Markt & Investieren
Der Gaspreis steht schneller auf der Rechnung, warum das die Inflation nicht höher macht
Stand 21. September 2026. Eine Umfrage der EZB unter den nationalen Notenbanken misst, wie lange der Großhandelspreis für Gas braucht, bis er in der Abrechnung der Haushalte steht. In mehr als der Hälfte des Euroraums sind es ein bis drei Monate. 2022 brauchte rund 40 Prozent des Euroraums dafür über ein Jahr. Heute sind es dort rund 5 Prozent. Ein kürzerer Weg ist aber keine Richtung. In der eigenen Projektion der EZB trägt er den Rückgang genauso schnell wie den Anstieg, über die Höhe sagt er nichts.
Die Zerlegung in Zahlen
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Alle relevanten Zahlen des Themas gebündelt. Die Anteile stammen aus der Umfrage im Wirtschaftsbericht der EZB, die Projektionswerte aus den Stabsprojektionen vom September 2026 mit Stichtag 19. August 2026.
| Zahl | Bedeutung |
|---|---|
| über 50 % | Anteil des Euroraums, in dem der Gaspreis binnen 1 bis 3 Monaten in der Verbraucherzahl steht |
| rund 10 % | Anteil mit einer Weitergabe binnen 4 bis 6 Monaten |
| rund 33 % | Anteil mit einer Weitergabe binnen 7 bis 12 Monaten |
| rund 5 % | Anteil mit einer Weitergabe erst binnen 13 bis 24 Monaten, 2026 |
| rund 40 % | derselbe Anteil in der Umfrage von 2022 |
| unter 1 Monat bis 2 Jahre | Spanne der Weitergabe beim Strom, etwa unverändert gegenüber 2022 |
| 31 % | Anteil von Steuern und Abgaben am Gaspreis im Jahr 2025, Durchschnitt des Euroraums |
| 27 % | derselbe Anteil beim Strompreis |
| 2 zu 1 | Gaseinsatz je erzeugter Einheit Strom in der Rechenannahme der EZB, 2 MWh Gas je 1 MWh Strom |
| 0,4 t | angenommener CO2-Ausstoß je MWh Strom aus Gas in derselben Rechnung |
| 36,2 auf 51,0 Euro | angenommener Gaspreis je MWh, Jahresmittel 2025 gegen 2026 |
| 83,6 auf 108,7 Euro | angenommener Strompreis im Großhandel je MWh, Jahresmittel 2025 gegen 2026 |
| +20 % | Anhebung der Gasannahme gegenüber der Juni-Projektion |
| +50 % | Anhebung der Stromannahme für das dritte Quartal 2026 gegenüber Juni |
| +9,3 % | projizierte Energieinflation im Jahr 2026 |
| +1,0 % | projizierte Energieinflation im Jahr 2027 |
| −0,6 % | projizierte Energieinflation im Jahr 2028 |
| fast 15 % | Höchstwert der Energieinflation, erwartet zum Ende des Jahres 2026 |
| −1,0 Punkte | Wirkung der staatlichen Entlastungen auf die Energieinflation im Jahr 2026 |
| unter −0,1 Punkte | Wirkung derselben Entlastungen auf die Gesamtrate |
| 2,9 % | HICP-Gesamtrate im Euroraum im Juli 2026 |
| 3,6 % | erwarteter Höchstwert der Gesamtrate im vierten Quartal 2026 |
Was die kürzere Frist zu bedeuten scheint
Die Zahl, um die es geht, stammt aus einer Umfrage der EZB unter den nationalen Notenbanken des Eurosystems. Gefragt wurde, wie lange es dauert, bis sich eine Änderung des Gaspreises im Großhandel in der Gasposition des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HICP) niederschlägt. Die Antworten werden danach gewichtet, wie viel jedes Land zur Gas-Inflation des Euroraums beiträgt. In mehr als der Hälfte des so gewichteten Euroraums dauert es ein bis drei Monate, in rund einem Zehntel vier bis sechs Monate und in rund einem Drittel sieben bis zwölf Monate.
Die auffälligste Bewegung steht am langsamen Ende. Der Anteil, in dem die Weitergabe erst nach 13 bis 24 Monaten ankommt, ist seit der Umfrage von 2022 von rund 40 auf rund 5 Prozent gefallen. Für die drei schnelleren Zeitfenster nennt die EZB keine Vergleichswerte von 2022, sondern nur die Richtung. Alle drei liegen höher als damals.
