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Terms of Trade im Ölschock: Amerika bekommt für seine Waren mehr, Deutschland weniger

Stand 16. September 2026. Die Einfuhrpreise der USA lagen im August 7,0 Prozent über dem Vorjahr, so hoch wie zuletzt im August 2022. In derselben Veröffentlichung stehen die Ausfuhrpreise mit 8,6 Prozent. Den Abstand erzeugen die Brennstoffe, die in der amerikanischen Ausfuhr doppelt so viel wiegen wie in der Einfuhr. Für die USA verbessert der Ölschock damit das Verhältnis zwischen dem, was sie verkaufen, und dem, was sie kaufen. In Deutschland lief es im Juli umgekehrt.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion11 Min Lesezeit

Ausfuhr gegen Einfuhr

8,6 %
höhere US-Ausfuhrpreise als ein Jahr zuvor
Einfuhrpreise 7,0 Prozent, August 2026
18,2 %
Anteil der Brennstoffe an der US-Ausfuhr
an der Einfuhr 9,0 Prozent
+1,6 %
Austauschverhältnis der USA über zwölf Monate
eigene Rechnung aus den Gesamtindizes
−2,4 %
Austauschverhältnis Deutschlands über zwölf Monate
eigene Rechnung, Juli 2026

Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics, Statistisches Bundesamt, eigene Rechnung

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

US-Werte aus der Veröffentlichung des Bureau of Labor Statistics vom 16. September 2026 für August, deutsche Werte aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 28. August 2026 für Juli. Veränderungen gegenüber dem Vorjahresmonat, soweit nicht anders genannt.

ZahlBedeutung
7,0 ProzentUS-Einfuhrpreise, höchster Wert seit August 2022 mit 7,7 Prozent
8,6 ProzentUS-Ausfuhrpreise
5,5 ProzentUS-Einfuhrpreise ohne Brennstoffe
5,8 ProzentUS-Ausfuhrpreise ohne Brennstoffe
26,8 ProzentUS-Einfuhrpreise für Brennstoffe, Gewicht 9,0 Prozent
23,3 ProzentUS-Ausfuhrpreise für Brennstoffe, Gewicht 18,2 Prozent
minus 10,2 ProzentUS-Einfuhrpreise für Brennstoffe in den drei Monaten bis August
plus 1,6 ProzentAustauschverhältnis der USA, Ausfuhr- geteilt durch Einfuhrpreisindex, August
plus 9,9 ProzentAustauschverhältnis der USA gegenüber Deutschland
plus 5,5 Prozentgegenüber der Europäischen Union
minus 5,6 Prozentgegenüber Kanada
minus 7,5 ProzentAustauschverhältnis der USA von Dezember 2007 bis Juni 2008
plus 7,0 Prozentvon Dezember 2021 bis Juni 2022
plus 3,0 Prozentvon Dezember 2025 bis April 2026
119,6 Milliarden DollarDefizit der USA im Warenhandel im Juli 2026
6,8 Prozentdeutsche Einfuhrpreise im Juli 2026
4,2 Prozentdeutsche Ausfuhrpreise im Juli 2026, stärkster Anstieg seit Februar 2023
minus 2,4 ProzentAustauschverhältnis Deutschlands im Juli, eigene Rechnung

Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics, U.S. Bureau of Economic Analysis, Statistisches Bundesamt, eigene Rechnung

Was 7 Prozent teurere Einfuhren zu sagen scheinen

Die Einfuhrpreise der USA lagen im August 7,0 Prozent über dem Vorjahresmonat. Das US-Arbeitsministerium, dessen Statistikamt Bureau of Labor Statistics (BLS) die Reihe führt, nennt es den höchsten Wert seit August 2022, damals waren es 7,7 Prozent. Allein im August stiegen die Einfuhrpreise um 0,7 Prozent, nach zwei Monaten mit je 0,3 Prozent Rückgang. Am selben Tag, an dessen Abend die US-Notenbank über ihren Leitzins entschied, lag die Lesart nahe, dass teurere Einfuhren den Preisdruck im Land verstärken. Dass im Frühjahr die Ölpreise nach oben geschossen waren, passt scheinbar dazu.

