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5,06 Prozent Entnahme aus 2,94 Prozent Rendite, und die Differenz ist der Kalender

Stand 20. August 2026. Die dreißigjährige reale Rendite amerikanischer Staatsanleihen stand am 19. August bei 2,94 Prozent, zwei Tage zuvor bei 3,06 Prozent und damit so hoch wie nie seit Beginn dieser Reihe im Februar 2010. Daraus wird gerade eine sichere Entnahmerate von fünf Prozent abgeleitet, und die Rechnung dahinter stimmt sogar auf die Nachkommastelle. Nur misst sie etwas anderes, als die meisten lesen. Eine Rendite sagt, was ein Kapital abwirft. Eine Entnahmerate sagt, was du entnehmen kannst, bis nichts mehr da ist. Zwischen 2,94 und 5,06 Prozent steht keine zusätzliche Ertragsquelle, sondern eine Jahreszahl.

Vorläufige Daten
Portora Redaktion12 Min Lesezeit

Die Zerlegung in Zahlen

2,94 %
Reale Rendite, 30 Jahre (US-Finanzministerium, Schlussstand 19.08.2026)
5,06 %
Entnahmerate, 30 Jahre (Rentenformel bei 2,94 Prozent realer Verzinsung)
65,8 %
Davon eigenes Kapital (je ausgezahltem Euro über die gesamte Laufzeit)
4,22 %
Nach deutscher Abgeltungsteuer (bei 26,375 Prozent auf den nominalen Ertrag)

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

ZahlBedeutung
2,07 / 2,35 / 2,72 / 2,94 %Reale Renditen für 5, 10, 20 und 30 Jahre, Schlussstand 19.08.2026
3,06 %Höchststand der dreißigjährigen realen Rendite am 17.08.2026, Reihenhoch seit 22.02.2010
2,47 %Höchststand der zehnjährigen realen Rendite 2026, erreicht am 31.07. Höher lag sie zuletzt am 21.11.2008 mit 3,15 Prozent
5,19 %Nominale Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen am 19.08.2026
2,19 ProzentpunkteDifferenz zwischen nominaler und realer Rendite, also die vom Markt eingepreiste Inflation über dreißig Jahre
5,06 %Jährliche reale Entnahme aus einer dreißigjährigen Leiter, Rentenformel bei 2,94 Prozent
2,94 + 2,12Aufteilung des ersten Entnahmejahres in Ertrag und Kapitalrückzahlung, in Prozentpunkten
151,9 %Summe aller Auszahlungen über dreißig Jahre, gemessen am Startkapital
48 FälligkeitenInflationsindexierte US-Staatsanleihen im Umlauf am 30.06.2026, verteilt auf die Jahre 2026 bis 2056
2037, 2038, 2039Jahre ohne eine einzige Fälligkeit, also fehlende Sprossen in jeder Leiter
3 Anleihen, 47,05 Mrd. EuroInflationsindexierte Bundeswertpapiere im Umlauf, fällig 2030, 2033 und 2046. Seit 2024 keine Neuemission
26,375 %Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag auf Kapitalerträge, ohne Inflationsbereinigung der Bemessungsgrundlage
1,60 %Reale Rendite nach deutscher Abgeltungsteuer, gerechnet aus 5,19 Prozent nominal und 2,19 Prozentpunkten Inflationserwartung
4,15 %Ursprüngliches Ergebnis der Vier-Prozent-Regel von 1994, ebenfalls auf einen Horizont von dreißig Jahren gerechnet

Was fünf Prozent Entnahme zu versprechen scheinen

Eine Prozentzahl neben einer Staatsanleihe liest sich wie ein Zinssatz. Das ist meistens auch richtig. Wenn ein Papier vier Prozent trägt, bekommst du vier Prozent im Jahr, und der Nennwert bleibt am Ende derselbe. Genau diese Erwartung wandert mit, sobald neben einer Anleihe die Zahl fünf Prozent auftaucht. Sie klingt nach einer Verzinsung, die zufällig gerade hoch ist, und sie klingt nach etwas, das man mit anderen Verzinsungen vergleichen kann.

