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Der Iran verkauft wieder fast so viel Öl wie 2018, nur an einen einzigen Kunden
Stand 25. August 2026. Das US-Finanzministerium hat am 24. August die nächste Runde Iran-Sanktionen in Kraft gesetzt und sie einen Tag später auf weitere Zahlungs- und Transportwege ausgeweitet. Das Fass Brent kostet am Dienstagvormittag 89,70 Dollar und damit 2,68 Prozent weniger als am Vortag, der tiefste Stand seit einer Woche. Wer darin einen blinden Markt sieht, übersieht, worauf eine Sanktion überhaupt zugreift. Die amtliche Zahlenreihe der US-Energiebehörde zeigt seit 2018, dass diese Maßnahmen die verkaufte Menge zurückgeholt haben, während sich die Kundenliste des Iran von dreißig auf neunundneunzig Prozent China verschob.
Die Zerlegung in Zahlen
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Ausfuhrmengen und Erlöse nach dem Bericht der US-Energiebehörde an den Kongress vom Juni 2026, Datenstand März 2026. Alle Mengen sind Schätzungen aus Tankerverfolgung, weil der Iran seine Ausfuhren nicht meldet.
| Zahl | Bedeutung |
|---|---|
| 1.976 Tsd. Fass/Tag | iranische Ausfuhr 2018, dem Jahr des US-Ausstiegs aus dem Atomabkommen |
| 343 Tsd. Fass/Tag | Tiefpunkt 2020, ein Jahr nach dem vollen Greifen der Sanktionen |
| 1.576 Tsd. Fass/Tag | Ausfuhr 2025, rund vier Fünftel des Standes von 2018 |
| 1.567 Tsd. Fass/Tag | davon nach China, also 99 Prozent der Gesamtmenge |
| 9 Tsd. Fass/Tag | an alle Abnehmer außerhalb Chinas zusammen, 2018 waren es 1.367 |
| 51 Mrd. $ | geschätzter Ausfuhrerlös 2018, ohne Abschlag gerechnet |
| 5 Mrd. $ | geschätzter Ausfuhrerlös 2020, der Tiefpunkt der Reihe |
| 48 Mrd. $ | geschätzter Ausfuhrerlös 2025, ebenfalls ohne Abschlag |
| 8 bis 10 $ | Abschlag je Fass unter Brent für Iranian Light, Handelsangabe Januar 2026 |
| 4,9 Mio. Fass/Tag | Durchfahrt durch die Straße von Hormus im 2. Quartal 2026 |
| 21,6 Mio. Fass/Tag | dieselbe Durchfahrt im 4. Quartal 2025, vor Kriegsbeginn |
| 5,5 Mio. Fass/Tag | stillgelegte Förderung im Juli 2026, Schätzung der US-Energiebehörde |
| 102,7 Mio. Fass/Tag | erwarteter Weltverbrauch 2026, gegen 100,8 Millionen Förderung |
| 89,70 $ | Brent am 25. August 2026 vormittags, 2,68 Prozent unter dem Vortag |
Was die Ankündigung verspricht
Am 24. August 2026 hat das US-Finanzministerium eine neue Runde von Maßnahmen gegen den Iran in Kraft gesetzt. Die Liste der belegten Personen, Firmen und Schiffe wurde erweitert, dazu kamen Änderungen an den Allgemeingenehmigungen, mit denen Washington regelt, welche Geschäfte trotz Sanktionen erlaubt bleiben. Einen Tag später folgte die Ausweitung auf weitere Wege, über die iranisches Öl bezahlt und verschifft wird. Finanzminister Scott Bessent hatte die Runde vorab als die schärfste angekündigt, die es gegen das Land je gegeben habe.
Die Erwartung dahinter wird selten ausgesprochen, weil sie so selbstverständlich wirkt. Wer den Verkauf von Öl erschwert, verringert die Menge, die auf dem Weltmarkt ankommt. Weniger Angebot bei gleicher Nachfrage heißt höherer Preis. Ein Anleger, der so rechnet, erwartet an einem solchen Tag einen Sprung nach oben.
Der Sprung blieb aus. Das Fass der Sorte Brent notierte am Dienstagvormittag bei 89,70 Dollar, 2,68 Prozent unter dem Vortag und damit auf dem tiefsten Stand seit einer Woche. Das ist weder ein Rätsel noch der Beleg für einen blinden Markt. Es ist die Antwort auf eine Frage, die in der Ankündigung gar nicht gestellt wird. Eine Sanktion richtet sich an Personen, Firmen, Schiffe und Banken. Ein Preis entsteht aus Fässern. Ob das eine das andere erreicht, muss man nicht schätzen, es steht in einer Zahlenreihe, die die amerikanische Energiebehörde jedes Jahr an den Kongress liefert.