Die Lesart ist nicht falsch, sie ist nur halb. Eingekaufte Waren werden teurer, und ein Teil davon kommt irgendwann im Laden an. Aber ein Land kauft nicht nur ein, es verkauft auch. In derselben Veröffentlichung steht zwei Zeilen tiefer, dass die Ausfuhrpreise der USA im selben Zeitraum um 8,6 Prozent gestiegen sind, also stärker als die Einfuhrpreise. Wer nur die eine Zahl liest, übersieht, dass die USA für ihre Waren mehr bekommen, als sie für fremde Waren zusätzlich bezahlen.

Das Verhältnis beider Preise hat einen eigenen Namen, das Austauschverhältnis im Außenhandel, international Terms of Trade. Es beantwortet eine einfache Frage. Wie viele Waren aus dem Ausland bekommt ein Land für dieselbe Menge eigener Ausfuhren? Steigen die Ausfuhrpreise schneller als die Einfuhrpreise, bekommt es mehr, und das Verhältnis verbessert sich. Rechnet man es aus den beiden Gesamtindizes des BLS, liegt es im August 1,6 Prozent über dem Vorjahr.

Ein einziger Posten macht den Abstand

Woher der Abstand kommt, zeigt sich, wenn man die Brennstoffe herausnimmt. Ohne sie lagen die Ausfuhrpreise im August 5,8 Prozent über dem Vorjahr und die Einfuhrpreise 5,5 Prozent. Die beiden Warenkörbe sind also fast im Gleichschritt teurer geworden, getragen von Metallen, Vorprodukten und Maschinen. Der Unterschied zwischen 8,6 und 7,0 Prozent entsteht fast vollständig in einer einzigen Warengruppe.

Bei den Brennstoffen selbst stiegen die Einfuhrpreise sogar stärker als die Ausfuhrpreise, um 26,8 gegen 23,3 Prozent. Entscheidend ist aber nicht der Anstieg, sondern das Gewicht. In der amerikanischen Ausfuhr machen Brennstoffe und Schmiermittel 18,2 Prozent aus, in der Einfuhr 9,0 Prozent. Ein teureres Barrel Öl hebt deshalb den Durchschnitt der verkauften Waren ungefähr doppelt so stark wie den Durchschnitt der gekauften.

Ein grober Überschlag macht das greifbar. Rechnet man die Waren ohne Brennstoffe mit ihrem Anteil heraus, bleiben für die Brennstoffe in der Ausfuhr rund 3,9 Prozentpunkte des Anstiegs übrig, in der Einfuhr rund 2,0 Prozentpunkte. Fast zwei Prozentpunkte Vorsprung auf der Verkaufsseite kommen also vom Öl und seinen Produkten. Der Überschlag ist nicht exakt, denn die Gewichte beschreiben den Stand im Juli 2026 und sind durch den Preisanstieg selbst schon gewachsen, am Befund ändert das aber nichts. Wie dieselbe Zerlegung in Preis und Menge bei einem anderen Exportland aussieht, zeigt die Rechnung zu Koreas Ausfuhren, die das Austauschverhältnis als eine Kennzahl unter mehreren führt.

Drei Balkenpaare für die US-Außenhandelspreise im August 2026 gegenüber dem Vorjahr. Alle Waren, Ausfuhr 8,6 und Einfuhr 7,0 Prozent. Ohne Brennstoffe, Ausfuhr 5,8 und Einfuhr 5,5 Prozent. Brennstoffe, Ausfuhr 23,3 und Einfuhr 26,8 Prozent, bei einem Gewicht von 18,2 Prozent in der Ausfuhr und 9,0 Prozent in der Einfuhr.
Ohne Brennstoffe sind Aus- und Einfuhrpreise fast gleich gestiegen. Bei den Brennstoffen stiegen die Einfuhrpreise sogar stärker, aber Brennstoffe wiegen in der Ausfuhr doppelt so viel. Daraus entsteht der Vorsprung der Ausfuhrpreise.