Die Behauptung, um die es hier geht, geht noch einen Schritt weiter. Sie lautet, eine Leiter aus inflationsindexierten US-Staatsanleihen (TIPS) liefere eine sichere Entnahmerate von rund fünf Prozent, und das sei mehr als die bekannte Vier-Prozent-Regel für ein gemischtes Depot. Daraus folgt für viele Leser eine einfache Rechnung. Mehr Prozent bei weniger Risiko, also die bessere Lösung, und der Aktienanteil im Depot wäre ein vermeidbarer Umweg.

Das Erstaunliche daran ist, dass die fünf Prozent stimmen. Sie sind nicht geschätzt, nicht beworben und nicht das Ergebnis einer optimistischen Annahme. Bei einer realen Rendite von 2,94 Prozent und einer Laufzeit von dreißig Jahren liefert die Rentenformel exakt 5,062 Prozent. Wer das nachrechnet, kommt auf dieselbe Zahl, und zwar unabhängig davon, was er von Aktien hält. Der Fehler steckt also nicht in der Zahl. Er steckt in der Frage, die sie beantwortet.

Eine Entnahmerate zerfällt in zwei Teile

Eine Rendite beantwortet die Frage, was ein Kapital abwirft, während es liegen bleibt. Eine Entnahmerate beantwortet die Frage, was du herausnehmen kannst, bis es aufgebraucht ist. Das sind zwei verschiedene Fragen, und nur bei einer einzigen Konstellation fallen die Antworten zusammen, nämlich bei unbegrenztem Horizont. Wer ein Kapital ewig erhalten will, kann genau die Rendite entnehmen und keinen Cent mehr. Sobald ein Enddatum dazukommt, darf zusätzlich das Kapital selbst verbraucht werden, und genau dieser zweite Teil erzeugt den Abstand.

Bei 2,94 Prozent realer Verzinsung und dreißig Jahren Laufzeit setzen sich die 5,06 Prozent so zusammen. Im ersten Jahr sind 2,94 Prozentpunkte Zinsertrag und 2,12 Prozentpunkte Tilgung, also Rückfluss des eingesetzten Geldes. In den Folgejahren verschiebt sich das Verhältnis, weil das verbleibende Kapital schrumpft und damit auch der Zinsanteil. Der ausgezahlte Betrag bleibt real gleich, seine Zusammensetzung nicht. Am Ende der Laufzeit besteht die letzte Zahlung fast vollständig aus Tilgung.

Über die gesamte Laufzeit lässt sich das sauber aufaddieren. Dreißig Zahlungen zu je 5,062 Prozent ergeben 151,9 Prozent des Startkapitals. Davon sind 100 Prozentpunkte das Geld, das du selbst eingezahlt hast, und 51,9 Prozentpunkte sind Ertrag. Anders gesagt, von jedem Euro, der über dreißig Jahre bei dir ankommt, sind rund 66 Cent dein eigenes Kapital auf dem Rückweg und rund 34 Cent Verzinsung. Nimm 100.000 Euro als Beispiel. Die Leiter zahlt real 5.062 Euro im Jahr, über dreißig Jahre summiert sich das auf 151.873 Euro, und danach ist das Depot leer.

Gestapeltes Balkendiagramm mit sechs Balken für Entnahmehorizonte von zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig Jahren und unbegrenzter Laufzeit. Der untere Balkenteil zeigt in allen sechs Fällen dieselbe Realrendite von 2,94 Prozent, der obere Teil den Kapitalverzehr, der von 8,75 Prozentpunkten bei zehn Jahren auf null bei unbegrenzter Laufzeit schrumpft. Die Gesamtentnahmerate fällt entsprechend von 11,69 auf 2,94 Prozent.
Realrendite dreißigjähriger inflationsindexierter US-Staatsanleihen 2,94 Prozent, Schlussstand 19. August 2026. Entnahmerate nach der Rentenformel, jährlich nachschüssig, reale Größen. Quelle der Rendite: US-Finanzministerium, tägliche reale Zinskurve.

