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Energie und CO2-Preis

Das EU-Parlament verdoppelt die CO2-Preisbremse für Heizöl und Benzin bis Ende 2029

Ab 2028 hängt am Liter Heizöl und Benzin ein europäischer CO2-Preis, und für ihn hat das EU-Parlament am 15. September die Bremse verdoppelt. Sie schiebt zusätzliche Menge nach, wenn der Preis zu hoch steigt, setzt aber keinen Höchstpreis und gilt nur bis Ende 2029.

  1. Vorschlag
  2. Im Verfahren
  3. Verabschiedet
Portora Redaktion8 Min Lesezeit

Die Einigung in vier Zahlen

40 Mio.
zusätzliche Zertifikate, wenn der Preis zwei Monate über der Schwelle liegt
bisher 20 Millionen
rund 57 Euro
Schwelle je Tonne, fortgeschrieben mit der Teuerung bis 2025
in der Richtlinie 45 Euro in Preisen von 2020
7 Monate
vom ersten Tag über der Schwelle bis zur letzten Tranche, im längsten Fall
zwei Monate Beobachtung, zwei Monate Vorlauf, drei Monate Verteilung
Ende 2029
letzte mögliche Freigabe nach dieser Regel
danach entscheidet ein Bericht der Kommission

Quelle: Vorläufige Einigung PE791.078 vom 24.06.2026, Richtlinie 2003/87/EG Artikel 30h, Eurostat HICP, eigene Rechnung

Was die Einigung an der Reserve ändert

Am 15. September hat das Europäische Parlament mit 467 zu 158 Stimmen bei 41 Enthaltungen eine Einigung mit dem Rat angenommen, die eine Reserve im europäischen CO2-Handel für Gebäude und Straßenverkehr umbaut. Die Zertifikate in diesem Handel kaufen die Unternehmen, die Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel in Verkehr bringen, und sie geben den Preis über den Brennstoff an dich weiter. Die Pflicht, für den Ausstoß Zertifikate abzugeben, beginnt 2028. Bis dahin gilt in Deutschland der nationale CO2-Preis. Die Reserve ist ein Vorrat an Zertifikaten, aus dem nach festen Regeln zusätzliche Menge auf den Markt kommt, wenn das Angebot zu knapp wird oder der Preis zu stark steigt. Sie ist mit 600 Millionen Zertifikaten angelegt. Der Rat muss die Einigung noch förmlich annehmen, danach tritt sie 20 Tage nach der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.

Die Einigung dreht an drei Stellen, und nur die erste berührt direkt den Preis, den du an der Zapfsäule siehst. Die zweite glättet eine Stufe im Regelwerk. Nach der bisherigen Regel kommen 100 Millionen Zertifikate auf einen Schlag dazu, sobald weniger als 210 Millionen im Umlauf sind, ein einziges Zertifikat mehr oder weniger kann also über die ganze Menge entscheiden. Die Kommission beschreibt in ihrem Vorschlag, dass genau diese Unsicherheit selbst Preisschwankungen auslösen kann. Die dritte sorgt dafür, dass der Vorrat nach 2030 nicht verfällt. Gezählt wird die Menge im Umlauf ab dem 1. Januar 2028, im Vorschlag der Kommission stand dort noch 2027.

Die drei Änderungen

  • Greift die Schwelle von 45 Euro, kommen 40 statt 20 Millionen Zertifikate aus der Reserve. Greift sie zweimal innerhalb von zwölf Monaten, gilt der Aufschlag zweimal.
  • Liegen weniger als 260 Millionen Zertifikate im Umlauf, fließt schon vorher Nachschub, und zwar umso mehr, je näher die Menge an 210 Millionen rückt. Bei 235 Millionen im Umlauf wären es 50 Millionen. Unter 210 Millionen bleibt es wie bisher bei 100 Millionen.
  • Die Zertifikate in der Reserve bleiben über das Jahr 2030 hinaus gültig. Bisher wären sie verfallen, wenn sie bis dahin nicht freigegeben wurden.