Daraus wird schnell eine Sorge. Wenn der Preis früher ankommt, so der Gedanke, dann wird die Inflation höher. Das ist der Schluss, den die Zahl nicht trägt, und die EZB selbst rechnet in ihrer Projektion an derselben Stelle in die andere Richtung.
Die Weitergabe hat ein Tempo, keine Richtung
Eine Weitergabe ist eine Strecke zwischen zwei Preisen, und eine Strecke hat eine Länge. Sie hat kein Vorzeichen. Wenn der Gaspreis im Großhandel steigt, steht der Anstieg nach ein bis drei Monaten in der Abrechnung. Wenn er fällt, steht der Rückgang nach ein bis drei Monaten in der Abrechnung. Was sich verkürzt hat, ist der Weg, und der Weg wird in beide Richtungen benutzt.
Die EZB selbst benutzt ihn genau so. In den Stabsprojektionen vom September 2026 steht der Satz, eine schnelle Weitergabe an die Verbraucher-Energiepreise bedeute, dass die Energieinflation den angenommenen Rückgängen der Rohstoffpreise rasch folgen werde. In Zahlen sieht das so aus. Die Energieinflation liegt in der Projektion 2026 bei plus 9,3 Prozent, 2027 bei plus 1,0 Prozent und 2028 bei minus 0,6 Prozent. Der Höchstwert von fast 15 Prozent wird zum Ende dieses Jahres erwartet, danach geht es in der zweiten Hälfte 2027 und in der ersten Hälfte 2028 unter null.
Wer das ausrechnen will, braucht dafür zwei Größen und nicht eine. Die erste ist die angenommene Bewegung des Großhandelspreises. Im Jahresmittel unterstellt die EZB für Gas 51,0 Euro je Megawattstunde in diesem Jahr nach 36,2 Euro im vergangenen, und 43,3 Euro im nächsten. Die zweite ist die Länge des Weges. Den Rückgang 2027 treiben dabei zwei Dinge. Zuerst fallen die hohen Werte dieses Jahres aus dem Zwölf-Monats-Vergleich heraus, das wirkt ohne jede Preisbewegung. Dazu kommen die angenommenen niedrigeren Rohstoffpreise, und dass die schon 2027 in der Verbraucherzahl ankommen und nicht erst 2028, hängt an der kurzen Weitergabe.
Genau deshalb ist die kurze Frist keine Nachricht über das Niveau, sondern eine über den Zeitpunkt. Sie verschiebt, wann etwas sichtbar wird, nicht wie viel. Über die Höhe des Ausschlags entscheiden der Großhandelspreis und der Anteil der Rechnung, der überhaupt beweglich ist. Beides steht in anderen Zahlen als in dieser Umfrage.

Warum der Schock von 2022 anders lief
Der Vergleich mit 2021 und 2022 drängt sich auf, und er trägt nur zum Teil. Damals fiel mehreres zusammen. Dürren senkten die Erzeugung aus Wasserkraft, eine größere Zahl französischer Kernkraftwerke stand zur Wartung still, und Europa war deshalb in der Stromerzeugung stark auf Gas angewiesen. Genau in diesem Moment brach nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine die Gasversorgung weg. Die Knappheit traf also auf eine Stromerzeugung, die sich kaum ausweichen konnte.
In diesem Jahr liegt der Fall anders. Die EZB nennt den Energiepreis-Schock von 2026 bisher kleiner im Ausmaß, mit begrenzteren Anstiegen bei den Großhandelspreisen für Gas und Strom als in der letzten Energiekrise. Zugleich haben viele Länder ihre kohlenstoffarme Erzeugung ausgebaut, vor allem aus erneuerbaren Quellen. Die Großhandels-Strompreise sind deshalb weniger stark gestiegen, und sie haben sich seit 2021 zwischen den europäischen Märkten auseinanderentwickelt.
Für die Weitergabe zum Verbraucher ist noch ein dritter Unterschied wichtig, und er liegt im Vertragsbestand. Wer 2021 einen Festpreis über zwei Jahre hatte, saß den ersten Teil des Ausschlags schlicht aus. Diese langen Bindungen sind seither vielerorts durch kürzere und flexiblere ersetzt worden. Derselbe Haushalt bekommt eine Bewegung im Großhandel heute also früher zu sehen, und das ist der Kern dessen, was die Umfrage misst.
Warum der Weg kürzer geworden ist
Der Grund liegt nicht im Gasmarkt, sondern im Vertrag zwischen Versorger und Haushalt. Die Endkundenmärkte für Gas und Strom sind in mehreren Ländern des Euroraums weiter liberalisiert worden. Neue Vertragsarten verkürzen die Laufzeit der Preisbindung oder führen flexiblere Tarife ein. Solche Tarife hängen enger am Großhandelspreis, und damit ändert sich der Endkundenpreis häufiger.