Warum der Kalender die ganze Arbeit macht

Halte die Rendite fest und ändere nur den Horizont, dann siehst du, woher der Abstand wirklich kommt. Bei denselben 2,94 Prozent realer Verzinsung liefert eine Leiter über zehn Jahre eine Entnahmerate von 11,69 Prozent. Über zwanzig Jahre sind es 6,68 Prozent, über dreißig 5,06, über vierzig 4,28 und über fünfzig 3,84 Prozent. Ohne Enddatum bleiben genau die 2,94 Prozent übrig. Die Rendite hat sich in keiner dieser Rechnungen bewegt.

Daraus folgt eine Faustregel, die auch ohne Taschenrechner trägt. Je kürzer der Horizont, desto größer der Anteil, der aus dem Kapital stammt, und desto weniger sagt die Entnahmerate über die Qualität der Anlage. Bei zehn Jahren sind von den 11,69 Prozent nur 2,94 Prozentpunkte Ertrag, der Rest ist Rückzahlung. Wer eine solche Zahl mit einer Rendite vergleicht, vergleicht im Wesentlichen die Länge zweier Zeiträume und hält das Ergebnis für eine Aussage über Zinsen.

Die Gegenprobe macht es endgültig deutlich. Nimm eine Realrendite von null und dreißig Jahre Laufzeit, dann kannst du immer noch 3,33 Prozent im Jahr entnehmen, nämlich ein Dreißigstel deines Geldes. Eine Entnahmerate von 3,33 Prozent kann also aus einer Anlage stammen, die real überhaupt nichts abwirft. Umgekehrt liefert eine Realrendite von zwei Prozent über dreißig Jahre 4,46 Prozent Entnahme, und drei Prozent liefern 5,14. Die Entnahmerate reagiert damit deutlich träger auf die Rendite als auf den Horizont, und genau deshalb ist sie ohne Jahreszahl keine verwertbare Angabe.

Die Vier-Prozent-Regel misst denselben Zeitraum

An dieser Stelle wird der Vergleich interessant, gegen den die fünf Prozent ausgespielt werden. Die Vier-Prozent-Regel stammt aus einer Untersuchung des Finanzplaners William Bengen, veröffentlicht im Oktober 1994 im Journal of Financial Planning. Bengen prüfte an historischen amerikanischen Aktien- und Anleihedaten, welchen Anfangsbetrag ein Ruheständler jährlich hätte entnehmen können, inflationsangepasst, ohne in irgendeinem der untersuchten Startjahre vorzeitig leer auszugehen. Sein Ergebnis waren 4,15 Prozent, gerundet auf vier, und der Prüfzeitraum betrug dreißig Jahre.

Damit ist der Vergleich strukturell zulässig, aber aus einem anderen Grund als angenommen. Beide Zahlen messen denselben Horizont. Der Unterschied liegt also nicht darin, dass eine von beiden das Kapital verbraucht und die andere nicht, denn beide dürfen das. Er liegt darin, wie sicher der Betrag ist und was am Ende übrig bleibt. Die Leiter zahlt 5,06 Prozent mit vertraglicher Zusage des amerikanischen Staates und hinterlässt planmäßig nichts. Die Vier-Prozent-Regel ist eine Beobachtung über die Vergangenheit und hinterlässt in den meisten historischen Verläufen ein Vielfaches des Startkapitals.

Der Tausch heißt deshalb nicht mehr Rendite gegen weniger Risiko, sondern Sicherheit gegen Erbe. Wer die Leiter wählt, kauft Gewissheit über den Betrag und verzichtet auf jede Aussicht auf einen Rest. Wer das gemischte Depot wählt, trägt das Risiko, dass eine schlechte Reihenfolge der Jahre das Kapital früher aufzehrt als gedacht, und erhält dafür die Chance, dass am Ende mehr dasteht als am Anfang. Bengen selbst hat seinen Wert später übrigens nach oben korrigiert, zunächst auf 4,5 Prozent und in seinen jüngeren Arbeiten auf 4,7 Prozent, was den vermeintlichen Abstand zu den fünf Prozent weiter zusammenschiebt.