Die Bremse schiebt Menge nach und setzt keinen Preis

Die 45 Euro stehen seit 2023 in der Emissionshandelsrichtlinie, als Schwelle in Preisen von 2020, die mit dem europäischen Verbraucherpreisindex fortgeschrieben wird. Mit der Teuerung in der EU bis 2025 gerechnet sind das rund 57 Euro je Tonne. Liegt der Durchschnittspreis bei den Versteigerungen zwei Monate hintereinander darüber, gibt die Reserve zusätzliche Zertifikate frei. Begründet wird die Regel in der Richtlinie damit, den Bürgern mehr Sicherheit zu geben, dass der Preis in den ersten Jahren diese Höhe nicht übersteigt. Im selben Text steht, dass der Markt weiterhin den Preis bestimmt. Beides passt nur zusammen, weil die Regel eine feste Menge nachschiebt. Ob 40 Millionen Zertifikate den Preis wieder unter die Schwelle bringen, hängt davon ab, wie viel Nachfrage dahintersteht, und dazu sagt die Regel nichts.

Zwei Monate muss der Preis über der Schwelle liegen, bevor die Bedingung erfüllt ist. Die Freigabe beginnt spätestens zwei Monate danach und wird gleichmäßig über drei Monate verteilt. Im längsten Fall liegen zwischen dem ersten Tag über der Schwelle und dem letzten zusätzlichen Zertifikat also sieben Monate. Danach ist die Regel zwölf Monate gesperrt. Wird die Schwelle im zweiten Halbjahr dieser Sperre erneut überschritten, kann die Kommission die Sperre aufheben, und sie hat erklärt, das in diesem Fall für richtig zu halten. Neben der 45-Euro-Regel gibt es zwei Auslöser für sprunghafte Anstiege gegenüber dem Durchschnitt der sechs Monate davor, und für sie steht kein Enddatum in der Richtlinie. Sie reagieren auf das Tempo eines Anstiegs, nicht auf seine Höhe.

Was die Schwelle je Liter und je Kilowattstunde bedeutet

CO2-Anteil am Preis einschließlich 19 Prozent Mehrwertsteuer, gerechnet mit den amtlichen Emissionsfaktoren. Die Schwelle von 45 Euro in Preisen von 2020 ist mit dem EU-Verbraucherpreisindex auf rund 57 Euro in Preisen von 2025 fortgeschrieben.

bei rund 57 Euro je Tonne (EU-Schwelle)bei 65 Euro je Tonne (deutscher Preis 2026)
Benzin, je Literrund 16 Centrund 19 Cent
Diesel oder Heizöl, je Literrund 18 Centrund 21 Cent
Erdgas, je Kilowattstunde laut Gasrechnungrund 1,2 Centrund 1,4 Cent
Tankfüllung mit 50 Litern Benzinrund 8 Eurorund 9 Euro
2.000 Liter Heizöl im Jahrrund 360 Eurorund 410 Euro
Die Rechnung nimmt an, dass der CO2-Preis vollständig im Endpreis ankommt. Energiesteuer und Produktpreis sind nicht enthalten.

Quelle: Emissionsberichterstattungsverordnung 2030, Anlage 2; Eurostat, Harmonisierter Verbraucherpreisindex; Richtlinie 2003/87/EG, Artikel 30h; eigene Rechnung

Der deutsche CO2-Preis liegt schon heute über der Schwelle

Für Haushalte in Deutschland steckt in der Einigung eine unerwartete Zahl. Bei der ersten Versteigerung nationaler Zertifikate am 1. Juli 2026 lag der Zuschlag bei 65 Euro je Tonne, der Obergrenze des Korridors. Das ist mehr als die rund 57 Euro, ab denen die europäische Regel von einem übermäßigen Preis ausgeht. Bis 2028 kommt weitere Teuerung auf die Schwelle. Damit sie 65 Euro erreicht, müssten die Verbraucherpreise in der EU von 2025 an aber noch einmal um rund 15 Prozent steigen. Ein Liter Heizöl trägt beim deutschen Preis rund 21 Cent CO2-Preis, bei der europäischen Schwelle wären es rund 18 Cent. Für einen Haushalt mit 2.000 Litern im Jahr ist das ein Unterschied von gut 50 Euro.