Man sieht daran, woran die Weitergabe wirklich hängt. Nicht an der Physik des Gases und nicht an der Länge der Pipeline, sondern an der Frage, wie oft jemand einen Preis neu festsetzen darf. Wer einen Festpreis über zwei Jahre hat, bekommt einen Preissprung im Großhandel gar nicht mit, bis sein Vertrag ausläuft. Wer einen Tarif hat, der quartalsweise nachzieht, bekommt ihn im nächsten Quartal.
Die EZB nennt dafür noch eine zweite Bedingung, und sie ist für die Einordnung wichtiger als die erste. Wie stark die Weitergabe ausfällt, hängt auch von der Dauer des Preisausschlags ab. Wo Versorger Gas und Strom Jahre im Voraus am Terminmarkt einkaufen und ihren Kunden langfristige Verträge anbieten, hat ein kurzer Ausschlag im Großhandel nur begrenzte Wirkung beim Verbraucher. Ein Sprung, der nach sechs Wochen wieder vorbei ist, erreicht einen Teil der Haushalte schlicht nie.
Ein Teil der Beschleunigung steckt in der Messung
Die interessanteste Einschränkung steht in einer Fußnote des Kastens, und sie betrifft nicht den Markt, sondern das Thermometer. Wie schnell und wie stark eine Änderung des Endkundenpreises im harmonisierten Verbraucherpreisindex auftaucht, hängt auch davon ab, wie dieser Index erhoben wird. Bis 2023 erfassten einzelne Länder nur einen Teil ihrer bestehenden Verträge, in manchen Fällen ausschließlich Neuverträge. Der Index bildete die tatsächlichen Kosten der Haushalte in Zeiten starker Preisausschläge also nicht vollständig ab. Diese Methodik ist inzwischen auf eine repräsentative Abdeckung der verschiedenen Vertragsarten umgestellt.
Für die Lesart der Umfrage heißt das etwas Unbequemes. Ein Teil dessen, was heute als schnellere Weitergabe gemessen wird, ist keine schnellere Weitergabe, sondern eine vollständigere Erfassung. Wer vorher nur Neuverträge zählte, sah einen Preissprung erst, wenn er in neue Verträge einsickerte. Wer jetzt alle Vertragsarten zählt, sieht ihn früher, ohne dass sich an einer einzigen Gasrechnung etwas geändert hätte.
Wie groß dieser Anteil ist, sagt die EZB nicht. Sie nennt die Methodenumstellung als einen von mehreren Gründen und beziffert sie nicht. Für den Leser bleibt damit eine ehrliche Unschärfe stehen, und sie ist der Grund, warum die Umfrage eine Größenordnung beschreibt und keinen Messwert. Dieselbe Vorsicht gilt bei jeder Zeitreihe, deren Erhebungsverfahren mitten im Beobachtungszeitraum geändert wurde.
Die Stromrechnung hat sich nicht beschleunigt
Von den zwei Energierechnungen, die ein Haushalt bekommt, hat sich nur eine verändert. Beim Strom ist die Weitergabe breiter verteilt, von weniger als einem Monat bis zu zwei Jahren, und sie liegt nach der Schätzung der EZB etwa so wie 2022. Dort ist der Weg also weder kürzer noch länger geworden.
Der Grund dafür sitzt eine Stufe früher, nämlich in der Frage, ob der Gaspreis den Strompreis überhaupt noch setzt. Ein Gaskraftwerk setzt den Preis dann, wenn es das letzte Kraftwerk ist, das gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken. Die EZB rechnet in ihrem Methodenkasten mit zwei Megawattstunden Gas je erzeugter Megawattstunde Strom und einem Ausstoß von 0,4 Tonnen CO2 je Megawattstunde. Aus beidem ergibt sich, ab welchem Strompreis Gas die Grenze setzt.
Je mehr Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, desto seltener wird dieser Punkt erreicht. Die EZB beschreibt den Effekt als negativ, nicht linear und über die Länder hinweg ungleich. In Spanien, wo der Anteil der erneuerbaren Erzeugung am höchsten ist, liegt die Zahl der Stunden, in denen der Gaspreis den Strompreis setzt, durchgehend niedriger und ist über die Jahre deutlich gefallen. In Frankreich dominiert die Kernkraft den Strommix und damit die Preissetzung. In Italien dagegen bestimmt der Gaspreis den Strompreis weiterhin häufig.