Die Leiter hat Sprossen, die es nicht gibt

Bis hierhin war die Leiter eine Rechnung. Praktisch besteht sie aus einzelnen Anleihen mit einzelnen Fälligkeitsterminen, und für jedes Entnahmejahr braucht sie einen eigenen Jahrgang. Genau dort wird es unsauber. Am 30. Juni 2026 waren nach dem monatlichen Schuldenausweis des US-Finanzministeriums 48 verschiedene Fälligkeiten inflationsindexierter Staatsanleihen im Umlauf, verteilt auf die Jahre 2026 bis 2056. Das klingt nach genug für dreißig Sprossen.

Die Verteilung ist aber alles andere als gleichmäßig. Zwischen 2026 und 2036 liegen bis zu vier Fälligkeiten pro Jahr, danach wird es dünn. Ab 2040 gibt es je Jahr genau ein Papier. Und für die Jahre 2037, 2038 und 2039 existiert keine einzige Fälligkeit. Wer heute eine Leiter über dreißig Jahre baut, hat also drei Sprossen, die es am Markt nicht gibt, und muss diese Jahre mit früher fälligen Papieren überbrücken und das Geld zwischenparken. Damit ist der Inflationsschutz für diese Jahre nicht mehr vertraglich zugesagt, sondern hängt daran, zu welchen Bedingungen später wieder angelegt werden kann.

Die Lücke hat eine schlichte Ursache in der Emissionsgeschichte. Ein Papier, das 2037 fällig wird, hätte als zwanzigjährige Anleihe rund 2017 begeben werden müssen oder als dreißigjährige rund 2007. Zwanzigjährige inflationsindexierte Papiere hat das Finanzministerium 2009 eingestellt, und die dreißigjährige Laufzeit lief in den Jahren davor nur unregelmäßig. Wer die Mechanik verstanden hat, kann das an jeder Leiter nachprüfen, egal in welchem Land. Eine Leiter ist immer nur so lückenlos wie der Emissionskalender des Schuldners in der Vergangenheit.

Was für den deutschen Anleger dazukommt

Die naheliegende Frage ist, ob sich dieselbe Leiter in Euro bauen lässt, denn ein Anleger, der seine Ausgaben in Euro hat, will Schutz gegen die Preise im Euroraum und nicht gegen die amerikanischen. Die Antwort steht bei der Deutschen Finanzagentur. Im Umlauf sind noch genau drei inflationsindexierte Bundesanleihen mit Fälligkeit im April 2030, April 2033 und April 2046, zusammen 47,05 Milliarden Euro. Seit 2024 werden sie weder neu begeben noch aufgestockt. Das Bundesfinanzministerium hat die Entscheidung Ende 2023 damit begründet, dass die Risiken dieser Papiere für Planungssicherheit und Kosten des Bundes schwerer wögen als ihr Nutzen für die Streuung der Schulden.

Drei Fälligkeiten sind keine Leiter. Zwischen 2033 und 2046 liegen dreizehn Jahre ohne einen einzigen Jahrgang, und nach 2046 hört es ganz auf. Wer die Rechnung trotzdem machen will, muss sie in Dollar machen, und dann ändert sich der Gegenstand. Der Schutz hängt am amerikanischen Verbraucherpreisindex (CPI-U) und nicht an den Preisen, die du bezahlst. Dazu kommt der Wechselkurs, der über dreißig Jahre eine eigenständige und ungesicherte Größe ist. Aus einer Anlage mit vertraglich zugesagtem Realwert wird damit eine Anlage mit vertraglich zugesagtem Realwert in einer fremden Währung.