Acht Jahre in zwei Zahlenreihen
Diese Zahlenreihe steht in einem Bericht, den ein Gesetz von 2024 verlangt, der Stop Harboring Iranian Petroleum Act. Die Ausgabe vom Juni 2026 stützt sich auf die Tankerverfolgung des Dienstleisters Vortexa mit Datenstand März 2026 und schreibt die iranischen Ausfuhren von Rohöl und Kondensat Jahr für Jahr fort. Die Behörde stellt der Tabelle einen langen Vorbehalt voran, den man mitlesen muss. Sie darf diese Daten nicht selbst erheben, der Iran meldet nichts, und Tanker schalten ihre Kennung ab. Jede Zahl ist eine Schätzung.
Im Jahr 2018, als die USA aus dem Atomabkommen ausstiegen, verschiffte der Iran 1,976 Millionen Fass am Tag. Nachdem die Sanktionen im Mai 2019 vollständig griffen, brach die Menge ein, auf 651 Tausend Fass im Jahr 2019 und auf 343 Tausend im Jahr 2020. Das ist der Beleg dafür, dass diese Maßnahmen wirken können. Ein Rückgang auf ein Sechstel binnen zwei Jahren ist kein Rauschen.
Dann kam die Menge zurück. Im Jahr 2021 waren es wieder 808 Tausend Fass am Tag, zwei Jahre später schon 1,276 Millionen. Für 2025 steht in der Tabelle 1,576 Millionen Fass am Tag, mehr als das Viereinhalbfache des Tiefpunkts und rund vier Fünftel des Standes von 2018. Aufgehoben wurde in diesen Jahren keine einzige Maßnahme. Im Februar 2025 kam sogar eine weitere dazu, eine Anweisung des Präsidenten, die iranischen Ölausfuhren auf null zu treiben.
Die zweite Reihe zeigt, was sich stattdessen verändert hat. An Abnehmer außerhalb Chinas gingen 2018 noch 1,367 Millionen Fass am Tag. Im Jahr 2025 waren es 9 Tausend Fass am Tag. China nahm im selben Zeitraum erst 609 Tausend Fass ab und zuletzt 1,567 Millionen. Aus einem Kunden, der knapp ein Drittel abnahm, wurde einer, der neunundneunzig Prozent abnimmt. Die Behörde weist die Restmenge ausdrücklich als Differenz der beiden anderen Reihen aus, weshalb sich Rundungen von bis zu einem Tausend Fass fortpflanzen.
Damit steht die Zerlegung. Die Menge liegt heute fast wieder da, wo sie vor den Sanktionen lag. Die Adresse hat sich vollständig verschoben. Wer die Wirkung von acht Jahren Sanktionspolitik in einer einzigen Zahl sucht, findet sie nicht im Volumen, sondern in der Kundenliste.

Warum die Menge zurückkam
Der Grund ist kein Versagen der Behörden, sondern die eingebaute Grenze des Werkzeugs. Amerikanische Sanktionen gegen den iranischen Ölhandel sind zum größten Teil Sekundärsanktionen, also Maßnahmen, die nicht den Verkäufer treffen, sondern seine Geschäftspartner. Den Käufer, den Reeder, die Bank, den Hafen. Ihr Hebel ist die Drohung, den Betroffenen vom amerikanischen Finanzsystem abzuschneiden.
Diese Drohung ist scharf, wenn der Betroffene das amerikanische Finanzsystem braucht, und stumpf, wenn er es nicht braucht. Genau dorthin sind die Käufer gewandert. Der Kongressforschungsdienst beschreibt die Abnehmer in China als kleine, halbunabhängige Raffinerien, im Handel Teapots genannt, und gibt die Einschätzung wieder, sie seien schwer aufzufinden und dem amerikanischen Finanzsystem nicht ausgesetzt. Wem man keine Dollar-Korrespondenzbank nehmen kann, dem droht man vergeblich damit.
Dazu kommt eine Reihe von Verfahren, die den Weg des Fasses verschleiern. Ladungen werden als Öl anderer Herkunft umetikettiert. Schiffe senden falsche Positionsdaten, im Handel Spoofing genannt. Eine Flotte älterer Tanker mit undurchsichtigen Eigentümern, die Schattenflotte, übernimmt den Transport, und Ladung wird auf offener See von Schiff zu Schiff umgepumpt. Der Bericht listet für die Jahre 2020 bis 2025 die beteiligten Schiffe mit Namen und Kennnummer auf, über mehrere Seiten hinweg.