Damit hat dieselbe Gasmenge in zwei Nachbarländern eine sehr verschiedene Wirkung auf die Stromrechnung. Für eine Zentralbank, die einen Zins für alle setzt, ist das eine unangenehme Nachricht, und es ist dieselbe Ungleichheit, die Portora an den <a href="/news/erzeugerpreise-anderer-warenkorb-statt-vorlauf">deutschen Erzeuger- und Verbraucherpreisen für Strom</a> schon einmal aufgeschrieben hat. Dort waren es zwei verschiedene Warenkörbe, hier sind es zwei verschiedene Strommärkte.
Ein knappes Drittel der Rechnung bewegt sich gar nicht
Selbst dort, wo die Weitergabe schnell ist, erreicht sie nie die ganze Rechnung. Eine Gasrechnung besteht aus dem Energiepreis, den Netzentgelten und aus Steuern und Abgaben. Der letzte Block machte 2025 im Durchschnitt des Euroraums 31 Prozent des Gaspreises aus, beim Strom 27 Prozent. Diese Beträge sind gesetzlich gesetzt und bewegen sich mit dem Großhandel nicht mit.
Daraus folgt eine schlichte Obergrenze. Verdoppelt sich der Großhandelspreis für Gas und schlägt vollständig durch, steigt die Rechnung nicht um 100 Prozent, sondern um den Anteil, der überhaupt beweglich ist. Die Steuern dämpfen den Ausschlag nach oben, und sie dämpfen ihn nach unten genauso. Wer seine Rechnung nach einem Rückgang der Großhandelspreise halbiert erwartet, wird enttäuscht, und aus demselben Grund.
Der zweite Dämpfer ist politisch und kleiner, als es in den Ankündigungen klingt. Die staatlichen Entlastungen, die seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten beschlossen wurden, senken die Energieinflation in diesem Jahr nach Rechnung der EZB um 1,0 Prozentpunkte. Auf die Gesamtrate wirken sie mit etwas weniger als 0,1 Prozentpunkten. Wie weit eine Entlastung auf dem Weg zum Verbraucher verdünnt wird, hat Portora <a href="/news/tankrabatt-weitergabe-statt-steuersatz">am Tankrabatt vorgerechnet</a>.
Der faire Gegenpunkt
Die stärkste Erwiderung lautet, dass die Richtung einer Weitergabe für eine Notenbank eben doch nicht symmetrisch ist. Ein Preisanstieg, der binnen zweier Monate in der Rechnung steht, trifft die Haushalte, während die Tarifrunden laufen. Ein Rückgang, der ebenso schnell ankommt, trifft auf Löhne, die bereits erhöht wurden. Zweitrundeneffekte sind keine symmetrische Größe, und ein kürzerer Weg gibt ihnen mehr Gelegenheit, sich festzusetzen, bevor der Rückgang kommt.
Die EZB selbst weist in diese Richtung. Sie schließt den Kasten mit der Feststellung, die Entwicklung der Großhandelspreise verlange genaue Beobachtung, weil ihre Weitergabe an die Verbraucherpreise eine wichtige Quelle kurzfristiger Schwankung in der Inflationsrate bleibe. Schwankung ist nicht dasselbe wie Niveau, aber für eine Notenbank, die alle sechs Wochen entscheidet, ist der Unterschied kleiner als für einen Anleger mit zwanzig Jahren Horizont.
Der zweite Einwand trifft die Symmetrie direkt. In vielen Energiemärkten steigen Endkundenpreise schneller, als sie wieder fallen, ein Muster, das Portora am <a href="/wissen/warum-der-spritpreis-nicht-dem-oelpreis-folgt">Verhältnis von Spritpreis und Ölpreis</a> auseinandergenommen hat. Die Umfrage der EZB misst dagegen nur die Frist und nicht, ob der Ausschlag nach unten genauso groß ausfällt wie nach oben. Wer aus einer kurzen Frist auf einen ebenso schnellen Rückgang schließt, unterstellt eine Symmetrie, die in dieser Erhebung gar nicht geprüft wurde. Der Satz, eine Weitergabe habe ein Tempo und keine Richtung, gilt für die Frist. Für die Höhe gilt er nicht automatisch.
Dazu kommt ein Einwand gegen die Beruhigung aus der Stromseite. Dass der Gaspreis den Strompreis seltener setzt, gilt im Jahresschnitt. Im Sommer 2026 hat genau das Gegenteil gewirkt, denn die Hitzewellen haben die Nachfrage erhöht und die Erzeugung gedrosselt, und ein Teil des Anstiegs der Großhandels-Strompreise geht nach Einschätzung der EZB darauf zurück. Eine Struktur, die im Mittel dämpft, kann im Einzelmonat verstärken.