Der größere Abzug kommt vom Finanzamt. Nach § 32d Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes beträgt die Steuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen 25 Prozent, mit Solidaritätszuschlag 26,375 Prozent, und das Gesetz kennt keine Inflationsbereinigung der Bemessungsgrundlage. Besteuert wird also der nominale Ertrag, und bei einem inflationsindexierten Papier gehört der Inflationsausgleich dazu. Rechne es durch. Die dreißigjährige nominale Rendite lag am 19. August bei 5,19 Prozent, die reale bei 2,94, die eingepreiste Inflation also bei 2,19 Prozentpunkten. Nach Steuern bleiben nominal 3,82 Prozent, abzüglich der Inflation sind das real rund 1,60 Prozent. Von der Realrendite ist damit knapp die Hälfte weg, und die Entnahmerate über dreißig Jahre fällt von 5,06 auf 4,22 Prozent.

Eine Einschränkung gehört ausdrücklich dazu, weil sie die Rechnung im Detail verschiebt. Wann der Inflationsausgleich steuerlich anfällt, ist nicht dasselbe wie die Frage, ob er anfällt. In den Vereinigten Staaten ist die Antwort eindeutig, dort wird der Aufschlag auf den Nennwert nach der Kuponmethode der Steuerregelungen jedes Jahr dem Einkommen zugerechnet, obwohl er erst bei Fälligkeit ausgezahlt wird. Für einen in Deutschland steuerpflichtigen Anleger hängt der Zeitpunkt an der Behandlung des jeweiligen Papiers und der abführenden Stelle. Die obige Rechnung unterstellt nur, dass der Inflationsausgleich irgendwann in voller Höhe steuerpflichtig wird, nicht wann. Wer den genauen Zeitpunkt braucht, klärt ihn für das konkrete Papier und nicht an einer Faustregel. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr ändert am Bild bei größeren Beträgen wenig.

Der faire Gegenpunkt

Die stärkste Gegenrede lautet, dass der Kapitalverzehr hier gar kein Einwand ist, sondern der Zweck. Wer mit siebzig in Rente geht und einen Betrag für die verbleibenden Jahre in verlässliche Auszahlungen umwandeln will, braucht kein erhaltenes Kapital, sondern einen Betrag, auf den er sich verlassen kann. Für genau diesen Zweck ist eine Leiter das ehrlichste Instrument, das der Markt hergibt. Sie sagt vorab, wie viel jedes Jahr kommt, in welcher Kaufkraft und wann Schluss ist. Kein Fonds, keine Kennzahl und keine historische Regel leistet das mit derselben Verbindlichkeit.

Auch der Vorwurf, die Zahl sei irreführend, trifft dieses Instrument weniger als andere. Bei einem Fonds, der Substanz ausschüttet und trotzdem eine hohe Rate ausweist, verschwindet die Herkunft des Geldes in einem Zahlungsplan, den der Anbieter selbst festlegt und jederzeit ändern kann. Bei einer Leiter ist der Tilgungsplan vertraglich fixiert und vom ersten Tag an vollständig bekannt. Wer 5,06 Prozent entnimmt, weiß bei Aufbau der Leiter genau, wie viel davon eigenes Kapital ist und dass im dreißigsten Jahr die letzte Zahlung kommt. Die Zahl ist nicht intransparent, sie wird nur häufig neben eine Zahl gestellt, die etwas anderes misst.

Und schließlich ist der Verzicht auf ein Restvermögen für manche Haushalte kein Verzicht. Wer kein Erbe zu regeln hat, kauft mit dem Kapitalverzehr eine höhere laufende Auszahlung, und das ist ein rationaler Tausch und keine Falle. Die Kritik richtet sich deshalb nicht gegen die Leiter und nicht gegen die 5,06 Prozent. Sie richtet sich gegen den direkten Vergleich zweier Prozentzahlen, deren Jahreszahl und deren Risikogehalt nicht danebenstehen.

Was das für Anleger heißt

Die praktische Folge ist eine Lesegewohnheit und keine Produktentscheidung. Steht irgendwo eine Entnahmerate, ist die erste Rückfrage nicht, ob sie hoch ist, sondern über wie viele Jahre sie gilt. Ohne Jahreszahl ist die Angabe unvollständig, und zwar so unvollständig, dass sie sich mit jeder anderen Entnahmerate erst nach dem Nachrechnen vergleichen lässt. Die zweite Rückfrage lautet, ob am Ende noch etwas übrig sein soll. Wer diese beiden Fragen beantwortet hat, kann die Prozentzahl einordnen, vorher nicht.