Wo der europäische Preis 2028 steht, lässt sich daraus nicht ableiten. Er entsteht an einem Markt für die ganze EU, er kann über oder unter dem deutschen liegen, und die Schwelle ist nur der Punkt, ab dem Nachschub kommt. Wie der nationale Preis für 2027 festgelegt wird und warum sein Korridor praktisch als Obergrenze wirkt, steht in unserem Artikel zum CO2-Preis 2027.

Was die Einigung kostet

Die Einigung kauft etwas, das vorher fehlte. Mit 40 statt 20 Millionen Zertifikaten reagiert die Regel doppelt so stark, die Stufe bei 210 Millionen verschwindet, und der Vorrat verfällt nicht mehr nach 2030. Die Kommission begründet das mit Planbarkeit, weil die Erwartungen an den künftigen Preis weit auseinanderliegen und die Mitgliedstaaten ihre Hilfen für Haushalte darauf abstimmen müssen. Für ein System, dessen Abgabepflicht erst 2028 beginnt, ist eine solche Nachjustierung vor dem Start nachvollziehbar.

Der erste Preis steckt im Versprechen selbst. Die Richtlinie stellt Sicherheit in Aussicht, dass der CO2-Preis in den ersten Jahren die Schwelle nicht übersteigt, und liefert dafür eine feste Menge von jetzt 40 Millionen Zertifikaten, egal ob der Preis zwei Euro oder zwanzig Euro darüber liegt. Dazu kommen bis zu sieben Monate, bis die Menge vollständig verteilt ist, und danach im Regelfall zwölf Monate Sperre. Wer in dieser Zeit Heizöl kauft, zahlt den Preis, der sich am Markt bildet.

Der zweite Preis ist das Datum. Freigaben nach der 45-Euro-Regel gibt es laut Richtlinie bis zum 31. Dezember 2029, und die Einigung ändert daran nichts. Weil die Abgabepflicht 2028 beginnt, begleitet die Bremse ihre ersten beiden Jahre. Ob sie danach weiterläuft, soll ein Bericht klären, den die Kommission Parlament und Rat bis Ende 2029 vorlegt. Eine Heizung, die 2027 eingebaut wird, verbrennt dagegen den größten Teil ihres Brennstoffs nach 2029.

Ich halte die Verdopplung für eine vernünftige Reparatur und das Enddatum für die schwächste Stelle der Einigung, gemessen an ihrem eigenen Ziel, Haushalten Planbarkeit zu geben. Wer über eine Heizung oder ein Auto entscheidet, braucht die Bremse für die Jahre, in denen er den Brennstoff kauft, und die liegen überwiegend hinter 2029.

Was die Einigung offenlässt

Drei Fragen beantwortet der Text nicht. Die erste ist der Preis, mit dem der Handel startet. Die Kommission verweist selbst auf ein breites Spektrum an Erwartungen, und eine Zahl gibt die Einigung nicht. Die zweite ist die Zukunft der Regel nach 2029. Die Einigung schreibt dem Bericht der Kommission vor, auch die verbleibenden Zertifikate in der Reserve nach Umweltwirkung und sozialer Fairness zu prüfen, entschieden ist damit nichts. Die dritte betrifft das Geld. Die Einnahmen aus dem Handel sollen die Mitgliedstaaten vorrangig für die sozialen Folgen und den Umstieg bei Heizung und Verkehr verwenden. Wie viel davon bei dir ankommt und in welcher Form, entscheidet der Bund und nicht die Reserve.