Was das Austauschverhältnis misst und was nicht

Das Austauschverhältnis ist ein reines Preisverhältnis. Das BLS teilt den Ausfuhrpreisindex durch den Einfuhrpreisindex und multipliziert mit 100. Mengen stehen darin nicht, und deshalb sagt es nichts darüber, ob ein Land mehr verkauft als kauft. Die USA hatten im Juli 2026 ein Defizit im Warenhandel von 119,6 Milliarden Dollar, bei Ausfuhren von 201,0 und Einfuhren von 320,6 Milliarden Dollar. Ein besseres Austauschverhältnis und ein großes Defizit stehen also problemlos nebeneinander.

Die Preise sind außerdem ohne Zölle gemessen. Das BLS erfasst Einfuhren zu Preisen ab dem ausländischen Hafen oder mit Fracht und Versicherung bis zum amerikanischen Hafen, Einfuhrabgaben gehören nicht dazu. Wer die 7,0 Prozent als Folge der Zölle liest, liest sie deshalb falsch, die Zölle kommen auf diese Preise erst noch obendrauf. Dasselbe gilt für die deutschen Außenhandelspreise, das Statistische Bundesamt schreibt ausdrücklich, dass Steuern und Zölle nicht in die Berechnung einfließen.

Und schließlich misst das Verhältnis den Durchschnitt über alle Handelspartner. Gegenüber einzelnen Ländern kann es in die andere Richtung laufen, und genau dort zeigt sich, ob die Erklärung mit dem Öl stimmt. Das BLS veröffentlicht dafür eine eigene Tabelle.

Gegenüber dem eigenen Öllieferanten verliert Amerika

Wenn das Öl den Vorsprung erzeugt, müsste er gegenüber Ländern groß sein, die den USA Öl abkaufen oder kein Öl liefern, und er müsste gegenüber einem Land verschwinden, das den USA Öl verkauft. Die Tabelle des BLS zeigt genau dieses Muster. Gegenüber Deutschland verbesserte sich das Austauschverhältnis der USA über zwölf Monate um 9,9 Prozent und gegenüber Mexiko um 8,3 Prozent. Gegenüber der Europäischen Union waren es 5,5 Prozent, gegenüber Japan 5,0 Prozent.

Gegenüber Kanada dagegen verschlechterte es sich um 5,6 Prozent. Kanada ist der größte Rohöllieferant der USA, und aus Sicht dieses Handels sind die USA ein Käufer von Energie. Gegenüber China, von dem die USA vor allem Elektronik und Maschinen beziehen, lag die Veränderung bei 1,3 Prozent. Das Muster folgt damit nicht der Größe oder der Nähe eines Partners, sondern der Frage, in welche Richtung zwischen beiden das Öl fließt.

Eine Einschränkung gehört dazu. Gegenüber der Europäischen Union hat sich das Verhältnis in den letzten beiden Monaten leicht zurückgebildet, im Juli um 1,8 Prozent und im August um 0,4 Prozent. Das passt zum Verlauf der Einfuhrpreise für Brennstoffe, die in den drei Monaten bis August um 10,2 Prozent gefallen sind. Die Jahresrate trägt noch den Preissprung aus dem Frühjahr, der jüngste Anstieg der Ölpreise im September steckt in diesen Zahlen noch nicht.