Für den Vergleich zweier Zahlen gilt daneben, dass sie in derselben Größe stehen müssen. Die 5,06 Prozent sind eine reale Größe vor Steuern und beziehen sich auf amerikanische Preise. Wer sie mit einer nominalen Rendite vergleicht, vergleicht Verschiedenes, und wer sie als deutscher Steuerpflichtiger unbereinigt übernimmt, rechnet mit einer Zahl, die für ihn 4,22 Prozent lautet. Das ist kein Detail, das sind 84 Basispunkte über dreißig Jahre, und sie stammen allein aus der Frage, wo jemand steuerpflichtig ist.

Ob eine Leiter, ein gemischtes Depot oder eine Mischung aus beidem zu einer bestimmten Lebenslage passt, hängt von Horizont, Erbabsicht, Steuersituation und der Frage ab, wie viel Schwankung jemand aushalten will und muss. Diese Abwägung kann und will dieser Text nicht abnehmen. Was er liefern kann, ist die Zerlegung, ohne die man den Tausch gar nicht sieht. Eine Rendite ist ein Ertrag auf ein Kapital. Eine Entnahmerate ist ein Auszahlungsplan mit Enddatum. Die Zahl, die größer aussieht, ist fast immer die zweite.

Quellen

Stand der Daten. Alle Rendite- und Kurswerte beziehen sich auf den Schlussstand vom 19. August 2026, die Bestandsdaten zu umlaufenden Anleihen auf den 30. Juni 2026 (Vereinigte Staaten) beziehungsweise den Abrufstand vom 20. August 2026 (Deutschland). Renditen bewegen sich täglich, und mit ihnen jede hier gezeigte Entnahmerate. Die Rechnungen sind mit den genannten Werten reproduzierbar.

Wie gerechnet wurde. Die Entnahmeraten folgen der gewöhnlichen Rentenformel für eine nachschüssige Jahresrente, also Rate gleich Zinssatz geteilt durch eins minus dem Aufzinsungsfaktor hoch minus Laufzeit. Gerechnet wird durchgehend in realen Größen, das heißt eine Entnahme von 5,06 Prozent bedeutet einen jedes Jahr gleich hohen Betrag in heutiger Kaufkraft. Kosten für Depot, Handel und Spanne sind nicht berücksichtigt und mindern das Ergebnis zusätzlich. Die eingepreiste Inflation ist als Verhältnis von nominaler zu realer Rendite gerechnet und nicht als einfache Differenz, was für dreißig Jahre 2,19 statt 2,25 Prozentpunkte ergibt.

Was offen bleibt. Der genaue steuerliche Zeitpunkt, zu dem der Inflationsausgleich eines inflationsindexierten Papiers bei einem in Deutschland steuerpflichtigen Anleger erfasst wird, ist hier nicht abschließend geklärt und hängt vom konkreten Papier und der abführenden Stelle ab. Die Nachsteuer-Rechnung unterstellt nur die volle Steuerpflicht des Inflationsausgleichs, nicht deren Zeitpunkt. Die Angaben zur Untersuchung von 1994 stammen aus der Aufarbeitung durch die Financial Planning Association, nicht aus dem Originalaufsatz im Volltext.

Künstliche Intelligenz. Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI recherchiert und geschrieben. Alle Zahlen sind aus den oben verlinkten Primärquellen geprüft, alle Rechnungen unabhängig nachgerechnet. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei Portora.

Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und Einordnung zu allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlage- oder Anlagestrategieempfehlung im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung (EU) 596/2014 dar, ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und ersetzt keine individuelle Beratung. Genannte Wertpapiere, Indizes oder Anlageklassen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Jede Anlageentscheidung liegt in eigener Verantwortung.

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