Offen bleibt außerdem, wie vollständig ein Aufschlag im Endpreis landet. Die Tabelle oben rechnet mit voller Weitergabe, das ist für eine Jahresrechnung die vorsichtige Annahme, für einen einzelnen Monat ist sie es nicht. Wie stark und wie schnell Kraftstoffpreise auf Kostenänderungen reagieren, haben wir getrennt aufgeschrieben.

Was du damit anfangen kannst

Für eine Heizungs- oder Autoentscheidung ist die wichtigste Zahl in dieser Einigung ein Datum. Rechnest du mit dem CO2-Preis, ist die Schwelle von rund 57 Euro kein Höchstwert, sondern der Punkt, ab dem Nachschub kommt, und das nur bis Ende 2029. Für die Jahre danach gibt es heute keine Regel, die an einer Preishöhe ansetzt. Eine vorsichtige Rechnung setzt für diese Jahre deshalb keinen gebremsten Preis an. Bei 2.000 Litern Heizöl im Jahr bewegt jeder Euro je Tonne gut 6 Euro auf deiner Rechnung, mit Mehrwertsteuer. Bei 20.000 Kilowattstunden Erdgas sind es gut 4 Euro.

Als Mieter spürst du den nationalen CO2-Preis heute schwächer, als die reine Rechnung nahelegt, weil die Kosten nach dem Zustand des Gebäudes zwischen dir und dem Vermieter aufgeteilt werden. Ob diese Aufteilung für den europäischen Preis ab 2028 genauso gilt, regelt die Einigung nicht, dafür braucht es eine Anpassung im deutschen Recht. Wie du deine Heizkosten insgesamt nachrechnest, zeigt unser Rechenweg zu den Heizkosten. Nicht ableitbar ist aus dieser Einigung ein Vorzieh- oder Vorratskauf, denn sie sagt nichts darüber, wo der europäische Preis 2028 stehen wird.

Quellen

  1. EU-Emissionshandel (ETS): Parlament will stabilere Preise Europäisches Parlament · pressemitteilung ·
  2. Vorläufige Einigung aus den interinstitutionellen Verhandlungen zur Marktstabilitätsreserve für Gebäude, Straßenverkehr und weitere Sektoren, PE791.078 Europäisches Parlament, Ausschuss für Umwelt, Klima und Lebensmittelsicherheit · primaerquelle ·
  3. Vorschlag für einen Beschluss zur Änderung des Beschlusses (EU) 2015/1814 in Bezug auf die Marktstabilitätsreserve für den Gebäude- und den Straßenverkehrssektor, COM(2025) 738 Europäische Kommission · gesetzentwurf ·
  4. Richtlinie (EU) 2023/959 zur Änderung der Richtlinie 2003/87/EG und des Beschlusses (EU) 2015/1814 Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union · gesetz ·
  5. HICP, jährliche Daten, Durchschnittsindex, Europäische Union Eurostat · statistik ·
  6. Anlage 2 der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030, Standardwerte zur Berechnung von Brennstoffemissionen Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · verordnung ·
  7. Erste Versteigerung im nEHS erfolgreich durchgeführt Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt (DEHSt) · pressemitteilung ·
  8. ETS2: buildings, road transport and additional sectors Europäische Kommission, Generaldirektion Klimapolitik · behoerde ·

Zur Entstehung dieses Artikels

Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Primärquellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen sind dem Text der vorläufigen Einigung, dem Vorschlag der Europäischen Kommission, der Emissionshandelsrichtlinie, den Daten von Eurostat, der Emissionsberichterstattungsverordnung und der Deutschen Emissionshandelsstelle entnommen und im Text mit Quellen verknüpft. Die Umrechnung der Schwelle in heutige Euro und in Cent je Liter ist eine eigene Rechnung auf dieser Grundlage.

Letzte Aktualisierung: 15. September 2026
Versionshistorie: Erste Veröffentlichung am 15. September 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine sachliche Einordnung wirtschafts- und sozialpolitischer Entwicklungen und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Rechtsberatung dar. Für konkrete Entscheidungen in deiner persönlichen Situation wende dich an eine fachlich zuständige Person.

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