Wie beweglich dieses System ist, zeigt eine Episode vom Januar 2025. Der Hafenbetreiber der Provinz Shandong kündigte an, sanktionierte Schiffe nicht mehr anlegen zu lassen. Über diese Häfen lief bis dahin der größte Teil der iranischen Lieferungen nach China. Zwei Monate später lagen die chinesischen Einfuhren nach denselben Angaben unverändert, weil andere chinesische Häfen die Tanker annahmen. Die Sperre eines Hafens hat den Hafen gewechselt, nicht die Ladung.
Das ist die übertragbare Lehre, und sie gilt weit über den Ölmarkt hinaus. Eine Maßnahme, die an einer Adresse ansetzt, verschiebt die Ware zur nächsten Adresse, solange es eine gibt, die den Preis dafür akzeptiert. Sie verkleinert den Kreis der möglichen Käufer, und damit den Preis, den der Verkäufer erzielt. Die Menge verkleinert sie erst, wenn kein Käufer mehr übrig ist.
Der Preis, den der Verkäufer wirklich zahlt
Wirkungslos ist die Sanktion damit nicht, sie greift nur an einer anderen Stelle an als vermutet. Diese Stelle lässt sich beziffern.
Iranisches Öl wird mit Abschlag verkauft. Die Energiebehörde nennt einen Wert aus dem Handel, acht bis zehn Dollar je Fass unter Brent für die Sorte Iranian Light, berichtet im Januar 2026. Sie schreibt im selben Absatz dazu, dass sie über die tatsächlich gezahlten Preise keine belastbaren Daten hat und dass Tausch- und Verrechnungsgeschäfte mit Ländern wie Venezuela und Syrien zusätzliche Unsicherheit schaffen.
Rechne den Abschlag auf die Menge. 1,576 Millionen Fass am Tag sind über ein Jahr rund 575 Millionen Fass. Bei neun Dollar, also der Mitte der genannten Spanne, sind das etwa 5,2 Milliarden Dollar, die der Verkäufer nicht bekommt. Gemessen an den geschätzten Ausfuhrerlösen von 48 Milliarden Dollar für 2025 ist das gut ein Zehntel. Für den Käufer ist derselbe Betrag ein Einkaufsvorteil. Eine Sanktion, die den Kreis der Käufer verengt, verteilt also um, vom Verkäufer zum letzten verbliebenen Käufer.
Ein Vorbehalt gehört dazu, und die Behörde macht ihn selbst. Die 48 Milliarden sind ohne Abschlag gerechnet, also Marktpreis mal Menge. Der tatsächliche Kasseneingang liegt darunter, vermutlich um ungefähr die Größenordnung, die eben ausgerechnet wurde. Wer die Erlöszeile als Einnahme des iranischen Staates liest, liest sie falsch.
Aussagekräftig bleibt der Vergleich über die Jahre trotzdem, weil durchgehend dieselbe Methode dahintersteht. 2018 stehen dort 51 Milliarden Dollar, 2020 im Tiefpunkt 5 Milliarden, 2025 wieder 48 Milliarden. Acht Jahre Sanktionen, und der geschätzte Bruttoerlös liegt drei Milliarden unter dem Ausgangswert. Der Abstand ist kleiner als die Unsicherheit der Schätzung selbst.
Wie es dazu kam
Der rechtliche Rahmen ist über Jahrzehnte gewachsen und in seinen Grundzügen älter als die heutige Lage. Schon das Verteidigungshaushaltsgesetz für 2012 verpflichtet den Präsidenten, ausländische Banken vom amerikanischen Finanzsystem auszuschließen, wenn sie wissentlich bedeutende Geschäfte mit sanktionierten iranischen Banken abwickeln. Das ist die Bauform, die bis heute trägt. Nicht der Iran wird bestraft, sondern wer mit ihm Geschäfte macht.
Im Mai 2018 stiegen die USA aus dem Atomabkommen aus. Die anschließende Verfügung 13846 setzte die zuvor ausgesetzten Sanktionen wieder in Kraft, ausdrücklich auch auf Kauf, Erwerb, Verkauf, Transport und Vermarktung iranischen Öls. Voll wirksam wurden sie nach Ablauf einer sechsmonatigen Ausnahmefrist im Mai 2019, und genau dort liegt der Knick in der Zahlenreihe.
