt. Beim Gold stand am selben Stichtag der kleine Kontrakt für 13 Prozent aller offenen Kontrakte, aber nur für 1,5 Prozent der Unzen, weil er zehn statt hundert Feinunzen umfasst. Eine Grafik, die beide Reihen addiert, misst dort denselben Mischmasch wie bei Bitcoin.

Für den Euroraum gilt dasselbe in noch handlicherer Form. Im Euro-Terminkontrakt hielten die gehebelten Fonds am 4. August 2026 netto 52.205 Kontrakte auf der Verkaufsseite. Diese Zahl allein sagt gar nichts, denn ein Kontrakt lautet über 125.000 Euro. Erst die Multiplikation macht daraus eine Aussage, nämlich rund 6,5 Milliarden Euro. Wenn dir also die nächste Schlagzeile erzählt, die Spekulanten hätten sich gegen den Euro gestellt, ist die erste Frage nicht, ob das stimmt, sondern wie viel Euro das eigentlich sind und wie groß der Markt daneben ist. Dieselbe Frage in anderer Form haben wir schon beim Goldanteil der Notenbanken gestellt, wo ein Anteil vor allem über den Preis stieg und kaum über die Menge.

Und schließlich lohnt der nüchterne Blick darauf, was eine Positionsstatistik grundsätzlich leisten kann. Sie zeigt einen Ausschnitt eines Marktes, nämlich die Terminkontrakte einer einzigen Börse, und auch dort nur die meldepflichtigen Händler. Sie zeigt nicht, was dieselben Häuser am Kassamarkt, über Indexfonds oder an anderen Börsen halten, und deshalb ist ein Short darin nie automatisch eine Wette gegen etwas. Ob und in welcher Höhe eine schwankende Anlageklasse wie Bitcoin in deine Planung passt, hängt an deinem Zeithorizont und deiner Risikotragfähigkeit und nicht daran, wie eine Händlergruppe in einer Wochenstatistik gerade positioniert ist. Diese Abwägung nimmt dir dieser Text nicht ab.

Quellen

  1. Commitments of Traders, Traders in Financial Futures (Futures Only), Stichtag 4. August 2026 US-Terminmarktaufsicht (CFTC) · statistik ·
  2. Commitments of Traders, Disaggregated Futures Only, Gold und Micro Gold, Stichtag 4. August 2026 US-Terminmarktaufsicht (CFTC) · statistik ·
  3. Daily Treasury Par Yield Curve Rates, August 2026 US-Finanzministerium · statistik ·
  4. Crypto carry (BIS Working Paper No 1087) Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) · bericht ·
  5. Spot ETFs Give Rise to Crypto Basis Trading CME Group · bericht ·

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Positionszahlen stammen aus dem wöchentlichen Bericht Commitments of Traders der US-Terminmarktaufsicht und wurden über deren offene Schnittstelle selbst abgerufen. Die Umrechnung von Kontrakten in Bitcoin, Unzen und Euro erfolgte mit den in derselben Datei hinterlegten Kontraktgrößen und ist eigene Rechnung. Die Zinssätze stammen aus der täglichen Zinsstrukturkurve des US-Finanzministeriums, die Einordnung der Krypto-Basis aus einem Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Stand der Einordnung: 10. August 2026, Datenstichtag der Positionsdaten ist der 4. August 2026. Der Bericht erscheint freitags mit dem Stand des vorangegangenen Dienstags, die Zahlen sind also planmäßig drei Tage alt und werden gelegentlich nachträglich korrigiert. Die Angabe zur aktuellen Höhe der Krypto-Basis stammt aus der Marktbeobachtung und ist kein amtlicher Wert.

Versionshistorie: Erste Veröffentlichung am 10. August 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

Portora kennenlernen

Wenn dich Einordnung im Alltag interessiert, liest Portora deine eigenen Zahlen genauso ruhig.

Hier ordnen wir wirtschaftspolitische Entwicklungen sachlich ein. Im Cockpit siehst du, wie sie auf deine eigene Situation wirken.