Waagerechte Balken für das Austauschverhältnis der USA nach Handelspartner, August 2026 gegenüber August 2025. Deutschland plus 9,9 Prozent, Mexiko plus 8,3, Lateinamerika plus 6,0, Europäische Union plus 5,5, Japan plus 5,0, China plus 1,3, Industrieländer plus 0,8, Pazifikraum plus 0,7 und Kanada minus 5,6 Prozent.
Das Austauschverhältnis ist der Ausfuhrpreisindex geteilt durch den Einfuhrpreisindex. Gegenüber fast allen Partnern hat es sich verbessert, nur gegenüber Kanada, das den USA Rohöl liefert, hat es sich verschlechtert. Die Regionen überschneiden sich.

Wie es dazu kam, und warum 2008 das Gegenteil passierte

Dass ein Ölschock den USA im Handel nützt, ist neu. Nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) wurden die USA im Jahr 2020 zum ersten Mal seit mindestens 1949 zu einem Nettoexporteur von Erdöl und Erdölprodukten, sie verkauften also mehr ins Ausland, als sie einführten. Im Jahr 2022 lagen die Nettoausfuhren nach derselben Quelle bei rund 1,19 Millionen Barrel am Tag. Getragen hat diese Wende die Förderung aus Schiefergestein, die in den 2010er Jahren stark gewachsen war.

Wie groß der Unterschied ist, zeigt der Vergleich dreier Ölschocks. Im Jahr 2008 stieg der Ölpreis bis zum Sommer auf Rekordhöhe, und das Austauschverhältnis der USA verschlechterte sich von Dezember 2007 bis Juni 2008 um 7,5 Prozent. Damals kauften die USA weit mehr Öl, als sie verkauften, jeder Dollar mehr je Barrel verteuerte vor allem ihre Einkäufe. Im Jahr 2022, nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine, lief es bereits umgekehrt, von Dezember 2021 bis Juni 2022 verbesserte sich das Verhältnis um 7,0 Prozent.

Im Jahr 2026 folgt die Reihe dem Muster von 2022, nur schwächer. Von Dezember 2025 bis April 2026 verbesserte sich das Austauschverhältnis um 3,0 Prozent und gab danach gut zwei Drittel davon wieder ab, als die Einfuhrpreise für Brennstoffe im Juni und Juli fielen. Im August lag es 0,8 Prozent über dem Stand vom Dezember. Dieselbe Mechanik, die 2008 gegen die USA arbeitete, arbeitet heute für sie, weil sich die Richtung des Ölhandels umgedreht hat.

Drei Linien für das Austauschverhältnis der USA von Dezember bis August, jeweils mit Dezember des Vorjahres gleich 100. Die Linie für 2008 fällt bis Juni auf 92,5 und steht im August bei 93,9. Die Linie für 2022 steigt bis Juni auf 107,0 und steht im August bei 104,3. Die Linie für 2026 steigt bis April auf 103,0 und steht im August bei 100,8.
Eigene Rechnung aus den Gesamtindizes der Aus- und Einfuhrpreise des BLS. Im Ölschock 2008 verschlechterte sich das Verhältnis, 2022 und 2026 verbesserte es sich. Dazwischen sind die USA zum Nettoexporteur von Erdöl und Erdölprodukten geworden.

Auf der anderen Seite des Atlantiks läuft es umgekehrt

Deutschland ist das Gegenstück. Das Statistische Bundesamt meldete für Juli 2026 Einfuhrpreise, die 6,8 Prozent über dem Vorjahr lagen, und Ausfuhrpreise, die 4,2 Prozent darüber lagen. Rechnet man daraus das Austauschverhältnis, hat es sich um rund 2,4 Prozent verschlechtert. Zum Vergleich lag der amerikanische Wert für denselben Monat Juli bei plus 1,9 Prozent. Den größten Einfluss auf die deutschen Einfuhrpreise hatten nach dem Bundesamt Vorleistungsgüter mit plus 10,2 Prozent und Energie mit plus 26,4 Prozent. Ohne Energie stiegen die Einfuhrpreise nur um 4,8 Prozent.