Im Januar 2020 kam die Verfügung 13902 dazu, die Sanktionen gegen ganze Wirtschaftszweige des Landes erlaubt. Im Oktober 2024 stellte die damalige Finanzministerin Janet Yellen fest, dass diese Ermächtigung auch für den Ölsektor gilt. Im April 2024 verabschiedete der Kongress das Gesetz, aus dem der hier ausgewertete Bericht stammt. Und im Februar 2025 unterzeichnete der Präsident die Sicherheitsanweisung NSPM-2, die eine dauerhafte Kampagne verlangt, die iranischen Ölausfuhren auf null zu treiben, ausdrücklich auch die nach China.
Die Zahlenreihe läuft also nicht neben einer nachlassenden Sanktionspolitik her, sondern neben einer, die in jedem einzelnen Jahr verschärft wurde. Zwischen der Anweisung von Februar 2025 und dem Jahreswert für 2025 liegen zehn Monate, und die Ausfuhr erreichte in diesem Jahr ihren höchsten Stand seit 2018.
Was 2026 tatsächlich Menge aus dem Markt genommen hat
Der Ölpreis dieses Jahres hat sich dennoch stark bewegt, nur eben nicht an den Sanktionsterminen. Bewegt hat ihn etwas Physisches. Seit dem Kriegsbeginn Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus, durch die im Normalbetrieb rund ein Fünftel des Weltverbrauchs verschifft wird, weitgehend blockiert. Nach Schätzung der US-Energiebehörde liefen im zweiten Quartal 2026 noch 4,9 Millionen Fass am Tag hindurch, nach 21,6 Millionen im vierten Quartal 2025. Die stillgelegte Förderung beziffert dieselbe Behörde für den Juli 2026 auf 5,5 Millionen Fass am Tag.
Das ist der Unterschied zwischen einer Anordnung und einer Sperre. Eine Designierung verbietet einem Käufer ein Geschäft. Eine gesperrte Meerenge verhindert eine Fahrt. Nur die zweite nimmt Fässer aus der Rechnung, und entsprechend sieht der Kursverlauf aus. Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran im Juni fiel Brent bis auf 69,56 Dollar am 6. Juli. Nach erneuten Angriffen auf Tanker in der Meerenge stieg der Preis bis auf 105,32 Dollar am 23. Juli. Am 18. August, dem letzten von der Energiebehörde gemeldeten Handelstag, standen 95,29 Dollar.
Warum eine praktisch dichte Meerenge den Preis trotzdem nur um diese Größenordnung bewegt und nicht um ein Vielfaches, ist eine eigene Rechnung, die in einer früheren Analyse steht (Durch die Straße von Hormus fährt kaum noch ein Tanker). Für den heutigen Punkt genügt die Trennlinie. Der Weltmarkt zieht seine Lager derzeit stark an, im zweiten Quartal um 4,2 Millionen Fass am Tag, und die Behörde erwartet für das dritte Quartal weitere 3,8 Millionen. Bei diesem Bild sind ein paar hunderttausend Fass iranischer Ausfuhr, die ohnehin schon unter Druck stehen, kein preistreibendes Ereignis mehr.
Der faire Gegenpunkt
Gegen diese Lesart lässt sich einiges sagen, und der stärkste Einwand ist nicht der naheliegende. Er lautet nicht, dass die Zahlen falsch seien, sondern dass die Reihe an dem Punkt endet, an dem es interessant wird. Der letzte Jahreswert ist 2025, der Datenstand März 2026. Was seit Kriegsbeginn geschehen ist, steht in dieser Tabelle nicht. Wer aus acht Jahren schließt, dass auch diese Runde nichts bewirkt, schreibt eine Regel fort, deren Bedingungen sich gerade geändert haben.
Denn diesmal steht die rechtliche Maßnahme nicht allein. Sie kommt zu einer militärischen Lage hinzu, in der Ladung physisch nicht mehr durchkommt. Rechtliche und physische Beschränkung zusammen können etwas erreichen, was keine von beiden allein schafft, weil der Umweg, den die Sanktion offenlässt, gerade zugefahren ist. Das ist ein ernstzunehmender Einwand, und er lässt sich mit den Daten dieses Berichts nicht widerlegen.
Ein zweiter Punkt geht in dieselbe Richtung. Die Konzentration auf einen einzigen Abnehmer ist zwar der Beleg dafür, dass die Sanktionen die Menge nicht getroffen haben, aber sie ist zugleich eine Verwundbarkeit. Wenn neunundneunzig Prozent durch eine Tür gehen, kann eine einzige Entscheidung in Peking bewirken, wozu acht Jahre Designierungen nicht in der Lage waren. Genau darauf zielt die neue Runde, die den Druck ausdrücklich auf die Abnehmerländer verlagert.