Was das für Anleger heißt
Die Zahl beschreibt für einen Anleger vor allem eines, nämlich den Abstand zwischen einer Nachricht und ihrer Bestätigung. Wer die Gaspreise im Großhandel verfolgt, wusste bisher, dass er die Wirkung auf die gemessene Inflation erst mit einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren sehen würde. Nach dieser Umfrage sind es in mehr als der Hälfte des Euroraums ein bis drei Monate. Der Datenpunkt, auf den ein Zinsentscheid reagiert, folgt dem Rohstoffpreis also enger als früher.
Für die Einordnung der kommenden Monate heißt das konkret, dass die Projektion und die Umfrage zusammengehören. Die EZB erwartet die Gesamtrate im vierten Quartal dieses Jahres bei 3,6 Prozent und die Energieinflation dort bei fast 15 Prozent, und für 2027 sieht sie die Energieinflation bei plus 1,0 Prozent und für 2028 bei minus 0,6 Prozent. Diese Umkehr braucht eine kurze Weitergabe, sonst käme sie ein Jahr später. Wer die Umfrage als Warnung liest, muss sie auch als Bedingung für den projizierten Rückgang lesen.
Zweiseitig betrachtet stehen sich dabei zwei Fehler gegenüber. Der eine ist, aus einer kürzeren Frist auf ein höheres Preisniveau zu schließen, obwohl die Frist nur den Zeitpunkt verschiebt. Der andere ist, die Symmetrie für vollständig zu halten, obwohl Lohnabschlüsse und Erwartungen nicht symmetrisch reagieren und die EZB ausdrücklich vor der kurzfristigen Schwankung warnt. Beide Fehler führen zu einer Erwartung, die der Datenlage nicht entspricht, nur in verschiedene Richtungen.
Was daraus folgt, ist eine Frage an die eigene Zeitreihe und kein Handeln. Wer eine Energiepreis-Zahl gegen eine Verbraucherpreis-Zahl hält, sollte wissen, welche Verzögerung er unterstellt und ob sie noch die von 2022 ist. Warum eine Jahresrate sich außerdem bewegen kann, ohne dass ein einziger Preis sich geändert hat, steht <a href="/news/jahresrate-monatstausch-statt-abkuehlung">getrennt aufgeschrieben</a>. Ob sich aus alldem für das eigene Depot etwas ergeben soll, bleibt eine Entscheidung des Lesers und hängt an seinem Horizont, nicht an einer Umfrage.
Quellen
Zur Entstehung dieses Artikels
Dieser Beitrag wurde auf Basis der oben verlinkten Quellen mit KI-Unterstützung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Stand der Daten ist der 21. September 2026. Die Anteile zur Weitergabe stammen aus dem Kasten "The uneven journey of wholesale gas and electricity prices to consumer bills" im Wirtschaftsbericht 6/2026 der EZB. Die vollständige Ausgabe dieses Wirtschaftsberichts terminiert die EZB auf ihrer Übersichtsseite auf den 24. September 2026, der Kasten selbst ist seit dem 21. September 2026 auf der Seite der EZB abrufbar. Es handelt sich um Angaben aus einer Umfrage unter nationalen Notenbanken, also um Einschätzungen und nicht um gemessene Werte; die EZB gibt sie selbst gerundet an ("mehr als die Hälfte", "rund ein Zehntel"). Für die drei schnelleren Zeitfenster nennt sie keinen Vergleichswert von 2022, sondern nur die Richtung, weshalb die Grafik dort keinen Vorjahresbalken zeigt. Die EZB weist ausdrücklich darauf hin, dass auch die Erhebungsmethodik des harmonisierten Verbraucherpreisindex eine Rolle spielt, und beziffert diesen Anteil nicht. Die Projektionswerte stammen aus den Stabsprojektionen vom September 2026 mit einem Stichtag der technischen Annahmen vom 19. August 2026 und sind bedingte Projektionen, keine Prognosen mit Eintrittsgarantie. Die Einordnung gibt den Kenntnisstand zum genannten Datum wieder.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.
Portora kennenlernen
Wenn dich Einordnung im Alltag interessiert, liest Portora deine eigenen Zahlen genauso ruhig.
Hier ordnen wir wirtschaftspolitische Entwicklungen sachlich ein. Im Cockpit siehst du, wie sie auf deine eigene Situation wirken.