Auch deutsche Energieausfuhren wurden teurer, um 27,2 Prozent, vor allem Mineralölerzeugnisse. Sie fallen im deutschen Export aber kaum ins Gewicht, denn Vorleistungs- und Investitionsgüter decken zusammen fast drei Viertel der Ausfuhren ab, und deren Preise stiegen um 6,5 und 2,4 Prozent. Deutschland bezahlt den Ölschock also auf der Einkaufsseite in voller Höhe und kann ihn auf der Verkaufsseite nur teilweise weitergeben. Wie sich das in Mengen und Salden niederschlägt, steht in der Auswertung zum deutschen Handelsüberschuss im Juli.

Beim Erdgas ist der Abstand zwischen beiden Wirtschaftsräumen noch größer, dort hat die Preisschere zwischen Europa und den USA eine eigene Dimension, die in der Rechnung zum Gaspreis in Europa und den USA steht. Für das Austauschverhältnis heißt das, dass derselbe Schock zwei große Wirtschaftsräume in entgegengesetzte Richtungen schiebt. Die Kaufkraft, die Deutschland beim Einkauf von Energie verliert, landet zu einem Teil bei den Ländern, die Energie verkaufen, und zu diesen gehören heute auch die USA.

Warum, ganz nüchtern

Ein verbessertes Austauschverhältnis ist eine Verschiebung von Kaufkraft zwischen Ländern. Wenn ein Barrel Öl teurer wird, zahlt der Käufer mehr für dieselbe Menge, und der Verkäufer bekommt mehr dafür. Kein zusätzliches Barrel wird gefördert, aber das Einkommen aus dem vorhandenen Barrel verteilt sich neu. Für ein Land, das mehr Öl verkauft als kauft, überwiegt der Zugewinn beim Verkauf.

Innerhalb der USA verteilt sich dieser Zugewinn allerdings sehr ungleich. Er landet zuerst bei Förderunternehmen, Raffinerien mit Ausfuhrgeschäft, deren Beschäftigten und in den Staatseinnahmen der Förderstaaten. Wer in Ohio tankt, zahlt den höheren Benzinpreis trotzdem, denn Öl hat einen Weltmarktpreis, und der amerikanische Autofahrer bezahlt ihn genauso wie der deutsche. Das bessere Austauschverhältnis ist eine Aussage über das Land als Ganzes, nicht über jeden Haushalt darin.

Dieselbe Rechnung kennen Länder wie Norwegen, Kanada oder Saudi-Arabien seit Jahrzehnten. Neu ist, dass die größte Volkswirtschaft der Welt dazugehört. Damit ändert sich, wie ein Ölschock zwischen den großen Wirtschaftsräumen wirkt, er trifft Europa und die großen asiatischen Einfuhrländer auf der Einkaufsseite und entlastet die USA auf der Verkaufsseite.

Der faire Gegenpunkt

Das stärkste Gegenargument betrifft die Größenordnung. Ein um 1,6 Prozent besseres Austauschverhältnis bezieht sich nur auf den Warenhandel, und der ist für die amerikanische Wirtschaft kleiner als für die deutsche. Die USA führten im Juli Waren für 201,0 Milliarden Dollar aus. Selbst ein spürbarer Preisvorteil auf diese Summe bewegt die Wirtschaftsleistung eines Landes dieser Größe nur im Bereich von Zehntelpunkten, während Konsum und Investitionen im Inland den Ausschlag geben.

Ein zweiter Einwand betrifft den Zeitpunkt. Die Einfuhrpreise für Brennstoffe sind in den drei Monaten bis August um 10,2 Prozent gefallen, und das Austauschverhältnis hat seit April gut zwei Drittel seines Zugewinns wieder abgegeben. Die Jahresrate von 1,6 Prozent ist deshalb zu einem guten Teil ein Nachhall des Frühjahrs. Außerdem revidiert das BLS jeden Monatswert in den drei folgenden Veröffentlichungen, der Augustwert ist also nicht endgültig.