Und schließlich sind sämtliche Mengen Schätzungen aus Tankerbewegungen, erhoben gegen einen Verkäufer, der Verschleierung systematisch betreibt. Die Behörde sagt das in ihrem Vorwort deutlicher, als es die meisten Auswertungen wiedergeben. Die Größenordnung der Reihe ist belastbar, die einzelne Jahreszahl ist es nicht.
Was das für Anleger heißt
Für ein breit gestreutes Depot ist Rohöl selten eine eigene Position und fast immer ein Durchgangsposten. Der Preis wirkt über die Energiewerte im Weltindex, über die Kostenseite von Industrie und Transport und über die Inflation auf die Anleiherenditen, an denen wiederum jede Aktienbewertung hängt. Ein Ölpreis, der auf eine Nachricht nicht reagiert, ist deshalb keine Randnotiz, sondern eine Information darüber, was bereits im Preis steht.
Praktisch folgt daraus vor allem eine Lesegewohnheit. Bei jeder Sanktionsmeldung zuerst fragen, ob die Maßnahme eine Menge entfernt oder einen Weg verbietet. Wird ein Weg verboten, ist die Anschlussfrage, ob es einen anderen Weg gibt und wer den Aufpreis dafür trägt. Erst wenn kein Weg mehr übrig ist, wird aus einer politischen Nachricht ein Mengenereignis, und erst dann ist eine Preisreaktion überhaupt zu erwarten.
Die zweite Gewohnheit betrifft die Richtung der Wirkung. Sanktionen dieser Bauform zeigen sich zuerst im Abschlag und erst viel später in der Menge. Wer die Wirksamkeit an der verkauften Menge misst, misst die Größe, die sich am spätesten bewegt. Der Abschlag von acht bis zehn Dollar je Fass ist der eigentliche Effekt, und er ist eine Umverteilung zwischen Verkäufer und Käufer, kein Mengenverlust für den Weltmarkt.
Was hier ausdrücklich nicht steht, ist eine Aussage darüber, ob Öl, Energiewerte oder irgendein anderes Papier jetzt teuer oder billig sind, und schon gar keine Empfehlung, etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Der Text beschreibt, worauf ein Instrument dieser Bauform zugreift und worauf nicht. Was jemand daraus für sein eigenes Depot ableitet, hängt an seinem Anlagehorizont, seiner Risikotragfähigkeit und seiner Steuersituation, und diese Entscheidung nimmt ihm dieser Beitrag nicht ab.
Quellen
- Report on Iranian Petroleum and Petroleum Products Exports (SHIP Act, 2026 annual supplement)
- Short-Term Energy Outlook, August 2026, Abschnitt Global Oil Markets
- Iran’s Petroleum Exports to China and U.S. Sanctions (IF12952)
- Recent Actions, 24. August 2026, Iran-related Designations and Updates to Iran-related General Licenses
- Europe Brent Spot Price FOB, Tageswerte
Zur Entstehung dieses Artikels
Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die Ausfuhrmengen und Erlösschätzungen stammen aus dem Bericht der US-Energiebehörde (EIA) an den Kongress nach dem SHIP Act vom Juni 2026, dessen Datengrundlage die Tankerverfolgung von Vortexa Analytics mit Stand März 2026 ist. Die Angaben zu Sanktionsrecht, Umgehungsverfahren und den Abnehmern in China stammen aus einer Kurzanalyse des Kongressforschungsdienstes vom März 2025. Durchfahrtsmengen, stillgelegte Förderung, Lagerveränderung und Preiserwartung kommen aus dem Short-Term Energy Outlook vom 11. August 2026, die täglichen Brent-Notierungen aus der Spotpreisreihe der EIA mit Veröffentlichung vom 19. August 2026. Der Tagesstand vom 25. August 2026 ist eine Marktnotierung und mindestens 15 Minuten verzögert.
Zur Datenlage: Der Iran veröffentlicht keine Ausfuhrstatistik. Sämtliche Mengenangaben in diesem Beitrag sind Schätzungen aus der Verfolgung von Schiffsbewegungen, und die erhebende Behörde weist ausdrücklich darauf hin, dass Kennungen abgeschaltet, Ladungen umetikettiert und auf See umgepumpt werden. Die Erlöszahlen sind ohne Abschlag gerechnet und liegen deshalb über dem tatsächlichen Zufluss.
Stand der Einordnung: 25. August 2026. Preise, Ausfuhrmengen und der Sanktionsstand verändern sich laufend, die beschriebene Mechanik nicht.
Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.
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