Ein dritter Einwand betrifft die Gewichte. Die 18,2 und 9,0 Prozent sind Anteile zum Stand Juli 2026, fortgeschrieben mit den Preisen. Weil Brennstoffe teurer geworden sind, ist ihr Anteil schon dadurch gewachsen. Vor dem Ölschock war der Abstand zwischen beiden Anteilen kleiner. Der Mechanismus bleibt derselbe, aber wer die Gewichte als feste Größe liest, überschätzt, wie stark jeder weitere Dollar je Barrel wirkt.

Was das für Anleger heißt

Für die Einordnung von Handelsdaten ist die Einfuhrpreisrate allein zu wenig. Ob ein Rohstoffschock ein Land belastet oder entlastet, hängt daran, ob es den Rohstoff mehr kauft oder mehr verkauft, und das lässt sich am Verhältnis von Aus- zu Einfuhrpreisen ablesen. Für die USA zeigt dieses Verhältnis seit dem Ölschock 2022 ein anderes Vorzeichen als in allen Ölschocks davor, für Deutschland nicht.

Für ein breit gestreutes Depot heißt das zunächst nur, dass ein Ölschock die großen Wirtschaftsräume unterschiedlich trifft. Ein Welt-Aktienindex besteht zu einem großen Teil aus amerikanischen Unternehmen, und im Euroraum stecken mehr Unternehmen, deren Kosten an eingekaufter Energie hängen. Wie sich das in Gewinnen, Wechselkursen und Kursen niederschlägt, hängt an vielen weiteren Größen, an der Notenbankpolitik, an der Nachfrage und an der Frage, wie lange der Preis hoch bleibt. Das Austauschverhältnis ist eine dieser Größen, keine Vorhersage.

Woran man den weiteren Verlauf sieht, ist klar datiert. Das BLS veröffentlicht die Außenhandelspreise für September am 16. Oktober 2026, und erst diese Zahlen enthalten den Anstieg der Ölpreise aus dem September. Ob und wie du deine Aufteilung zwischen Wirtschaftsräumen daran ausrichtest, bleibt deine Entscheidung.

Quellen

  1. U.S. Import and Export Price Indexes, August 2026 U.S. Bureau of Labor Statistics · statistik ·
  2. Table 1 und Table 2, Import and Export Price Indexes by End Use, August 2026 U.S. Bureau of Labor Statistics · statistik ·
  3. Table 9, U.S. Terms of Trade Indexes by Locality, August 2026 U.S. Bureau of Labor Statistics · statistik ·
  4. Export- und Importpreisindizes, Reihen EIUIQ und EIUIR, 2007 bis 2026 U.S. Bureau of Labor Statistics · statistik ·
  5. U.S. International Trade in Goods and Services, July 2026 U.S. Bureau of Economic Analysis · statistik ·
  6. Importpreise im Juli 2026: +6,8 % gegenüber Juli 2025, Pressemitteilung Nr. 309 Statistisches Bundesamt (Destatis) · statistik ·
  7. Oil and petroleum products explained, Imports and exports U.S. Energy Information Administration · behoerde ·

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Stand der Daten ist der 16. September 2026. Die US-Außenhandelspreise beziehen sich auf den Berichtsmonat August 2026 und können in den drei folgenden Veröffentlichungen revidiert werden. Die deutschen Außenhandelspreise beziehen sich auf den Berichtsmonat Juli 2026. Das Austauschverhältnis für die USA insgesamt und für Deutschland ist eine eigene Rechnung aus den veröffentlichten Gesamtindizes, die Werte nach Handelspartner stammen direkt aus der Tabelle des BLS. Der Anteil der Brennstoffe am Anstieg ist ein Überschlag mit Gewichten zum Stand Juli 2026. Die Angaben zu den Nettoausfuhren von Erdöl stammen aus einer Übersicht der Energy Information Administration mit Daten bis 2022.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

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